Frank Thelen über DHDL „Er verlässt die Show oder ich“

Frank Thelen über DHDL

Bei "Die Höhle der Löwen" investiert Technik-Freak Frank Thelen vor allem in Essen.© Frank Thelen/ frank.io

Frank Thelen ist ein Freund klarer Worte: Im Interview rechnet er mit Ex-Löwen Jochen Schweizer ab, erzählt von absurden Pitches und unangenehmen Begegnungen mit Fans.

Eigentlich gilt Frank Thelen als Technikfreak. Doch bei „Die Höhle der Löwen“ interessiert er sich scheinbar nur für Essen: Er investiert in Gewürze, Eis und Suppen. Dabei hat der Unternehmer mit seiner Investmentfirma ganz andere Ziele, wie er in seiner gerade erschienenen Autobiografie schreibt: Er will mit einem elektrischen Lufttaxi „Lilium“ die Mobilität in Deutschland revolutionieren. Und nach SAP wieder einen deutschen Weltmarktführer im Technologie-Bereich aufbauen. Wie passt das zu Investments in Gulaschgewürz?

impulse: Herr Thelen, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass Deutschland bei der Entwicklung revolutionärer Technologie nicht den Anschluss verlieren darf. Dass Sie Global Player finanzieren und aufbauen wollen. Warum sind Sie dann bei der „Höhle der Löwen“ und investieren in Suppen und Eis?

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Frank Thelen: Da muss man einfach ehrlich sein: Bei DHDL finde ich nicht das nächste Lilium. Aber ich habe viele Chancen auch meiner Bekanntheit durch „Die Höhle der Löwen“ zu verdanken. Die Sendung erlaubt mir, diese Flughöhe zu haben.

Revolutionäre Technologie finden Sie aber nicht in der Fernsehsendung.

Das ist die Steuer, die ich zahle: Mein Lieblingsthema, tiefgreifende Technologie, wird dort nicht behandelt. Ich werde mich bei jeder einzelnen Staffel fragen: Werde ich ewig in der „Höhle der Löwen“ bleiben? Kriege ich das zeitlich noch mit meinem Fokusthema zusammen oder nicht? Bis jetzt macht es mir Spaß und wir haben ein tolle Food-Family aufgebaut.

Haben Sie damit gerechnet, durch die Sendung so bekannt zu werden?

Nein. Alle Wirtschaftssendungen davor waren gescheitert; auch Sony und Vox haben mit diesem Erfolg nicht gerechnet. Mir ging es mehr ums Abenteuer. Ich dachte: Jetzt machst du mal Fernsehen. Einfach mal erleben, wie das ist. Dabei haben mir alle davon abgeraten.

Und jetzt sind Sie schon seit fünf Staffeln dabei, werden auf der Straße erkannt.

Man muss die Konsequenzen tragen können: Wenn ich mich ins Fernsehen setze, erkennen mich die Leute. Deswegen finde ich es im öffentlichen Raum vollkommen in Ordnung, wenn mich jemand nach einem Selfie fragt. Ich habe von meiner Fernsehchefin eingetrichtert bekommen: „Wenn ich dich bekannt mache, musst du freundlich bleiben.“ Das habe ich ihr fest zugesagt. Wird es zu aufdringlich, versuche ich freundlich, aber bestimmt abzubrechen.

Zum Beispiel?

Neulich war ich mit Freunden schwimmen. Ich stehe mit meiner Badehose im Schwimmbad und es kommt ein junges Mädchen im Bikini auf mich zu und pitcht mir ihr Unternehmen.

Klingt unangenehm.

Das geht nicht. Mich sprechen auch Leute auf der Toilette an, am Pissoir. Da sage ich: „Entschuldigung, ich bin gerade beschäftigt“.

Zurück zur Sendung: In Ihrem Buch sprechen Sie sehr offen über Probleme mit Ihrem ehemaligen Jury-Kollegen Jochen Schweizer.

Jochen – meine Meinung, und ich glaube, das ist auch die Meinung anderer Löwen – hat sich nicht ideal ins Team integriert. Seit Jochen weg ist, ist der Stress am Set weg. Alle wissen: Wir sind ein Team.

Was hat er denn konkret gemacht?

Ich habe die Zusammenarbeit am Set als schwierig empfunden. Beim Fotografieren hat er sich zum Beispiel mal so weit vor mich gedrängt, dass der Fotograf gesagt hat: „Ich sehe den Frank nicht mehr. Kannst du bitte mal weggehen?“ Das war einfach unschön und nervig. Für mich sind eine gute Stimmung, Spaß und Frieden sehr wichtig. Deswegen habe ich entschieden: Er verlässt die Show oder ich.

Das haben Sie so gesagt?

Ja. Ich habe auch nicht gesagt, bitte behaltet mich. Ich habe das Problem neutral beschrieben und ruhig erklärt, dass es für mich vollkommen fein ist, wenn Jochen bleibt. Aber ich würde dann gehen. Er war ja bei den Zuschauern sehr beliebt, ich hätte verstanden, wenn Vox mich rausgeschmissen hätte.

Mit anderen Löwen verstehen Sie sich offenbar besser. Sie schließen viele Deals gemeinsam mit Judith Williams ab, dabei sind sie komplett unterschiedliche Typen. Wie passt das zusammen?

Ich weiß nicht. (lacht) Judith und ich mögen uns einfach richtig gern, das hat einfach Klick gemacht. Meine Frau und Alexander Stecher, Judiths Mann, sind auch befreundet. Das ist bisher die einzige tiefgreifende Freundschaft, die aus der „Höhle der Löwen“ entstanden ist.

Kommen auch andere Löwen für gemeinsame Deals in Frage?

Ich baue die Unternehmen anders auf als die anderen Löwen. Tendenziell mache ich Deals gern alleine. Es sei denn, ich ergänze mich gut mit Judith.

Und Ralf Dümmel, der in so viele Start-ups investiert?

Ralf respektiere ich immer mehr, je besser ich ihn kennen lerne. Ein cooler, starker Typ. Er arbeitet superhart. Es kann sein, dass ich auch mal einen Deal mit ihm mache, wenn wir uns ergänzen. Weil ich ihn als Unternehmer und Menschen mittlerweile echt schätze. Aber er hat einen starken Discount-Ansatz, ich nicht.

In fünf Staffeln DHDL und bei Ihrer Investmentfirma Freigeist haben Sie schon etliche Pitches gesehen. Was waren die absurdesten Ideen?

Die Absurdität kennt da keine Grenzen. Du kriegst Luft in Dosen, Bier aus Marzipan … Mir wurde mal ein Businessplan von einem Gründer geschickt, der die Qualität von Stränden bewerten wollte. 60 bis 70 Prozent des Kapitals sollten dafür in Reisen investiert werden. Das ist so absurd, da fehlen mir einfach die Worte.

Was können Sie uns über die neue Staffel verraten?

Eigentlich darf ich noch nichts verraten. Sonst kriege ich wieder Ärger. Ach egal: Ich werde im Beauty-Bereich aktiv. Und es wurde mehr Kapital investiert als jemals zuvor. So, jetzt wisst ihr es! (lacht)

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