Weihnachtsfeier und Steuer Diese neuen Steuerregeln gelten 2015 für die Weihnachtsfeier

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Wer wegen der Weihnachtsfeier keine böse Überraschung erleben will, muss einige Steuerregeln beachten.

Wer wegen der Weihnachtsfeier keine böse Überraschung erleben will, muss einige Steuerregeln beachten. © knallgrün / photocase.de

Wer für die Weihnachtsfeier keine Steuer ans Finanzamt zahlen will, muss einige wichtige Punkte beachten. Welche Steuerregeln für die Weihnachtsfeier gelten – und was seit 2015 neu ist.

Wer seinen Mitarbeitern mit einer Weihnachtsfeier für ihre Arbeit danken will, muss aufpassen. Will ein Unternehmer ihnen nicht nur einen Stehempfang mit belegten Brötchen bieten, kann es gut sein, dass er in die Steuerpflicht rutscht. Welche Regeln Firmen 2015 neu beachten müssen – und was grundsätzlich bei Weihnachtsfeiern gilt.

Weihnachtsfeiern mit den Mitarbeitern dienen in erster Linie dem Betriebsklima. Sie sind also im Interesse des Arbeitgebers. Doch auch die Arbeitnehmer profitieren davon. Fällt die Feier aber üppiger aus, hält das Finanzamt die Hand auf und fordert von den feiernden Mitarbeitern Steuern ein (Stichwort geldwerter Vorteil). Deshalb sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Kosten für die Weihnachtsfeier pro Mitarbeiter einen bestimmten Betrag nicht überschreiten.

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Bis zu welcher Grenze ist die Weihnachtsfeier steuerfrei?

Für Betriebsfeiern wie die Weihnachtfeier galt bis Ende 2014 die steuerfreie Obergrenze von 110 Euro (inklusive Umsatzsteuer!). Bis dahin war die Gesamtrechnung der Weihnachtsfeier zu versteuern, wenn sie pro Kopf auch nur einen Cent mehr als 110 Euro kostete („Freigrenze“). Aus der „Freigrenze“ wurde 2015 nun ein arbeitgeberfreundlicher „Freibetrag“. Bei einem Freibetrag ist nur die Summe steuerpflichtig, die über 110 Euro liegt.

Wenn die Weihnachtsfeier mehr kostet

Falls die Aufwendungen pro Arbeitnehmer über dem Freibetrag liegen, müsste der Mitarbeiter darauf Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Denn dann zählt die Weihnachtsfeier als sogenannter „geldwerter Vorteil“. Doch welcher Mitarbeiter geht schon zu einer Weihnachtsfeier, für die er am Ende Steuern zahlen muss?

Kostet die Feier also mehr als 110 Euro pro Kopf, gibt es eine Alternative: Der Arbeitgeber kann für den Mitarbeiter einspringen und auf die Ausgaben, die über den Freibetrag hinausgehen, eine pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent zahlen (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG). Spendiert der Chef also eine Weihnachtsfeier, die pro Kopf 130 Euro kostet, müsste er die pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent auf 20 Euro zahlen – das ergibt einen Betrag von 5 Euro pro Person.

Was gilt, wenn Angehörige zur Weihnachtsfeier kommen

Neue Regeln gelten auch, wenn die Angehörigen mitfeiern dürfen. Bis Ende 2014 konnte der Unternehmer die Kosten der Weihnachtsfeier durch die Anzahl aller Gäste, also auch der firmenexternen, teilen (Az.: VI R 7/11). Lagen die Ausgaben pro Person unter der Freigrenze von 110 Euro, war die Betriebsfeier nicht steuerpflichtig. Diese – großzügige – Berechnungsmethode sorgte dafür, dass der Fiskus bei vielen Weihnachtsfeiern leer ausging. Seit 2015 sieht das anders aus: Die Gesamtsumme darf nur noch durch die Anzahl der Teilnehmer geteilt werden – die Kosten für mitfeiernde Angehörige werden dem jeweiligen Angestellten zugerechnet. Die 110 Euro pro Mitarbeiter dürften in Zukunft also schneller erreicht werden.

Was versteuert werden muss

Möchte der Chef den Freibetrag einhalten, sollte er gut planen. Denn die Summe muss alles abdecken: die Verpflegung, aber auch die Miete für die Räumlichkeiten oder die Kosten für einen DJ – also alles, was zur Ausgestaltung der Betriebsparty zählt.

Volle Steuerpflicht ab der dritten Betriebsfeier

Diese Regeln gelten jedoch nur für zwei Betriebsfeiern im Jahr. Feiert die Firma öfter, sind die weiteren voll steuerpflichtig– ohne Freibetrag. Bei mehr als zwei Veranstaltungen kann der Arbeitgeber aber wählen, für welche beiden er in dem Jahr den Freibetrag in Anspruch nehmen will. „Diese Wahl kann er unabhängig von der zeitlichen Abfolge der Veranstaltungen treffen“, sagt Betriebswirtschafts-Professorin Claudia Ossola-Haring von der Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw.

Weihnachtsgeschenke an die Mitarbeiter

Möchte der Chef den Mitarbeitern zu Weihachten auch Geschenke überreichen, ist Vorsicht geboten. „Geschenke, die aus Anlass, nicht nur in einem zeitlichem Zusammenhang mit einer Weihnachtsfeier, übergeben werden, müssen in den Freibetrag von 110 Euro eingerechnet werden“, sagt Melanie Erhard, Steuerberaterin bei Rödl & Partner in Nürnberg.

Geschenke (oder Sachbezüge wie Tankgutscheine), die nicht in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Weihnachtsfeier übergeben werden, sind bis zu einem Betrag von 44 Euro pro Monat lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Werden Aufmerksamkeiten aufgrund eines persönlichen Ereignisses des Mitarbeiters (Hochzeit, Geburtstag etc.) überreicht, sind sie sogar bis zu einem Betrag von 60 Euro (inklusive Umsatzsteuer!) steuer- und sozialversicherungsfrei.

Anders als bei der Weihnachtsfeier ist dies jedoch kein Freibetrag, sondern eine Freigrenze. Kostet das Geburtstagsgeschenk also nur 1 Cent mehr als 60 Euro (inklusive Umsatzsteuer!), müssen für den gesamten Betrag Lohnsteuern plus die Abgaben für die Sozialversicherung gezahlt werden. Auf Antrag kann der Unternehmer das Geschenk für den Arbeitnehmer jedoch auch mit pauschal 25 Prozent versteuern, der Mitarbeiter ist damit aus dem Schneider.

Weihnachtsdekoration

Zur weihnachtlichen Stimmung gehört auch die entsprechende Deko. Stellt der Chef einen Weihnachtsbaum ins Foyer oder hängt ein paar Kugeln in die Kaffeeküche, hat das Finanzamt damit keine Probleme. Die Kosten gelten als ganz normale Betriebsausgaben.

Stutzig werden die Beamten, wenn die Kosten unangemessen hoch sind. Das erweckt Misstrauen, schließlich könnte die Deko auch privaten Zwecken dienen. Maß halten ist also angesagt. Das fällt von Branche zu Branche unterschiedlich aus. Der Einzelhandel muss bei der Gestaltung seiner Schaufenster sicherlich tiefer in die Taschen greifen als der Maschinenbauer für seine Fabrik. Eine definierte Obergrenze gibt es aber nicht.

 

2 Kommentare
  • Uwe Wiesinger 4. November 2015 13:36

    Werte Redaktion!
    Vorab hier ein Kompliment als Abonnement, da Ihnen sehr oft wirklich gut gelingt, steuerlich auch schwierige Sachverhalte so zu schildern, dass es auch ein Nichtfachmann versteht.

    Unabhängig davon habe ich allerdings eine Anmerkung zur Weihnachtsfeier und Ihrem Hinweis im Text, der entweder falsch oder zumindest in hohem Maß verleiten kann zu falschen Ergebnissen. Text: „…… Seit 2015 sieht das anders aus: Die Gesamtsumme darf nur noch durch die Anzahl der mitfeiernden Mitarbeiter geteilt werden – die Kosten für Frau und Kind werden dem Angestellten zugerechnet. Die 110 Euro pro Mitarbeiter dürften in Zukunft also schneller erreicht werden…“.

    Die „Spielregeln“ sind aber, Gesamtsumme geteilt durch alle TEILnehmer und dann diese Summe in Addition zum Arbeitnehmer, sollte ein Angehöriger dabei sein, in der Regel ungünstig, leider. Also 1.200 € bei 12 Teilnehmer, aber 8 Arbeitnehmer mit 4 Angehörigen. Heißt je Teilnehmer 100 € (zunächst alles klar, weil unter 110 €) aber jetzt bei 4 Arbeitnehmern 200 €, insoweit also 4 x 90 € als pauschale Versteuerung möglich. Sie erkennen den nicht unerheblichen Unterschied zu Ihrer Schilderung, denn dort wäre 1.200 € geteilt durch 8 Arbeitnehmer, wäre also 150 €, also 8 x 40 € pauschal versteuerbar. insoweit gesamt 320 € pauschal zu versteuern. In meinem Beispiel allerdings hätte (bei den 4 Arbeitnehmer) der Unternehmer gesamt 360 € zu versteuern, wenn pauschale Möglichkeit genutzt wird, da auch bei diesen 4 Arbeitnehmern vielleicht sogar individuell günstiger sein könnte, aber würde nur das Beispiel verkomplizieren.

    Herzlichen Gruß und weiterhin viel Erfolg bei bester Gestaltung.
    Uwe Wiesinger
    Steuerberater

    • Verena Bast 4. November 2015 15:25

      Lieber Herr Wiesinger,

      vielen lieben Dank für den Hinweis. Wir haben den Satz geändert. Er lautet jetzt: „Die Gesamtsumme darf nur noch durch die Anzahl der Teilnehmer geteilt werden – die Kosten für mitfeiernde Angehörige werden dem jeweiligen Angestellten zugerechnet.“

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

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