Interview mit Judith Williams „Ich hatte mir die Geschäftswelt ganz anders vorgestellt. Viel netter.“

Business im Fernsehen ist nicht erst seit "Die Höhle der Löwen" ihre Passion: Judith Williams wurde mit Teleshopping bekannt.

Business im Fernsehen ist nicht erst seit "Die Höhle der Löwen" ihre Passion: Judith Williams wurde mit Teleshopping bekannt. © Judith Williams

Als Teleshopping-Queen eroberte Judith Williams eine Branche mit zweifelhaftem Ruf. Heute verkauft sie erfolgreich ihre eigene Produktlinie. Was die Unternehmerin anspornt und wie sie mit Gegenwind umgeht.

Judith Williams sucht seit 2014 bei „Die Höhle der Löwe“ Verkaufstalente, in die es sich zu investieren lohnt und ist dabei selbst eins: Früher bewarb sie Knoblauchzerteiler und Schmuck im Teleshopping und war damit die erfolgreichste Moderatorin beim Sender QVC und später HSE24. Heute vertreibt die 47-jährige Unternehmerin über 800 eigene Produkte mit der „Judith Williams Markenwelt“.

 

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impulse: Sie waren 36, als Sie Ihr Unternehmen gründeten. Wie war es, die ersten Schritte als Unternehmerin zu gehen?

Judith Williams: Ich hatte mir am Anfang die Geschäftswelt ganz anders vorgestellt. Viel netter. Ich war erschrocken über die Härte. Doch dann habe ich mir gedacht: Hauptsache, du weißt, wer du bist. Du bleibst nett, Kindness first. Du kannst deine Ziele durchsetzen, ohne dass du mit Tricks arbeiten musst.

Sie haben schnell viel erreicht. Was war Ihr Rezept?

Die wertvollsten Sachen, die ich lernte, waren nicht, wie man einen Deckungsbeitrag berechnet oder wie man einen Businessplan schreibt. Dafür gibt es viele kluge Köpfe. Es geht eher um die innere Haltung gegenüber Menschen. Ich glaube, das macht einen wirklichen Business-Menschen aus: Er kann andere bewegen, ihr Herz erreichen.

Wie meinen Sie das?

Ich muss als Unternehmerin wissen, wie ich jemanden wirklich abhole, so dass er mir folgt. So sehe ich auch meine Arbeit als Chefin: Ich muss die unterschiedlichen Menschen, die alle unendlich wertvoll sind, in ihrer Art miteinander verbinden. Ich muss ihnen helfen, sich selbst aus dem Blickwinkel des anderen sehen. Ein starkes Team formen, in dem jeder sein Bestes geben kann – das ist, glaube ich, eine der größten Herausforderungen für alle Topmanager.

Bevor Sie selbst Unternehmerin wurden, verkauften Sie als Teleshopping-Moderatorin Saftpressen und Figurformer – und zwar sehr erfolgreich. Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe damals alles aufgesogen wie ein Schwamm. Und dieses „Wie ein Schwamm-Sein“, das versuche ich mir zu erhalten. Wenn ich einen Profi in einem Bereich suche, dann möchte ich den Besten von den Besten. Ich möchte unbedingt vom Besten lernen. Denn immer, wenn du glaubst, du weißt alles, dann weißt du eigentlich nichts.

Woran erkennen Sie heute ein Verkaufstalent?

Das zeigt sich meist schon in den ersten Minuten. Zum Beispiel daran, ob jemand eine Geschichte zu seinem Produkt erzählen kann. Ob jemand wirklich mit Herzen dabei ist. Das spürst du. Verkaufen ist absolute Emotionalität. Mein Kunde nimmt das Produkt in die Hand und er soll sich dadurch bereichert fühlen. Ich sehe sehr schnell, ob jemand nur oberflächlich schwafelt oder wirklich Begeisterung empfindet.

Es heißt, Sie hätten selbst bei einem Aushilfsjob im Fitnesscenter an der Theke überdurchschnittlich viele Drinks verkauft. Was hat Sie so motiviert?

Einer meiner Lieblings-Leitsprüche ist:Bloom where you are planted“, also „Blühe dort, wo du gepflanzt bist“. Der ist immer ganz gut in einer Situation, in der man denkt: „Eigentlich wäre ich schon gerne viel, viel weiter. Es klappt aber noch nicht.“ Dann tue eben jetzt, wo du gerade bist, dein absolut Bestes.

Ist der Spruch für Sie noch relevant?

Absolut. Ich höre immer wieder von anderen, wie erfolgreich ich sei, und denke dann: Das ist doch erst der Anfang. Ich spinne zusammen mit meinen Mitarbeitern Ideen, was wir noch alles machen möchten – vor allem zum Thema Women Empowerment. Jeden Tag fällt mir etwas Neues ein. Ich muss mich manchmal selbst bremsen. Aber ich möchte nach vorne gehen, um andere Frauen mitzunehmen. Das ist für mich das Wichtigste.

Was raten Sie den Nachwuchs-Unternehmerinnen bei „Der Höhle der Löwen“?

Ich bin sehr, sehr selten Frauen begegnet, die überheblich waren. Eher andersherum. Deswegen: Glaube an dich selbst und du genügst. Und zweitens: Sei mutig und hör auf deine Stimme. Wir Frauen lassen uns leicht durch Druck von außen beugen, der durch Familie oder Freunde entsteht. Wir verlieren unsere tiefen inneren Wünsche zu schnell aus den Augen, weil wir denken, wir müssten für andere da sein. Wir sind es gewohnt, Dienstleister zu sein. Die Dienstleistung ist für Frauen eine Komfortzone.

Wie meinen Sie das?

Frauen springen oft ein. „Klar, bringe ich dir einen Kaffee. Klar, mache ich das.“ Aber was ist das für ein Zeichen in deinem Business? Du musst dich an den Tisch neben die Männer setzen und warten, bis dir einer von denen den Kaffee bringt. Diese Geisteshaltung muss man sich immer wieder neu einprägen. Ich habe das mühevoll jahrelang erlernt. Und trotzdem erwische ich mich heute immer noch dabei. Ich wünsche mir, dass Frauen sich mehr zutrauen und weniger Angst haben. Mehr Freude, mehr Mut, mehr nach vorne gehen und weniger Kritik unter einander.

Werden Sie von anderen Frauen kritisiert?

Die Frauen um mich herum unterstützen mich sehr. Das ist ein großes Glück. Natürlich hast du mal einen kritischen Post in der Online-Community. Ich habe gelernt, das abzuschütteln. Ich lasse mich nicht davon abbringen zu sagen. „Ja, ich erlaube mir mehr als eine Sache zu machen, egal, ob das eine Fernsehshow ist oder ob das Business ist.“

Klingt, als bekämen Sie da Gegenwind.

Männer haben auf ihrem Spielplatz alles stehen: die Schaukel, die Wippe, den Sandkasten, alles. Bei einer Frau heißt es schnell: Sie tanzt auf allen Hochzeiten. Ich mache, was ich tue, damit es der Generation nach mir und auch anderen Frauen leichter fällt, Dinge anzugehen. Ich bin schon froh, wenn nur ein paar Frauen denken: „Ich traue mich das jetzt auch mal. Wenn die das kann, dann darf ich das auch.“

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