Nutzfahrzeuge Welche Alternativen gibt es zum Diesel-Transporter?

Zu Dieselkraftstoff gibt es Alternativen für Nutzfahrzeuge - nicht nur an herkömmlichen Zapfsäulen.

Zu Dieselkraftstoff gibt es Alternativen für Nutzfahrzeuge - nicht nur an herkömmlichen Zapfsäulen. © Tonkovic / iStock / Getty Images Plus

Transporter fahren meist mit Diesel - daher könnten Fahrverbote viele Betriebe empfindlich treffen. Doch sind Benzin-, Elektro- oder Gasmotoren gute Alternativen? Oder bleibt der Diesel erste Wahl? Eine Analyse.

Immer mehr Städte verhängen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Betroffen sind neben Pkw auch die vielen kleinen Nutzfahrzeuge, die Unternehmen einsetzen, um Werkzeuge, sperrige Teile, große Warenmengen und schwere Lasten zu transportieren.

Mehr als 90 Prozent der Bullis laufen mit Diesel – und die wenigsten erfüllen die Euro-6-Norm, die von Fahrverboten meist ausgenommen ist. Aber selbst die ist keine Garantie mehr für freie Fahrten in der Innenstadt – es drohen sogar totale Dieselfahrverbote.

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Je länger die Debatte um Dieselabgase und Fahrverbote läuft, desto größer werde die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, sagt Peter Hellwich von der Fuhrpark- und Logistikberatung PHS. Dazu kommt der Skandal um geschönte Abgaswerte: „Viele fragen sich, welchen Modellen sie überhaupt noch trauen können.“

Ein Überblick über die Vor- und Nachteile der wichtigen Antriebsformen:

Benziner als Nutzfahrzeuge

Wann sich ein Benziner lohnt

Ein Diesel lohnt sich ab rund 15.000 gefahrenen Kilometern im Jahr. Dann wiegt der niedrigere Spritpreis verbunden mit dem geringeren Verbrauch den höheren Anschaffungspreis, die höhere Kfz-Steuer und die höhere Versicherungsprämie für den Diesel auf. Diese Überschlagsrechnung gelte im Prinzip immer noch, sagt Fuhrparkberater Hellwich.

Hinzu kommt: Der Wertverlust von Dieselfahrzeugen ist angesichts der Dauerdebatte um die Dieseltechnik zuletzt deutlich gestiegen – im Klartext: Gebrauchte Diesel zu verkaufen wird immer schwieriger. Ob der Dieseltreibstoff dauerhaft günstiger bleibt als Benzin, ist zumindest fraglich. Und die Benziner haben dank immer kleinerer Motoren beim Spritverbrauch aufgeholt.

Wer nur kurze Strecken und viel in der Stadt unterwegs ist, für den ist ein Benziner eine Alternative. Da die Motoren keinen Ruß produzieren und kaum Stickoxide ausstoßen, sind sie aktuell kaum von Fahrverboten bedroht. Allein alten Benzinern mit Euro-Norm 4 oder schlechter droht das Innenstadt-Aus. Sollte die Umweltdebatte jedoch ihre Richtung ändern und die Emissionen an klimaschädlichem CO2 in den Fokus geraten, wären Benziner wieder im Nachteil gegenüber Dieselautos.

Nachteile von Benzinern

Aktuell haben Benziner einen klaren Schwachpunkt: Die Motoren sind weniger kraftvoll als Dieselantriebe. Wer sein Auto regelmäßig mit vielen Zentnern belädt, verschleißt den Motor schnell.

Zudem ist die Auswahl an Fahrzeugen nicht groß. Transporter mit Benzinantrieb sind Exoten. Mercedes etwa hat bei seinem Sprinter drei verschiedene Dieselmotoren im Angebot, aber nur einen Benziner, genau wie Nissan bei seinem NV200. Volkswagen bietet bei seinem neuen Kastenwagen Crafter bislang gar keinen Benziner. Das gilt auch für andere Hersteller wie etwa Opel mit seinem Vivaro. Und Ford hat seinen Transit lediglich in der kleinsten Kastenwagenvariante, dem Courier, mit einem Benziner bestückt.

Fazit

„Wer nicht weit fährt und nicht regelmäßig schwere Lasten befördert oder Anhänger ziehen muss, für den ist der Benziner eine gute Alternative“, sagt Fuhrparkberater Peter Hellwich. Größtes Problem: Es gibt nur wenige Angebote.

Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb

Vorteile von Elektrofahrzeugen

Viele Autohersteller haben erste Elektrotransporter im Programm. Sie sind längst nicht mehr so teuer wie in den Anfangsjahren. Das liegt auch daran, dass der Staat mit Subventionen und Steuervorteilen kräftig mithilft. Und sie dürfen überall fahren.

Nachteile von Elektrofahrzeugen

Ein Manko haben die Stromer allerdings grundsätzlich: Mit der Reichweite der Batterien ist es bislang nicht weit her. Generell gilt: Je leichter das Fahrzeug, desto eher kommt ein Elektroantrieb in Frage, sagt Fuhrparkberater Hellwich. Schwere Ladung schmälert die Reichweite, und dann ist oft auch auf kürzeren Strecken der Verbrennungsmotor die bequemere und sicherere Wahl. Die Hersteller versprechen zwar zum Teil, dass ihre Autos erst nach 300 oder gar 400 Kilometern an die Steckdose müssen. In der Praxis schaffen sie das allerdings kaum, sagt Hellwich.

Handwerker, die für Montagearbeiten in anderen Städten unterwegs sind, kann das in Schwierigkeiten bringen, auch für Außendienstler, die am Tag oft weit über 100 Kilometer fahren, hält Hellwich Elektrotransporter nach dem jetzigen Stand der Technik für ungeeignet. Zumal wenn am Zielort getankt werden muss. Zwar wird das Netz an Ladesäulen in den Städten stetig enger. Doch eine freie Station mit ausreichend großem Stellplatz zu finden, kann zeitaufwendig sein.

Hybridmotoren für Transporter sind übrigens gar nicht im Handel. Als erster Hersteller will Ford im kommenden Jahr mit dem Transit Custom Plug-in Hybrid auf den Markt – angestrebte Reichweite: 500 Kilometer.

Fazit

Elektrotransporter sind vor allem für kürzere Strecken geeignet. Beim Tempo ist meist unter 100 km/h Schluss. Dafür kommt man elektrisch in jede Umweltzone.

Nutzfahrzeuge mit Gasantrieb

Eine erprobte Alternative ohne Reichweitenprobleme sind Transporter mit Gasantrieb. Zwei Kraftstoffarten sind verbreitet: CNG (Compressed Natural Gas, Erdgas) und das sogenannte Autogas LPG (Liquefied Petroleum Gas, überwiegend Butan und Propan).

Die Erdgas- und Autogasfahrzeuge sind in der Anschaffung teurer als Benziner, dafür verbrennt der Kraftstoff aber besonders sauber und ist dank Steuerprivilegien günstiger als herkömmlicher Sprit. Unterm Strich liegen die Spritkosten derzeit nur etwa bei der Hälfte eines Benziners und gut ein Drittel unter denen eines Diesels.

Erdgas-Tankstellen sind jedoch rar. Bei Autogas sieht es besser aus. Das Netz in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Den Kraftstoff gibt es nach Zahlen des Deutschen Verbands Flüssiggas (DVFG) mittlerweile an mehr als 7100 Tankstellen. Damit bietet laut DVFG etwa jede zweite Tankstelle in Deutschland Autogas an.

Nachteile von Gasfahrzeugen

Das Angebot an Fahrzeugen mit Gasantrieb ab Werk ist indes gering. Häufig ist nur eine Modellvariante verfügbar. Gasmotoren gibt es zum Beispiel von Audi, Fiat, Skoda oder VW – vorwiegend für Pkw.

Alternativ rüsten viele kleine Spezialisten Benzinmotoren so um, dass sie statt Öl auch Gas verbrennen können. Das kostet laut ADAC je nach Bauart zwischen 1800 und 3500 Euro. Ganz ohne Risiken ist so ein Umbau aber nicht, warnt Hellwich. So könne ein nachträglich auf Gas umgerüsteter Benzinmotor durch die erhöhte Verbrennungstemperatur unter Volllast überhitzen. Beim Transport leichter Frachten sei das kein Problem – für Fahrten mit vollem Laderaum dagegen ein echtes Risiko.

Eine weitere Tücke der Erdgastransporter: Mit Gasfahrzeugen darf man viele Tiefgaragen nicht befahren. Selbst wenn Motoren und Tanks längst sicher sind, halten viele Tiefgaragenbetreiber hartnäckig an alten Verboten fest. Damit erweist sich Gas in vielen Großstädten als unpraktische Variante.

Fazit

Benzin- und Dieselmotoren lassen sich so umrüsten, dass sie mit Erd- oder Autogas laufen. Da auf die Kraftstoffe deutlich weniger Steuern fällig sind, kann sich der Umbau rechnen. Aber: Das Tankstellennetz für Erdgas ist dünn.

Dieselmotoren

Lieferanten und Handwerker dürfen weiter mit Diesel-Fahrzeugen zu ihren Kunden im betroffenen Gebiet fahren. Kunden und Mitarbeitern von dort ansässigen Firmen ist es ebenfalls gestattet.

Vorteile von Dieselfahrzeugen

Wirtschaftliche Vorteile bietet der Diesel allemal. Der Kraftstoff ist noch immer fast 20 Cent pro Liter günstiger als Benzin, weil er geringer besteuert wird. Die Motoren sind leistungsstärker als alle anderen Antriebe und halten länger durch als Benziner. Nutzfahrzeuge schaffen teilweise über eine Million Kilometer, manche sogar zwei Millionen.

Fazit

Die Dieseltechnik bleibt wohl noch für Jahre Standard bei Nutzfahrzeugen. Schwere Lasten sind kein Problem, die Motoren halten extrem lang. In Innenstädten drohen Fahrverbote.


Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 9/2018

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1 Kommentar
  • Ingo Ullrich 11. Oktober 2018 07:40

    es wird in Deutschland so sein wie immer, letztendlich zahlt es der Bürger…so wie früher, da hatte der Untertan auch sein 10tel abzuführen…
    Mein Vorschlag = kehren wir doch zurück zu echten PS in den Innenstädten ((vor der Stadt(mauer) ein Verteilzentrum))

    einen schönen Tag Ingo Ullrich

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