Ungeduld „Ich will manchmal alles auf einmal“
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Im Schneckentempo vorwärts? Das war Vanessa Weber früher ein Graus. Inzwischen hat die Unternehmerin gelernt, ihre Ungeduld zu zügeln.

Im Schneckentempo vorwärts? Das war Vanessa Weber früher ein Graus. Inzwischen hat die Unternehmerin gelernt, ihre Ungeduld zu zügeln.© Yuzhi Pan / EyeEm / Getty Images

Vanessa Weber hat unzählige Ideen, wie sie ihre Firma weiterentwickeln kann. Zwei Dinge musste die Unternehmerin dabei aber erst einmal lernen: Geduld zu haben - und ihr Team mitzunehmen.

Im September war ich sechs Tage in Israel, gemeinsam mit meinen Mitgründern aus der PVH Future Lab GmbH. Wir haben 15 Start-ups besucht und uns vor allem über künstliche Intelligenz informiert – Israel ist in diesem Feld ja Vorreiter.

So einen Blick über den Tellerrand finde ich wahnsinnig wichtig: Wenn man immer nur in seiner Firma im Alltag feststeckt, kocht man im eigenen Saft und bekommt gar nicht mit, wie sich die Welt da draußen rasend schnell verändert. Deshalb achte ich schon seit Jahren darauf, dass ich mir regelmäßig Input von außen hole.

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Von der Reise bin ich mit einem neuen Blick auf das Thema Smart Data zurückgekehrt. Ich glaube, dass da ganz viele Chancen für unsere und andere Firmen stecken – noch mehr, als mir vorher klar war. Eine Sache allerdings ist gar nicht so einfach: meine Gedanken in das eigene Unternehmen zu transportieren.

Ich muss mein Team mitnehmen

Früher ist es oft so gelaufen: Ich kam zurück in meine Firma und konnte es kaum erwarten loszulegen. Ich wollte alles umkrempeln, hatte ganz stark das Gefühl: Morgen verändern wir die Welt – und übermorgen ist dann auch schon alles fertig!

Allerdings musste ich irgendwann einsehen: Wenn ich nach so einer Reise voller Euphorie loslege und meine Mitarbeiter mit meinen Ideen überfahre, machen sie zu. Und das ist nicht deren Fehler: Sie waren schließlich nicht mit mir unterwegs und haben gesehen und erlebt, was ich gesehen und erlebt habe.

Wenn ich in meiner Firma aber wirklich etwas ändern will, muss ich geduldig sein und mein Team mitnehmen. Ich muss es schaffen, sie für das Neue zu begeistern. Und das gelingt mir eher, wenn ich auf die folgenden Punkte achte:

1. Ich nehme mir bewusst Zeit

Ich bin ein begeisterungsfähiger Mensch: Neue Ideen inspirieren mich, und das ist auch gut so. Ich nehme mir heute bewusst Zeit, meine Gedanken zu sortieren. Denn ich weiß: Wer begeistert ist, lässt sich leicht blenden und ist dann taub für Gegenargumente.

Wenn ich meine Mitarbeiter aber ständig mit unausgegorenen Plänen nerven würde, würden die mich irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Und natürlich wäre es auch für die Firma eine Katastrophe: Wenn wir kopflos loslaufen, vergeuden wir Zeit und Geld.

Deshalb hinterfrage ich bei jeder neuen Idee: Ist sie wirklich sinnvoll für meine Firma?

2. Ich bekämpfe meine innere Unruhe

Ich will manchmal alles auf einmal – auch wenn ich natürlich weiß, dass das unrealistisch ist. Diese innere Unruhe habe ich zum ersten Mal ganz bewusst in einem Schweige-Seminar an mir wahrgenommen.

Seitdem arbeite ich daran, sie zu bekämpfen – mit Achtsamkeit. Kurzes Innehalten im Alltag hilft mir, mehr im Hier und Jetzt zu sein. Mit Erfolg: Ich kann es heute schon viel besser aushalten, wenn Change-Prozesse Zeit brauchen.

3. Ich versuche, meine Ungeduld mit Humor zu nehmen

Bei aller Achtsamkeit: Auch heute passiert es noch ab und zu, dass ich ungeduldig oder überoptimistisch bin. Ich habe zum Beispiel Anfang des Jahres eine Pressemeldung rausgegeben, dass wir 2019 eine neue Software einführen. Nun ist das Jahr bald vorbei – und wir sind noch weit von der Einführung entfernt. Wahrscheinlich kann ich froh sein, wenn es 2020 klappt.

Ich weiß genau: Ja, ich bin manchmal zu schnell. Und mein Team weiß, dass ich das weiß. Ich finde es wichtig, offen über solche Charakterzüge zu sprechen. Da sagt schon mal ein Mitarbeiter scherzhaft: „Die Chefin hat mal wieder einen Trommelwirbel gemacht“ – und dann lachen wir alle gemeinsam drüber.

4. Ich liefere meinen Mitarbeitern Informationen

Als Unternehmerin ist es meine Aufgabe, über neue technische Entwicklungen auf dem Laufen zu bleiben. Von meinen Mitarbeitern kann ich das aber nicht erwarten. Daher kann ich nicht einfach sagen: „Wir fangen jetzt an mit 3D-Druck“, wenn keiner in meinem Team was darüber weiß. Das ist, als würde ich plötzlich anfangen, mit meinen Mitarbeitern Spanisch zu sprechen, obwohl keiner von ihnen Spanisch kann.

Bevor wir beispielsweise mit unserem 3D-Druckservice gestartet sind, habe ich mein Team über das Thema informiert. Mir war wichtig, dass meine Mitarbeiter die Chancen verstehen, die sich dadurch für die Firma eröffnen.

Bei solchen Gelegenheiten versuche ich, meinem Team keinen fertigen Plan zu präsentieren, sondern lediglich ein Ziel zu skizzieren. Das fällt mir manchmal schwer, vor allem wenn ich schon eine vermeintlich perfekte Lösung im Kopf habe: Warum soll man dann noch lange über die Umsetzung diskutieren? Ich weiß aber, dass es Mitarbeiter motiviert, wenn ihre Ideen gehört werden – und vor allem: dass es unterschiedliche Sichtweisen braucht, um die beste Lösung zu finden.

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