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Chancen und Risiken der Digitalisierung „Digitalisierung – ich fühle mich überfordert“

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"Zum ersten Mal habe ich das Gefühl: Ich weiß nicht, welcher Weg der richtige ist. Es gibt so viele Möglichkeiten!" Viele Unternehmer fühlen sich von der Digitalisierung überfordert - auch Vanessa Weber.

"Zum ersten Mal habe ich das Gefühl: Ich weiß nicht, welcher Weg der richtige ist. Es gibt so viele Möglichkeiten!" Viele Unternehmer fühlen sich von der Digitalisierung überfordert - auch Vanessa Weber.© Stefanie Henn

So viele neue Chancen, so viele neue Aufgaben! Doch welcher Weg ist der richtige? Und wie kann ich meine Mitarbeiter mitnehmen? Gedanken einer Unternehmerin, die sich von der Digitalisierung manchmal überfordert fühlt.

Wir müssen uns um Big Data kümmern. Wir müssen unsere Prozesse verschlanken. Wir müssen den E-Commerce vorantreiben. Und und und, die Aufgabenliste wird jeden Tag länger. Ist das die digitale Transformation, von der alle reden – und unter der offenbar jeder etwas anderes versteht?

Ganz klar: Die Digitalisierung bietet viele Chancen. Chatbots zum Beispiel, da sehe ich sofort einen Nutzen für uns: Unsere Kunden müssten sich auf unserer Webseite nicht mehr ellenlange FAQs durchlesen. Sie könnten ihre Frage eintippen und sofort eine Antwort bekommen. Eine richtig coole Sache, das will ich auf jeden Fall einsetzen. Aber ich habe natürlich keine Ahnung, worauf es dabei ankommt.

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Spannende neue Technologien wie diese gibt es viele; nützliche Tools kosten oft nicht viel oder sogar gar nichts. Aber man muss sich erst einmal mit ihnen auseinanderzusetzen. Das kostet: Zeit. Und die ist knapp in Zeiten, in denen sich alles rasend schnell ändert.

So viele Möglichkeiten!

Ich wusste immer glasklar, wo ich mit meiner Firma hin will, hatte einen guten Riecher für neue Geschäftsfelder. Aber nun habe ich zum ersten Mal das Gefühl: Ich weiß nicht, welcher Weg der richtige ist. Es gibt so viele Möglichkeiten!

Jeden Tag kommen neue Informationen dazu. In letzter Zeit höre ich zum Beispiel überall: „Daten sind das neue Gold“. Das mag schon stimmen, aber: Wir sind alle keine Datenexperten. Wenn ich mir allein unsere Kundendatenbank anschaue: Da steht schon mal der Vorname des Kunden mit im Nachname-Feld, oder der Vorname ist gar nicht gepflegt. Ich muss also meinen Mitarbeitern vermitteln, dass Datenpflege wichtig ist. Noch eine Aufgabe!

Wie kann ich meinen Leuten Sicherheit vermitteln?

Überhaupt, meine Mitarbeiter: Wie kann ich denen Sicherheit vermitteln in einer Zeit, in der nichts Bestand hat? Wie kann ich sie motivieren und ihnen die Angst vor der digitalen Transformation nehmen – wenn ich als Führungskraft selbst nicht weiß, was der richtige Weg ist?

Einige meiner Leute haben Angst, dass ich ihren Arbeitsplatz wegrationalisieren könnte. Dabei habe ich das gar nicht vor. Es kann aber durchaus sein, dass manche irgendwann andere Aufgaben übernehmen – und das ist auch gut so: Denn wegen der schrumpfenden Margen brauchen wir schlanke Prozesse. Wenn ein Computer uns Routinearbeit abnimmt, könnten sie sich auf Dinge konzentrieren, die einen echten Mehrwert für den Kunden bringen, zum Beispiel Beratung. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu experimentieren

Manchmal kommt mir meine Firma schon heute vor wie ein Experimentierlabor. Wir wollen noch in diesem Jahr anfangen, 3D-Druck-Dienstleistungen anzubieten, ich beteilige mich an einer Mietbox, über die man 24 Stunden Werkzeuge mieten kann – nur zwei Beispiele für neue Ideen.

Wir arbeiten nach dem Motto: „Wir machen jetzt einfach mal – korrigieren und anpassen kann man noch auf dem Weg dorthin, anders geht es eh nicht “ Ich persönlich finde es nicht schlimm zu sagen: „Okay, das funktioniert nicht, das lassen wir sein.“ Aber manchmal frage ich mich, wie das wohl bei meinen Leuten ankommt: Heute sage ich: „Da geht’s lang“ – und biege morgen von diesem Weg ab. Oder ich sage: „Kommando zurück“. Ich habe Angst, dass die mich irgendwann nicht mehr ernst nehmen.

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Und natürlich funktioniert nicht jede Idee. Wir haben zum Beispiel mal ein Projektsteuerungstool ausprobiert, das alle Projekte digital abbildet und über das man auch intern chatten kann. Da haben wir schnell festgestellt: Das ist nicht das Richtige für uns. Denn nicht alle meine Mitarbeiter sitzen ständig am Computer: Einige stehen im Laden, andere arbeiten im Lager. Wenn wir wichtige Infos über den Chat austauschen, kriegen die das einfach nicht mit.

Wer kann mir helfen?

Vielleicht müsste ich mir jemanden ins Unternehmen holen, der mich berät. Aber wen? Unter Digitalisierung versteht doch jeder was anderes: Der eine Berater sagt, du brauchst ein CRM, der nächste will dir Social Media beibringen, der übernächste dein Projektmanagement digitalisieren.

Natürlich würde es mir helfen, wenn ich jemanden im Team hätte, der sich all die neuen Tools und Technologien anschaut und mir vorstellt. Ich wüsste aber gar nicht, wen ich da einstellen sollte. Einen Digitalisierer – gibt es das überhaupt? Und selbst wenn: Als mittelständischer Betrieb mit 24 Leuten haben wir nicht unbedingt das Geld für so einen Experten – die sind ja heute sicher sehr gefragt.

Vielleicht bin ich zu wenig im Dialog meinem Team?

Also versuche ich mich selbst über so viele neue Entwicklungen wie möglich zu informieren: Ich lese viel, besuche Workshops, rede mit anderen Unternehmern, die jetzt Gas geben wollen. Zurück bleibt aber das Gefühl: Ob meine Firma überlebensfähig ist oder nicht, hängt allein von mir ab. Das überfordert mich manchmal.

Vielleicht bin ich aber auch zu wenig im Dialog meinem Team? Meine Mitarbeiter sind es gewohnt, dass ich 1000 Ideen habe. Vielleicht sollte ich sie viel mehr einbeziehen, sie fordern. Ihnen sagen: Ich will die Firma zukunftsfähig machen, aber ich brauche euch mit an Bord. Ich brauche eure Ideen.

In unseren Mitarbeitern steckt so manch unerkanntes Potenzial – das sollten wir nutzen.

Wie geht es Euch mit der schnellen Veränderung und der Digitalisierung? Bin ich allein mit meinen Gedanken, oder geht es anderen auch so? Habt Ihr Lösungen und Ideen für Euch gefunden? Teilt diese gerne mit mir und unserer Community!

11 Kommentare
  • Matthias Lachmann 15. August 2017 09:24

    Hallo Frau Weber,

    Nachdem ich mit Aufmerksamkeit Ihren Artikel und dann die Kommentare dazu gelesen habe möchte ich Ihnen gerne auch noch etwas zum Anregen mitgeben:
    Digitalisierung wirkt nach Innen (Prozessautomatisierung und –Optimierung, Wirtschaftlichkeit) und nach Außen (Kundenbindung, Individualisierung). Beide Aspekte tragen zur Risikominimierung und Erfolgssteigerung eines Unternehmens bei. Gerade weil beide Aspekte der Digitalisierung zusammen wirken braucht es eine einheitliche Digitalisierungsstrategie. Im Mittelpunkt der Strategieentwicklung steht aber immer der Mensch! Eine gut durchdachte und sich immer wieder an Veränderungen anpassende Strategie wird so zum Differenzierungsmerkmal des Unternehmens im Markt.

    Bei all den Überlegungen zur Digitalisierung und den dadurch ausgelösten Veränderungen macht es Sinn vom Mensch und Nutzen her zu denken und nicht vom technische machbaren.
    Was braucht der Kunde? Was braucht das Unternehmen?
    Wie werden Mitarbeiter und Kunden bei der Digitalisierung des Unternehmens mitgenommen?
    Was ist die richtige Strategie, jenseits von technischer Machbarkeit?
    Wie werden tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt?

    Agile Methoden aus der Softwarebranche helfen dabei, da diese die Zusammenarbeit von Menschen (Mitarbeiter, Kunden, Partner) in den Mittelpunkt stellen. Ich empfehle Ihnen dazu ein Buch, dass mich viel weiter gebracht hat: Falk Uebernickel, Walter Brenner, Therese Naef, Britta Pukall, Bernhard Schindlholzer: Design Thinking – Das Handbuch

    Alles gute weiterhin
    Matthias Lachmann

  • Richard Meier-Sydow 14. August 2017 11:20

    Hallo Frau Weber,

    Ihr Bauchgefühl hat Ihnen einen guten und kostenlosen Weg schon gewiesen, im letzten Absatz Ihres Artikels: „Vielleicht bin ich zu wenig im Dialog mit meinem Team?“. Wenn Ihr Team „gewohnt“ ist, dass die „1000 Ideen“ von Ihnen kommen, dann sind das 24 Ideengeber zu wenig. Und ja, hier können Sie Ihre Mitarbeiter mehr fordern. Mit der eindeutigen Zuweisung von Zuständigkeiten ohne Rückdelegieren sollten Sie anfangen. Dazu müssen Sie Verantwortung loslassen – zu Anfang nicht einfach, doch bereits nach Tagen (!) spürbar in seiner Wirksamkeit. Das beste Büchlein hierzu ist immer noch das Lola-Prinzip von René Egli. Lässt sich in einer Zugfahrt durchlesen, kann man nicht nicht verstehen oder umsetzen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ihr Artikel ist richtig gut geschrieben, toll, danke dafür.

    Herzliche Grüße von Richard Meier-Sydow

  • Andreas Seidel 14. August 2017 09:07

    Hallo Frau Weber,

    ich stoße in meiner Schwerpunktbranche auch immer wieder auf genau die gleichen Fragen bei mittelständischen Unternehmen. Ich kann da auch immer nur die Antwort geben, wir müssen nichts digitalisieren, damit etwas digitalisiert ist, sondern damit hinterher etwas besser wird.
    Daraus ergibt sich die erste Frage: was läuft schon richtig gut und wo besteht Verbesserungsbedarf, oder gibt es im Kundenmarkt neue Herausforderungen, auf die wir absehbar reagieren müssen? Danach: was sind eigentlich die Gründe für diese „Schwachstellen“, steckt dahinter überhaupt ein IT-Defizit oder z.B. ein organisatorisches Problem?
    Erst wenn dies klar ist, lassen sich daraus auch sinnvolle Aufgaben beschreiben und nach Lösungsoptionen suchen, vielleicht ist dann auch eine Option dabei, die etwas mit Digitalisierung zu tun hat.
    Das klingt jetzt zwar sehr konservativ kaufmännisch, ist aber nach langjähriger Erfahrung der einzig richtige Weg.

    Ihr
    Andreas Seidel

  • Nadja Forster 12. August 2017 11:16

    Liebe Frau Weber,

    aus meiner Sicht ist es aktuell wichtig sich überhipt mit der Digitalisierung zu beschäftigen. Sich informieren, Dinge ausprobieren, integrieren oder eben wieder verwerfen. Wir sind noch relativ am Anfang, es gibt noch keine genauen Fahrpläne für Unternehmer. Die schreiben wir jetzt selber.

    Was wir aber definitiv tun können, uns selbst, unser Unternehmen und vor allem die Mitarbeiter darauf vorbereiten: unsere Veränderungs- und Anpassungsfähigkeit zu stärken und trotzdem unsere Wurzeln zu stabilisieren. Alle in ein Boot zu holen und die Zukunft mit den Mitarbeitern zusammen schreiben. Hier, wie Sie geschrieben haben, die ungenutzen Potenziale herauszufiltern und für das eigene Unternehmen zu nutzen. Den Mitarbeitern damit auch mehr Verantwortung geben, weil sie sich beteiligen dürfen.

    Was sich in manchen Bereichen schon als Bereicherung zeigt sind Kooperationen mit anderen Unternehmen, auch mit Wettbewerbern. Zukünftig wird es meines Erachtens wichtiger, gemeinsame Lösungen zu finden und Projekte zu stemmen, als sich zu überlegen, wie ich noch mehr Kunden der Konkurrenz abziehen kann.

    Für diese Vorbereitungs- und Stärkungsaufgaben gibt es bereits Experten. Ansonsten entstehen die ersten Expertenforen zum Thema Digitalisierung, wie bei CityPoints in Pfaffenhofen.

    Empfehlen kann ich auch das Buch „Futabilty“ von Melanie Vogel.

    Für mein Unternehmen hilft mir, meine klare Vision, viel Austausch, eine hohe Flexibilität und das hohe Einbinden meiner Leute.

    Es ist so eine spannende Zeit und ich bin sehr gespannt, wie wir sie für uns nutzen werden. In all dem Unbruch sind wir die Geschichtenschreiber.

    Liebe Grüße
    Nadja Forster

  • Christian Maxin 10. August 2017 09:54

    Hallo Frau Weber,

    toller Artikel. Ich kann Ihre Gedanken super nachvollziehen. Die Digitalisierung bietet ja nahezu unendlich viele Möglichkeiten, Tools usw. Eine exakte Definition gibt es ebenfalls nicht. Wie alles „Neue“ bringt die Digitalisierung uns Unternehmer vor allem eines: Unsicherheit. Vielleicht ist es aber auch eben diese Unsicherheit, die uns auch die großen Chancen bieten wird.

    Sie schreiben richtigerweise, dass man weniger planvoll und mehr zu Trial & Error kommt. Genau hierin sehe ich die richtige Lösung. Es geht nicht um den einen Plan zur Umsetzung. Sondern es geht darum, überhaupt ins TUN zu kommen. Korrigieren lässt sich dank monatlicher Vertragslaufzeiten bei den meisten Tools ja fast alles. UND: ich tanze nicht mehr auf 100 Hochzeiten gleichzeitig. Ich schaue, wo wir einen Engpass haben. Und der wird dann angegangen. Immer schön Step by Step. Und wenn der Engpass gelöst ist, dann geht es an den nächsten Punkt. Dies ist zumindest für mich der offenbar beste Weg, mit dem aktuellen Chancen- und Tool-Überangebot klarzukommen 🙂

    In meinem Unternehmen haben wir zum Beispiel das größte Problem bei der Verknüpfung aller Daten gehabt. Da gab es hier ein Ticketsystem, dort ein ERP, hier eine Telefonanlage und viele analoge Leistungsnachweise, Gesprächsnotizen und vieles mehr. Und so toll die ganzen Tools für sich genommen sind – es sollen ja am Ende ein besserer Prozess für den Kunden und geringere Opportunitätskosten fürs Unternehmen rauskommen. Und da habe ich mich ziemlich verrannt.

    Inzwischen habe ich das vermeintlich passende All-In-One Tool gefunden, welches uns Ticketsystem, Projektsteuerung, CRM, Rechnungswesen, Newslettersystem usw. in einem Tool bietet. Mein Learning ist hier, dass man das passende Tool nicht nach den angebotenen Funktionen auswählen sollte, sondern welches die bereits bestehenden Prozesse im Unternehmen bestmöglich abbildet. Denn wenn sollten uns nicht einer Software anpassen, sondern die Software muss zu uns passen. Dies erleichtert am Ende auch die Einführung bei den eigenen Mitarbeitern immens, da hier ja auch immer mit Widerstand zu rechnen ist.

    Alles in allem also eine sehr spannende Zeit. Hier kann ich meinen Vorschreibern nur anschließen.

    Herzliche Grüße
    Christian Maxin

    P.S.: Wirklich ein toller Beitrag, der den meisten Unternehmern aus der Seele sprechen wird. Es zeigt doch mal wieder, dass wir alle nicht allein sind mit unseren Unsicherheiten 🙂

    • Vanessa Weber 10. August 2017 15:12

      Hallo lieber Herr Maxin!

      Vielen Dank für Ihren Beitrag – jetzt ist jeder gespannt darauf, welches Tool Sie gefunden haben…:) Wollen Sie es mit uns teilen? Ich freue mich auf den Austausch!

      Bleiben wir neugierig:)

  • Soenke Dohrn 10. August 2017 09:10

    Sehr geehrte Frau Weber,

    vielen Dank für Ihren Aufsatz.

    Sie gehen m.M.n. den Weg richtig, denn die digitale Transformation ist kein Ziel, das es zu erreichen gilt, sondern im Kern die Frage „was wollen wir realisieren?“

    Mich erinnert der Prozess sehr stark an die Fähigkeit zur Innovation als solche. Digitale Tools werden ähnlich eines Innovationstrichters als Idee generiert, evaluiert und bewertet und dann verstetigt oder werden eben wieder losgelassen.

    Dazu passt hervorragend Ihr Gedanke eines Digitizers, d.h. eine Art In-House Entrepreneur, der die Digitale Spielwiese aus Ihrer Warte heraus profitorientiert sortiert.

    Die „Unternehmer-Schmiede“ fokussiert z.B. auf Digital Entrepreneurs und teilt sich das Risiko mit dem Unternehmen in einer Art zeitlich befristetes Joint-Venture.

    Als jemand der seit 2000 den Weg digitaler Medien in die Firmen begleitet, kann ich sagen, dass die großen Stolpersteine oft weder die Technologie noch mangelndes Wissen sind, sondern ein Mangel an organisationaler Umsetzungskompetenz, d.h. als Organisation die neuen Möglichkeiten nicht effektiv in neue Prozesse zu überführen und zu nutzen können.

    Kein Strategieberater wird Ihnen dabei helfen wollen(!). Viele Umsetzungsberater werden Ihnen dabei auch nur die Tools verkaufen wollen, die nicht zu Ihnen, sondern zu deren Umsetzungserfahrung passen. Eine Beratung mit Design Thinking Ansatz mag helfen, wenn man bereit ist zu akzeptieren, dass ein Beratungsprojekt auch dann erfolgreich ist, wenn bereits nach dem ersten Analyseschritt einem klar geworden ist, dass man in die falsche Richtung unterwegs ist. Für den Innovationserfolg ist die Fähigkeit loszulassen aber absolut notwendig.

    Das ist alles nicht neu. Die Digitale Transformation fordert aber mehr denn je organisationale Dispositionen zur Selbstorganisation und Führungskräfte mit ausgeprägten People Skills sowie eine Leidenschaft für Change Management.

    Herzliche Grüße
    Soenke Dohrn

  • Christoph Laves 10. August 2017 00:15

    Hallo Frau Weber, mit jedem Ihrer Sätze, den ich lese denke ich: stimmt! Genau! So geht’s mir auch! Wie bei uns! Hätte von mir sein können! (Ich kann nur nicht so unterhaltsam schreiben 😉 ) Und die Erkenntnis? Wir sitzen alle in einem Boot, umgeben von jeder Menge Lotsen, die uns DEN richtigen Weg zur Digitalisierung zeigen wollen. Jeder weist aber in eine andere Richtung und wir wollen jedem ja so gerne glauben und folgen …. Am Ende geht aber der Lotse von Bord und der Kapitän (respektive die Kapitänin – gibt’s das als Wort?) ist verantwortlich, das der Kahn über Wasser bleibt.

    Diese reine Erkenntnis bringt mich aber nicht weiter, ein Weg da durch muss her! Ein Lösungsansatz oder das Erkennen eines gangbaren Weges. Ich glaube, die Lösung ist schlichtweg völlig individuell: der eine analysiert im Detail kalkuliert die Chancen und Risiken und erarbeitet sich eine halbwegs solide Datenbasis. Manchmal wünsche ich mir, ich würde mehr zu diesem Typus Mensch gehören, aber ich bin eher der Bauchentscheider – wenn ich eine Idee mag, will ich sie am besten gleich gestern umsetzen.

    Ich habe aber auch noch nicht feststellen können, dass eine von beiden Varianten die erfolgversprechendere ist. Denn selbst wenn man – in Kopf oder Bauch – eine Vorauswahl von Digitalisierungsthemen für sich getroffen hat, es sind eigentlich immer mehr, als in den Zeitplan passen. In diesen Fällen halte ich mich an die alte chinesische Weisheit (keine Ahnung, ob sie aus China ist, aber das klingt immer so schön unwiderlegbar ): „Auch eine lange Reise beginnt mit einem kleinen Schritt“ – und ich lege los, an irgendeinem Thema, Chatbot? Prima, erstmal die Shopagentur anrufen, mal sehen, was denen dazu einfällt … und so weiter. Ja, und oft stelle ich früher oder später fest, das dies keine für uns sinnvoll realisierbare Idee ist. Dann eben die nächste und los gehts.

    Ich predige das auch meinen Mitarbeitern: Es ist ja (Gottseidank) immer zu viel zu tun und wenn ihr nicht wisst, wo ihr anfangen sollt, legt einfach mit irgendwas los – denn wäre etwas anderes ganz klar wichtiger, dann hättet ihr ja nicht das Entscheidungsproblem vor den vielen Aufgaben 😉

    In diesem Sinne, frohes Digitalisieren,
    Ihr Christoph Laves

    P.S. Toller Blog, unbedingt weiter so!!!

    • Vanessa Weber 10. August 2017 15:15

      Lieber Herr Laves!

      Ich freue mich, dass Ihnen meine Beiträge gefallen! Ich gebe mir Mühe weiterhin lesenswerte Beiträge zu schreiben 🙂 Meist ist wohl das, was uns im Inneren bewegt, das Richtige – ich freue mich immer auf Gleichgesinnte wie Sie und die anderen Kommentatoren zu treffen. Danke, dass Sie Ihre Gedanken mit uns allen teilen.

  • Peter Gress 9. August 2017 15:11

    Sehr geehrte Frau Weber,

    wenn ich in Gesprächsrunden über die Digitalisierung im Friseurhandwerk rede schauen mich die Leute meist verständnislos an. „Was kann man denn im Friseurhandwerk digitalisieren?“ Social Media, Datev Unternehmen Online, Newsletter, Webseite, Augmented Reality im Marketing etc.pp. Es gibt einiges was wir als Friseurunternehmer digital tun könnten, auch in einem Berufsbild mit nahezu null Multiplikation außerhalb der Handarbeit. Tatsächlich begeistert und überfordert mich das Thema Digitalisierung zur selben Zeit. Was könnte alles möglich sein, wenn… Ja, wenn generell Zeit vorhanden wäre, wenn ich mir nicht alles selber anlesen müsste (aktuelles Besipiel: Blockchain und Bitcoinakzeptanz), wenn mein digitales Verständnis größer wäre, wenn mehr Geld, mehr spezialisiertes Personal da wäre und so weiter.

    Die Unterstützung der Ausbildung im Cyberspace durch Augemnted oder Virtual Reality ist ein wildes Thema das mich umtreibt. Wie unendlich langsam komme ich in dem Dickicht voran, lese mich ein und versuche auf meist wackeliger Basis Entscheidungen zu treffen. In Gesprächen mit Fachleuten ist meine mühsam erarbeitete Vorbereitung schnell aufgebraucht, weil ich die technischen Hintergründe nur unzureichend durchdringe. Wenn ich mal eine erhellende Situation habe ahne ich, dass es nur ein Baby-Blitz in der digitalen Gewitterfront war, die vor mir aufzieht.

    Trotzdem ist es eine total spannende Zeit, auch wenn ich ständig am Rand der digitalen Überforderung entlang surfe. Einen Vorteil hat die Digitalisierung aber auf jeden Fall: sie hält mich wach.

    Beste Grüße
    Peter Gress

    • Vanessa Weber 9. August 2017 16:28

      Lieber Herr Gress,

      Vielen Dank für Ihre Gedanken zu meinem Text – das was Sie tun, ist genau richtig, und die Kollegen, die Sie das fragen, wird es morgen vermutlich nicht mehr geben 😉 Also immer weiter so!

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