Arbeitsbedingungen Hier sitzt der Chef – oder?

Erkennt man in einem Unternehmen sofort, wo der Chef sitzt und arbeitet, ohne dass es - wie auf diesem Bild - auf dem Chefsessel steht?

Erkennt man in einem Unternehmen sofort, wo der Chef sitzt und arbeitet, ohne dass es - wie auf diesem Bild - auf dem Chefsessel steht?© benny89 / Photocase.de

Eigenes Büro, modernste Technik - viele Chefs scheinen bessere Arbeitsbedingungen zu haben als ihre Angestellten. Aber stimmt das wirklich?

Zeig mir deinen Arbeitsplatz und ich sage dir, ob du Chef oder Angestellter bist. Wer diesen Test macht, dürfte in vielen Fällen richtig liegen. Denn Chefs haben oft ein größeres und repräsentatives (Einzel-)Büro. Schließlich müssen sie wichtige Gespräche mit Geschäftspartnern führen und ungestört arbeiten und telefonieren können. Aber ist das Chefbüro tatsächlich so, wie man es sich vorstellt? Und welche Unterschiede gibt es zwischen Chefs und ihren Mitarbeitern?

Um herauszufinden, wie sich die Arbeitsbedingungen von Führungskräften und ihren Mitarbeitern unterscheiden, hat das Büroauststattungsunternehmen Steelcase zusammen mit dem Ipsos Institut eine Studie durchgeführt. Befragt wurden mehr als 12.000 Führungskräfte und Mitarbeiter in insgesamt 17 Ländern weltweit, darunter auch in Deutschland.

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Arbeitsräume

Bei der Aufteilung der Büros lässt sich ein Unterschied ausmachen: 58 Prozent der Führungskräfte haben ein Einzelbüro, dieses Privileg genießen jedoch nur 21 Prozent der Arbeitnehmer. Sich ein Büro mit anderen zu teilen, hat allerdings Auswirkungen auf die Konzentration. Nur 64 Prozent der Mitarbeiter gaben in der Umfrage an, dass es ihnen leicht fällt, konzentriert zu arbeiten. Bei den Chefs sind es 76 Prozent.

Technische Ausstattung

Was die Technik betrifft, zeigt die Befragung: Führungskräfte arbeiten häufiger mit dem firmeneigenen Laptop (66 Prozent) als Angestellte (39 Prozent). Außerdem haben 63 Prozent der Chefs und nur 39 Prozent der Mitarbeiter ein geschäftliches Mobiltelefon.

Flexibles Arbeiten

Führungskräfte können ihren Arbeitsalltag laut der Studie flexibler gestalten. Beinahe zwei Drittel (63 Prozent) können frei wählen, von wo aus sie arbeiten, 56 Prozent nutzen diese Entscheidungsfreiheit auch und arbeiten gelegentlich außerhalb des Büros. Unter den Mitarbeitern können immerhin 50 Prozent wählen, ob sie von zuhause arbeiten, was 47 Prozent der Arbeitnehmer auch gelegentlich machen.

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Lebensqualität am Arbeitsplatz

Und wer fühlt sich wohler bei der Arbeit? Zwei Drittel der Führungskräfte gaben an, sich entspannt zu fühlen; ihre Lebensqualität bewerteten sie mit 7,1 von 10 Punkten. Mitarbeiter schätzen ihre Lebensqualität am Arbeitsplatz dagegen etwas schlechter ein (6,5 von 10 Punkten). Und nur 56 Prozent gaben an, bei der Arbeit entspannt zu sein.

Führungskräfte fühlen sich außerdem stärker mit ihrem Arbeitgeber verbunden (77 Prozent) als Mitarbeiter (65 Prozent). Ebenso kann die Führungsriege eigene Ideen unkomplizierter mitteilen und in das Unternehmen einbringen (76 Prozent) als Angestellte (65 Prozent).

Was bedeutet das für Unternehmer?

Mitarbeiter leisten bessere Arbeit, wenn sie zufrieden sind und sich mit dem Unternehmen identifizieren können. Sie sollten in Ihrer Firma also für gute Arbeitsbedingungen sorgen. „Dass die Arbeitsplätze von Führungskräften und Angestellten anders gestaltet oder ausgestattet sind, ist nicht das eigentliche Problem“, sagt sagt Patricia Kammer, Senior Design Researcher bei Steelcase. Aber es wäre gut, wenn jedem Mitarbeiter eine Arbeitsumgebung zur Verfügung stünde, die ihn beim Denken und Arbeiten bestmöglich unterstützt.

Natürlich kann nicht jeder Mitarbeiter ein eigenes Büro bekommen. Aber Mitarbeiter sollten zumindest die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen, beispielsweise um wichtige Telefonate zu führen oder eine Weile produktiv und konzentriert arbeiten zu können. Davon profitiert nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch der Arbeitgeber. Steht dafür kein Extra-Raum zur Verfügung, gibt es immerhin Möglichkeiten, den Lärm eines größeren Büros zu reduzieren. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel: 10 Tipps für mehr Ruhe im Büro.

Wenn es darum geht, moderne Technik oder andere neue Ausstattung anzuschaffen, sollten Sie sich fragen: Wer braucht sie am meisten, um seine Aufgaben bestmöglichst zu erfüllen?

1 Kommentar
  • Maik 20. April 2017 11:09

    Ohne bewerten zu können, wie die Zahlen genau zustande gekommen sind (befragte Branchen, Definitionen, …), möchte ich ein paar Einwürfe machen, die die hergeleiteten Zusammenhänge ggf. etwas relativieren.

    Als Betriebsleiter teile ich mir mit meinem Betriebsingenieur ein kleines Büro, während zwei unserer Mitarbeiter sogar ein Einzelbüro haben. Dennoch ist meine technische Ausstattung (wenn man sich die Anforderungen an die Arbeiten anguckt – natürlich) höherwertig, als die meiner Mitarbeiter. Dies aber nur aus funktionalen Gründen und nicht als Status-Symbol.

    Als Handwerker / Meister sind Handys und z.T. gemeinsam genutzte Desktop-PC’s zwar vorhanden, aber keiner meiner Kollegen benötigt einen Laptop oder kann von zu Hause aus arbeiten. Dies ergibt sich einfach aus der Aufgabenstellung.
    Meinen Laptop sowie mein Mails-empfangendes Smartphone habe ich, damit ich Dokumente in Besprechungen bei habe, von zu Hause aus auf Unterlagen zugreifen „kann“ und erreichbar bin, wenn ich (nach eigentlichem Feierabend oder morgens schon vor Verlassen des Hauses) von zu Hause arbeiten „darf“.

    Die Darstellung, von zu Hause aus und mit Laptop arbeiten zu dürfen, sei zufriedenstellend oder gar „befreiend“ würde ich so nicht unterschreiben. Und produktiver ist sie für gewöhnlich auch nicht.
    Hier kommt bei mir leider eher das immer-erreichbar-Syndrom zum Tragen, während meine Mitarbeiter beim Verlassen der Arbeit abschalten und ihre Freizeit rundum genießen können.

    Auch dass man als Führungskraft leichter eigene Ideen einbringen kann, ist eher der Sache geschuldet, dass man häufiger Kontakt zu den Entscheidungsträgern hat oder Entscheidungen selber treffen kann. Dies liegt meiner Meinung nach weniger am Status der Person oder an der Kultur des Unternehmens sondern an der Verantwortung, die eine Führungskraft zu tragen hat.

    Die berufliche Zufriedenheit kann meines Erachtens nicht an Smartphone, Laptop, Büro-Größe, Berufskleidung oder Heimarbeit gemessen werden. Diese Status-Symbole sind heutzutage eher veraltet.

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