Ich-Botschaften Dialog statt Eskalation – so gelingt’s

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Sprechen hilft bei Konflikten. Doch Vorsicht: Falsche Ich-Botschaften machen alles nur schlimmer.

Sprechen hilft bei Konflikten. Doch Vorsicht: Falsche Ich-Botschaften machen alles nur schlimmer.© Marie Maerz / photocase

Konflikte lassen sich mit Ich-Botschaften leichter lösen? Nur wenn man sie richtig formuliert. Mit dieser ganz einfachen Formel kommen Sie weg von der Eskalation und hin zum Dialog.

Es ist tragisch. Im Inneren kocht die Wut und will sich Bahn brechen – mit einem: „Sie Idiot! Kommen Sie gefälligst pünktlich zur Arbeit!“ Und doch reißen sich viele Chefs zusammen und formulieren in Konfliktsituationen mit dem letzten Quäntchen Geduld eine Ich-Botschaft: „Ich möchte, dass Sie ab morgen nie wieder zu spät kommen.“

So eine Ich-Botschaft soll ja ein prima Mittel sein, um Konflikte zu lösen, das haben Sie vielleicht schon mal gelesen. Stimmt – aber nur, wenn sie richtig formuliert wird. Alles, was mit „Ich möchte …“, „Ich will …“ oder „Ich verlange …“ anfängt, ist zwar rein grammatikalisch eine Ich-, aber meist nichts anderes als eine Du-sollst-gefälligst-Botschaft. Und die macht oft alles nur schlimmer.

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Warum Du-Botschaften nicht zum Ziel führen

Aber was ist das Problem mit Du-Botschaften? Probieren Sie es doch mal aus. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation bei sich zu Hause vor.
Ihr Partner mault:

„Du hast schon wieder nicht den Müll rausgebracht!“

Wie reagieren Sie? Vermutlich so oder so ähnlich:

„Mann! Ich habe sowieso schon so viel um die Ohren. Ich kann nicht an alles denken. Immer die gleiche Leier.“

Du-Botschaften drängen uns in eine Ecke. Wir schalten sofort in den Verteidigungsmodus. Wütend wollen wir uns rechtfertigen. Was wir dann mit Sicherheit nicht sind: offen für ein zielführendes Konfliktgespräch. Du macht zu.

Falsche Ich-Botschaften

Was würde passieren, wenn Ihr Partner seinen Wunsch anders ausdrücken würde, zum Beispiel so: „Ich möchte, dass du den Müll rausbringst“? Nicht viel besser, oder? Weil es keine echte Ich-Botschaft ist.

Eine Ich-Botschaft, die wirkt, funktioniert anders. Dem amerikanischen Psychologe Thomas Gordon zufolge, der den Begriff in den 1970er prägte, geht es dabei um Selbstoffenbarung. Sie …
… gibt persönliche Eindrücke wieder.
… erklärt, was das Verhalten des anderen für Gefühle bei einem selbst auslöst.
… drängt den anderen nicht in die Defensive.

So funktionieren echte Ich-Botschaften

Eine echte Ich-Botschaft ist ehrlich und mutig. Wir zeigen uns selbst. Das ist für die meisten Chefs zunächst ungewohnt. Wir haben gelernt, uns professionell und sachlich zu verhalten und sind es nicht gewohnt unsere eigenen Bedürfnisse und Gefühle offen auszusprechen.

Das klingt Ihnen zu sehr nach Küchenpsychologie? Dann schauen Sie sich mal folgende Du-Botschaften an:

Du bist schon wieder unpünktlich!

Was eigentlich dahinter steckt:

Ich habe hier eine halbe Stunde auf dich gewartet und mich total geärgert, weil ich viel zu tun habe. Ich fühle mich nicht ernst genommen und nicht respektiert, wenn du unsere Termine nicht einhältst.

Und was würde passieren, wenn Sie das direkt so zur Sprache brächten? Vermutlich würde der Unpünktliche einlenken: „Das tut mir leid. Ich wollte dich echt nicht kränken …“ Die Gesprächsebene ist sofort eine andere: weg von der Eskalation, hin zum Dialog. So eine echte und ehrliche Ich-Botschaft sorgt für mehr Verständnis und Kompromissbereitschaft.

Wer also Konflikte mit seinen Mitarbeitern konstruktiv angehen möchte, sollte dabei folgende Formel für Ich-Botschaften im Hinterkopf haben:

Ich + Sachaussage + meine Bedürfnisse und Gefühle + mein Appell

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3 Kommentare
  • Ingo Ullrich 12. Oktober 2018 08:31

    Guten Morgen Frau Götsch,
    ich habe keine komplette Erfahrung mit der Personalführung, ich kenne nur die Bereiche in welchem handwerklich geschaffen wird.
    Dort kann ich mir vorstellen das die Äußerung „Ich erwarte…“ ganz schnell in die Chef/Angestellter-Druckausübung gerät, wobei diese Situation dann im Pausenraum o.ä. als „Der Alte will…“ schon wieder was von mir….“Ich reiße mir den Arsch auf“ und der kritisiert das nur….

  • Ingo Ullrich 11. Oktober 2018 07:47

    Guten Morgen,
    ich habe etwas zeit…und schon den zweiten newsletter gelesen..

    ist die wir..aussage vorbei? als teambuilding..maßnahme?

    z.B. „wir beginnen um 06.00 uhr mit der Arbeit…. oder wir hatten doch den Termin um 10.00 Uhr … oder wir werden (dieses oder jenes) lösen ????

    • Antonia Götsch
      Antonia Götsch 11. Oktober 2018 10:31

      Lieber Herr Ullrich, mit Sätzen wie: „Wir werden das lösen“ können Sie schnell in die Falle tappen. Am Ende sind es dann oft Sie als Chef, der das Problem löst. Mehr Klarheit schaffen Sie mit du/Sie. Und Sie können ja trotzdem Ihre Unterstützung anbieten: „Ich erwarte, dass du eine Lösung für das Problem entwickelst. Ich gehe den Vorschlag dann gerne mit dir durch und gebe dir Feedback.“

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