Businessplan schreiben 10 Tipps für Gründer

Einen Businessplan schreiben ist wichtig für Investoren, Kreditgeber - und die Gründer selbst.

Einen Businessplan schreiben ist wichtig für Investoren, Kreditgeber - und die Gründer selbst.© Marco2811 / Fotolia.com

Worauf Gründer beim Schreiben eines Businessplans achten sollten: So überzeugen Sie nicht nur Investoren und Kreditgeber, sondern prüfen auch die Erfolgschance Ihrer Geschäftsidee.

Mega-nervig sei es gewesen, den Businessplan zu schreiben, erzählt Inga Koster. Trotzdem will sie die Erfahrung nicht missen. Sieben Jahre sind inzwischen vergangen, seit die Mitgründerin und Geschäftsführerin von True Fruits in Bonn den Grundstein für ihr Unternehmen legte: Sie schrieb ihren Businessplan nicht nur für die Firma, sondern auch noch als Diplomarbeit.

Dafür hatte Koster sich bei Verbänden und Unternehmen aus der Branche schlau gemacht, Zahlen eingeholt und daraus Prognosen über die Marktchancen ihres Startups abgeleitet. Das war mühsam und langwierig, doch es hat sich gelohnt: Am Ende hielt Koster die wirtschaftliche Blaupause für einen Fruchtsafthersteller in den Händen, die Essenz des eigenen Unternehmens auf dem Papier. „Einen Businessplan schreibt man vor allem einmal für sich selbst“, weiß die Gründerin inzwischen.

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Ein Businessplan geht der Frage nach, die jeden Gründer umtreibt: Ist die eigene Geschäftsidee erfolgversprechend? Im Aufbau folgt er stets demselben Muster: Executive Summary, Produkt- und Geschäftsbeschreibung, Markteinschätzung und Vertriebsmodell, Chancen- und Risikoanalyse und – als wichtigster Punkt zum Schluss – die Finanzplanung.

Das klingt nach Schema F, ist aber ein kreativer Kraftakt. „Gründer müssen im Businessplan die Einzigartigkeit ihrer Geschäftsidee beweisen und eine verlässliche Zukunft vorhersagen“, sagt Jörg Püschel, Banker, Businessplan-Gutachter und Gründercoach beim Verein Neues Unternehmertum Rheinland (NUK). „Nur so können sie ihre Geschäftsidee auf Herz und Nieren prüfen.“

10 Tipps für einen überzeugenden Businessplan

1. Schon die Einleitung mit Fakten spicken
Wenn Gründer ihre Idee im sogenannten Executive Summary nicht kurz und knackig auf den Punkt bringen, liest ein möglicher Investor gar nicht erst weiter. „Schon die Zusammenfassung sollte mit Fakten gespickt sein“, rät Gutachter Püschel. Was kann das Produkt, das entwickelt wird, welche Zielgruppen spricht es an, auf welchen Kanälen wollen die Gründer ihre Kunden künftig erreichen? Welche Konkurrenten gibt es am Markt und wie werden sich die Gründer von ihnen unterscheiden? Diese Fragen interessieren Banker, Investoren und Wettbewerbsjuroren von Anfang an. Gründer sollten sie deshalb direkt beantworten.“

2. Mit Zahlen überzeugen
Der Umsatz eines Unternehmens ist die verkaufte Menge multipliziert mit dem Preis. Eine einfache Rechnung mit großer Wirkung. Doch für viele Business­plan-Schreiber ist schon das eine Herausforderung. Denn während die Gründer über ihrem Businessplan brüten, haben sie oft noch kein einziges Stück verkauft, auch Marketing- und Vertriebsstrategien existieren nur auf dem Reißbrett. „Ich erwarte, dass sich zukünftige Gründer auf plausible Zahlen festlegen“, sagt Gründertrainer Püschel.

Neben der Umsatzprognose legen Businessplan-Leser besonderen Wert auf:

  • eine Marktanalyse mit Absatzchancen,
  • eine Vorausschau auf Kosten für Entwicklung und Personal in den kommenden fünf Jahren und
  • eine Finanzplanung mit Cash-Flow-Analyse.

3. Kritikpunkte selbst ansprechen
Es muss nur ein großes Unternehmen die Idee kopieren, schon seid ihr weg vom Fenster, hieß ein häufig genannter Kritikpunkt an Inga Kosters Geschäftsidee, Säfte aus püriertem Obst in Glasflaschen zu verkaufen. Die True-Fruits-Gründerin recherchierte und diskutierte das vermeintliche Risiko in ihrem Businessplan; Lösung inklusive: Die Branchengrößen, so ihre Argumentation, hätten an einem so komplexen Produkt mit einer teuren und aufwendigen Verpackung wie Glas gar kein Interesse, sondern konzentrierten sich mehr auf preiswerte Massenprodukte. True Fruits hätte so eine gute Chance, sich gegen viel größere Konkurrenten durchzusetzen.

Mit dieser Erklärung wurde aus der Schwäche eine Stärke, Koster nahm Kritikern den Wind aus den Segeln. Und sieben Jahre, nachdem sie mit ihren Mitgesellschaftern die Geschäftsidee in ihrem Businessplan entwickelte, gehört True Fruits selbst zu den Branchengrößen.

4. Kompetenzen vereinen
Im Businessplan sollten Gründer deutlich machen, dass ihre Teammitglieder Experten auf unterschiedlichen Gebieten sind. So erscheinen sie nicht nur kompetent, sondern das Start-up kommt auch eher mit der Arbeit voran. Ein Vorteil gegenüber externen Mitarbeitern für bestimmte Arbeiten: Teammitgliedern zeigen häufig mehr Elan.

5. Hilfe annehmen
Das Schreiben eines Businessplans ist für Grün­der eine Herausforderung. Experten empfehlen deshalb, das breite Beratungsangebot zu nutzen. Businessplanwettbewerbe bieten Workshops und Fortbildungen an, sie stellen unerfahrenen Gründern gestandene Unternehmer und Manager als Berater zur Seite.

Feste Deadlines sorgen für den nötigen Zeitdruck. Die staatliche Förderbank KfW unterstützt Business­plan-Schreibhilfen außerdem mit dem Projekt „Gründercoaching Deutschland“.

6. Einfache Wörter wählen
Gründer sollten nicht erwarten, dass ein potenzieller Investor alle Gepflogenheiten der Branche kennt, selbst wenn er bereits ähnliche Start-ups finanziert. Geldgeber sind in der Regel Generalisten, die Gründer Experten auf einem ganz bestimmten Gebiet. Ein Businessplan sollte deshalb für Laien verständlich und logisch aufgebaut sein.

Fachwörter und komplizierte Technik sollten erklärt werden, zum Beispiel in einem Glossar im Anhang. „Schreibe deinen Businessplan so, dass ihn auch ein Kind versteht“, rät Uwe Twachtmann, Gründercoach aus Hamburg: „Vertiefende Details gehören ebenfalls in den Anhang.“

7. Die Finanzen im Griff haben
Experten raten, mehrere Finanzpläne aufzustellen. Dabei hilft ein Gedankenspiel: Wie kann sich das Geschäft entwickeln, wenn alles prima läuft? Was brauchen Gründer bei einem schlechteren Start mindestens, um über die Runden zu kommen? Mit einem Best- und Worst-Case-Szenario bekommen Gründer und Geldgeber ein Gefühl für das Unternehmen.

8. Ernstfall bedenken
Bei aller Euphorie sollten Gründer den Ernstfall nicht vergessen. Was tun bei Streit? Oder wenn die Chemie nicht stimmt? „Gründer sollten sich unbedingt auch über die Auflösungskonditionen des Gesellschaftervertrags einig sein“, rät Püschel. „Jede Gründung ist immer nur eine Partnerschaft auf Zeit.“

Machen angehende Unternehmer sich diese Gedanken schon im Businessplan, handeln sie nicht nur als kompetente Geschäftsleute, sondern erleichtern sich zudem das Leben nach dem Startschuss.

9. Vorlagen nutzen
Zwar ist beim Businessplan-Schreiben Kreativität gefragt, Businessplan-Profis empfehlen etwa kreative Denkmethoden wie das „Business Model Canvas“ von Alexander Osterwalder, bei dem Gründer ihre Geschäftsidee auf einer Leinwand entwerfen. Mit dieser Technik können Gründer das Executive Summary ihres Business­plans informativ und kreativ gestalten.

Doch Business­plan-Leser legen auch großen Wert auf Vollständigkeit. Gründer können dazu gut Gratis-Vorlagen aus dem Internet zurate ziehen, damit sie keine Rubrik vergessen. Die gibt es etwa von den Industrie- und Handelskammern oder bei der KfW-Förderbank.

10. Mit Herz und Seele Gründer sein
Neben den Zahlen wollen Investoren den Menschen hinter der Gründung kennen lernen. Sie fragen sich: Ist einer mit Herz und Seele dabei? Der Einsatz zählt, ihr Engagement müssten Start-ups unbedingt im Businessplan rüberbringen. Deshalb gehört auch immer eine Übersicht aller Teammitglieder samt ihrer persönlichen Stärken und Schwächen in den Plan, außerdem ein tabellarischer Lebenslauf – und Fotos.

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