Künstlersozialabgabe Hier drohen Nachzahlungen bei der Sozialversicherungsprüfung

Wer selbstständige Kreative zum Beispiel damit beauftragt, ein Logo oder eine Visitenkarte zu entwerfen, muss fast immer die Künstlersozialabgabe bezahlen.

Wer selbstständige Kreative zum Beispiel damit beauftragt, ein Logo oder eine Visitenkarte zu entwerfen, muss fast immer die Künstlersozialabgabe bezahlen. © Mar Castellanos / photocase.de

Viele Unternehmer glauben, dass die Künstlersozialabgabe sie nicht betrifft. Ein teurer Irrtum: Fast jedes Unternehmen muss die Abgabe leisten – und bei der Betriebsprüfung kommt dann das böse Erwachen.

Fast jedes Unternehmen, der selbstständige Dienstleister fürs Marketing beauftragt, ist bei der Künstlersozialkasse (KSK) abgabepflichtig. Die meisten wissen das aber nicht – bis eine Sozialversicherungsprüfung kommt.

Was ist die Künstlersozialabgabe?

Die Künstlersozialkasse ist eine Einrichtung der gesetzlichen Sozialversicherung für selbstständige Künstler und Publizisten. Wie Arbeitnehmer zahlen die Versicherten nur die Hälfte der Beiträge für die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung; die andere Hälfte trägt die KSK. Finanziert wird diese Absicherung zum Teil vom Bund, zum anderen Teil aus der Künstlersozialabgabe.

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Wer muss die Künstlersozialabgabe zahlen?

Die Künstlersozialabgabe müssen alle Unternehmen zahlen, die selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragen.

Dazu gehören nicht nur typische Verwerter wie:

  • Buchverlage, Presseverlage, Presseagenturen, Bilderdienste
  • Theater, Orchester, Chöre
  • Rundfunk, Fernsehen
  • Hersteller von bespielten Bild- und Tonträgern (CDs, DVDs usw.)
  • Galerien, Kunsthändler
  • Werbe- oder PR-Agenturen
  • Varieté- und Zirkusunternehmen
  • Museen
  • Aus- und Fortbildungseinrichtungen für künstlerische oder publizistische Tätigkeiten

Abgabepflichtig sind auch alle Unternehmen, die Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit für ihr eigenes Unternehmen betreiben, sofern sie Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten erteilen – und zwar „nicht nur gelegentlich“, wie es in § 24 Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) heißt. Dasselbe gilt, wenn Unternehmen „nicht nur gelegentlich“ selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragen, „um deren Werke oder Leistungen für Zwecke ihres Unternehmens zu nutzen“ und damit Geld zu verdienen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen einen selbstständigen Designer damit beauftragt, die Verpackung für ein Produkt zu gestalten.

„Nicht nur gelegentlich“ heißt: Liegt die Gesamtsumme aller Honorare an Kreative im Jahr über 450 Euro, wird die Künstlersozialabgabe fällig. Damit genügt schon ein großer Auftrag und die Abgabe wird fällig.

Beispiele für abgabepflichtige Aufträge:

  • Das Unternehmen lässt sich von einem Webdesigner eine Internetseite erstellen.
  • Das Unternehmen beauftragt einen Fotografen, Produktfotos zu machen.
  • Das Unternehmen beauftragt einen Werbegrafiker damit, eine Unternehmensbroschüre, ein Logo oder Visitenkarten zu erstellen.
  • Das Unternehmen lässt Produkte oder Verpackungen von selbstständigen Künstlern gestalten.
  • Das Unternehmen bucht eine Band fürs Firmenjubiläum.
  • Ein Texter schreibt die Texte für die Unternehmenswebsite.
  • Eine freie Journalistin schreibt Pressemitteilungen für das Unternehmen.
  • Ein Restaurantbetreiber engagiert im Sommer jede Woche einen Musiker zur Unterhaltung der Gäste.

Wann muss man die Künstlersozialabgabe zahlen und wann nicht?

Zahlen müssen Sie:

  • unabhängig davon, ob der beauftragte Kreative in der KSK versichert ist und unabhängig davon, wo er lebt. Auch für Kreative im Ausland sind Sie abgabepflichtig.
  • wenn Sie eine Einzelfirma, einen Einzelkaufmann oder eine GbR beauftragt haben.
  • wenn ein Gesellschafter der beauftragten  GmbH / UG als Selbstständiger gilt und überwiegend kreativ tätig ist – zum Beispiel in einer Werbeagentur. Dann ist das monatlich an ihn gezahlte Gehalt abgabepflichtig.
  • bei Veranstaltungen nur dann, wenn Sie mehr als drei Veranstaltungen im Kalenderjahr durchführen und das Auftragsvolumen insgesamt mehr als 450 Euro beträgt.

Nicht zahlen müssen Sie:

  • wenn Sie juristische Personen wie eine GmbH, AG, Ltd. e.V., OHG und KG beauftragt haben.
  • für nichtkünstlerische Leistungen eines Kreativen. Beispiel: Ein Webdesigner hat Ihre Seite gestaltet und pflegt sie danach. Hier ist nur die Gestaltung abgabepflichtig. Oder jemand hat eine Werbebroschüre für Sie gestaltet und gedruckt – dann muss nur auf die künstlerische Leistung die Künstlersozialabgabe bezahlt werden, nicht aber auf die Druckkosten.
  • für Betriebsfeiern, zu denen ausschließlich Betriebsangehörige und gegebenenfalls ihre Partner eingeladen sind.

Wie hoch ist die Künstlersozialabgabe?

Die Künstlersozialabgabe beträgt einen pauschalen Prozentsatz von den Zahlungen an selbstständige Künstler und Publizisten. Die Höhe wird bis zum 30. September jedes Jahres vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales festgesetzt und den abgabepflichtigen Unternehmen zusammen mit der Versendung des Meldebogens für das abgelaufene Kalenderjahr mitgeteilt.

Für das Jahr 2018 liegt der Satz bei 4,2 Prozent. Für 2019 soll er gleich bleiben. Wenn Sie also Rechnungen von Webdesignern, Fotografen und Grafikern in Höhe von 5000 Euro netto erhalten und bezahlt haben, dann müssen Sie darauf 4,2 Prozent Künstlersozialabgabe, also 210 Euro, zahlen.

Die Künstlersozialabgabe dürfen Sie dem Künstler übrigens nicht vom Honorar abziehen, eine solche Vereinbarung ist nichtig.

Wie muss man die Künstlersozialabgabe zahlen?

Unternehmen, die Leistungen selbstständiger Künstler oder Publizisten in Anspruch nehmen, müssen an einem Meldeverfahren teilnehmen. Der erste Schritt dazu ist eine formlose schriftliche oder telefonische Meldung bei der Künstlersozialkasse.

Die KSK prüft dann die Abgabepflicht und stellt sie in einem Bescheid fest.

Sie müssen die Rechnungen der Kreativen im Laufe eines Jahres sammeln und den Gesamtbetrag ermitteln. Davon abziehen dürfen Sie:

  • Mehrwertsteuer
  • Reisekosten
  • Bewirtungskosten
  • Zahlungen an GmbHs, OHGs, KGs

Den Betrag für das Kalenderjahr müssen Sie dann jedes Jahr bis zum 31. März an die KSK melden. Also für das Jahr 2018 bis zum 31. März 2019. Das Formular finden Sie auf der Seite der KSK. Aufgrund dieser Meldung berechnet die KSK, wie viel Künstlersozialabgabe Sie bezahlen müssen.

Wenn Sie bei der KSK erfasst sind und Ihren Meldepflichten nicht rechtzeitig nachkommen, dann schätzt die KSK die fällige Künstlersozialabgabe. Die Schätzung können Sie nur berichtigen, indem Sie eine Meldung machen.

Aufzeichnungen über Honorare, die Sie an Künstler und Publizisten bezahlt haben, müssen Sie mindestens fünf Jahre lang aufbewahren.

Wer überprüft, ob die Abgabe korrekt abgeführt wurde?

Das machen die Betriebsprüfer der Deutschen Rentenversicherung im Rahmen der Sozialversicherungsprüfung.

Die Prüfungen wurden seit 2015 verschärft. Unternehmen, die schon bei der KSK erfasst sind, und Arbeitgeber mit mehr als 19 Beschäftigten werden mindestens alle vier Jahre geprüft.

Außerdem hat die Künstlersozialkasse ein eigenes Prüfrecht und kann branchenspezifische Schwerpunktprüfungen sowie anlassbezogene Prüfungen durchführen.

Lesen Sie hier, was Arbeitgeber über KSK-Prüfungen wissen sollten.

Was passiert, wenn man die Künstlersozialabgabe nicht korrekt bezahlt hat?

Dann drohen bei der nächsten Betriebsprüfung Nachzahlungen für die letzten fünf Jahre, Säumniszuschläge und eventuell sogar bis zu 50.000 Euro Bußgeld.

Kann man gegen Nachzahlungsbescheide Widerspruch einlegen?

Ja, aber man muss eine Frist von einem Monat einhalten. Danach ist ein Widerspruch gegen einen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung oder der Künstlersozialkasse nur noch in Ausnahmefällen möglich.

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