Management Vielen Dank, wie lieb von Dir!

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Floristik, PR-Beratung oder Weiterbildung: Kleinere Dienstleistungs-Betriebe werden in Deutschland häufig von Frauen geführt.

Floristik, PR-Beratung oder Weiterbildung: Kleinere Dienstleistungs-Betriebe werden in Deutschland häufig von Frauen geführt.© Igor Yaruta - Fotolia.com

Nicht nur in der Weihnachtszeit, wenn Weihnachtspost und Geschenke überreicht werden, ist ein Wort besonders wichtig: das Wort "danke". Danke sagen zeigt Wertschätzung, schreibt Unternehmer und impulse-Blogger Peer-Arne Böttcher. Die Macht dieser und anderer kleiner Gesten entscheidet häufig über den Erfolg großer Geschäfte.

Vor wenigen Tagen erhielt ich die erste Weihnachtspost. Darunter: Ein grandioser Adventskalender eines Lübecker Marzipanherstellers. Leider ohne persönliches Anschreiben. Schade, denn nun werde ich mich beim Absender nicht bedanken können. Dabei ist das Wort „Danke“ und das Dankesagen können wichtig für das Gelingen einer erfolgreichen Beziehung.

Dass ein „Danke“ mehr sein kann als nur eine Konvention, dass es geradezu elementarer Erfolgsbestandteil ist, hat die Geschichte einer Publikation namens Econy gezeigt. Als dieses „Magazin für die Neue Wirtschaft“ im Frühjahr 1998 auf den Markt kam, wurde die Redaktion, vor allem natürlich die Chefredakteurin Gabriele Fischer, von Leserbriefen (okay: Leser-Mails) geradezu überflutet. In den seltensten Fällen ein einfaches Lob oder ebensolche Kritik, in den seltensten Fällen auf eine spezifische Geschichte bezogen (was sonst bei Leserbriefen üblich ist), sondern sehr häufig ein ganz allgemeines Dankeschön für dieses neue Heft. Und das seitenlang. Die Leser schütteten den Zeitschriftenmachern geradezu ihr Herz aus: Endlich jemand, der sie verstünde, der sie ernstnehme, der ihnen das Gefühl gebe, eben doch das Richtige zu machen, so die vielfachen Reaktionen. Die meisten, die sich auf diese Weise dankbar zeigten, waren Unternehmensgründer in einer frühen Start-up-Phase.

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Ohne diese regelrechte Woge an positivem Feedback hätte sich Gabriele Fischer wohl kaum getraut, das Blatt alleine weiterzuführen. Der ursprüngliche Eigner, das Manager Magazin, hatte schon nach der zweiten Ausgabe die Reißleine gezogen. Mit neuem Design und neuen Investoren, aber der gleichen Truppe und den gleichen Lesern gab es 1999 den Neustart unter dem Namen Brand Eins, eine der erfolgreichsten deutschen Zeitschriftengründungen der letzten Jahrzehnte.

Ein Dank kann also viel bewirken.

Sie können sich diese Wirkung im täglichen Geschäftsleben zu nutze machen. Nehmen wir beispielsweise an, Sie haben sich gerade mit Ihrem Gesprächspartner auf ein gemeinsames Geschäft geeinigt. Was sollten sollten Sie jetzt tun? Erst einmal: Geben Sie sich die Hand. Gratulieren Sie Ihrem neuen Geschäftspartner – und auch sich selbst. Immerhin sollte es jetzt so sein, dass Sie zu zweit mehr verdienen als alleine und das nicht nur im monetären Sinn. Und dann bedanken Sie sich für das in Sie gesetzte Vertrauen. Diese Geste der Anerkennung und des Dankes reicht völlig aus. Es ist die Macht der kleinen Gesten, die häufig über das Wohl und Wehe großer Geschäfte entscheidet.

Sie sollten aber nicht nur geben, sondern auch nehmen können. Komplimente beispielsweise. Ich kenne viele Menschen, die mit Komplimenten nicht umgehen können. Dabei ist die Annahme eines Kompliments denkbar einfach: Sie müssen schlichtweg danke sagen. Schmälern Sie das Kompliment keinesfalls („ach, das ist doch selbstverständlich“ oder „der Mantel ist doch schon ganz alt“). Freuen Sie sich einfach!

Es gibt natürlich auch Menschen, die ihre Probleme haben mit dem Geben und Nehmen. Mit ihnen ein „Beziehungskonto“ zu eröffnen ist eine Herausforderung. Die einen können nicht geben – gehören also, wie man früher zu sagen pflegte, zum „Stamme Nimm“. Diese Sorte von übersteigertem Egoismus führt zu geschäftlicher Beziehungsunfähigkeit.

Danke sagen zeigt Wertschätzung

Andere wiederum merken gar nicht, dass ihnen etwas gegeben wird. Das kann an der unterschiedlichen  Wertschätzung von Dingen und Gesten liegen, mit unterschiedlichen Erwartungen an die Beziehung zusammenhängen oder – ganz schlicht – in einer anderen Sprache begründet sein. Sobald ich bemerke, dass es sich um einen solchen Fall handelt, versuche ich mit der Haltung meines Gegenübers offensiv – nicht aggressiv! – umzugehen: Wenn jemand nur die Sprache des Geldes versteht, warum ihn nicht kopieren und den entsprechenden Ton anschlagen? Nicht über „Geben und Nehmen“ reden, sondern über „Austeilen und Einstecken“?

Ganz nach der Methode „Tit for Tat“ („Wie du mir, so ich dir“) aus der Spieltheorie: Man verhält sich zunächst eindeutig kooperativ und kopiert im folgenden Verlauf das Verhalten des anderen: Auf Konzilianz und Freundlichkeit reagiert man konziliant und freundlich,  Angriffslust und Ablehnung werden mit souveräner Unfreundlichkeit quittiert. Damit zumindest kommt es garantiert zu einem ersten Gespräch, das für Sie Klärung – in welche Richtung auch immer – bringen kann.

Wenn Sie also einen Beziehungsaufbau nicht gleich wieder abbrechen wollen (was ich bei Gesprächspartnern vom Stamme Nimm immer empfehlen würde), sollten Sie jederzeit bereit sein, im kooperativen Modus zu bleiben. Denn gerade im Anfangsstadium einer Beziehung gibt es ein hohes Risiko für Missverständnisse, weil man die gemeinsame Ebene noch nicht gefunden hat, die Hürden im gegenseitigen Verständnis erst noch genommen werden müssen.

Zusammenfassend: Bitte sagen zeugt von Benimm, Danke sagen zeigt Wertschätzung. Beides zusammen kann Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen ermutigen und dabei Neues hervorbringen.

P.S.: Danke für das leckere Marzipan!

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