Körpersprache richtig einsetzen Diese Signale senden echte Alphatiere

Kanzlerin Angela Merkel weiß, wie sie Körpersprache richtig einsetzt. Ihre Hände signalisieren Aktivität.

Kanzlerin Angela Merkel weiß, wie sie Körpersprache richtig einsetzt. Ihre Hände signalisieren Aktivität.© Lukas Schulze / Freier Fotograf / Getty Images

So richtig schaffen Sie es nicht, Ihre Mitarbeiter für etwas zu begeistern? Vielleicht senden Sie die falschen Signale. Wie Sie von den Mächtigen dieser Welt lernen können, Körpersprache gezielt einzusetzen.

„Wie konnte das nur passieren? Wie konnte ausgerechnet dieser Mann Präsident der USA werden?“ Auch zwei Jahre nach Donald Trumps Wahl fragen sich das viele noch fassungslos. Stefan Verra glaubt, einen Grund dafür gefunden zu haben: Trump hat die Amerikaner durch seine Körpersprache begeistert. „Unser Gehirn kann nicht anders, als zuerst ‚Nichtrationales‘ wahrzunehmen und das als Entscheidungsgrundlage zu verwenden“, schreibt der Experte für Körpersprache in seinem Buch „Leithammel sind auch nur Menschen. Die Körpersprache der Mächtigen“.

Dass wir die Signale, die andere mit ihrem Körper senden, automatisch übersetzen und verarbeiten, merken wir oft nicht. Umso mehr Begeisterungs- und Durchsetzungskraft verleiht dieser Mechanismus denjenigen, die ihn kennen und für sich nutzen. Laut Verra hat die Körpersprache von Politikern mehr Einfluss auf Wahlentscheidungen, als wir meinen.

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Was Säbelzahntiger mit Körpersprache zu tun haben

Phänomene wie dieses erklärt Verra mit einem Verweis auf unsere Vorfahren. Neandertaler waren täglich Gefahren ausgesetzt. Griff ein Säbelzahntiger an, hatten sie keine Zeit, lange zu überlegen, wie sie am klügsten auf die Bedrohung reagieren. Sie folgten ihrem Instinkt – und der war darauf getrimmt, Signale der anderen blitzschnell in Reaktionen zu übersetzen. Diese Mechanismen finden sich noch beim modernen Menschen: Auch sie suchen laut Verra nach Anführern, die sie vor den „Säbelzahntigern“ schützen.

Wer Menschen von sich überzeugen möchte, sollte also wissen, welche Wirkung Körpersprache haben kann. Denn Menschen folgen einem „Alphatier“ auch deshalb, so der Experte weiter, weil es ihnen mit seiner Mimik, Gestik, Haltung und auch seiner Inszenierung das Versprechen gibt, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen.

Aber was sind das für Signale, die die Leithammel dieser Welt senden? Und was können Sie von ihnen lernen? Drei prominente Beispiele.

Donald Trump

1. Imitieren Sie
US-Präsident Donald Trump machte einen Kunstgriff während seines Wahlkampfs: Er passte sich der Körpersprache seiner Wählerschaft an. Viele Wähler, vor allem in den strukturschwachen ländlichen Gegenden Amerikas, waren 2017 stinksauer auf Politiker. Sie fühlten sich alleingelassen mit ihren Problemen. Und wie sieht wohl die Körpersprache dieser Menschen aus, wenn sie sich zum Stammtisch in der Kneipe treffen? Verra ist sicher: „Siehauen mit der Faust auf den Tisch, brüllen laut und zeigen ihre Angst und Verzweiflung in Form von Zorn.“ Trump hat es ihnen gleichgetan: Zornig und laut schimpfte er auf das Establishment in Washington. Für die Wähler kam er, der Milliardär, rüber wie einer von ihnen.

Was Sie daraus lernen können: „Wer Menschen wirklich nahekommen will, wird das nur schaffen, indem er ihrer Körpersprache ‚entspricht'“, schreibt Verra. Zum Beispiel: Ein Mitarbeiter ist stinksauer, weil ein Kunde ihn angeschnauzt hat. Erzählt er Ihnen davon, können Sie ihm mit Ihrer Körpersprache zeigen, dass Sie ihm wirklich zuhören. Spiegeln Sie ein wenig seiner Gefühle wider, etwa, indem sie entsetzt die Augen aufreißen und interessiert nicken.

2. Kopf hoch
Eine geduckte Haltung ist nicht Trumps Ding. Auch in stressigen Situationen reckt er das Kinn und hebt den Kopf. Was er damit laut Verra ausstrahlt: „Ich habe nicht die Hosen voll, ich bin noch souverän.“ Zum anderen demonstriere er so, dass er Weitblick habe. Trump und Weitblick? Denken Sie daran, es geht nur um die Körpersignale, die unser Gehirn unterbewusst verarbeitet. Das heißt auch: Wer ständig nach unten auf seine Schuhspitzen schaut, signalisiert das Gegenteil.

Was Sie daraus lernen können: Selbstsicherheit und Weitblick sind laut Verra Eigenschaften, die Menschen auch heute noch von Alphatieren erwarten. Also heben Sie Ihren Kopf in den passenden Situationen. Doch Vorsicht: In einem persönlichen Gespräch wirken erhobener Kopf und gerecktes Kinn arrogant.

3. Ring formen
Wenn Mr. Trump vor laufenden Kameras erklärt, wie großartig er Probleme löst, dann unterstreicht er das meist mit einer bekannten Geste: Er formt mit Zeigefinger und Daumen einen Ring. Diese Geste ist uralt und vermittelt laut Verra unter anderem Präzision. Mit einer ähnlichen Fingerhaltung fädeln wir zum Beispiel einen Faden in ein Nadelöhr. Aus diesem Grund würden Politiker diese Geste oft verwenden, wenn es auf einen speziellen Punkt ankomme.
Was Sie daraus lernen können: Setzen Sie diese Ring-Geste ein, wenn Sie Argumente darlegen. Laut Verra erzeugen Sie so ein Gefühl von Kraft und Präzision.

Angela Merkel

1. Bleiben Sie cool
Als Teflon-Kanzlerin wird Angel Merkel oft bezeichnet: Vieles scheint einfach an ihr abzugleiten. Ihr Gesicht verrät selten, was sie wirklich denkt. Verra meint, dass diese Eigenschaft einen großen Vorteil hat: Sie vermittelt Stabilität. Gerade in aufregenden Zeiten mit vielen Herausforderungen sei das eine Eigenschaft, die Menschen an Anführer schätzen.

Was Sie daraus lernen können: Lassen Sie sich nicht anmerken, wenn Sie etwas auf die Palme bringt. Das vermittle Ausgeglichenheit und Stabilität, schreibt Verra. Was wiederum nicht heiße, dass man sich alles gefallen lassen solle. „Aber echte Alphatiere engagieren sich erst, wenn das große Gesamtbild in Gefahr gerät“, meint der Experte.

2. Hände hoch
Merkel hat es geschafft, eine Geste zu ihrem Markenzeichen zu machen: die Raute. Was wirklich dahintersteckt, ist reine Mutmaßung. Doch Verra erklärt, was Merkel mit der Raute vermittelt: Sie wirkt dadurch aktiver. Warum? Der Experte schreibt, dass Linien, die nach unten zeigen, uns weniger beteiligt/engagiert? wirken lassen als solche, die nach oben zeigen. Sind wir müde und schlapp, lassen wir uns hängen, also auch die Arme. Formt Merkel die berühmte Raute, dann meist auf Bauchnabelhöhe. Sie hebt ihre Arme also deutlich an.

Was Sie daraus lernen können: Verra empfiehlt, auf die Linien des Körpers zu achten: „Wer eine Gruppe animieren will, muss also seine Körperlinien nach oben bringen.“ Wie Sie das machen? Indem Sie bei einem Vortrag zum Beispiel wie Merkel Ihre Hände auf Bauchhöhe halten. Achten Sie mal darauf: Menschen, die viel in der Öffentlichkeit stehen, beherzigen oft diesen Tipp. Thomas Gottschalk macht das genauso wie „heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka.

Emmanuel Macron

1. Lassen Sie Ihre Brauen sprechen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schaffte es innerhalb kürzester Zeit, die Franzosen von sich zu überzeugen. Verra hält die „Variabilität in der Körpersprache“ für Macrons Joker. Der Präsident wisse um die Kraft und Wirkung seiner Körpersprache und setze sie bewusst ein. Verra ist sich sicher: Macrons Körpersprache liefert jede Menge Hinweise darauf, wie wir besser auf andere wirken können.

Wenn Macron redet, reden seine Augenbrauen mit: Er hebt und senkt sie. Das zieht uns laut Verra in seinen Bann. Über das Brauenspiel vermittele er die Bedeutung seiner Worte. Sie sind skeptisch? Dann stellen Sie sich vor, wie es wohl auf Sie wirken würde, wenn ein Mitarbeiter von einem Top-Auftrag berichtet, den er an Land gezogen hat, und dabei die Augenbrauen fest zusammenzieht.

Was Sie daraus lernen können: Heben Sie Ihre Brauen, wenn Sie begeistern wollen. Und senken Sie sie, wenn sie anzeigen wollen: Jetzt wird’s ernst. Das gilt nicht nur, wenn Sie reden, sondern auch, wenn Sie zuhören. Berichtet Ihnen ein Mitarbeiter von seinen Sorgen, dann sollten Sie nicht mit regloser Botox-Mine zuhören. Anhand Ihrer Brauen, kann er erkennen, ob Sie das Gesagte skeptisch sehen – oder mitfühlen.

2. Das Kind hervorholen
Macrons Gestik ist so ausgeprägt wie bei kaum einem anderen Politiker, der sich auf der Weltbühne bewegt. Oder wie Verra schreibt: „Er hämmert bei jedem Wort mit der Faust durch die Luft, so als wolle er uns sein Statement tatsächlich ‚reinhämmern'“. Bei einer freundlichen Begrüßung grinse er bis hinter beide Ohren und öffne dabei weit seine Arme. Bei manchem könnte das aufgesetzt wirken. Nicht so bei Macron. Woran liegt das? Weil er es schon immer so gemacht hat, vermutet Verra.

Was Sie daraus lernen können: Verra empfiehlt, das Kind in uns hervorzuholen: „Wenn Sie ein klein wenig von dem, was Sie als Kind draufhatten, wieder von den Hemmungen befreien, haben Sie Mittel zur Verfügung, die Sie vom Gros der Menschen abheben.“ Das authentische Zusammenspiel von verbaler und nonverbaler Kommunikation lasse uns „charismatisch“ wirken.

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2 Kommentare
  • Thomas K. 2. Mai 2019 13:51

    Das Beispiel Trump halte ich für nicht passend und nicht als Vorbild für non-verbale Kommunikation. Es passt nicht zu dem für das Trump und sein gefährlicher Narzißmus steht. Von Trump kann man nichts lernen. Er ist berechnend und manipulativ verbal und non-verbal. Damit steht er nicht für Werte wie z.B. Respekt ggü. Anderen. Auch Ihr übertragenes Beispiel „Spiegeln Sie ein wenig seiner Gefühle wider, etwa, indem sie entsetzt die Augen aufreißen und interessiert nicken.“ Das ist mit Verlaub „Quatsch“. Sie werden als Manipulator früher oder später entlarvt werden von Ihren Mitarbeitern. Es sei denn Sie wollen als Führungsperson manipulativ sein.

  • Anonymous 9. April 2019 14:10

    „Der Experte schreibt, dass Linien, die nach unten zeigen, uns weniger beteiligt/engagiert? wirken lassen als solche, die nach oben zeigen. “ Was denn nun?

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