Gesundes Wachstum Die 3 größten Fallen für wachsende Unternehmen

Hoch hinaus wollen viele Unternehmer. Doch auf dem Weg hin zum gesunden Wachstum lauern einige Fallen.

Hoch hinaus wollen viele Unternehmer. Doch auf dem Weg hin zum gesunden Wachstum lauern einige Fallen.© Marie Maerz / photocase.de

Von gesundem Wachstum träumen viele Unternehmer. Doch der Weg zum Erfolg ist mit Fallen gespickt. Wo die größten Gefahren lauern - und wie Sie es schaffen, Sie zu umschiffen.

Wachstum, das verbinden viele Menschen damit, dass etwas „größer werden muss“: durch Erweiterung, Zukauf und Ausbau, durch Erhöhung und Expansion. Dieser eindimensionale Blick auf Wachstum ist fatal; denn er sagt nichts darüber aus, ob es sich um gesundes, nachhaltiges und werteorientiertes Wachstum handelt. Kurze Zeit nach dem kometenhaften Aufstieg folgt dann der Absturz oder der Insolvenzverwalter klingelt an der Unternehmenstür. Wie kann es dazu kommen? Zum Beispiel, wenn Firmen in eine der drei folgenden Wachstumsfallen tappen.

Wachstumsfalle 1: Die Blähfalle – Sie verlieren die Bodenhaftung

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein Unternehmen aus dem Investitionsgüterbereich wächst und gedeiht. Der Inhaber hat eine Nische entdeckt und flugs besetzt. Alles läuft gut. Doch dann will er sein Erfolgsmodell auf andere Unternehmensfelder ausweiten. Der Anfang vom Ende. Jene Unternehmensfelder brauchen jeweils einen eigenen Gesellschaftsauftritt. Mit neuen Gesellschafter-Geschäftsführern. Es entsteht eine „Firmengruppe“, Geld verdient jedoch nur eine der Gesellschaften. Und dann gründet der Inhaber auch noch eine zentrale Servicegesellschaft.

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Monat für Monat ist der Inhaber in seinen verschiedenen Firmen unterwegs, die Buchhaltung läuft heiß, da sie Verrechnungen unter den jeweiligen Gesellschaften zu leisten hat. Zudem wachsen die Anforderungen der neuen Schwestergesellschaften an die zentrale Serviceeinheit. Nach knapp zwei Jahren sind bei einer Gesamtgröße von knapp 40 Mitarbeitern zwei Vollzeitmitarbeiter in der IT, fünf Mitarbeiter im Vertrieb, drei im Marketing und drei in der Verwaltung beschäftigt. Selbstverständlich alle mit recht gutem Auskommen.

Nach rund 24 Monaten dann „der Knall“: Das aufgeblähte System zerplatzt.

So geht es besser: Gesund wachsen statt platzen

Wie lässt sich der Absturz verhindern? Überprüfen Sie regelmäßig, was Sie für Ihr Unternehmen NICHT mehr brauchen. Etwa weil die Kunden es nicht benötigen oder nicht mehr schätzen. Fragen Sie sich außerdem: Welche Prozesse und Verfahren, die in Ihrer Firma etabliert wurden, können Sie wieder aufheben oder verschlanken? Es gibt ein Wachstums-Paradoxon, und das heißt: Nur wer loslässt und abgibt, kann wachsen.

Natürlich: Das erfordert ein Umdenken, ein neues Wachstums-Bewusstsein: weg vom GWH-Paradigma – also weg vom „Größer-Weiter-Höher“-Denken. Dabei müssen auch Sie selbst sich hinterfragen: Vielleicht passt es zu Ihrem Ego-Denken, dass Ihre Firma immer größer werden muss. Aber ist das auch ein gesundes Wachstum? Oder eher eines „im Außen“, das Ihrem Ego schmeichelt?

Wachstumsfalle 2: Die Zeitfalle – Sie wollen zu viel in zu kurzer Zeit

Anzeichen ungesunden Wachstums liegen vor, wenn alle Führungskräfte und Mitarbeiter am Anschlag arbeiten. Sie fühlen sich getrieben, ja gejagt – von einem Business, das sie einst geliebt haben und inspiriert hat. Jetzt ist es nur noch eine Belastung. In solchen Firmen hat der Klimawandel zugeschlagen – die Wohlfühlatmosphäre, in der zuvor produktive Arbeitsergebnisse zur Tagesordnung gehörten, ist verdrängt worden von Hektik und Stress. Wer durch die Flure, Büros oder Lagerhallen solcher Unternehmen geht, für den ist der Wunsch der Menschen, einfach einmal anzuhalten und durchzuatmen, geradezu greifbar.

Warum ist das so? Führungskräfte und Mitarbeiter stecken in der Zeitfalle. Sie glauben, alles müsse sofort geschehen, im unbändigen Vorwärtsdrang, gleichzeitig, parallel. Sie wollen alle potenziellen Märkte zugleich angehen, alle potenziellen Produktinnovationen zeitgleich auf die Schiene setzen.

Doch durch Hetze entsteht Unproduktivität, weil die Menschen Aufgaben nur noch wie am Fließband abarbeiten. Die Aufgaben werden vielleicht richtig erledigt – aber sind es auch die richtigen Aufgaben? Und niemand nimmt sich mehr Zeit für abgewogene Entscheidungen oder den Perspektivenwechsel, um auch einmal etwas aus einer anderen Warte zu betrachten.

So geht es besser: Geschwindigkeit bewusst herausnehmen

Der Sprung raus aus der Zeitfalle kann gelingen: Wagen Sie einen Boxenstopp, um in Ruhe und mit Muße zu sehen, was Sie schon alles erreicht haben. Klar, Sie dürfen beim Blick zurück nicht ewig stehenbleiben. Aber solch ein Rückblick motiviert und lässt Ihre Mitarbeiter und Sie neue Kraft schöpfen. Denn sobald Sie sich bereits realisierte Ergebnisse – gerade bei mittel- und langfristig gesteckten Zielen – bewusst machen, entstehen innere Zufriedenheit und ein Ansporn.

Jeder Hochleistungssportler braucht Zeit, in der er sich von seinen Sprints erholt. Er lädt den Akku auf, fokussiert sich aufs Wesentliche. Es geht um Ressourcenschonung statt um Ressourcenverschleiß, um Potenzialentwicklung statt Potenzialverschwendung – nicht nur bezüglich der Prozesse und Abläufe, auch hinsichtlich der mentalen und physischen Gesundheit der Menschen, die sich für das Unternehmen einsetzen.

Planen Sie bewusst Phasen ein, die der kreativen Regeneration, dem emotionalen Wohlbefinden, der Erdung der Organisation dienen. In diesen Phasen stellen Sie am besten alles auf den Prüfstand, um neu durchstarten zu können. Vielleicht mit weniger Gepäck (siehe Wachstumsfehler 1), aber mit mehr Motivation und Energie.

Ein Extra-Tipp: Drehen Sie die Fragestellung doch einmal um: nicht: „Bis wann müssen wir das Problem x gelöst haben?“, sondern: „Wie viel Zeit haben wir mindestens, um das Problem x zu lösen?“

Wachstumsfalle 3: Die Kennzahlenfalle – Sie schauen nur auf die Zahlen

Liegt auch Ihr Fokus auf den Zahlen, Daten und Fakten, auf den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen? Auf Umsatz, Ertrag, Marktanteilen? Dann droht die Kennzahlenfalle. Es gibt Firmen, die stehen eigentlich glänzend dar – aber eben nur eigentlich. Außen stark, innen schwach: Die BWL-Kennzahlen bilden nur die äußeren Wachstumsparameter ab.

Wer tiefer blickt, stellt fest: Führungskräfte sind auf dem Absprung, Mitarbeiter stecken in der inneren Kündigung fest, die Fehlzeiten steigen steil an. Das Problem: Das wird durch die Kennzahlen nicht widergespiegelt.

So geht es besser: Weg von den Kennzahlen, hin zu den Menschen

Gesundes Wachstum erfolgt stets von innen nach außen. Konzentrieren Sie sich auf Faktoren, bei denen die Hebel zur Verbesserung im Unternehmen selbst liegen. Analysieren Sie, inwiefern Sie die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter optimieren können. Und wie sieht es mit dem Betriebsklima aus – lassen sich die Gewitterwolken durch ein wenig mehr Sonnenschein vertreiben? Besprechen Sie in einem Betriebsklima-Meeting konkrete Verbesserungsvorschläge.

Investieren Sie zum Beispiel Gedankenschmalz und Geld in ein betriebliches Gesundheitswesen: Was muss getan werden, um die Widerstandskräfte der Menschen zu stärken? Gleichen Sie die Arbeitsplatzanforderungen und die Kompetenzen und Qualifikationen der Mitarbeiter gegeneinander ab und schließen Sie die Kompetenzlücken mit gezielter und individueller Personalentwicklung, damit jeder in seinem Verantwortungsbereich Optimales leisten kann.

Das ist Wachstum von innen heraus. Gesundes Wachstum hängt nicht primär von der Auftragslage ab, sondern von engagierten Mitarbeitern.

Wachstums-Fazit

Um wirklich gesund zu wachsen, braucht es ein neues Bewusstsein beim Unternehmer und im Top-Management. Entscheidend ist, dass Sie sich im gesamten Unternehmen aktiv mit der Frage befassen: „Was ist gesundes Wachstum für uns – und wie können wir vermeiden, dass es nur aufgesetzt ist?“

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