Power-Pose
Diese Körperhaltung mindert Stress und gibt Selbstvertrauen

Bist du akut gestresst? Dann kann eine Power-Pose schnell für Abhilfe sorgen. Das Beste: Wer weiß, wie sie funktioniert, kann damit seine Stimmung auch langfristig positiv beeinflussen.

Aktualisiert am 2. Juni 2026, 10:43 Uhr, von Kathrin Halfwassen, Redakteurin

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Aufrichten – und der Tag wird leichter: Dieser Gedanke steckt hinter dem Prinzip Power-Pose.
© Thaweelab Khongchan / EyeEm / Getty Images

„Wer traurig ist, geht gebeugt, wer sich dagegen freut, läuft aufrecht: Dass Gefühle auf unsere Körperhaltung einwirken, wissen die meisten. Doch das Ganze funktioniert Hirnforschern zufolge auch umgekehrt! Indem wir unsere Körperhaltung bewusst ändern, können wir unsere Stimmung positiv beeinflussen und beispielsweise akuten Stress in wenigen Minuten mindern. Wie es funktioniert – und welche Power-Pose besonders gut hilft.

So hängen Gefühle und Körperhaltung zusammen

Wie stark und warum genau sich Haltung und Stimmung gegenseitig beeinflussen, ist mittlerweile gut erforscht. „Jeder Gedächtnisinhalt wird als Paket von Gedanken, Sinneseindrücken und Bewegungen gespeichert“, erklärt etwa Hirnforscher Gerald Hüther. „Wird eine Saite angeschlagen, schwingt die andere mit.“

Wenn wir beispielsweise traurig sind, sacken wir in uns zusammen, machen uns buchstäblich klein. Dazu senken wir den Kopf und ziehen die Schultern nach vorn. Diese Körperhaltung speichert unser Gehirn zusammen mit den miesen Gedanken und Gefühlen ab, die mit der Traurigkeit einhergehen. Wer im Alltag diese Haltung einnimmt und eine Weile darin verharrt, ruft die mit solchen Situationen verknüpften negativen Gefühle ab.

Die Folge: Wir fühlen uns bald schlecht – selbst dann, wenn wir zuvor gut gelaunt waren. Das erklärt beispielsweise, warum viele Menschen nach einem Bürotag in sitzender Position mit krummem Rücken missmutig in den Feierabend starten, obwohl es objektiv betrachtet keinen Grund dafür gibt. Und umgekehrt, warum wir uns direkt besser fühlen, wenn wir den Mund für eine Minute zu einem Lächeln formen.

Mitunter genügt schon ein Gedanke oder ein Wort, um das Paket an Gefühlen und Körperhaltung abzurufen – und damit unsere aktuelle Stimmung zu lenken. Beispielsweise ließen Forscher Studienteilnehmer bestimmte Wörter sagen und analysierten anschließend deren Körperhaltung. Bei Wörtern wie „Diplom“ oder „Applaus“ nahmen die Probanden eine aufrechte Position ein. Sprachen sie dagegen von „Scham“ oder „Angst“, ließen sie Kopf und Schultern deutlich mehr hängen.

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Diese Körperhaltung reduziert Stress am effektivsten

Wie sich das Zusammenspiel von Körperhaltung und Gefühl effektiv im Alltag nutzen lässt, hat unter anderem die Sozialpsychologin Amy Cuddy untersucht. In einer Metastudie konnte die Harvard-Dozentin zeigen: Über eine sogenannte „Power-Pose“ können wir Stress besonders gut reduzieren. Dieser Begriff bezeichnet Körperhaltungen, die wir automatisch einnehmen, wenn wir uns mächtig fühlen, erfolgreich oder einfach selbstsicher.

Wie sieht eine typische Power-Pose aus? Wir richten uns auf, drücken den Rücken durch und die Brust vor. Wir ziehen die Schultern nach hinten, stemmen eventuell die Hände in die Hüften – oder recken die Arme gestreckt nach oben, so dass der ganze Körper ein „V“ bildet.

Wie genau eine bewusst eingenommene Power-Pose körperliche Stressprozesse beeinflusst, zeigte Cuddy bereits in einer früheren Studie. Verharrten Probanden zwei Minuten in einer solchen Haltung, reduzierte dies ihren Spiegel am Stresshormons Cortisol um ein Viertel. Umgekehrt stiegt der Testosteron-Spiegel um 20 Prozent. Dieses Hormon sorgt dafür, dass wir uns selbstsicherer fühlen.

Selbstbewusst statt gestresst – das fühlt sich nicht nur besser an, sondern bringt auch bessere Ergebnisse: So präsentierten sich Studienteilnehmer in einem weiteren Versuch in simulierten Vorstellungsgesprächen deutlich erfolgreicher, wenn sie sich mit Power-Posing vorbereitet hatten.

So lässt sich das Stressempfinden langfristig senken

Hirnforscher konnten kürzlich nachweisen, dass die Areale in Gehirn, von denen aus die willkürlichen Bewegungen gesteuert werden, mit den Nebennieren verbunden sind. In diesen werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin gebildet. Dies erklärt der Studie zufolge, wieso bestimmte Bewegungsformen stressreduzierend wirken – wie etwa Tai Chi, Pilates und Yoga.

Mit dieser Forschung im Rücken raten Experten zu drei Dingen, um langfristig den Effekt bestimmter Körperhaltungen für sich zu nutzen und das Stressempfinden zu reduzieren.

Tipp 1: Nimm so oft wie möglich eine Power-Pose ein

Beim Telefonieren im Stehen, wenn du in der U-Bahn bist, auf dem Weg zum Drucker oder zum Auto: Reck dich, zieh bewusst einmal die Schultern nach hinten, stemm die Hände in die Hüften. So programmierst du dich langfristig auf selbstsicher und stressresistent. Auch gut als SOS-Hilfe in akuten Stresssituationen.

Tipp 2: Versuche, Geist und Körper neu positiv zu verknüpfen

Geige lernen, Gärtnern, im Chor singen: Wann immer wir anfangen, etwas zu tun, auf das wir wirklich Lust haben, verknüpft unser Gehirn Körperhaltungen und positive Gefühle zu neuen Gedächtnisinhalten. Um sich langfristig gut gelaunt zu polen, ist das Singen besonders geeignet! Der Grund: Beim Singen heben wir unwillkürlich das Kinn und drücken die Brust heraus. Und nehmen damit eine Haltung ein, die das Gegenteil von jeder bildet, die ängstliche Menschen aufweisen.

Tipp 3: Versuche, sanftes Körpertraining wie Tai Chi, Feldenkrais oder Qi Gong in den Alltag zu integrieren

Das hilft, sich angewöhnte Haltungsmuster bewusst zu machen und zu erfahren, welche alternativen Körperhaltungen es gibt, die unsere Stimmung heben. Positiver Nebeneffekt: Jede Minute mehr, in der wir uns bewegen, trainiert die Körperspannung. Es festigt die Haltung, wenn du aufrecht und gestrafft gehst,  und damit indirekt auch die Psyche. Gehst du so durchs Leben, signalisierst du deinem Körper: „Alles ok hier!“ Und kommt auch deutlich besser mit Stresssituationen zurecht.

Übrigens: Die richtige Körperhaltung einzunehmen, kann nicht nur helfen, Stresssituationen besser zu meistern. Sie kann dich etwa auch dabei unterstützen, Geschäftspartner in Verhandlungen zu überzeugen.

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