Finanzen + Vorsorge Firma kaufen: So gelingt die Finanzierung

Eigenkapital, Mezzanine-Kapital oder Fremdkapital?  Wer eine Firma kaufen will, hat verschiedene Möglichkeiten für die Finanzierung.

Eigenkapital, Mezzanine-Kapital oder Fremdkapital? Wer eine Firma kaufen will, hat verschiedene Möglichkeiten für die Finanzierung.© KfW Bildarchiv

Wer eine Firma kaufen will, braucht Kapital. Welche Geldquellen gibt es für die Finanzierung? Von Beteiligungskapital bis Zuschüsse - ein Überblick.

Kann die Übernahme einer Firma nicht aus Eigenmitteln bestritten werden, sind andere Geldquellen notwendig. Das Feld der Möglichkeiten ist weit: Neben der Hausbank kommen auch Geschäftspartner, die Familie, private Investoren oder der Staat als Ansprechpartner in Frage. Und auch der Verkäufer der Firma kann ein wichtiger Finanzierungspartner sein. Je nach Geldgeber sind unterschiedliche Ausgestaltungen möglich.

Ein Überblick der wichtigsten Finanzierungsarten:
1. Eigenkapital

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Wer ein Unternehmen kaufen will, sollte 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital finanzieren. Das Kapital kann vom Käufer selbst stammen oder aber von Finanzierungspartnern. Spezielle Formen sind:

Beteiligungskapital
Wenn externe Kapitalgeber dem Unternehmen Geld ohne übliche Sicherheiten zur Verfügung stellen, spricht man von Beteiligungskapital. Eine langfristige Beteiligung stärkt die Bonität und damit die Verhandlungsbasis bei Bankkrediten. Um Kapitalgeber zu gewinnen, sollten die Unternehmenszahlen gut aufbereitet sein und eine schlüssige Strategie für mindestens die kommenden drei Jahre vorliegen.

Zu unterscheiden sind zwei Arten der Beteiligung: die offene und die stillen Beteiligung.
Bei einer offenen Beteiligung wird der Geldgeber Gesellschafter mit allen Rechten und Pflichten und tritt auch nach außen als Gesellschafter auf. Er partizipiert am Erfolg der Firma etwa durch Gewinnausschüttungen und eine Wertsteigerung der Unternehmensanteile.

Bei einer stillen Beteiligung zahlt der Gesellschafter eine Einlage ein, ohne Anteile zu erhalten. Er wird am Gewinn beteiligt, aber nicht am Vermögen. Hier handelt es sich um sogenanntes Mezzanine-Kapital, das unter bestimmten Voraussetzungen als wirtschaftliches Eigenkapital gilt. Mehr dazu unter „Mezzanine-Kapital“.

Kapitalgeber: Privatpersonen, Beteiligungsgesellschaften (Private Equity Gesellschaften), Family Offices, Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer

Mehr Infos: Auf der Webseite des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften können Unternehmer passende Kapitalgeber finden. Eine Übersicht der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften findet sich auf der Internet-Seite des Verbandes deutscher Bürgschaftsbanken.
Zuschüsse
Es gibt zahlreiche Förderprogramme von Bund, Ländern, Kommunen und auch der EU, die unter bestimmten Voraussetzungen Geld auch für den Kauf eines Unternehmens zur Verfügung stellen. Dieses Kapital muss weder zurückgezahlt noch verzinst werden, es ist quasi geschenkt. Ein Beispiel: Wer aus der Arbeitslosigkeit die Nachfolge in einem Unternehmen antreten will, kann bei der Arbeitsagentur einen Gründungszuschuss beantragen, um die Firma zu kaufen. Bei Hartz-4-Empfängern greift in so einem Fall das Einstiegsgeld. Außerdem gibt es zahlreiche spezielle Zuschüsse, zum Beispiel für anstehende Innovationen, die Teilnahme an Messen oder die Schulung von Mitarbeitern.

Kapitalgeber: Land, Bund, EU

Mehr Infos: Einen breiten Überblick über Zuschüsse bietet die Förderdatenbank des Bundes.
2. Mezzanine-Kapital

Mezzanine ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Banken bewerten es wie Eigenkapital, daher stärkt es die Kreditwürdigkeit behandelt. Mehr Infos gibt es hier.

Spezielle Formen sind:

Stille Beteiligung
Bei einer stillen Beteiligung zahlt der Gesellschafter eine Einlage ein, ohne Anteile zu erhalten. Er wird am Gewinn beteiligt, aber nicht am Vermögen. Dafür mischt er sich auch nicht in die Geschäftsführung ein und tritt auch nach außen nicht in Erscheinung.

Ob die stille Beteiligung als Fremd- oder Eigenkapital behandelt wird, hängt zum Beispiel davon ab, ob es im Vertrag eine Nachrangklausel gibt. Wenn der stille Gesellschafter bei einer Insolvenz nachrangig behandelt wird, wird seine Beteiligung dem Eigenkapital zugerechnet. Daneben muss die Beteiligung dem Unternehmen aber langfristig zur Verfügung stehen und der stille Gesellschafter muss auch an Verlusten beteiligt werden, bis zur vollen Höhe seiner Einlage.
Verkäuferdarlehen
Wenn ein Teil der Kaufpreisschuld in ein Darlehen des Verkäufers umgewandelt wird, spricht man vom Verkäuferdarlehen. Wenn es vertraglich als Nachrangdarlehen ausgestaltet ist, der Verkäufer sein Geld also erst nach allen anderen Gläubigern zurück bekommt, falls die Firma pleitegeht, Dann stärkt das Verkäuferdarlehen die Eigenkapitalbasis und macht dem Nachfolger den Zugang zu anderen Finanzierungsquellen leichter, weil es das Vertrauen in den Firmenkäufer stärkt.

Kapitalgeber: Unternehmensverkäufer
Fördermittel
Wie bei Zuschüssen gibt es auch beim Mezzanine-Kapital zahlreiche Förderprogramme von Bund, Ländern, Kommunen und auch der EU, die unter bestimmten Voraussetzungen Geld für den Kauf eines Unternehmens zur Verfügung stellen. Die Förderbank Kfw etwa vergibt bis zu drei Jahre nach der Übernahme Nachrangdarlehen bis zu einer Höhe von 500.000 Euro aus dem Programm „ERP-Kapital für Gründung“ (mehr dazu bei der Kfw), die bei der Hausbank beantragt werden können.

Die Besonderheit: Der Kredit wird nicht nur dem Eigenkapital zugerechnet, der Unternehmer muss auch keine Sicherheiten stellen, sondern lediglich seine Qualifikation als Unternehmer nachweisen. Eine persönliche Haftung ist jedoch erforderlich. Voraussetzung für das ERP-Kapital sind 15 Prozent Eigenmittel. Zusammen mit den Eigenmitteln können bis zu 45 Prozent des Kaufpreises und der notwendigen Investitionen finanziert werden.

Öffentliche Fördermittel müssen immer vor der Übernahme beantragt werden. Rückwirkend geht nichts. Normalerweise dürfen die öffentlichen Fördermittel von Bund und Land nicht mehr als drei Viertel der förderfähigen Bemessungsgrundlage ausmachen. Das heißt, bei einem Kaufpreis von einer Million Euro dürfen maximal 750.000 Euro mit Fördermitteln finanziert werden.

Kapitalgeber: öffentliche Förderbanken; KfW

Mehr Infos: Einen breiten Überblick über Förderprogramme bietet die Förderdatenbank des Bundes.
3. Fremdkapital

Schulden können in diversen Formen und von unterschiedlichsten Geldgebern aufgenommen werden:

Bankdarlehen
Finanzierungslücken werden in den meisten Fällen durch ein Darlehen bei der Hausbank geschlossen. Hier ist es vor allem wichtig, rechtzeitig zu planen. Banken wollen exakt durchkalkulierte Businesspläne, um sich ein Bild von den zukünftigen Chancen des Unternehmens unter neuer Führung zu machen. Ihre Anfrage wird die Bank nicht innerhalb weniger Tage beantworten können – rechnen Sie daher ausreichend Zeit ein.

Um den Kauf eines Unternehmens und nötige Investitionen zu finanzieren, kann der Nachfolger einen Investitionskredit aufnehmen. Die Höhe sollte von den Erträgen der Firma abhängen. Experten empfehlen eine Höhe, die in vier bis sieben Jahren zurückzahlbar ist.

Kapitalgeber: Geschäftsbanken
Private Darlehen
Privatkredite bieten einen großen Spielraum. Darlehenshöhe, Laufzeit, Zinsen, Sicherheiten, Zahlungs- und Tilgungsmodalitäten, Verzugszinsen sowie Kündigungsrechte sollten vertraglich geregelt werden. Der Handschlag ist dabei keine gute Basis. Damit es keinen Ärger gibt, sollten Kreditverträge immer schriftlich formuliert sein. Die Zinsen für private Darlehen können Unternehmer im Regelfall steuerlich als Betriebsausgaben absetzen.

Kapitalgeber: Familie, Bekannte, Kunden, Geschäftspartner, private Anleger
Förderdarlehen
Die KfW und die Förderbanken der Länder unterstützen Unternehmensnachfolger, also auch Firmenkäufer, mit öffentlich geförderten, zinsgünstigen Krediten. Es gibt die verschiedensten Modelle und Varianten. Viele Darlehenstypen bieten zum Beispiel zum Beginn der Kreditlaufzeit tilgungsfreie Jahre.

Entscheidend für viele Nachfolger ist auch die Haftungsfreistellung, die es bei vielen Förderdarlehen gibt. Sie reduziert das Ausfallrisiko für die Hausbank, sodass diese auch bei nicht ausreichenden Sicherheiten eher bereit ist, einen Kredit zu gewähren.

Die meisten Förderkredite der Förderbanken der Länder und der bundesweit tätigen KfW wie etwa der ERP-Gründerkredit, der KfW-Unternehmerkredit oder Kredite aus dem ERP-Regionalförderprogramm werden über die Hausbank beantragt.

Kapitalgeber: KfW, Förderbanken der Länder

Mehr Infos: Eine Übersicht der Förderbanken gibt es hier.
Damit es mit dem Kredit klappt: Bürgschaften

Für Darlehen werden oft Besicherungen gefordert, etwa Beleihungen von Lebensversicherungen oder Grundbesitz. Wenn der Nachfolger nicht genügend Sicherheiten bieten kann, helfen Bürgschaften weiter. Diese können Privatpersonen geben. Unternehmer erhalten sie aber zum Beispiel auch von den Bürgschaftsbanken, die es in jedem Bundesland gibt. Sie übernehmen gegenüber dem Kreditgeber Ausfallbürgschaften für bis zu maximal 80 Prozent des Kredits und bis zu einem Höchstbetrag von 1,25 Mio. Euro.

Bei einem größeren Bürgschaftsbedarf springen auch die Bundesländer selbst mit Landesbürgschaften ein. Normalerweise beantragt die Bank die Ausfallbürgschaft, es gibt aber auch Bürgschaften ohne Bank. Für die Bürgschaft müssen Nachfolger in der Regel eine einmalige Bearbeitungsgebühr sowie eine jährliche Provision von ca. einem Prozent des Kreditbetrags zahlen.

Bürgen: Bürgschaftsbanken, Landesbanken

Mehr Infos: Nähere Angaben zur Beantragung von Bürgschaften und Kontaktdaten der Bürgschaftsbanken der Bundesländer finden Sie auf der Internet-Seite des Verbandes deutscher Bürgschaftsbanken.

Einen breiten Überblick über Förderprogramme und Zuschüsse bietet die Förderdatenbank des Bundes.


Unternehmenskauf via Internet

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