Management Chefin mit 18

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Wie setzt man sich durch, wenn man mit 18 Chefin eines Werkzeughandels wird? Vanessa Weber ist es gelungen, den Umsatz ihres Familienunternehmens in zehn Jahren zu verfünfachen.

Wie setzt man sich durch, wenn man mit 18 Chefin eines Werkzeughandels wird? Vanessa Weber ist es gelungen, den Umsatz ihres Familienunternehmens in zehn Jahren zu verfünfachen. © Steffi Henn

Vanessa Weber war gerade volljährig, da stieg sie in den Betrieb ihrer Familie ein – einen Werkzeughandel. Wie verschafft man sich in so einer Männerbranche Respekt? Die impulse-Bloggerin über Frauen in Männerwelten und den Vorteil, unterschätzt zu werden.

Als mein Vater mich bat, unseren Familienbetrieb zu übernehmen, war ich ein Exot. Der Werkzeughandel ist eine Männerbranche, da erwartet man starke Kerle mit starken Maschinen. Ich war ein 18-jähriges Mädel. Niemand, der mit mir sprach, kam auf die Idee, dass ich die Chefin sein könnte.

Gerade ältere Kunden fragten oft: Kann ich mal einen Mann sprechen? Diese Frage hatte nichts mit meinem Alter zu tun. Auch meine Mutter hat sich das anhören müssen. Aber diese Kundengeneration stirbt aus. Heute höre ich das nicht mehr.

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Wie sollte man sich am besten Verhalten, wenn man wegen seines Geschlechts, seines Alters, seines vielleicht ganz netten Aussehens nicht ernst genommen wird? Es gibt sicher keine Patentlösung – aber Erfahrungen.

1. Nicht kleinreden lassen

Ich habe mich nie auf eine Diskussion eingelassen. „Ich bin die Chefin hier. Wenn sie etwas wollen, sprechen sie mit mir.“ Dann gab es komische Blicke, aber die meisten haben mir doch von ihrem Anliegen erzählt. Wer kein Einsehen hatte, hatte eben Pech gehabt. Man darf sich nicht kleinreden lassen.

2. Unterschätzt zu werden, bietet Chancen

Eigentlich hat mich jeder, dem ich zum ersten Mal begegnete, unterschätzt. Das war total super – auch wenn mir erst später klar wurde, welche Chancen sich bieten, wenn die Leute keine Erwartungen haben. So hatte ich schließlich die Möglichkeit, die Erwartungen der Kunden um ein Vielfaches zu übertreffen. Die Hürde war so niedrig, da konnte ich spielend drüberhüpfen. Schließlich verstehe ich sehr viel von Werkzeug, habe unzählige Produktschulungen gemacht. Ich konnte den Kunden also helfen. Dann hatte ich einen Stein im Brett. Die vergessen mich nicht.

3. Frauen müssen nicht kompetenter sein – aber selbstbewusster

Oft wird gesagt, dass Frauen in Männerbranchen kompetenter als die Herren seien müssen, um anerkannt zu werden. Das glaube ich nicht. Man muss nicht mehr wissen, aber man muss seine Kompetenz mehr beweisen. Bei einem Mann wird eher vorausgesetzt, dass er kompetent ist. Als Frau muss man das zeigen.

Frauen kommen sich, wenn sie vor Chefs – oder in meinem Fall Geschäftspartnern – über ihre Leistungen sprechen, oft angeberisch vor. Aber das muss man lernen. Es erkennt niemand von allein, was man drauf hat, wenn man es nicht offensiv präsentiert.

4. Nicht verstecken

Selbstbewusst aufzutreten ist daher ganz zentral. Ich habe daher das Thema Persönlichkeitsentwicklung immer auf der Agenda, belege auch Seminare, habe Workshops zum Thema Führung gemacht.

Mit 18 war das noch anders. Da habe ich einfach meinem Vater nachgeeifert. Ich dachte, dass ich wie ein Mann reden, auftreten und entscheiden muss, wenn ich in einer Männerwelt erfolgreich sein will.

Ich lief sogar rum wir ein Mann: Hose, Pulli, Haare zum Pferdeschwanz. Auf Alternativen bin ich gar nicht gekommen, ich bin ja nun nicht in einem „Wir kaufen Handtaschen und schöne Schuhe“-Umfeld groß geworden.

Mein Aha-Effekt, wie ich mich authentisch präsentieren kann, kam durch eine Stilberatung. Ich hatte das Glück, dass meine Freundin Corina Schlundt gerade ihre Firma Layos gegründet hatte und Farb-, Stil- und Image-Coachings für Selbständige anbot. Zu ihr hatte ich Vertrauen und wir konnten ganz offen an meinem Kleidungsstil arbeiten. Corina zeigte mir die Tricks der Profis. Besonders aber sensibilisierte sie mich dafür, dass es beim eigenen Look nicht um eine Rolle geht, die man spielt. Sondern darum, sich selbst treu zu bleiben und seine Persönlichkeit zu unterstreichen. Seitdem hole ich mir immer mal wieder ihren professionellen Rat ein (und zusammen zu shoppen macht ja auch noch Spaß).

Heute weiß ich, dass es Quatsch ist, dass man sich wie ein Mann verhalten muss, um aufzusteigen oder ein Unternehmen zu führen. Viel wichtiger ist es, seinen eigenen Führungsstil zu entwickeln.

5. Ein Businessessen ist kein Flirt

Man mag es kaum glauben, aber es gibt sie noch immer: blöde Anmachen, mit denen Männer Frauen – vielleicht auch unbewusst – total degradieren. So etwas wie: „Immer wenn Sie ärgerlich sind, sind Sie besonders hübsch.“ Es ist mir als ganz junge Frau sogar schon passiert, dass auf einem Kongress nachts plötzlich ein männlicher Teilnehmer vor meinem Bett stand – ich hatte damit gerechnet, dass die Hoteltür sich von außen nicht öffnen ließ. Ein Irrtum.

Ich halte es – für Männer und Frauen – für wichtig, sich bewusst zu machen, worum es bei einem Unternehmerabend, einem Kongress oder einem Netzwerktreffen geht. Wer Kontakte knüpfen will, die sich geschäftlich auszahlen, der sollte Businessmeetings nicht mit einem Flirt verwechseln. Da erreicht man vielleicht andere Ziele – aber keine geschäftlichen.

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