Kündigungen vorhersagen 4 Warnzeichen, die Chefs drohende Kündigungen anzeigen

Kündigungen vorhersagen

Bei bestimmten Signalen von Mitarbeitern sollte bei Chefs der Alarm angehen: Sie könnten auf Kündigungen hindeuten.© Caspar Benson / Getty Images

Ein Mitarbeiter kündigt überraschend? Das lässt sich verhindern: Kennen Chefs diese vier Warnzeichen, können sie Kündigungen vorhersagen – und rechtzeitig eingreifen.

Ein Horrorszenario für viele Unternehmer: Einer der besten Mitarbeiter kündigt ohne Vorwarnung. Und Chefs bleiben zurück mit der Frage: Hätte ich das verhindern können?

Vermutlich ja, ergab eine Studie des Softwareherstellers Peakon. Das Unternehmen hat über sein Tool zur Mitarbeiterbefragung Daten von mehr als 32 Millionen Angestellten in 125 Ländern ausgewertet. Das Ergebnis: Mitarbeiter, die ihren Job gekündigt haben, begannen meist schon etwa neun Monate vorher, zunehmend unzufrieden mit ihrer Arbeit zu werden – und sich immer weniger mit ihrem Arbeitgeber zu identifizieren.

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Eine weitere ernüchternde Erkenntnis, die Unternehmer aus der Studie ableiten können: Angestellte kündigen meist nicht wegen ihrer Aufgaben, den Kollegen oder der Unternehmenskultur – sondern wegen ihres Chefs.

Den Autoren zufolge gibt es vier Warnzeichen, die im Voraus darauf hinweisen, dass ein Mitarbeiter zunehmend unzufrieden ist. Erkennen Chefs die folgenden Signale, können sie rechtzeitig eingreifen – und so die Chance erhöhen, den Mitarbeiter umzustimmen und neu für seinen Job zu begeistern.

1. Mitarbeiter wirken unterfordert

Ein Mitarbeiter guckt resigniert, sobald er neue Aufgaben erhält, hält sich viel länger mit einem To-Do auf als notwendig oder tut beschäftigt. Was zunächst nach einem Faulenzer klingt, kann einen ganz anderen Grund haben: Unterforderung.

„Unseren Daten nach ist das Erfolgsgefühl für Mitarbeiter wichtig“, sagt Martin Daniel, der sich als Community Manager bei Peakon ständig mit Unternehmern, Führungskräften und Personalverantwortlichen austauscht. „Die meisten kündigen nicht, weil sie das Gefühl haben, zu viel auf dem Tisch zu haben. Sondern wegen anspruchsloser Aufgaben.“

Chefs, die Mitarbeitern immer wieder die gleichen, einfachen Aufgaben zuweisen, riskieren demnach, dass diese unterfordert sind – und deshalb unzufrieden.

So beugen Chefs vor:

Natürlich sagt nicht jeder Mitarbeiter sofort seinem Chef Bescheid, wenn er mit seinen Aufgaben unterfordert ist. Um herauszufinden, ob die To-Dos von Angestellten vielfältig und fordernd genug sind, sollten Chefs daher regelmäßig den Austausch suchen – nicht nur einmal jährlich im Mitarbeitergespräch.

Wer immer wieder über Aufgaben spricht und ab und an auch komplexere Themen delegiert, verhindert, dass Mitarbeiter das Gefühl haben, stumpfe Fließbandarbeit zu erledigen – und möglicherweise sogar ins Bore-Out rutschen.

2. Mitarbeiter wirken unmotiviert

Ein Angestellter war anfangs hochmotiviert, sprudelte vor Ideen und brachte sich ein, wo immer er konnte – und heute wirkt er lustlos und macht nur noch Dienst nach Vorschrift? Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass er keine Entwicklungsmöglichkeiten sieht.

Laut den Autoren der Studie gibt es umfangreiche Untersuchungen dazu, dass es in der Natur des Menschen liegt, sich verbessern zu wollen – persönlich wie beruflich. Mitarbeiter, die in ihrer Firma keine interessanten Aufgabenfelder oder Aufstiegsmöglichkeiten sehen, werden irgendwann das Gefühl haben, nicht weiterzukommen. Kein Wunder also, wenn davon frustrierte Mitarbeiter diese Möglichkeit bei anderen Firmen suchen.

So beugen Chefs vor:

Chefs sollten dem Wunsch, zu lernen, entgegenkommen: dem Team Schulungen und Bildungsurlaub anbieten, Mitarbeiter auf Fortbildungen aufmerksam machen – und ermutigen, selbstständig Weiterbildungen oder Konferenzen vorzuschlagen. Chefs sollten außerdem bei Mitarbeitergesprächen fragen, wohin sich ein Angestellter entwickeln möchte.

3. Mitarbeiter verhalten sich dem Chef gegenüber distanziert

Sobald der Chef den Raum betritt, stoppen die Gespräche abrupt? Mitarbeiter gehen auf Abstand zu ihrem Vorgesetzten und sind in Gesprächen kurz angebunden? Dann könnten sie ein Problem mit dem Führungsstil ihres Chefs haben.

„Mitarbeiter verlassen nicht die Kollegen oder den Job, sondern die Führungskultur“, sagt Martin Daniel von Peakon. Job, Kollegen und Unternehmenskultur können also noch so toll sein: Wer mit seinem Chef auf Kriegsfuß steht, wird über kurz oder lang kündigen.

Und das muss nicht allein daran liegen, dass man sich persönlich nicht versteht: In vielen Unternehmen herrscht laut Daniel noch das sogenannte Top-Down-Prinzip – der Chef allein gibt vor, die Mitarbeiter führen aus. Dieses System sei überholt.

So beugen Chefs vor:

„Eine gute Führungskraft zeichnet nicht nur dadurch aus, dass sie fachlich gut geeignet ist“, sagt Daniel. „Sie muss auch gut mit den Mitarbeitern kommunizieren können, empathisch sein und die Arbeit der anderen wertschätzen können.“

Chefs sollten nicht nur vorgeben, sondern dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter sich wohlfühlen und ihnen nichts im Weg steht, um gute Arbeit leisten zu können. Daniel: „Die Führungskraft muss sich als Teil und Dienender des Teams verstehen. Sie sollte offen und transparent mit den Mitarbeitern sprechen und Entscheidungen nicht alleine im Silo treffen.“

Chefs können ihr Team beispielsweise bei Entscheidungen über neue Kollegen oder Projekte einbeziehen und von deren Ideen und Meinungen profitieren – oder sie zumindest regelmäßig über Neurungen informieren und genau erklären, warum man welche Entscheidungen getroffen hat. Denn wer seine Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen stellt – etwa eine Preiserhöhung vorgibt, aber nicht die Hintergründe erklärt – riskiert, dass sie nicht dahinterstehen.

4. Mitarbeiter reagieren gereizt, wenn es um Geld geht

Unmut über Gehalt ist ein Warnzeichen, das für Chefs nur schwer zu erkennen ist – weil Mitarbeiter ihren Ärger über den Lohn oft eher im privaten Kreis oder hinter dem Rücken des Chefs kundtun. Manchmal bekommen Chefs aber doch über den Flurfunk mit, dass jemand sich ungerecht bezahlt fühlt. Oder merken in Gesprächen mit einem Mitarbeiter, dass er schlecht auf das Thema Gehalt zu sprechen ist.

Natürlich möchte jeder Mitarbeiter fair möchte bezahlt werden: Wer das Gefühl hat, für seine Leistung zu wenig zu verdienen, guckt sich schnell nach einem neuen Job um. Aber die Peakon-Studie zeigt, dass auch für diejenigen, die ihre Bezahlung als gerecht empfinden, das Gehalt zum Kündigungsgrund werden kann. Nämlich dann, wenn sie mit ihrem Vorgesetzten nicht offen darüber sprechen können.

So beugen Chefs vor:

Einfach nur sagen: „Nein, das geht nicht“, wenn ein Mitarbeiter nach einer Gehaltserhöhung fragt? Schlechte Idee. So verprellen Unternehmer ihre besten Leute. Stattdessen sollten Chefs nachfragen, warum der Mitarbeiter meint, er müsse mehr verdienen. Übernimmt er zunehmend größere, wichtigere Aufgaben? Oder trägt er mehr Verantwortung, weil er mehrere Kollegen anleitet?

Ist ein höheres Gehalt finanziell wirklich nicht drin, sollten Chefs genau begründen, warum es gerade nicht geht. Hätte der Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung verdient, können Chefs ihm womöglich auf anderem Wege entgegenkommen: Zum Beispiel mit Schulungen, einem Dienstfahrrad, Firmenwagen oder zusätzlichen Urlaubstagen.

Mehr Tipps für Gehaltsgespräche, die  Chef und Mitarbeiter gleichermaßen zufriedenstellen, lesen Sie in unserem Artikel „7 Tipps für Gehaltsverhandlungen mit Mitarbeitern„.

Extra-Tipp: so schaffen Unternehmer ein Arbeitsumfeld, das niemand freiwillig verlässt

Natürlich kann kein Unternehmer verhindern, dass Mitarbeiter ihr Unternehmen irgendwann verlassen. Möglicherweise kündigen sie nicht aus den oben genannten Gründen, sondern brauchen einen Ortswechsel oder suchen neue Herausforderungen in einer anderen Branche.

Dennoch können Unternehmer versuchen sicherzustellen, dass Mitarbeiter nicht wegen ihrer Aufgaben, fehlender Kommunikation über Gehalt oder wegen dem Chef kündigen. Das Zauberwort laut Daniel: eine offene Unternehmenskultur.

Wie die konkret aussieht, kann von Firma zu Firma verschieden sein: Der eine Chef ermutigt seine Mitarbeiter, mit Problemen und Anliegen jederzeit in sein Büro zu kommen. Ein anderer spricht alle paar Wochen eine halbe Stunde mit jedem Angestellten über dessen Aufgaben, Ziele und Wünsche. Wieder ein anderer geht jeden Tag mit einem anderen Mitarbeiter essen und tauscht sich dabei mit ihm aus.

Wer offen mit Mitarbeiter spricht, schafft Vertrauen

„Transparenz ist nicht nur entscheidend für Vertrauen und erfolgreiche Zusammenarbeit, sondern auch die Grundlage für Sympathie“, sagt Daniel. Wer offen mit seinen Angestellten spricht, wird als besserer Chef wahrgenommen.

Aber Vorsicht: „Wer seine Kommunikation zu stark kontrolliert, wirkt unnatürlich und gehemmt. Die Konsequenz: Das Vertrauen sinkt“, sagt Daniel. Chefs sollten also nicht auf Teufel komm‘ raus den lockeren Kumpeltyp geben, wenn sie vorher eher eine große Distanz zu ihren Mitarbeitern gewahrt haben – das könnte zu gewollt wirken.

Und: Mitarbeiter dazu zu bringen, offen über Wünsche, Probleme und Sorgen zu sprechen, genügt nicht – Chefs müssen auch Taten folgen lassen. Sonst werden Mitarbeiter schnell frustriert, weil sie das Gefühl haben, dass sich ohnehin nichts ändert.

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