DLD-Konferenz 2016 Wie Whatsapp den Umsatz kleiner Unternehmen steigern will

WhatsApp ist derzeit eine der meistgeladenen Apps in Deutschland.

WhatsApp ist derzeit eine der meistgeladenen Apps in Deutschland.© WhatsApp

Gründer Jan Koum will Whatsapp künftig kostenlos anbieten. Auf der Münchner DLD-Konferenz sprach er über die Zukunftspläne der Messenger-App.

Jan Koum bleibt sich treu. Genau wie vor zwei Jahren tritt der Whats-App-Gründer im etwas zu eng sitzenden John-Deere-T-Shirt auf die Bühne der Münchner Tech-Konferenz DLD. Damals, wenige Wochen vor der Übernahme durch Facebook für 19 Milliarden Dollar, nutzten mehr als 400 Millionen Menschen auf der ganzen Welt seinen Messenger-Dienst. Heute sind es mehr als doppelt so viele. Bald werden eine Milliarde Menschen mit der App Nachrichten schreiben, Bilder teilen oder Anrufe tätigen.

Bislang kostet das die Nutzer weniger als einen Euro im Jahr, was viele Menschen dazu bringt, mehr und mehr auf SMS und andere Dienste klassischer Mobilfunkanbieter zu verzichten. Künftig soll Whatsapp völlig kostenlos sein, sagte Koum am Montag in München.

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„Die Übernahme hat uns erlaubt, uns auf Wachstum zu konzentrieren und nicht ans Geldverdienen zu denken“, sagte Koum. Stattdessen wollen er und seine aktuell 120 Mitarbeiter damit beginnen, anderen Wege zu finden, um Geld zu verdienen. Klassiche Werbung schließt Koum für Whatsapp aber aus.

Die Zielgruppe via Whatsapp erreichen

„Die Hälfte unserer alltäglichen Kommunikation besteht aus Kontakten mit Freunden und Familie, die andere Hälfte ist geschäftlicher Natur, doch das passiert bislang kaum über Whatsapp, noch immer dominiert das Telefon“, sagte Koum, der selbst wegen seines ukrainischen Akzents nur ungern telefoniert, weil er so oft nicht verstanden werde, wie er verriet. „Wenn ich einen Tisch im Restaurant reservieren will, muss ich anrufen, erreiche niemanden oder verstehe nichts, weil es im Hintergrund so laut ist. Das geht einfacher.“ Whatsapp wolle die Kommunikation zwischen Unternehmen und Konsumenten genauso verändern wie die zwischen Privatleuten.

Gerade für kleine Geschäfte könnte Whatsapp zu einem wichtigen Kommunikationskanal werden, um mit alten und neuen Kunden in Kontakt zu treten. Wie genau die neuen Anwendungen aussehen könnten, verriet Koum nicht, noch sei keine einzige Zeile Code geschrieben. Wohin sich der Messenger-Dienst entwickeln könnte, zeigt der chinesische Rivale WeChat, der wie selbstverständlich auch von Unternehmen genutzt wird und bereits Bezahlfunktionen in den Dienst integriert hat. Firmen könnten für spezielle Dienste zahlen, glaubt Koum, wenn sie merken, dass sie via Whatsapp ihre Zielgruppe erreichen.

Whatsapp-Gründer Jan Koum

Whatsapp-Gründer Jan Koum© DLD

Die Zusammenarbeit mit Facebook

Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit der Mutterfirma Facebook sagte Koum, dass die Zusammenarbeit Neuerungen wie die Whatsapp-Telefonie beschleunigt habe, da man auf die Ressourcen des sozialen Netzwerks zurückgreifen könne. Zugleich betonte der gebürtige Ukrainer die Unabhängigkeit von Whatsapp, das nach wie vor wie ein Start-up agiere. So würden seine Leute die Software unabhängig von Facebook entwickeln, das mit seinem eigenen Messenger-Programm zudem einen anderen Ansatz verfolge.

Forderungen nach einer Möglichkeit für Behörden, die Verschlüsselung auszuhebeln, erteilte Koum eine klare Absage. „Gerede über Hintertüren ist nicht besonders produktiv, weil wir keine Hintertüren in unsere Software einbauen werden“, sagte er. Wenn es einen solchen Zugang für Ermittler gebe, würde er auch von Online-Kriminellen entdeckt werden.

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