HiPPO-Effekt
Sei kein Nilpferd! 4 Tricks gegen schlechte Entscheidungen

Die Führungskraft hat eine Idee, das Team nickt begeistert. Alles gut also? Nein! In diesen Momenten begünstigt der HiPPO-Effekt undurchdachte Entscheidungen. Was das ist und wie Sie gegenwirken.

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Hippo Effekt
© Martin UW Photography / Moment / Getty images

Haben Sie meistens in Besprechungen die besten Ideen? Nicken alle Anwesenden einmütig, wenn Sie einen Vorschlag machen?

Eine letzte Frage noch: Sitzen Sie als Chef oder Chefin in diesen Runden?

Falls ja, dann müssen Sie jetzt stark sein: Wahrscheinlich sind Ihre Ideen nicht so außergewöhnlich gut, wie die Zustimmung Ihres Teams vermuten lässt.

Stattdessen bewegt vermutlich der sogenannte HiPPO-Effekt Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, Ihren Ideen und Vorschlägen so uneingeschränkt zuzustimmen.

Das Akronym HiPPO steht für „Highest Paid Person‘s Opinion“. Auf Deutsch übersetzt heißt das: Die Meinung der höchstbezahlten Person. Diese wird unbewusst als informierter und wertvoller wahrgenommen als die Wortmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, die in der Hierarchie weiter unten stehen oder weniger Erfahrung haben.

Darum ist der HiPPO-Effekt gefährlich

„Wenn die HiPPO etwas sagt, könnten wir uns den Rest oft sparen, weil sowieso alle anderen das sagen, was die HiPPO sagt“, fasst Florian Rustler, Mitgründer der Innovationsberatung Creaffective, das Problem zusammen.

Denn Menschen neigen dazu, bei den Kolleginnen und Kollegen mit dem höchsten Status am meisten Wissen und Kompetenz zu vermuten. Wir sind es gewohnt, Autoritäten zu vertrauen. In der Wissenschaft heißt dieses vielfach in Experimenten nachgewiesene Phänomen „Authority Bias“.

Beeinflussen die Wortmeldungen der Führungskraft oder auch erfahrener Kolleginnen und Kollegen jedoch Entscheidungen über die Maßen, führt das zu Problemen. „Alle anderen halten sich zurück und die Diskussion steuert in eine Richtung, die HiPPO vorgibt“, so Rustler. „Wenn wir in einer Besprechung die Intelligenz der Gruppe nutzen oder verschiedene Aspekte betrachten wollen, um eine gute Entscheidung zu treffen, wirkt der HiPPO-Effekt kontraproduktiv.“

Der Experte

Florian Rustler berät Unternehmen zu den Themen Innnovationen, Kreativität und Agilität. Er ist Mitgründer des Beratungsunternehmens Creaffective und Autor mehrerer Bücher. Das jüngste ist 2023 erschienen und heißt „Denkwerkzeuge“ (Midas, 2023, 320 Seiten).

Oft haben Führungskräfte tatsächlich mehr Erfahrung oder sie sind fachlich besonders versiert – das schützt sie jedoch nicht davor, falsch zu liegen, und garantiert auch nicht, dass sie auf die besten Ideen kommen.

4 Tricks, um den HiPPO-Effekt einzudämmen

Diese vier Tricks helfen, den Einfluss von Führungskräften auf Entscheidungen zu begrenzen – und so den HiPPO-Effekt einzudämmen:

1. Vertrauen Sie nicht auf Bauchgefühle

Als Erfinder des Acronyms HiPPO gilt der Webanalyst Avinash Kaushik. Er soll den Begriff in seinem 2007 veröffentlichten Buch „Web Analytics: An Hour a Day“ zum ersten Mal benutzt haben. Statt auf Meinungen oder Bauchgefühle sollten Unternehmen so viel wie möglich anhand von Daten entscheiden, findet er. Denn wo Fakten und Daten vorliegen, beeinflussen Haltungen und Meinungen Entscheidungen weniger und vermindern so auch den HiPPO-Effekt.

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2. Lassen Sie die anderen zuerst reden

Ein einfacher aber sehr wirksamer Trick, um die Meinungen der anderen in einer Besprechung nicht zu beeinflussen: Warten Sie als Führungskraft mit Ihrem Redebeitrag, bis alle anderen gesprochen haben. Durch das Abwarten lenken Sie die Diskussion nicht versehentlich in die von Ihnen angedachte Richtung, sondern geben Ideen aus dem Team Raum.

Sie können auch Meetingformate ausprobieren, die verhindern, dass Meinungen sich gegenseitig beeinflussen. Eine Möglichkeit sind Silent Meetings.
Mehr dazu hier: Silent Meeting: So macht Stille Ihre Meetings effektiver

3. Delegieren Sie Entscheidungen

Wenn fachliche Expertise gefragt ist, stellt sich die Frage: Müssen Sie als Chefin oder Chef diese Entscheidung zwingend selbst treffen? In vielen Fällen könnten Fachabteilungen schneller und besser abwägen, was zu tun ist – doch aus Gewohnheit entscheidet die nächste Hierarchiestufe. Checken Sie darum, welche Entscheidungen Sie delegieren können.

4. Nehmen Sie sich zurück

In vielen Unternehmen moderiert, wer das Meeting einberufen hat – und das sind meistens die Chefinnen und Chefs. Doch wer eine Diskussion leitet und gleichzeitig mitentscheidet, schafft es in den wenigsten Fällen, neutral zu bleiben. Sie offenbaren beim Moderieren – auch unterbewusst mit kleinen Gesten und Nebensätzen –, welche Gedanken und Vorschläge Sie besonders gut finden. Das beeinflusst, wie Ihr Team entscheidet. Die Moderation abzugeben, hilft deswegen gegen den HiPPO-Effekt.

Genauso wie die Moderation hat auch der Besprechungsort einen Einfluss. Das Vertriebsmeeting mit den Regionalleiterinnen und -leitern finde bei Ihnen im Büro statt? Keine gute Idee. Denn im Chefbüro fällt es Mitarbeitenden schwerer, gegensätzliche Ansätze zu vertreten oder konträrer Ideen zu den Ihren zu äußern.

Der Einfluss der Unternehmenskultur

Wie stark der HiPPO-Effekt in einem Unternehmen wirkt, hängt auch von der Organisationskultur ab. In einer hierarchisch organisierten Firma haben Mitarbeitende wenig Anreize, zu hinterfragen, was Vorgesetze sagen. Dementsprechend ist der HiPPO-Effekt dort stärker ausgeprägt als in einem Unternehmen mit flacheren Hierarchien. Florian Rustler arbeitet viel in China und Taiwan. Dort sei oft schon beim Betreten eines Raumes spürbar, wer HiPPO ist – „Ohne, dass jemand etwas gesagt hat“, erzählt Rustler.

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Haben Sie meistens in Besprechungen die besten Ideen? Nicken alle Anwesenden einmütig, wenn Sie einen Vorschlag machen? Eine letzte Frage noch: Sitzen Sie als Chef oder Chefin in diesen Runden? Falls ja, dann müssen Sie jetzt stark sein: Wahrscheinlich sind Ihre Ideen nicht so außergewöhnlich gut, wie die Zustimmung Ihres Teams vermuten lässt. Stattdessen bewegt vermutlich der sogenannte HiPPO-Effekt Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, Ihren Ideen und Vorschlägen so uneingeschränkt zuzustimmen. Das Akronym HiPPO steht für „Highest Paid Person‘s Opinion“. Auf Deutsch übersetzt heißt das: Die Meinung der höchstbezahlten Person. Diese wird unbewusst als informierter und wertvoller wahrgenommen als die Wortmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, die in der Hierarchie weiter unten stehen oder weniger Erfahrung haben. Darum ist der HiPPO-Effekt gefährlich „Wenn die HiPPO etwas sagt, könnten wir uns den Rest oft sparen, weil sowieso alle anderen das sagen, was die HiPPO sagt“, fasst Florian Rustler, Mitgründer der Innovationsberatung Creaffective, das Problem zusammen. Denn Menschen neigen dazu, bei den Kolleginnen und Kollegen mit dem höchsten Status am meisten Wissen und Kompetenz zu vermuten. Wir sind es gewohnt, Autoritäten zu vertrauen. In der Wissenschaft heißt dieses vielfach in Experimenten nachgewiesene Phänomen „Authority Bias“. Beeinflussen die Wortmeldungen der Führungskraft oder auch erfahrener Kolleginnen und Kollegen jedoch Entscheidungen über die Maßen, führt das zu Problemen. „Alle anderen halten sich zurück und die Diskussion steuert in eine Richtung, die HiPPO vorgibt“, so Rustler. „Wenn wir in einer Besprechung die Intelligenz der Gruppe nutzen oder verschiedene Aspekte betrachten wollen, um eine gute Entscheidung zu treffen, wirkt der HiPPO-Effekt kontraproduktiv.“ [zur-person] Oft haben Führungskräfte tatsächlich mehr Erfahrung oder sie sind fachlich besonders versiert – das schützt sie jedoch nicht davor, falsch zu liegen, und garantiert auch nicht, dass sie auf die besten Ideen kommen. 4 Tricks, um den HiPPO-Effekt einzudämmen Diese vier Tricks helfen, den Einfluss von Führungskräften auf Entscheidungen zu begrenzen – und so den HiPPO-Effekt einzudämmen: 1. Vertrauen Sie nicht auf Bauchgefühle Als Erfinder des Acronyms HiPPO gilt der Webanalyst Avinash Kaushik. Er soll den Begriff in seinem 2007 veröffentlichten Buch „Web Analytics: An Hour a Day“ zum ersten Mal benutzt haben. Statt auf Meinungen oder Bauchgefühle sollten Unternehmen so viel wie möglich anhand von Daten entscheiden, findet er. Denn wo Fakten und Daten vorliegen, beeinflussen Haltungen und Meinungen Entscheidungen weniger und vermindern so auch den HiPPO-Effekt. 2. Lassen Sie die anderen zuerst reden Ein einfacher aber sehr wirksamer Trick, um die Meinungen der anderen in einer Besprechung nicht zu beeinflussen: Warten Sie als Führungskraft mit Ihrem Redebeitrag, bis alle anderen gesprochen haben. Durch das Abwarten lenken Sie die Diskussion nicht versehentlich in die von Ihnen angedachte Richtung, sondern geben Ideen aus dem Team Raum. Sie können auch Meetingformate ausprobieren, die verhindern, dass Meinungen sich gegenseitig beeinflussen. Eine Möglichkeit sind Silent Meetings. Mehr dazu hier: Silent Meeting: So macht Stille Ihre Meetings effektiver 3. Delegieren Sie Entscheidungen Wenn fachliche Expertise gefragt ist, stellt sich die Frage: Müssen Sie als Chefin oder Chef diese Entscheidung zwingend selbst treffen? In vielen Fällen könnten Fachabteilungen schneller und besser abwägen, was zu tun ist – doch aus Gewohnheit entscheidet die nächste Hierarchiestufe. Checken Sie darum, welche Entscheidungen Sie delegieren können. 4. Nehmen Sie sich zurück In vielen Unternehmen moderiert, wer das Meeting einberufen hat – und das sind meistens die Chefinnen und Chefs. Doch wer eine Diskussion leitet und gleichzeitig mitentscheidet, schafft es in den wenigsten Fällen, neutral zu bleiben. Sie offenbaren beim Moderieren – auch unterbewusst mit kleinen Gesten und Nebensätzen –, welche Gedanken und Vorschläge Sie besonders gut finden. Das beeinflusst, wie Ihr Team entscheidet. Die Moderation abzugeben, hilft deswegen gegen den HiPPO-Effekt. Genauso wie die Moderation hat auch der Besprechungsort einen Einfluss. Das Vertriebsmeeting mit den Regionalleiterinnen und -leitern finde bei Ihnen im Büro statt? Keine gute Idee. Denn im Chefbüro fällt es Mitarbeitenden schwerer, gegensätzliche Ansätze zu vertreten oder konträrer Ideen zu den Ihren zu äußern. [mehr-zum-thema] Der Einfluss der Unternehmenskultur Wie stark der HiPPO-Effekt in einem Unternehmen wirkt, hängt auch von der Organisationskultur ab. In einer hierarchisch organisierten Firma haben Mitarbeitende wenig Anreize, zu hinterfragen, was Vorgesetze sagen. Dementsprechend ist der HiPPO-Effekt dort stärker ausgeprägt als in einem Unternehmen mit flacheren Hierarchien. Florian Rustler arbeitet viel in China und Taiwan. Dort sei oft schon beim Betreten eines Raumes spürbar, wer HiPPO ist – „Ohne, dass jemand etwas gesagt hat“, erzählt Rustler.
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