Selbstcoaching Wie Sie es schaffen, die Weichen in Ihrem Leben neu zu stellen

"Wir müssen immer häufiger die Weichen in unserem Leben teilweise neu stellen", sagt Sabine Prohaska.

"Wir müssen immer häufiger die Weichen in unserem Leben teilweise neu stellen", sagt Sabine Prohaska.© Harald Biebel / Fotolia.com

Wer vertrackte Probleme lösen und schwierige Entscheidungen fürs eigene Leben treffen muss, wünscht sich oft einen professionellen Coach als Unterstützer. Doch es geht auch ohne - und zwar so.

Beim Coaching geht es darum, eine Brücke zwischen unserem aktuellen und unserem künftigen Leben zu schlagen. Und der Coach? Er unterstützt seine Klienten beim Bewältigen dieser Herausforderung – unter anderem, indem er bei ihnen einen Selbstreflexionsprozess bewirkt, der zu einem Erkennen der Problemursachen und möglicher Lösungswege führt.

Diesen Reflexionsprozess können Menschen auch ohne professionelle Unterstützung bei sich auslösen. Und um unser Leben zu meistern, benötigen wir diese Kompetenz zunehmend. Denn aufgrund unseres dynamischen Lebensumfelds und der vielen Optionen, die sich uns bieten, müssen wir immer häufiger die Weichen in unserem Leben teilweise neu stellen.

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Die Voraussetzung fürs Selbstcoaching: stabile Zonen

Eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Selbstcoaching ist, dass wir noch über die nötige Kraft verfügen. Das setzt wiederum voraus, dass es in unserem Leben „stabile Zonen“ gibt. Also zum Beispiel soziale Beziehungen, die uns Halt geben. Oder einen Beruf, der uns erfüllt. Solche stabilen Zonen sind für uns Menschen extrem wichtig, denn aus ihnen erwächst die Kraft, unser Leben aktiv zu gestalten. Fehlen sie, benötigen wir professionelle Hilfe.

Glücklich bis ans Lebensende? Das funktioniert nicht

Eine weitere Voraussetzung ist: Wir dürfen nicht den Irrglauben hegen, es gebe den einen richtigen Weg. Und wenn wir ihn finden, sind wir bis ans Lebensende glücklich. Diesen Weg gibt es nicht – auch, weil sich unsere Bedürfnisse im Verlauf unseres Lebens ändern. Deshalb müssen wir uns die Fragen:

  • Was ist mir wichtig?
  • Welches Leben will ich führen?
  • Und: Wie kann ich es realisieren?

immer wieder stellen.

Warum wir lernen müssen, Probleme neu zu bewerten

Selbstcoaching beruht auf der Annahme: Jeder gesunde Mensch trägt die Lösung seiner Probleme in sich. Er kann also, wenn er vor einer Herausforderung steht, eigenständig – oder mit selbstorganisierter Unterstützung – einen adäquaten Lösungsweg finden.

Dieser Annahme liegt wiederum der Gedanke zugrunde: Wir konstruieren die Welt, so wie wir sie erleben, weitgehend selbst – durch unsere Art, Dinge zu sehen und zu bewerten. Das gilt auch für unsere Probleme. Hierfür ein Beispiel: Angenommen, Ihr Unternehmen wäre in den letzten Jahren nur sehr mäßig gewachsen, Sie haben noch immer nur drei Angestellte – wie schon vor zehn Jahren. Dann könnten Sie zur Überzeugung gelangen: Ich habe ein Problem – nämlich ein richtig erfolgreiches, florierendes Unternehmen aufzubauen. Doch muss das so sein? Ist es vielleicht nur eine gesellschaftliche Erwartungshaltung, dass jedes Unternehmen wachsen muss, oder ist es wirklich Ihre eigene? Vielleicht gehört es zu Ihrem Konzept eines erfüllten Lebens, ein kleines, überschaubares Unternehmen zu führen. Wo ist dann das Problem?

Das Beispiel zeigt: Wir konstruieren viele Probleme selbst – durch unsere Art, Situationen und Konstellationen zu bewerten. Deshalb erscheinen uns auch manche Probleme unlösbar. Daraus folgt: Wenn wir lernen, die Probleme neu zu sehen und zu bewerten, dann werden sie oft lösbar.

Nur Geduld: Das Gehirn bleibt am Ball

Neurologisch betrachtet ist Lernen ein ganz handfester Prozess, bei dem sich in unserem Gehirn neue Nervenverbindungen bilden, die durch entsprechende Impulse immer stärker werden. Am Anfang sind die neuen Nervenbahnen kaum sichtbare Trampelpfade, aus denen mit der Zeit Landstraßen oder gar Autobahnen werden.

Beim Aufbau neuer Verhaltensmuster müssen wir mit Rückfällen und Phasen des scheinbaren Stillstands rechnen – denn Lernprozesse verlaufen oft scheinbar sprunghaft. Hierfür ein Beispiel. Angenommen, Sie wären ein Tennisspieler und wollten einen neuen Schlag einstudieren. Also üben sie den ganzen Nachmittag, ohne große Fortschritte. Frustriert fahren Sie nach Hause. Doch eine Woche später stehen Sie erneut auf dem Platz, und plötzlich gelingt Ihnen auf Anhieb der neue Schlag.

Der Grund: Während Sie scheinbar nichts taten, arbeitete Ihr Gehirn weiter. Es knüpfte neue neuronale Verbindungen, spielte die für den Schlag nötigen Abläufe immer wieder durch und brachte sie mit ähnlichen Bewegungsmustern in Verbindung. Deshalb gelang Ihnen plötzlich der Schlag.

Ähnliche Prozesse werden Sie beim Selbstcoaching registrieren – zum Beispiel, wenn Sie regelmäßig über ein Problem nachdenken. Dann passiert oft wochenlang scheinbar nichts. Doch dann plötzlich, scheinbar aus heiterem Himmel haben Sie – zum Beispiel beim Kochen – den berühmten Geistesblitz. Das heißt, Sie haben die Problemlösung vor Augen.

Denn während Sie scheinbar nur mit anderen Dingen beschäftigt waren, blieb Ihr Gehirn am Ball. Deshalb kennen Sie plötzlich die Lösung. Also werden Sie, sofern Sie Ihr Gehirn weiterhin mit den nötigen Reizen versorgen, auch irgendwann das gewünschte Verhalten zeigen.

Nutzen Sie die Kraft der Imagination

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, sich das angestrebte Leben regelmäßig bildhaft vorzustellen – also die Zukunft gedanklich vorwegzunehmen. Spitzensportler kennen die Kraft der sogenannten Imagination. Sie wissen, sie ist ein sehr wirksames Instrument, um sich einem Ziel Schritt für Schritt zu nähern.

Henry Ford wird die Aussage zugeschrieben: „Egal, ob du glaubst, du kannst es, oder ob du glaubst, du kannst es nicht, du hast immer recht!“. Sie verweist auf den großen Einfluss den unsere Erwartung auf das Ergebnis hat – positiv und negativ. Wie stark unsere Gedanken unser Empfinden beeinflussen, das können Sie selbst testen.

Stellen Sie sich vor, Sie würden herzhaft in eine Zitrone beißen, und achten Sie darauf, wie Ihr Körper reagiert. Vermutlich verzieht sich Ihr Mund allein durch die Vorstellung des sauren Geschmacks einer Zitrone. Und das nur aufgrund weniger, gedachter Worte. Wie groß muss dann erst die Wirkung sein, wenn wir uns regelmäßig unser künftiges Leben bildhaft vorstellen und Schritte in die gewünschte Richtung gehen?

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