Ferienjobber einstellen Das müssen Unternehmen bei Ferienjobs beachten

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An die Arbeit! Arbeitgeber, die Ferienjobber einstellen wollen, sollten sich allerdings vorher über die Rechtslage schlau machen.

An die Arbeit! Arbeitgeber, die Ferienjobber einstellen wollen, sollten sich allerdings vorher über die Rechtslage schlau machen.© AndreasF. / photocase.de

Müssen Unternehmen Ferienjobber anmelden? Ihnen den Mindestlohn zahlen? Haben Ferienjobber einen Urlaubsanspruch? Der große Überblick über Rechte und Pflichten des Arbeitgebers - pünktlich zum Ferienbeginn.

In fünf Bundesländern haben die Ferien bereits begonnen, die anderen folgen in den nächsten Wochen und auch die Universitäten schließen demnächst ihre Tore für den Sommer: Ferienjob-Hochsaison! Der Aushilfsjob in den Ferien ist nicht nur für Schüler und Studenten attraktiv, die ihren Kontostand aufbessern wollen. Auch für Unternehmen lohnt es sich, Ferienjobs anzubieten – nicht nur, um Engpässe in der Urlaubszeit abzufedern: Wer einen fähigen Ferienjobber für sein Unternehmen begeistert, hat später womöglich einen guten Azubi oder Absolventen an der Hand.

Nach einem Rat der Bundesagentur für Arbeit (BA) sollten Firmen diese Möglichkeit stärker nutzen als bisher. „Mit einer Ferienarbeit im Betrieb könnten sich Schüler durchaus für eine spätere Ausbildung begeistern“, davon ist BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker überzeugt. Umgekehrt könnten beim Ferienjob Bilder vom angeblichen Traumjob zurechtgerückt werden. „Denn nichts ist ärgerlicher als ein Ausbildungsabbruch, weil Azubi und Unternehmen falsche Vorstellungen voneinander hatten.“

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Nach Beckers Angaben waren Ende Mai noch 465.000 junge Leute auf der Suche nach einer Lehrstelle. Ihnen standen 478.000 freie Lehrstellen gegenüber. Nach einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lag die Abbrecherquote bei Lehrstellen 2013 bei knapp 25 Prozent – mit steigender Tendenz. Grund genug also, Ferienjobs für die Nachwuchsgewinnung zu nutzen. Unternehmen, die Ferienjobber einstellen wollen, müssen jedoch einige Grundregeln beachten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wen kann ich als Ferienjobber einstellen?

Die klassischen Ferienjobs sind für Jugendliche ab 15 Jahren erlaubt – aber nur mit Zustimmung der Eltern. Kinder unter 13 Jahren dürfen gar nicht arbeiten, bis 15 Jahren nur maximal zwei Stunden pro Tag. Minderjährige dürfen höchstens an 20 Tagen im Jahr arbeiten. Viele Unternehmen setzen auch gerne Studenten als Aushilfen während der Semesterferien ein. Für sie gelten weniger Vorschriften zum Arbeitsschutz als für Schüler.

Für welche Arbeiten kann ich Ferienjobber einsetzen?

Unternehmen dürfen Jugendliche unter 18 nicht ans Fließband stellen oder Akkord arbeiten lassen. Minderjährige Ferienjobber dürfen zudem nicht für körperlich anstrengende Arbeiten eingesetzt werden. Ansonsten gibt es keine Beschränkungen bei der Art der Arbeit.

Was muss ich bei der Arbeitszeit der Ferienjobber beachten?

Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in der Regel nur zwischen sechs und 20 Uhr arbeiten. Ausnahmen gibt es für die Gastronomie (bis 22 Uhr) und für Bäckereien und die Landwirtschaft (schon ab 5 Uhr). In Gesundheitsberufen, beispielsweise Pflegeheimen, dürfen Jugendliche auch an Sonn- und Feiertagen eingesetzt werden. Pro Tag dürfen unter 18-Jährige allerdings nicht mehr als acht Stunden arbeiten.

Anders sieht es bei Studenten aus. In den Semesterferien ist die Arbeitszeit grundsätzlich nicht beschränkt, abgesehen von der allgemeinen Höchstarbeitsdauer pro Tag (durchschnittlich acht Stunden). Während der Vorlesungszeit dürfen sie aber nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Denn nur dann gelten die Ausnahmeregeln für sogenannte Werksstudenten. „Werksstudenten werden privilegiert behandelt, für sie gibt es Ausnahmen bei der Sozialversicherung“, sagt Alexander Bissels, Arbeitsrechtsexperte in der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Wo finde ich Ferienjobber?

„Wenn Sie kurzfristig Mitarbeiter suchen, dann sind Zeitarbeitsfirmen oft eine gute Lösung“, sagt Bissels. Für klassische Helfertätigkeiten in der Produktion ließen sich oft nicht so leicht Aushilfen finden. Deshalb würde Zeitarbeitsfirmen dort die Suche erleichtern. Allerdings sei das teuer. Als Faustformel gelte: Für Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen muss die doppelte Höhe des Stundenlohnes gezahlt werden.

Sei der Engpass absehbar – weil zum Beispiel Mitarbeiter in Elternzeit sind oder mehrere Mitarbeiter zur gleichen Zeit Urlaub haben – dann könnten Unternehmen auch selbst Ersatz suchen. „Unternehmen sollten abwägen, wie hoch der Aufwand für die Suche ist“, sagt Bissels. „Besonders kleinere Unternehmen mit körperlich belastenden Tätigkeiten finden oft nur schwer Aushilfen.“ Ferienjobs bei großen Unternehmen seien dagegen begehrt.

Wie stelle ich Ferienjobber am besten an?

Ferienjobber können befristet angestellt werden, für einige Wochen oder sogar Monate. Rechtsanwalt Bissels warnt aber: „Die Befristung sollte aus einem Sachgrund erfolgen, zum Beispiel zur Urlaubsvertretung oder bei vorübergehenden Arbeitsspitzen“.

Bissels rät dazu, den Sachgrund auch entsprechend zu dokumentieren. „Wenn eine Befristung später lapidar etwa mit dem Wort ‚Urlaubsvertretung‘ begründet wird, ohne dass der Arbeitgeber darlegen kann, für wen, wann und in welcher Funktion die Aushilfskraft eingesetzt wurde, kann es später Probleme geben“, sagt er. Der Mitarbeiter könnte dann versuchen, sich auf eine unbefristete Stelle einzuklagen. Mit einem konkreten Sachgrund könne dieselbe Aushilfskraft aber auch mehrere Sommer nacheinander befristet beschäftigt werden.

Bei minderjährigen Schülern als Ferienjobber sollten Unternehmer vorher klären, ob das Limit von 20 Tagen Arbeit pro Jahr nicht überschritten wird.

Haben Ferienjobber einen Urlaubsanspruch?

Sind die Ferienjobber befristet angestellt, haben sie wie alle anderen Angestellten auch einen Urlaubsanspruch, der sich aus der Dauer ihres Arbeitsverhältnisses ableitet. Liegt beispielsweise der Jahresurlaub im Unternehmen bei 30 Tagen, stehen dem Ferienjobber monatlich 2,5 Tage Urlaub zu.

Muss ich Ferienjobber anmelden?

Ferienjobber, die im Laufe eines Kalenderjahres nicht mehr als 70 Arbeitstage arbeiten, gelten als kurzfristig Beschäftigte. Als solche sind sie zwar sozialversicherungsfrei, sie müssen allerdings bei der Minijob-Zentrale angemeldet werden. Lohnsteuer fällt je nach Steuerklasse an. Studenten als Ferienjobber sind von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung stets komplett befreit.

Arbeiten die Ferienjobber über einen längeren Zeitraum und verdienen dabei nicht mehr als 450 Euro monatlich, sind sie als Minijobber anzumelden. Für Minijobber müssen Arbeitgeber Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abführen.

Detaillierte Informationen zu den Abgaben bei Minijobs gibt es auf der Homepage der Minijob-Zentrale. Dort finden Arbeitgeber auch Informationen rund um die Anmeldung von Minijobbern.

Wie viel muss ich Ferienjobbern zahlen?

Seit 2015 müssen Unternehmer ihren Ferienjobbern mindestens 8,50 Euro pro Stunde zahlen, wenn die Mitarbeiter 18 Jahre oder älter sind oder schon eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Der Mindestlohn gilt auch für Schülerinnen und Schüler, die sich in den Ferien etwas dazuverdienen wollen und schon volljährig sind. Werden Ferienaushilfen als Minijobber angestellt, dann verdienen sie 450 Euro pro Monat. Durch den Mindestlohn ergibt sich daraus eine maximale Arbeitszeit von 52,9 Stunden pro Monat.

Auch Saisonarbeitskräfte, zum Beispiel Erntehelfer in der Landwirtschaft, fallen seit 2015 unter den Mindestlohn. Arbeiten sie allerdings maximal 70 Tage als Saisonkraft, muss das Unternehmen keine Sozialabgaben zahlen. Diese Frist wurde wegen des Mindestlohns von 50 auf 70 Tage erhöht.

In einigen Branchen gelten Ausnahmeregelungen für den Mindestlohn – dort wird er erst schrittweise bis 2017 eingeführt, zum Beispiel im Friseurhandwerk und im Gartenbau. Die Branchen sind hier aufgelistet. Gelten Branchenmindestlöhne, müssen Unternehmen der Branche auch ihren Aushilfen diesen Branchenmindestlohn zahlen, auch wenn er höher als der gesetzliche Mindestlohn ist.

Welche Auswirkungen hat das Mindestlohngesetz noch auf Ferienjobber?

Zusammen mit dem Mindestlohn wurden im Mindestlohngesetz auch Dokumentationspflichten eingeführt. Bei allen Minijobbern muss seitdem aufgeschrieben werden, wann sie arbeiten und wie viele Stunden. Diese Aufzeichnungen müssen Unternehmen zwei Jahre aufbewahren. Weitere Informationen gibt es auf der Mindestlohn-Website des Arbeitsministeriums.

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