Unternehmen mit Freund führen „Ich hatte Angst, dass die Freundschaft in die Brüche geht“

Gründen mit einer guten Freundin - ob das gut gehen kann? Die Kieferorthopädinnen Britta Klein-Büntemeyer und Natalie Garcia haben es gewagt.

Gründen mit einer guten Freundin - ob das gut gehen kann? Die Kieferorthopädinnen Britta Klein-Büntemeyer und Natalie Garcia haben es gewagt.© Manuel Hauptmannl Photography

Ein Unternehmen mit dem besten Freund führen: ein Traum, der zum Albtraum wird, wenn man sich verkracht. Unternehmer erzählen von Höhen und Tiefen ihrer Beste-Freunde-AG.

Sie kennen sich seit Jahren, haben den gleichen Freundeskreis, fahren zusammen in den Urlaub, haben sich lachen, weinen, betrunken gesehen. Und plötzlich führen sie zusammen ein Unternehmen. Kann das gut gehen? Oder riskiert man die Freundschaft, wenn man merkt, dass man beruflich nicht harmoniert, etwa weil der Kumpel schludrig und langsam arbeitet?

Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen: zwei, die mit guten Freunden gegründet haben und einem, der seinen besten Freund als Geschäftsführer angestellt hat.

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Martin Allmendinger hat 2013 ein Unternehmen mit einem Schulfreund gegründet. Die beste Entscheidung seines Lebens, wie er sagt – obwohl sie zwischendurch kaum noch miteinander geredet haben.

Wolfgang Meier und Marc Piechnik sind seit mehr als 30 Jahren beste Freunde. 2012 stieg Piechnik als Co-Geschäftsführer in Meiers Betrieb ein. Bevor sie diesen Schritt wagten, diskutierten sie mit ihren Frauen und schrieben Pro- und Contra-Listen.

Britta Klein-Büntemeyer, Inhaberin einer kieferorthopädischen Praxis in Darmstadt

2012 hat Britta Klein-Büntemeyer mit ihrer guten Studienfreundin Natalie Garcia die kieferorthopädische Praxis ihres früheren Chefs übernommen. Die beiden setzten sich anfangs eine klare Regel: Sie kritisieren einander – auch, wenn das manchmal wehtut.

„Bevor wir die Praxis übernommen haben, hatte ich Angst, dass unsere Freundschaft dadurch in die Brüche geht. Aber mit Natalie konnte ich offen darüber sprechen. Wir wollten das Risiko eingehen, obwohl wir gute Freundinnen sind – oder auch gerade deswegen.

Wir haben von Anfang an verabredet: Wir sagen einander ehrlich, wenn wir das Verhalten der Anderen unmöglich finden oder wenn wir Mist bauen. Das haben wir auch so gemacht. Gestritten haben wir uns trotzdem noch nicht.

Ich fand zum Beispiel mal, dass Natalie unsere Zahntechnikerin zu Unrecht angemeckert hat – das hat Natalie eingesehen und sich bei ihr entschuldigt. Und Natalie hat mir anfangs auf die Finger gehauen, weil ich durch meinen früheren Chef eher schnelles als präzises Arbeiten gewohnt war. Sie war viel ordentlicher und korrekter. Ihre Arbeitsweise habe ich mir dadurch schnell angeeignet.

Neulich gab es eine unangenehme Situation: Wir haben verabredet, dass wir keine Patienten mehr behandeln, die sich in anderen Länder billig eine Zahnspange machen lassen und dann wieder zu uns kommen. In vielen Ländern gibt es andere Qualitätsstandards und aus Erfahrung wissen wir, dass solche Patienten dann oft mit dem Behandlungsergebnis unzufrieden sind. Wir hatten einen Patienten, dem wir einen Kostenvoranschlag für eine Zahnspange gegeben haben. Später kam er dann mit einer Spange wieder, die er sich nicht von uns, sondern in einem südasiatischen Land hat machen lassen. Ich habe trotzdem mit ihm besprochen, wie seine Behandlung weitergeht. Natalie meinte dann: ‚Wir haben doch gesagt, dass wir das nicht mehr machen!‘ Ich musste dem Patienten dann erklären, dass wir ihn mit einer so gesetzten Zahnspange nicht weiter behandeln können und ihm wir nur anbieten können, eine neue Spange zu machen, um ein akzeptables Ergebnis zu erzielen. Das hätte ich besser gleich gesagt, der Patient war natürlich nicht erfreut.

Wir haben über die Jahre gelernt, dass wir in der Praxis auch nicht alles zusammen abarbeiten müssen. Am Anfang haben wir sehr viel Papierkram zusammen erledigt, das hat ewig gedauert. Inzwischen teilen wir das auf, Natalie macht zum Beispiel den Steuerordner, ich die Abrechnung bei der Krankenkasse. Das ist viel effizienter.

Ein großer Vorteil daran, dass wir als Freundinnen die Praxis führen: Wir lassen einander nicht hängen. Als ich zum Beispiel Zwillinge bekommen habe, hatte ich einen Vertreter – der hat aber plötzlich eine eigene Praxis aufgemacht und Natalie stand alleine da. Als meine Jungs erst zwei Monate alt waren, habe ich schon wieder in Teilzeit gearbeitet. Das habe ich für Natalie gemacht, nicht für mich. Und als ihre Tochter acht Wochen alt war, lag ich mit Grippe flach. Da ist Natalie sofort für mich arbeiten gekommen. Wir lassen die Andere nicht mit der Arbeit sitzen, das ist unzumutbar.“

 

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