Imagefilme So werden Videos auch für kleine Unternehmen erschwinglich

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Imagefilme können für Unternehmen ein gutes Marketinginstrument sein.

Imagefilme können für Unternehmen ein gutes Marketinginstrument sein.© der.herr.flehmer/photocase

Imagefilme sind gewöhnlich aufwendig und teuer - doch es geht auch anders. impulse-Bloggerin Antje Hinz gibt Tipps, wie sie auch für kleine Firmen finanzierbar sind.

„Ein informativer Film über meine Firma wäre schon toll! Kann ich mir im Moment aber finanziell nicht leisten!“ – Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich kleinen Unternehmern im Bekanntenkreis berichtete, dass unser Silberfuchsverlag neben Hörbüchern und klingenden Visitenkarten für Firmen sowie Erklär-Grafiken und -Trickfilmen auch kleine Filmreportagen und Filminterviews realisiert.

Die Idee, engagierte Kleinunternehmer in ihrer Arbeitsumgebung sympathisch zu Wort kommen zu lassen, beschäftigte mich weiterhin, bis ich durch ein Interview die Journalistin Sylvia Karasch kennen lernte. Sie befragte mich für das deutschsprachige Programm beim kanadischen CHIN Radio Toronto über unser Deutschland-Hörbuch und die englischsprachige Übersetzung „Listen to Germany“, die wir mit einem Grußwort von Außenminister Frank-Walter Steinmeier für das Auswärtige Amt produziert hatten.

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Nach der Radiosendung erzählte mir Karasch von ihrem Portal Bei-Uns-In-Neuwulmstorf.de: eine Servicewebsite für Bürger, die über Ereignisse im Ort informiert und auf der Geschäftsleute und Unternehmen für ihre Produkte und Dienstleistungen werben können – mit Texten und Fotos. Filme seien leider zu teuer, bestätigte Karasch meine Erfahrungen. Aber man könne ja mal gemeinsam überlegen, wie sich das Hauptproblem – Preis und Aufwand – kreativ und neu überdenken lasse.

Kreative Problemlösung

Mit unserem Videojournalisten Björn Kempcke und dem App-Experten Hannes Wirtz trafen wir uns zu einem konzeptionellen Brainstorming: Wie erreichen wir möglichst viele Menschen in der Region und bringen das Kosten-Nutzen-Verhältnis in eine gute Balance?

Unser Fazit: Die Film-Akteure sollten aus vielfältigen Bereichen stammen und den Film gemeinsam bewerben. Um Kosten und Personalaufwand überschaubar zu halten, bereitete ich für den Kameramann die Fragen vor, der sie den Akteuren dann vor Ort stellte. Pro Tag traf sich Björn Kempcke mit bis zu drei Protagonisten in ihrer gewohnten Umgebung und interviewte sie über ihren Werdegang, ihren Berufsalltag, über Mitarbeiter, Kunden und das, was sie täglich antreibt.

Innovative Konzeptidee

Neben dem Preis von unter 1000 Euro pro Kurzfilm hat die Geschäftsleute vor allem das Konzept überzeugt. Elf Geschäftsleute und Bürger kommen in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort und portraitieren die von ihnen geleitete Firma oder Institution. Der erste stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde, Thomas Grambow, verbindet die elf Kurzfilme mit informativen Zwischenmoderationen bei einem Spaziergang durch den Ort. Ein kleines Grußwort der Portal-Betreiberin Sylvia Karsch eröffnet den Film.

Auf Youtube erscheint der Film als informative Stadtführung durch Neu Wulmstorf. Über ein Kapitelmenü lassen sich die Filmportraits aber auch einzeln anwählen: Statements von Geschäftsführern, Handwerkern, Ärzten, Apothekern, Markt- und Pflegeleiterinnen, vom ehrenamtlichen Team des Sozialkaufhauses und vom Shantychor.

Gemeinsam werben

Die Mischung aus Information und Reklame kommt gut an. Das regionale Portal Bei-Uns-In-Neuwulmstorf.de verzeichnet bis zu 300 Seitenaufrufe pro Tag – mit steigender Tendenz. Dank der gemeinsamen Werbung aller Akteure wurde der Webfilm innerhalb von vier Monaten über 2000 Mal angeklickt.

Über das Portal und über Youtube kann der Film auch auf den Websites der porträtierten Firmen und Institutionen eingebettet und auf Facebook geteilt werden. Björn Kempcke erklärt: „Ich finde es wichtig und zugleich charmant, die Kräfte auf diese Weise zu bündeln. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der erwünschte Werbeeffekt leichter erzielt werden.“

Die App als Sahnehäupchen

Hannes Wirtz hat für die Aktion als Sahnehäubchen kostenlos ein mediales Zusatzangebot entwickelt. Er ist Mitbegründer der Audio-Plattform, -Community und -App AudioguideMe, die auf dem Smartphone tausende kleine Geschichten über die Orte ihrer Handlung erzählt. Wirtz hat für Neu Wulmstorf ein Spezial-Widget entwickelt, das jeder Filmakteur auf seine Website stellen kann.

Das interaktive Bedienfenster zeigt eine Landkarte – in dem Fall von Neu Wulmstorf – mit kleinen Ortsmarkierungen. Wenn man die Markierungen anklickt, kann man sich die Filminterviews in voller Länge anhören. Hannes Wirtz sagt: „Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich sehr berührt, wie sympathisch die Protagonisten rüberkommen.“

Glaubwürdigkeit und Sympathie

Es sind gerade die persönlichen Äußerungen der Unternehmer, die dieses Projekt wirkungsvoller und überzeugender machen als künstliche Werbetexte. Professionelle Sprecher spulen häufig austauschbare Slogans seelenlos herunter. Engagierte Gewerbetreibende und Bürger hingegen präsentieren ihre eigenen Geschichten, die auch für den Zusammenhalt der Gemeinde stehen, für eine Interessengemeinschaft im besten Sinne.

In Neu Wulmstorf ist übrigens schon ein neuer Werbefilm in Planung. 23.000 Bürger und 1000 Gewerbetreibenden der Region freuen sich auf möglichst viele Fortsetzungen. Ende des Jahres hat Björn Kempcke Interviews und Filmsequenzen über Flüchtlinge in der Gemeinde sowie über deren Unterstützer und Helfer gedreht. Auf ein Honorar haben wir und alle anderen Beteiligten verzichtet, um zu zeigen, dass es gerade in kleineren Gemeinden wie  Neu Wulmstorf eine echte Willkommenskultur gibt.

Mit diesen 10 Tipps können Sie das auch!

1. Suchen Sie gleichgesinnte Unternehmer bzw. Geschäftsleute in Ihrem Umfeld! Fündig werden Sie zum Beispiel in regionalen Gewerbevereinen, Interessengemeinschaften, Sportvereinen, bei Handels- oder Handwerkskammern oder in Businessclubs. Planen Sie das nächste Werbeprojekt gemeinsam mit anderen Unternehmen. Nutzen Sie die Kraft vieler Mitstreiter, um die virale Verbreitung zu steigern. So erreichen Sie mehr als ein Einzelkämpfer.

2. Erzählen Sie jedem, den Sie treffen, mit leuchtenden Augen von Ihrer Idee! Bitten Sie andere um ihre Meinung und um weitere Anregungen. Nutzen Sie jede Gelegenheit und jeden Ort für einen Austausch – überall, wo Sie sind: beim Einkaufen, im Restaurant, beim Arzt, im Sport-, Umwelt- oder Kulturverein, in der Schule Ihrer Kinder, im Rathaus, in der Kirche. Andere werden Ihre Gedanken bereichern und weitererzählen! So verbreitet sich Ihre Filmidee viral weiter und Sie sparen viel Zeit!

3. Suchen Sie unterschiedliche Akteure, damit Ihr Film abwechslungsreich wird und große Verbreitung findet! Auch ein Schulprojekt (Chor, Jugend forscht), ein Umwelt- oder Sportverein, ein Seniorenheim oder eine Flüchtlingsinitiative ziehen mit ihren Themen potenzielle Kunden für Ihr Business an.

4. Nehmen Sie Kontakt mit einem Online- oder Informationsportal in Ihrer Umgebung auf! Überzeugen Sie die Betreiber, einen Gemeinschaftsfilm mit mehreren Akteuren zu realisieren, um Kosten und Nutzen zu optimieren und eine größere Reichweite zu erlangen.

5. Denken Sie bei Ihren Filminhalten vielfältig und an die Interessen des Kunden! Neben Ihrem Arbeitsalltag können Sie Produkte oder Dienstleistungen vorstellen und Verbrauchertipps zu ihrer Anwendung geben. Denken Sie nicht nur an Werbebotschaften, sondern vor allem an informative und serviceorientierte Hinweise. Manche Ihrer Angebote eignen sich vielleicht auch als Präsent oder für einen Gutschein. Denken Sie sich saisonal passende Aktionen aus, um sie filmisch aufzugreifen! Auch die Suche nach einem neuen Mitarbeiter lässt sich in einem Film darstellen. Neben einem eigenen Statement können beispielsweise Ihre langjährigen Mitarbeiter vom angenehmen Betriebsklima in Ihrer Firma erzählen.

6. Überlegen Sie, wie Sie im Film regionale Aspekte aufgreifen können! Zum Beispiel Ihr Engagement für den Sport- oder Heimatverein, für das nächste Stadtfest oder den Tag der offenen Tür …

7. Seien Sie im Interview locker und strahlen Sie Freude aus! Wenn es beim ersten Mal nicht klappt: nicht aufgeben! Auch Schauspieler unternehmen oft mehrere Versuche, bis die Szene sitzt. Beginnen Sie einfach noch mal. Versprecher lassen sich schneiden und durch Zwischenbilder problemlos kaschieren. Und vergessen Sie den Humor nicht: Mit Originalität und Leichtigkeit behalten Kunden Ihre Informationen besser im Gedächtnis.

8. Suchen Sie vor den Filmaufnahmen nach geeigneten Orten oder Abläufen in Ihrer Firma, die für Ihre Zielgruppe visuell interessant sind! Was würden Sie selbst gern in einem Imagefilm sehen? Attraktive Zwischenbilder sind wichtig, um längere Interview-Statements zu bebildern. Als Länge für einen Kurzfilm empfehle ich etwa zwei Minuten.

9. Arbeiten Sie mit Journalisten zusammen! PR-Agenturen denken meist zu groß und zu teuer! Getextete Botschaften, die von Werbesprechern präsentiert werden, überzeugen selten. Lassen Sie sich lieber selbst von einem Videojournalisten/Kamermann über Ihr Arbeitsumfeld befragen! Mit Ihrem Wissen und Ihrer Kompetenz wirken Sie glaubwürdiger und sympathischer als Werbebotschaften, die andere für oder über Sie geschrieben haben!

Kontakt zu freiberuflich tätigen Journalisten erhalten Sie zum Beispiel über die Landesverbände des Deutschen Journalistenverbandes. Jedes Bundesland hat eine eigene regionale Vertretung. Viele Journalisten verfügen über eigenes Aufnahme-, beziehungsweise Kamera-Equipment und über eine eigene Software, um das gefilmte Material zu schneiden und zu montieren.

10. Seien Sie kreativ! Langweilige Imagefilme gibt es zur Genüge. Mit Herzblut, Fantasie und Leidenschaft können Sie es nur besser machen!

Inspirationstipps

  • Die Audio-App und -Community mit Geschichten zum Hören
  • Das Karten-Widget zur App, Beispiel „Bei Uns In Neu Wulmstorf“

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