Vortrag halten Mein Vier-Punkte-Plan für erfolgreiche Vorträge

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Gute Vorbereitung, Spontanität und eine gute Nachbereitung - wer einen guten Vortrag halten möchte, muss auf vieles achten.

Gute Vorbereitung, Spontanität und eine gute Nachbereitung - wer einen guten Vortrag halten möchte, muss auf vieles achten.© andrey-fo / photocase.de

Einen Vortrag halten - und fürs eigene Marketing profitieren: Unternehmer Sven Franzen steht regelmäßig am Rednerpult. Wie er sich vorbereitet, aufs Publikum eingeht und durch Vorträge Kunden gewinnt.

Es ist ein Mittwochvormittag, die SEA University in Berlin hat gerade die Alumni-Konferenz eröffnet. Die Teilnehmer strömen in die Vortragsräume – auch in meinen – um spannenden Vorträge zu hören. Die Erwartungen sind groß, mehr als 300 Studenten schauen mich an: den Unternehmer, der über „Entrepreneurship – wie man sein Unternehmen erfolgreich gründet“ auf Englisch sprechen wird.

Es ist mein erster Vortrag auf Englisch und meine Hände sind verschwitzt vor Aufregung. Der Spuk in meinem Hirn produziert Ängste, was alles schief gehen könnte. Aber bei der zweiten Folie ist er wie weggeblasen: Ich bin voll in meinem Element, auch dank der Vorbereitung mit meinem Vier-Punkte-Plan.

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1. So konzipieren Sie Ihren Vortrag

Wenn ich Vorträge halte, unabhängig ob für Kunden oder in eigener Sache, steht am Anfang das Ziel. Was soll dieser Vortrag vermitteln und inhaltlich wiedergeben? In meinem Fall war es der SEA University wichtig, den Alumni das Unternehmertum näher zu bringen und dadurch langfristig studentische Gründungen zu fördern. Daraus folgte die klare inhaltliche Fokussierung auf das Thema Unternehmertum, vor allem welche Gedanken man sich machen sollte für seine erste Gründung, sowie die Vortragssprache Englisch wegen des internationalen Fokus.

Bei meinen Recherchen fragte ich mich zuerst, welchen Stand Alumni nach der Universität haben, was sie interessiert und was besonders wichtig für sie ist, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Zum Recherchieren nutze ich meist Fachbücher, neben meinen eigenen auch Bücher aus der deutschen National- oder Universitätsbibliothek (Ausweise gibt es gegen Gebühr auch für Externe). Internetquellen sind für eine zügige Recherche und Überblick wichtig und sinnvoll, jedoch weder zitierfähig noch für fachliche Vorträge geeignet. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Nachdem Sie sich die Frage nach dem Ziel des Vortrages beantwortet haben, stellen Sie sich immer die Frage nach Ihrer Zielgruppe: Wer hört Ihnen zu? Was interessiert denjenigen? Auf welches Wissen kommt es an? Entscheiden Sie schlussendlich, worauf Sie Ihren Fokus legen. Achten Sie beim Folienaufbau auf eine klare, knackige und nachvollziehbare Struktur des Vortrags. Ihre Folien sollten einen möglich kurzen Inhalt enthalten. Ich verwende meist Grafiken, am liebsten solche, die ich selbst entwickelt und gestaltet habe. Vermeiden Sie zu vollgepackte Folien, das kann der Hörer nicht mehr aufnehmen oder er wird von ihnen abgelenkt.

Ein Beispiel:

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Meine Tipps

Ansprache klären: Ein Teil der Konzeption sollte auch die Ansprache sein: Möchten oder sollen Sie Ihr Publikum mit Du oder Sie ansprechen? Treffen Sie diese Entscheidung zu Beginn Ihrer Konzeption (zumindest vor Erstellung von Folie und Handout).

Spielraum für Anpassungen lassen: Meine Folien verraten weder eine Struktur noch Inhalte; sie enthalten meist nur ein Wort oder eine Grafik. So kann ich bei Bedarf den Vortrag und seinen inhaltlichen Schwerpunkt vor Ort in Echtzeit an meine Zuhörer – wenn ich sie vor mir sitzen sehe – anpassen.

Kulturelle Besonderheiten berücksichtigen: Inzwischen halte ich Vorträge in drei Sprachen: Deutsch, Englisch, brasilianisches Portugiesisch. Hierbei ist wichtig, dass Sie für jeden einzelnen Vortrag Ihre Inhalte an die Landessprache und ihre Gegebenheiten sowie Ihr Publikum anpassen: Kultur, Land, Sprache, Grafiken – was ist erlaubt, was nicht? So sollte man sich bei der Auswahl von Bildmaterial vorher über die Kultur des Landes informieren und inwiefern dieses Bild kulturell umstritten sein könnte. Prüfen Sie dies unbedingt vorab!

2. So optimieren Sie Ihre Rhetorik und Körpersprache

Ich habe früher gelispelt und dies mit Hilfe einer Logopädin wegtrainiert, da es mich störte. Heute hört man mir gerne zu. Durch viel Lesen, Schreiben und der Auseinandersetzung mit meinen Vortragssprachen optimiere ich meine Rhetorik täglich. Wichtig ist die freie, authentische Rede mit guter Wortwahl und korrekter Grammatik, damit Ihre Zuhörer Ihnen gerne zuhören. Zudem unterstreicht dies Ihre Kompetenz und Ihren Auftritt als Experte.

Für meinen Stand, Haltung und Körpersprache habe ich mir einen Kommunikationscoach gebucht und mit ihr meine eigene Art der Körperhaltung ausgearbeitet: So dass ich mich wohlfühle und professionell, authentisch und positiv wirke. Möglicherweise kennen Sie die berühmte „Raute“ von Frau Merkel? – Das ist ihre eigene Art der Körperhaltung.

Mein Tipp

Eigene Wirkung überprüfen: Stellen Sie sich vor den Spiegel, sodass Sie sich wohlfühlen und authentisch wirken. Betrachten Sie sich selbst, ob Sie sich so gefallen, und versetzen Sie sich in den Zuhörer. Üben Sie den Vortrag und die Rhetorik. Passen Sie dann Ihre Haltung und Körpersprache an, sodass Sie sich wohlfühlen und professionell wirken. Coachs können bei der Einschätzung helfen, wie man selbst auf andere wirkt.

3. So halten Sie Kontakt zum Publikum

Die größte Unbekannte ist jedoch: Was ist wenn im Publikum ein weiterer Experte sitzt, der Ihre Hypothese nicht stützt, sondern kritisch hinterfragt? Wie geht man damit um?

Vor kurzem hielt ich einen Vortrag über Corporate Social Responsibility und den Nutzen für das Unternehmensmarketing bei den Lions. Ich stellte die Hypothese auf, dass man auch darüber reden sollte, wenn man sich ehrenamtlich engagiert – ganz nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Diese These wurde stark kritisiert. Ich habe das Feedback der Hörer aufgenommen, zur Diskussion gestellt und das Publikum angeregt, weitere Meinungen und Blickwinkel zu erwähnen. Es entstand eine Sammlung von Pro- und Contra-Argumenten für meine These. Diese haben wir abgewogen und auch Vorteile herausgestellt, die dem Ehrenamt und der daraus entstehenden Arbeitsresultate zugutekommen.

Während des Vortrages sollten Sie authentisch sein und den Augenkontakt mit Ihrem Publikum halten. Der Einsatz von Medien wie Beamer oder Flipchart sollte Ihnen locker von der Hand gehen – üben Sie es vorher! Sie sollten schnell sein, denn Hörer verlieren die Geduld, wenn ein Redner zehn Minuten lang voller Detailverliebtheit seine Grafiken anmalt. Deswegen ist es oft hilfreich, die Grafiken schon fertig vorbereitet zu haben.

Meine Tipps

Das Eis brechen: Ich stelle als „Eisbrecher“ zu Beginn jedes Vortrags eine Frage, auf die jeder im Publikum antworten kann. Die Antworten sammele ich am Flipchart, um den Hörern Wertschätzung zu geben.

Das Wort abgeben: Kritik ist toll! Das Publikum hat Ihnen offensichtlich sehr interessiert zugehört und möchte an der Diskussion teilhaben. Nutzen Sie das für sich und beziehen Sie das Publikum und dessen Argumente mit ein. Stellen Sie offene und rhetorische Fragen oder geben Sie das Wort gezielt ab. Auf keinen Fall sollten Sie Ihre Zuhörer abwürgen oder patzig reagieren – damit untergraben Sie Ihre eigene Professionalität und Stellung als Experte. Experten sind solche, die sich mit allen Blickwinkeln befassen und gerne eigene Hypothesen an diese anpassen.

4. So bereiten Sie den Vortrag nach

Unterschätzen Sie nicht den Marketing-Effekt: Wenn Sie einen Vortrag halten, stehen Sie im absoluten Mittelpunkt und werden als Experte angesehen. Ich halte den Kontakt zu meinen Hörern und akquiriere sie regelmäßig als Kunden. Bei meiner letzten Folie frage ich immer, wer die Folien haben möchte. Es meldet sich immer mindestens die Hälfte des Publikums. Dann bitte ich alle, die die Folien möchten, mir persönlich Ihre Visitenkarte zu geben.

Das hat drei Vorteile:

  1. Der potenzielle Kunde kommt zu Ihnen und schüttelt Ihnen die Hand.
  2. Sie erhalten Feedback – und Wertschätzung tut gut.
  3. Sie haben den persönlichen Kontakt und können auch Ihre eigene Visitenkarte weitergeben.

Anschließend versende ich drei oder vier Tage später die Folien per E-Mail. Das hat einen weiteren Vorteil: Die Folien werden häufig an Freunde und Bekannte weiterverbreitet. Das Passwort der Folien-Pdf ist immer unsere Internetadresse, damit alle Benutzer die Firma nicht vergessen. Alternativ können Sie Ihre Folien auch in Portalen, die extra hierfür geschaffen wurden, publizieren und streuen.

Meine Tipps

Feedback einholen: Bei meinen ersten Vorträgen habe ich Videos aufzeichnen lassen (eine Kamera ganz hinten im Raum auf ein Stativ gestellt und auf Aufnahme gedrückt), um mir selbst Feedback zu geben. Zudem lade ich immer Freunde ein, die mir ein persönliches Feedback geben können. Werten Sie dieses Feedback in einem eigenen Fazit aus.

Vortrag optimieren: Bauen Sie das Feedback in Ihre Folien, Abläufe und Konzeption ein und optimieren Sie so Ihren Vortrag stetig. Ihr Vorteil: Andere helfen Ihnen bei der Optimierung Ihrer Leistung – das ist wahre Wertschätzung. Setzen Sie dies in positives Tun um.

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2 Kommentare
  • Frank Welsch-Lehmann 18. Februar 2016 09:01

    Danke, das sind wertvolle Tipps. Frage: wie finden Sie denn die Gelegenheiten für Vorträge? Nach einer Weile wird man wohl empfohlen und gefragt, aber gerade am Anfang? Mein Schwerpunkt-Thema wäre „Digitales Marketing für KMU’s“.

    • Sven L. Franzen 18. Februar 2016 19:14

      Sehr geehrter Herr Welsch-Lehmann,
      haben Sie besten Dank für Ihre Frage, die ich wie folgt beantworte: Gelegenheiten für Vorträge gibt es an vielen Stellen zu finden, zum Beispiel bei:
      1. Wirtschaftsjunioren und ähnliche Organisationen (Lions, Rotary, BJU, etc.)
      2. IHKs, VHS
      3. Messen, Kongresse
      4. in den eigenen Kundenreihen
      5. Speaker-Agenturen
      6. Unternehmens-Events
      7. Unternehmerstammtische / Gründervereinigungen
      8. MeetUps

      Was Sie tun können:
      Vor allem sollten Sie dies in Ihrem aktiven „Marketing“ für Ihre Vorträge einbinden (eine kleine Unterseite auf der Firmenwebsite:
      1. Firmenwebsite (Unterseite)
      2. Soziale Netze: Facebook, Twitter, XING, LinkedIn, MeetUp
      3. Akquise-Mails an bestehende Kontakte
      4. Networking-Veranstaltungen

      Ich hoffe, das beantwortet Ihre Frage. Gerne mehr davon 🙂

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