Toxische Mitarbeiter Diese Mitarbeiter können Ihrem Unternehmen schaden

Vorsicht, giftig! Toxische Mitarbeiter können können das gesamte Betriebsklima gefährden.

Vorsicht, giftig! Toxische Mitarbeiter können können das gesamte Betriebsklima gefährden.© pip / photocase.de

Unsozial, intrigant, auf den eigenen Vorteil bedacht: So genannte "toxische Mitarbeiter" können einem Unternehmen schaden. Vier Warnsignale, an denen Sie sie schon bei der Personalsuche erkennen.

Wen würden Sie eher einstellen? Den hochmotivierten, selbstsicheren und sehr produktiven Bewerber – oder den vielleicht etwas durchschnittlichen, aber kollegialen Typen, der zugibt, sich auch mal über die Anweisungen des Chefs hinwegzusetzen?

In den meisten Personalabteilungen gilt nach wie vor das Leistungsprinzip: Wer viel schafft, aktiv und produktiv ist, gilt als guter Mitarbeiter, der gerne eingestellt wird. Doch unter den hochproduktiven Mitarbeitern finden sich immer wieder sogenannte „Toxic Workers“ – Mitarbeiter, die einem Unternehmen mehr Schaden zufügen als Vorteile bringen.

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Sie sind erfolgsorientiert und werden deshalb von der Unternehmensspitze gefeiert. Bei den Kollegen jedoch sind sie verhasst, denn sie sind vor allem auf ihren persönlichen Vorteil bedacht. Sie mobben, lästern und schrecken auch nicht vor unmoralischen oder sogar illegalen Handlungen zurück.

Durch unsoziales und intrigantes Verhalten können toxische Mitarbeiter das Betriebsklima „vergiften“ und die Produktivität des gesamten Teams herunterziehen. Eine Studie von Michael Housman und Dylan Minor von der Harvard Business School belegt nun, wie der groß der Schaden sein kann, den solche „giftigen“ Mitarbeiter in einem Unternehmen anrichten.

Die Forscher untersuchten die Daten von 50.000 Mitarbeitern aus elf amerikanischen Unternehmen: Ergebnisse von Einstellungstests, Leistungsdaten und Kündigungsgründe. Das Ergebnis: Während ein toxischer Mitarbeiter durchschnittlich einen Schaden von 12.500 US-Dollar verursacht, erwirtschaften die ein Prozent der besten Arbeitnehmer zusammen ein Plus von 5000 Dollar. Kurz gesagt: Selbst Ihre besten Mitarbeiter können es nicht schaffen, den Schaden EINES toxischen Mitarbeiters auszubügeln.

Es lohnt sich also, bereits bei der Personalsuche darauf zu achten, nicht auf die toxischen Mitarbeiter reinzufallen. Housman und Minor arbeiteten vier Warnsignale heraus, die auf einen toxischen Mitarbeiter hindeuten:

Produktivität

Es erscheint zunächst widersprüchlich, doch Mitarbeiter, die der Firma schaden, sind häufig besonders produktiv und zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft. Das kommt bei den Chefs meist gut an und ist auch der Grund, warum sich toxische Mitarbeiter lange in Unternehmen halten und auch wichtige Positionen bekommen, so die Forscher.

Egoismus

Die Forscher fanden heraus, dass toxische Mitarbeiter häufig mehr auf sich selbst bezogen sind als auf andere Menschen – das heißt: Sie sind häufig eher egoistisch. Diese Eigenschaft wurde ermittelt, indem sich die Bewerber zwischen Aussagen wie diesen entscheiden mussten: „Ich frage gerne nach, wie es anderen Menschen geht“ oder „Ich lasse die Vergangenheit in der Vergangenheit“. Dass egoistische Mitarbeiter schädlich für ein Unternehmen sein können, liegt auf der Hand. Wer mehr an sich denkt als an andere, denkt auch mehr an sich als an das Team oder das Unternehmen.

Selbstüberschätzung

Housman und Minor fanden zudem heraus, dass potenziell toxische Mitarbeiter sich selbst und ihre Kompetenzen häufig überschätzen. Solchen Mitarbeitern kommt es kaum in den Sinn, dass auch etwas schiefgehen könnte – das wiederum kann zu unangemessener Risikobereitschaft führen und dem Unternehmen schweren Schaden zufügen. „Jemand, der sich selbst überschätzt, glaubt, dass der erwartbare Erfolg bei einem Fehltritt deutlich höher ist als ein Mensch mit weniger Selbstsicherheit“, so die Forscher.

Regel-Konformität

Haben Sie Mitarbeiter, die streng auf die Einhaltung aller Regeln pochen? Auch das könnte laut Housman und Minor ein Grund sein, sich Sorgen zu machen. Denn obwohl es zunächst seltsam erscheint: Mitarbeiter, die im Bewerbungsverfahren angaben, das Befolgen von Regeln sei ihnen besonders wichtig, wurden später mit höherer Wahrscheinlichkeit wegen des Brechens von Regeln gefeuert. Mitarbeiter, die angaben, ein Regelbruch sei manchmal notwendig, um einen guten Job zu machen, wurden weniger häufig wegen schwerer Regelverstöße gefeuert.

Damit ist nun wissenschaftlich bewiesen, was außerhalb von Personalabteilungen schon vielen klar war: Der gruppentaugliche Kollege, der auch mal eine Regel bricht (wenn es notwendig ist), tut dem Unternehmen besser als der hochproduktive, aber selbstverliebte „Superstar“.

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3 Kommentare
  • Faktencheck 29. April 2016 15:54

    Sie sollten nochmals einen Blick in die Studie werfen. Soweit ich sehen konnte, steht da nichts davon, wie viel die besten 1 % der Angestellten erwirtschaften.

    Stattdessen heißt es: Die Kosten einen „Superstar“ (der zu den besten 1 % der Angestellten zählt) zu finden und einzustellen, liegen bei knapp 5.300 $. Dem stellen die Autoren den möglichen Schaden, den er verursachen kann, gegenüber: rund 12.500 US-Dollar.

    Siehe Seite 20: http://www.hbs.edu/faculty/Publication%20Files/16-057_d45c0b4f-fa19-49de-8f1b-4b12fe054fea.pdf

  • Jürgen Keppel 7. Januar 2016 22:09

    Sehr geehrte Frau Wilke,

    Sie haben mir sehr aus der Seele gesprochen. Der Begriff „toxischer Mitarbeiter“ war für mich neu, aber dies hat sofort ein innerliches Kopfnicken bei mir erzeugt.
    Wer ihn kennt, wird die Wortwahl sofort verstehen.
    Er vergiftet das Arbeitsklima, Kundenbeziehungen und gefährtet dadurch Arbeitsplätze. Was ist das anderes als toxisch?

  • Peter Spannagl 7. Januar 2016 13:28

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass ich es für ein HR-Medium als nicht angemessen finde von „toxischen Mitarbeitern, Fehlleistern, Low Performern“ etc. zu sprechen.

    Dies ist nicht nur sprachlicher Unsinn, sondern es zeigt eine Geisteshaltung, die zumindest in Deutschland nicht mehr akzeptiert werden sollte. Ein Land in dem Menschen schon einmal mit Ungeziefer und ähnlichen verglichen wurden, sollte Mann/Frau sensibel sein.

    Als Mitarbeiter im HR Bereich weise ich Mitarbeiter und Führungskräfte im Beurteilungsprozess, in Auswahlverfahren etc. stets darauf hin, Verhalten zu beobachten und nicht Wertungen ( wie z. B. faul, fleißig, engagiert) abzugeben. Dies sind Bewertungen, die eine gesamte Person beurteilen und nicht ihr Verhalten.

    Liebe Frau Wilke, bitte überdenken Sie Ihren Stil nochmals. Diese sprachlichen Mittel und auch das verwendete Image (Pilz) erinnern mich sehr an ein Medium mit vier Buchstaben und dieses Image sollte sich nicht in der Fachpresse widerspiegeln.

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