Kündigungen verhindern 7 Warnsignale, dass ein Mitarbeiter kündigen will

Wer Kündigungen verhindern will, sollte auf die Alarmzeichen achten. Leider sind die nicht immer ganz so offensichtlich wie dieses Achtung-Schild.

Wer Kündigungen verhindern will, sollte auf die Alarmzeichen achten. Leider sind die nicht immer ganz so offensichtlich wie dieses Achtung-Schild.© claudiarndt / photocase.de

Viele Chefs trifft es wie ein Schock, wenn Mitarbeiter kündigen. Wer auf die folgenden Warnsignale achtet, ist vorbereitet - und kann vielleicht noch gegensteuern.

Es dürfte wohl die größte Angst vieler Chefs sein: dass fähige Mitarbeiter kündigen. Denn dadurch gehen dem Unternehmen Wissen und Fähigkeiten verloren, die mühsam wieder aufgebaut werden müssen. Offene Stellen neu zu besetzen, kostet zudem Zeit und Geld. Wie aber verhindert man, dass gute Leute kündigen? Damit beschäftigt sich eine impulse-Artikelreihe.

Völlig ahnungslos – bis zu dem Augenblick, in dem der Mitarbeiter ihnen das Kündigungsschreiben in die Hand drückt? Das muss nicht sein, schließlich kündigen Mitarbeiter nicht aus heiterem Himmel: Unzufriedenheit und Frust bauen sich monatelang, manchmal jahrelang auf.  Und das ist auch für den Vorgesetzten spürbar.

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„Mitarbeiter senden – bewusst und unbewusst – bei einer bevorstehenden Kündigung eine Vielzahl an Warnsignalen“, sagt Laurenz Andrzejewski, Coach für Mitarbeiterbindung. Ein aufmerksamer Chef könne diese Signale wahrnehmen und ihnen nachgehen. Wer die Alarmzeichen jedoch ignoriere oder schlicht übersehe, riskiere, wertvolle Mitarbeiter zu verlieren, warnt Andrzejewski: „Liegt die Kündigung des Mitarbeiters erst auf dem Tisch, ist es meist zu spät, das Ruder herumzureißen.“ Die folgenden Warnsignale sollten Arbeitgeber alarmieren:

Der Mitarbeiter fällt immer öfter aus

Ihr Mitarbeiter meldet sich immer wieder krank? Das könnte daran liegen, dass er sich im Unternehmen nicht mehr wohl fühlt; womöglich leidet er wegen Problemen am Arbeitsplatz gar unter psychosomatischen Symptomen. Besonders alarmierend: Wenn der Mitarbeiter sich regelmäßig vor oder nach dem Wochenende krank meldet.

Der Mitarbeiter nimmt tageweise Urlaub

Aufhorchen sollte der Vorgesetzte auch, wenn der Mitarbeiter in einem kurzen Zeitraum, etwa einem halben Jahr, immer wieder einzelne Urlaubstage nimmt. „Es könnte sein, dass der Mitarbeiter diese Tage für Bewerbungsgespräche für einen anderen Job nutzt“, sagt Andrzejewski.

Der Mitarbeiter zieht sich aus dem Team zurück

Achten sollte der Arbeitgeber zudem auf Verhaltensänderungen, empfiehlt Andrzejewski: „War ein Mitarbeiter immer gerne mittags in der Kantine oder beim After Work gemeinsam mit den Kollegen unterwegs und dabei gesprächig und aufgeschlossen, sollte es nachdenklich machen, wenn er sich zurückzieht und plötzlich kurz angebunden ist.“

Der Mitarbeiter will nicht längerfristig planen

Ebenso auffällig ist laut Andrzejewski folgende Situation: „Der Mitarbeiter war immer an Weiterbildungen interessiert. Sie bieten ihm in drei Monaten einen Kurs an, für den die Firma die Kosten übernimmt. Aber er lehnt ab. Das sollte Sie stutzig machen. Fragen Sie: Warum will sich der Mitarbeiter nicht auf einen Termin festlegen? Warum ist er diesmal nicht an der Qualifizierung interessiert?“

Der Mitarbeiter fragt nach einem Zwischenzeugnis

Spätestens aufwachen sollte der Chef, wenn der Mitarbeiter nach einem Zwischenzeugnis fragt. „Dann kann es schon fast zu spät sein – aber immer noch besser, als wenn die Kündigung ins Büro flattert“, sagt Andrzejewski. „Klären Sie die Auslöser und Hintergründe für seinen Wunsch nach einem Zwischenzeugnis. Das könnte eine gute Gelegenheit sein, über eine unbefriedigende Situation zu sprechen.“

Die Körpersprache des Mitarbeiters hat sich geändert

„Achten Sie auf die Körpersprache Ihrer Mitarbeiter – sie verrät Ihnen unausgesprochene Probleme“, sagt Andrzejewski. „Wenn ein Mensch unzufrieden ist, sich an seinem Arbeitsplatz nicht mehr wohl fühlt, bewegt er sich anders. Er geht beispielsweise langsam, lustlos, vielleicht sogar leicht gebeugt vom Parkplatz zum Firmengebäude.“ Bemerken könne eine solche Veränderung allerdings nur ein Chef, der seine Mitarbeiter gut kennt, nah dran und empathisch ist.

Der Mitarbeiter bringt sich nicht ein

Nicht nur die Körpersprache gibt Auskunft darüber, wie es im Inneren eines Menschen aussieht – auch seine Worte. Oder vielmehr: sein Schweigen. „Wenn jemand zuvor immer kritische Fragen gestellt hat, bei Besprechungen motiviert und engagiert war und sich dies zunehmend ändert, sollten Chefs aufmerksam werden“, sagt Andrzejewski. „Jemand, der plötzlich mit allem einverstanden ist und schweigt, auch zu Themen, die sein eigenes Arbeitsumfeld betreffen, hat vielleicht schon innerlich gekündigt.“

Wie sollte der Chef reagieren, wenn der Warnsignale für eine Kündigung bemerkt?

Wer Grund zu der Annahme hat, ein wichtiger Mitarbeiter spiele mit dem Gedanken an eine Kündigung, möchte in Zeiten des Fachkräftemangels wahrscheinlich vor allem eins: ihn ins Chefbüro zu zerren und zum Bleiben überreden. Ein kluger Schachzug ist das allerdings nicht, sagt Andrzejewski. „Es ist besser, die Situation eine Zeit lang weiter zu beobachten.“

Häufen sich allerdings die Indizien, dass der Mitarbeiter unzufrieden ist und Abwanderungsgedanken hegt, sollte man diskret Informationen einholen, rät Andrzejewski. „Zum Beispiel von der Buchhaltung eine Übersicht der Urlaubs- und Krankentage erstellen lassen.“ Bestätigt sich daraufhin der Eindruck, sollte der Chef den Mitarbeiter zum Gespräch bitten.

Wie Sie einen Mitarbeiter im Bleibegespräch davon abbringen zu kündigen, erfahren Sie im nächsten Teil der Serie.

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6 Kommentare
  • Dietmar K 23. November 2016 14:30

    Es gibt Branchen, in dem es dem Chef relativ egal ist, ob man Warnsignale aussendet oder kündigt, weil ein anderer oder andere die selbe Tätigkeit gleich machen oder übernehmen kann.

  • Rita Turai 12. Juli 2016 18:24

    Und wie ist es mit einer MitarbeiterIN? Im Text geht es nur um den männlichen Mitarbeiter, würde ich meinen. 🙂

    • Michael 14. Juli 2016 16:29

      Willst du auf Gleichberechtigung ansprechen?
      Gehst du den auch auf die gleiche Toilette wie wir ?

  • Siegfried Weinberger 8. Juli 2016 11:00

    Mit „Ins-Büro-Zerren“ offenbart sich schon die grundsätzliche Haltung. Ich Chef, du Knecht. Einen guten Chef zeichnet aus, dass er auch ohne solche eindeutigen Warnsignale sich selbst permanent hinterfragt. Wie ginge es mir, wenn ich auf dem Stuhl meines Mitarbeiters sitze? Würde ich die Aufgabe, die ich meinem Mitarbeiter auf’s Auge drücke, auch selbst machen? Lebe ich das vor, was ich von meinen Mitarbeitern verlange? Beurteile ich Wortmeldungen und/oder Ideen nach dem sachlichen Inhalt oder ist mein erster Gedanke: Darf der in seiner hierarchischen Position das überhaupt äußern? Suche ich, wenn ein Fehler aufgetreten ist, nach einem Schuldigen oder nach einer Lösung? Habe ich den Mitarbeiter mit allen Informationen versorgt, dass er die Aufgabe auf dem von mir erwarteten qualitativen Niveau leisten kann? Habe ich ihm eine Aufgabe oder nur eine Arbeit übertragen?
    Oder beschreibe ich den Führungsstil so: den Mitarbeiter so schnell über den Tisch ziehen, dass die auftretende Reibungswärme als Nestwärme empfunden wird.

    • Michaela Beckenbach 9. Juli 2016 13:36

      Danke für Ihren Kommentar! Sie sprechen mir aus der Seele.

  • Helmut Stang 8. Juli 2016 08:25

    Vielleicht ist das sprichwörtliche „ins Büro zerren“ doch nicht so verkehrt! Sollte man natürlich so direkt nicht machen.

    Ein Gespräch zu führen, in dem man sich „an den Mitarbeiter“ herantastet und auslotet, wo der Mitarbeiter gerade steht kann nicht schaden. Zu lange zuzuwarten und dem Wechselgedanken des Mitarbeiter ausreichend Zeit zu lassen führt nur dazu, die Chancen auf ein Halten zu verringern.

    Oftmals sind die Mitarbeiter froh, wenn ein Chef ein gutes Auge für die Stimmung des Mitarbeiters hat und rechtzeitig für ein klärendes Klima sorgt.

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