IT+Technik Diese SEO-Fehler sollten Unternehmer vermeiden

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Neue Anforderungen an die Suchmaschinenoptimierung: Mit dem nächsten Google-Update wird die mobile Optimierung der Seiten berücksichtigt.

Neue Anforderungen an die Suchmaschinenoptimierung: Mit dem nächsten Google-Update wird die mobile Optimierung der Seiten berücksichtigt.

Für Webseiten gilt: je weiter vorne bei Google & Co., desto besser. Suchmaschinen-Experte Sebastian Erlhofer erklärt im impulse-Interview, wie Unternehmer ihre Homepage optimieren können - und welche Fehler vor allem kleine und mittlere Betriebe machen.

Egal ob Friseur, Handwerker oder Kaufhaus: Kunden suchen heute vor allem im Internet nach Adressen und Produkten. Suchmaschinen-Experte und Buchautor Sebastian Erlhofer erklärt im impulse-Interview, wie Unternehmer die Sichtbarkeit Ihrer Homepage erhöhen können. Nachfolgend lesen Sie den zweiten Teil des Interviews, den ersten Teil des Gesprächs finden sie hier: SEO-Tipps für Unternehmer I: Lokale Suchmaschinenoptimierung und praktische Tools.

impulse: Welchen Einfluss hat ein Google+-Profil auf das Ranking?

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Erhofer: Google hat mit Google+ versucht, Facebook Konkurrenz zu machen. Einige Entlassungen aus dem Team und kürzliche Veröffentlichungen lassen darauf schließen, dass es nicht so gut um Google+ steht. Dennoch ist der Dienst in alles eingebunden – man kann auf YouTube nur noch mit Google+-Account kommentieren, man kann Google-Dienste nur noch mit einem Google-Account nutzen. Auf das organische Ranking direkt hat ein Google+-Profil noch keinen Einfluss. Für die lokale Optimierung ist jedoch ein Places-Eintrag notwendig, der mittlerweile eine Google+-Unternehmensseite ist. Hier sieht man schön, wie Google sein soziales Netzwerk zu integrieren versucht. Für eine professionelle Suchmaschinenoptimierung gehört Google+ also dazu – auch wenn soziale Signale in Fachkreisen weder von Google+ noch von Facebook derzeit als direkte Rankingfaktoren gelten.

Welche Fehler kommen häufig bei Websites von Mittelständlern vor und wie kann man sie vermeiden?

Ungeduld, Online-Scheu und mangelndes Budget sind aus zwölf Jahren Agenturarbeit mit Mittelständlern die Hauptgründe für schlechte Ergebnisse in der Suchmaschinenoptimierung. Ungeduldig sind Unternehmer deswegen häufig, weil Suchmaschinenoptimierung zu kurzfristig und einmalig verstanden wird. SEO ist aber kein Messeauftritt, wo man für ein paar Wochen davor und danach ordentlich Dampf macht und danach alles wieder liegen lässt. SEO sollte über zwei bis drei Jahre in das Marketing-Orchester aufgenommen werden.

Online-Scheu als zweiter Grund ist vor allem bei produzierenden Mittelständlern sehr häufig vertreten und hemmt jegliche Optimierungsmaßnahmen und damit auch Online-Erfolge. Die Scheu äußert sich darin, dass beispielsweise nur der Geschäftsführer Texte für die Website schreiben möchte – oder zumindest nochmal komplett gegenlesen muss. Oder dass spannende Erkenntnisse aus der Praxis nicht veröffentlicht werden, weil man Angst hat, dass die Mitbewerber dann zu viel erfahren. Diese und ähnliche Gründe stehen im krassen Gegensatz zum schnelllebigen Internet und vor allem zu interessierten potenziellen Kunden, die mittlerweile mehr als nur reines Werbe-Blabla auf Websites lesen möchten.

Und schließlich das häufig mangelnde Budget. Wir erhalten wöchentlich bei mindshape Anfragen, ob man für 300 Euro nicht in einem hart umkämpften Bereich optimieren könnte. Wir lehnen dann immer ab – nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil mittlerweile auch bei der Suchmaschinenoptimierung in vielen Branchen viel Geld investiert wird. Und wenn zehn Unternehmen verschiedenen Agenturen beispielsweise drei Personentage monatlich an Budget zur Verfügung stellen, dann kommt man mit einem halben Tag einfach nicht dagegen an. Die Alternativen, dann mit einem niedrigen Budget entsprechende Nischen anzugehen, scheitern häufig an den beiden zuvor genannten Gründen.

Begriffs-1×1

  • SEO: „Search Engine Optimization“ oder zu deutsch „Suchmaschinenoptimierung“
  • Organisches Suchmaschinenranking: Organische Suchergebnisse sind inhaltlichen Beiträge, also keine Anzeigen. Auf der ersten Seite der Google-Ergebnisse finden sich zehn organische Ergebnisse.
  • Lokale Optimierung Lokale Suchmaschinenoptimierung konzentriert sich im Gegensatz zur überregionalen SEO auf ein bestimmtes Gebiet, meist eine Stadt oder einen engeren Kreis (mehr dazu hier).
  • Google My Business: Damit ein Unternehmen auf der Landkarte von Google angezeigt wird, muss es bei Google My Business – bislang kostenlos – registriert sein.
  • Konversionsoptimierung: Die Konversationsrate beschreibt das Verhältnis zwischen Webseitenbesuch und tatsächlich getätigtem Kauf. Eine Optimierung soll dieses Verhältnis verbessern.

Wann straft Google Website ab?

Google hat in den letzten zwei Jahren erfolgreich die Qualität von Websites als Maßstab für die Rankings etabliert. Namentlich mit dem Panda- und dem Pinguin-Update. Das Panda-Update fokussiert sich in der aktuellen Version 4.0 sehr stark auf die inhaltliche Qualität einer Website. Man sollte darauf achten, dass die Absprungraten der Besucher bei unter 40 Prozent liegen. Wenn das nicht so ist, leitet Google daraus ab, dass die Website für Besucher offensichtlich nicht interessant ist und man hängt in einer Panda-Abstrafung. Das bedeutet, dass man sich mit seiner Website in den Rankings 20-30 Plätze weiter hinten wieder findet – also quasi unsichtbar wird. Kopierte Inhalte oder identische Inhalte, sogenannter Duplicate Content, sind ebenfalls ein Panda-Kriterium. Leider muss das gar nicht absichtlich von den Website-Betreibern eingesetzt werden. Vor allem Shops mit fremden Produktbeschreibungen sind häufig betroffen.

Das Pinguin-Update schaut nicht auf die Website, sondern auf deren Linkprofil. Sind in der Vergangenheit viele Katalog-Links aufgebaut worden oder Links gekauft worden, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstrafung recht hoch.

Beide Updates haben besonders große Auswirkungen auf den Besuchertraffic und damit direkt oder indirekt den Umsatz einer Website. Das kann bei Online-Shops oder Dienstleistungsbetrieben schon sehr stark an die Existenz gehen. Insofern rate ich bei einer Abstrafung immer dazu, einen Experten zu konsultieren. Denn die Abstrafungen sind nicht immer einfach zu beheben und Google kommuniziert lediglich manuelle Abstrafungen über die Webmaster-Tools. Ein typisches Zeichen ist übrigens, wenn der Traffic über Google stetig über Monate abnimmt. Das Tool Sistrix bietet eine kostenlose Überprüfung der Website an, ob sie von einem Google-Update positiv oder negativ beeinflusst wurde.

Wie wird der Erfolg gemessen?

Jedes Unternehmen definiert den Erfolg der Website anders, zum Beispiel über die sogenannten KPI (Key Performance Indikatoren). Das sind Kennwerte, die den Optimierungszustand der Website beschreiben, beispielsweise Rankings oder Besucherzahlen. Meistens sind diese Kennzahlen aber nur Zwischenwerte für den eigentlichen Erfolg – nämlich eine Anfrage oder einen Kauf. SEO ist daher heute mehr, als nur Traffic zu generieren. Modernes SEO schließt auch die Konversionsoptimierung und die Nutzererfahrung auf der Website mit ein.

Wie schreibt man einen SEO-Text für die Website?

Das ist eine gute Frage, die man sehr umfangreich beantworten müsste. Um es trotzdem kurz zu machen: Man sollte keine Texte für Suchmaschinen schreiben. Das Ziel sollte sein, einen wirklich hilfreichen, informativen und ehrlichen Text zu einem Thema zu schreiben. Übertrieben formuliert könnte man sagen: Schreiben Sie den besten Text zu einem Thema, den es im deutschsprachigen Web gibt. Dann ist dieser Text auch suchmaschinenoptimiert. Google liebt Texte, die für Nutzer auf ein ganz spezifisches Problem ausgerichtet sind. Sie sollten lange, vollständig, umfassend, authentisch und extrem hilfreich sein. Idealerweise stellt man sich beim Schreiben eine Person vor, die eine ganz bestimmte Suchanfrage in Google eingibt und versucht dann, genau dafür einen Text zu schreiben. Dann sind die rund 40 textlichen und inhaltlichen Faktoren, die für SEO-Texte relevant sind meist schon ordentlich abgedeckt.

 

sebastian_erlhofer_120x120 Sebastian Erlhofer (34) ist begeisterter Online-Marketer mit Fokus auf Suchmaschinenoptimierung. Er gründete 2002 aus dem
Medienwissenschaftsstudium heraus die Internetagentur mindshape GmbH und betreut mit 10 Mitarbeitern mittelständische Unternehmen. Im Jahr 2014 hat er das Standardwerk „Suchmaschinen-Optimierung“ in der siebten Auflage herausgebracht.

 

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