Zufallsprodukte Diese 10 Produkte gibt es nur wegen eines Fehlers

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Das Eis am Stiel erfand der Amerikaner Frank Eppseron, als er als Kind ein Limonadenglas mit Löffel über Nacht draußen vergaß.

Das Eis am Stiel erfand der Amerikaner Frank Eppseron, als er als Kind ein Limonadenglas mit Löffel über Nacht draußen vergaß.© Christian Müller - Fotolia.com

Missgeschicke und Zufälle haben immer wieder zu Produkten geführt, die Firmen heute Milliardenumsätze bescheren. Diese 10 Beispiele zeigen, dass Fehler auch nützlich sein können.

Penicillin

London, Sommer 1928: Der schottische Mediziner Alexander Fleming forscht in seinem Labor im St. Mary’s Hospital an Staphylokokken, also rundlichen Bakterien, die sich wie Weintrauben aneinanderlegen. Es ist Sommer, und Fleming steht kurz vor einer Reise, als er eine Platte mit den Bakterien beimpft und im Labor vergisst. Nach seiner Rückkehr bemerkt er: Die Versuchskultur ist eigenartig verschimmelt. Noch wichtiger ist jedoch eine andere Beobachtung: Der Schimmelpilz vernichtet die Bakterien. Weil der Pilz aus der Gattung Penicillium ist, gibt Fleming seiner Entdeckung den Namen „Penicillin“.

Zehn Jahre später entwickeln die Forscher Howard W. Florey und Ernst B. Chain aus dem Pilz ein Medikament, das im Laufe der Zeit unzählige Menschenleben retten wird. Für die Entdeckung und Weiterentwicklung von Penicillin werden Fleming, Florey und Chain 1945 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Eis am Stiel

Der Amerikaner Frank Epperson ist erst elf Jahre alt, als ihm im Winter 1905 ein kleines Missgeschick passiert: Über Nacht lässt er ein Glas mit selbst gemachter Limonade und einem Löffel darin draußen stehen. Am nächsten Tag ist die Limonade gefroren und Frank Epperson hält das erste Eis am Stiel in der Hand.

1923 lässt er sich die Idee patentieren. Das Wassereis vertreibt der Limonadenhändler erfolgreich in mehreren Geschmacksrichtungen unter dem Markennamen Eppsicle Ice pop und später Popsicle. Im gleichen Jahr meldet der Amerikaner Harry B. Burt das Vanilleeis am Holzstab als Patent an.

Post-it

Heute sind die bunten, selbstklebenden Zettel kaum aus einem Büro wegzudenken. Dabei hätte es sie beinahe nie gegeben. 1968 sollte der Chemiker Spencer Silver einen Superkleber für die Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) entwickeln. Er erfand einen Klebstoff, der sich rückstandslos entfernen ließ – allerdings wusste niemand, wozu dieser nützlich wäre. Es wurde eine Pinnwand entwickelt, die mit dem Kleber bestrichen war. Die verschwand jedoch bald wieder vom Markt. Silvers Erfindung war gefloppt.

Erst Jahre später pinselte ein Kollege von Silvers den Kleber auf die Lesezeichen für die Liederbücher im Kirchenchor. Ihn störte, dass diese immer herausfielen. Und erfand damit 1974 das Post-it.

Tesafilm

Das Hamburger Unternehmen Beiersdorf beauftragte seine Forscher in den 1930er-Jahren mit der Suche nach einem hautverträglichen Klebstoff für Pflaster. Diese hatten jedoch keinen Erfolg: Die Substanz geriet zu fest. Deshalb beschloss die Firma, sie stattdessen als Allzweckkleber unter dem Namen „Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm“ in den Handel zu bringen – mit mäßigem Erfolg. Nach der Umbenennung in Tesa wurde der durchsichtige Klebestreifen weltbekannt und sogar in den Duden aufgenommen.

Mikrowellenherd

Schnell ein Essen in der Mikrowelle aufwärmen: Diesen Komfort verdanken Konsumenten dem US-amerikanischen Ingenieur Percy Spencer. Er beschäftigte sich in den 1940er-Jahren mit Magnetronen, also Elektronenröhren, die magnetische Energie verwenden. Den praktischen Nutzen der Magnetronen entdeckte er erst durch ein Missgeschick: In der Nähe der Röhren schmolz ihm ein Schokoriegel in der Hosentasche. Auf Basis dieser Entdeckung entwickelte Spencer die Idee des Mikrowellenherdes, der erstmals 1947 produziert wurde.

Hartgummi

Gummi galt lange Zeit als empfindliches Material. Bei Wärme schmolz es und bei Kälte brach es. Der amerikanische Chemiker Charles Nelson Goodyear wollte den Naturkautschuk durch chemische Zusätze haltbarer machen. Doch lange blieben seine Bemühungen erfolglos, bis ihm 1839 ein Stück Kautschuk-Schwefel-Gemisch versehentlich auf eine heiße Herdplatte fiel. Die Masse war plötzlich nicht mehr feucht und klebrig, sondern dauerhaft elastisch, robust und stabil. Goodyear hatte die sogenannte Vulkanisation entdeckt – und damit das Hartgummi.

Teflon

Der amerikanische Chemiker Roy J. Plunkett machte sich in den 1930er-Jahren auf die Suche nach einem neuen Kühlmittel. Er verwendete dazu das Gas Tetrafluorethylen (TFE). Aus Sparsamkeit bestellte Plunkett gleich 50 Flaschen. Eine dieser Flaschen lagerte er versehentlich so lange, bis das Gas von selbst chemisch reagierte. Die neu entstandene Substanz mit dem späteren Namen Teflon war glatt und hitzebeständig.

In den 1950er-Jahren beschichtete dann der französische Chemiker Marc Grégoire seine Angelschnur damit, um sie leichter entwirren zu können. Seine Ehefrau Colette kam auf die Idee, Töpfe und Pfannen mit dem Material zu überziehen. Das Geschäft mit den beschichteten Pfannen lief so gut, dass Grégoire 1956 das Unternehmen Tefal gründete und damit begann, die Pfannen industriell zu produzieren.

Zelluloid für Filmstreifen

Ein Malheur passierte auch dem schwäbischen Physiker und Chemiker Christian Friedrich Schönbein. Um 1846 verschüttete er bei Experimenten in seiner Küche Schwefel- und Salpetersäure. Mit der Baumwollschürze seiner Frau wollte er die Flüssigkeiten aufwischen. Doch als er die Schürze über dem Ofen aufhängte, ging der Stoff in Flammen auf und verpuffte.

Per Zufall hatte Schönbein Zellulosenitrat (Schießbaumwolle) entdeckt, aus dem später durch Hinzufügen von Campher als Weichmacher Zelluloid für Filmstreifen entwickelt wurde. Wegen der hohen Entzündlichkeit dieser Filme ersetzte man sie in den 1950er-Jahren durch Sicherheitsfilme. Aber noch bis heute werden beispielsweise Tischtennisbälle aus Zelluloid gefertigt.

Transportfähiges Dynamit

Die Forschung mit Dynamit war im 19. Jahrhundert äußerst gefährlich. Immer wieder explodierte der Stoff unkontrolliert. Der schwedischen Chemiker Alfred Nobel forschte deshalb an einem handhabungssicheren Sprengstoff, der durch eine Initialzündung zur Explosion gebracht werden konnte. Den Überlieferungen nach war bei einem Transport von Nitroglycerin 1866 ein Transportgefäß undicht. Reines Nitroglycerin tropfte auf die mit dem weißen Pulver Kieselgur ausgepolsterte Ladefläche des Transportwagens.

Die Fahrer berichteten Nobel von der entstandenen breiigen Masse. Dieser Hinweis soll ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass ihm später die Herstellung des geplanten Sprengstoffs gelang: Kieselgur wurde mit Glycerintrinitrat getränkt und in einer Schutzhülle verpackt. Alfred Nobel bestätigte diese Entstehungsgeschichte jedoch nie.

Porzellan

Bereits im 7. Jahrhundert beherrschten Chinesen die Kunst der Porzellanherstellung. Im Westen war die Produktionsweise jedoch lange Zeit unbekannt und das weiße Gold aus dem fernen Osten ein wertvolles Gut. Im 18. Jahrhundert sollte der Alchemist Johann Friedrich Böttger für Sachsens Kurfürst August den Starken Silber in Gold umwandeln.

Bei seinen Versuchen mischte er gemahlene Tonerde mit Feldspat, Quarz und Wasser, brannte die Masse und erhielt statt Gold Porzellan. Sachsens König August der Starke richtete 1710 in Meißen eine Manufaktur ein. Das weiße Gold machte August reich und schuf mit den gekreuzten Schwertern eine der ältesten Marken der Welt.


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