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Digital Leadership So führen Sie Ihr Team im digitalen Zeitalter

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Da geht's lang! "Auch wenn ich heute nicht mehr genau vorgebe: 'Wir machen dieses Jahr das und nächstes Jahr das', muss trotzdem klar sein: 'Wo wollen wir ankommen?' ", sagt Digitalisierungsberaterin Birgit Ströbel.

Da geht's lang! "Auch wenn ich heute nicht mehr genau vorgebe: 'Wir machen dieses Jahr das und nächstes Jahr das', muss trotzdem klar sein: 'Wo wollen wir ankommen?' ", sagt Digitalisierungsberaterin Birgit Ströbel.© knallgrün / photocase.de

Vertrauen und Freiräume für Mitarbeiter, eine Vision und Werte fürs Unternehmen - was hat all das mit Digitalisierung zu tun? Mehr, als Sie denken, sagt Digitalisierungsberaterin Birgit Ströbel. Ein Interview.

Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle und Vertriebskanäle, sondern auch das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter. Warum wir in Zeiten der Digitalisierung einen neuen Führungsstil brauchen und warum eine Vision und Werte heute wichtiger sind denn je, erklärt Digitalisierungsberaterin Birgit Ströbel.

impulse: Frau Ströbel, Sie sagen: Wegen der Digitalisierung müssen wir unsere Mitarbeiter heute anders führen als früher. Das müssen Sie erklären!

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Birgit Ströbel: Heute ist ein kooperativer Führungsstil gefragt: weg von „Von oben nach unten ansagen, was gemacht wird“, hin zu Beziehungsmanagement: Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern heute mehr Verantwortung übertragen, ihnen Gestaltungsfreiräume geben und vertrauen.

Warum ist das nötig?

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Durch die Digitalisierung passieren Veränderungen und Erneuerungsprozesse in Unternehmen heute in immer kürzerer Zeit. Daher kann ich als Führungskraft nicht mehr alles genau planen und vorgeben. Ich muss mit den Angestellten Wege ausprobieren, aus Fehlern lernen und dadurch gemeinsam besser werden und Ziele erreichen.

Und der zweite Grund?

Zweitens wird unsere Welt durch die Digitalisierung immer komplexer und transparenter. Als Führungskraft kann ich nicht mehr alles alleine wissen und entscheiden – ich muss mich stärker auf das Expertenwissen meiner Mitarbeiter verlassen und sie miteinbeziehen.

Und drittens …

… wissen wir, dass Mitarbeiter heute viel stärker mitwirken und ihr Wissen einbringen wollen. Das gilt insbesondere für die nachwachsende Generation, die so genannten Millenials: Wer sie motivieren will, sollte sie mitgestalten lassen.

Gute Gründe also für mehr Vertrauen. Und trotzdem ist das leichter gesagt als getan.

Dieses Vertrauen zu entwickeln und loszulassen ist wahrscheinlich für viele die größte Herausforderung , vor allem für ältere Chefs, die aus einer sicherheitsorientierten Unternehmenswelt kommen. Sie möchten zwar loslassen, haben aber doch Sorge, dass ihnen der Laden vor die Wand fährt. Bei der ersten Situation, in der sie anders agiert hätten, greifen sie zu schnell wieder ein.

Was hilft mir als Unternehmer beim Loslassen?

Eine Vision für Ihr Unternehmen – und gemeinsame Werte. Auch wenn ich heute nicht mehr genau vorgebe: „Wir machen dieses Jahr das und nächstes Jahr das“, muss trotzdem klar sein: „Wohin wollen wir uns entwickeln? Welches Unternehmen wollen wir in x Jahren sein? “ Die Vision und eine dazu passende Strategie setzen den Handlungsrahmen für Ihre Mitarbeiter, in dem sie zielorientiert frei agieren können.

Das setzt natürlich voraus, dass meine Mitarbeiter die Vision kennen.

Ja, und das ist tatsächlich ein Problem, denn oft genug existiert die Vision nur im Kopf des Inhabers – wenn überhaupt! Oder es gab mal eine Vision, aber die ist längst überholt. Das ist fatal, denn eine Unternehmensvision ist heute wichtiger denn je.

Warum das?

Weil klare Zuständigkeiten wegfallen und Mitarbeiter immer öfter an verschiedenen Standorten arbeiten, verlieren Mitarbeiter häufig die Orientierung und den Halt. Eine gemeinsame, klar kommunizierte Vision und gemeinsame Werte sorgen für Identifikation mit dem Unternehmen.

Sie haben eben noch gemeinsame Werte erwähnt. Was meinen Sie damit?

„Was soll uns als Unternehmen auszeichnen?“ „Worauf legen wir Wert in der Zusammenarbeit und in der Arbeit mit unseren Kunden?“ Die Antworten auf diese Fragen sind das Grundgerüst der Unternehmenskultur. Erarbeiten Sie die Unternehmenswerte gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern – und ganz wichtig: Leben Sie als Führungskraft diese Werte vor!

Wie meinen Sie das?

In vielen Unternehmen hängt ein Zettel mit den Unternehmenswerten in der Küche oder im Konferenzraum. Aber damit ist es nicht getan – jeder im Unternehmen sollte sich den Werten entsprechend verhalten. Um das hinzukriegen, sprechen Sie regelmäßig im Team über die Unternehmenswerte. Machen Sie sie zum Thema in Vorstellungsgesprächen, in Personalgesprächen. Reden Sie darüber, welches Verhalten angemessen ist, wenn man sich beispielsweise an Werten wie Verantwortung oder Exzellenz orientiert.

Warum ist es heute wichtiger als früher, Unternehmenswerte zu haben?

Sie sind nicht nur der Kitt, der ein Unternehmen zusammenhält: Sie schweißen auch ein Team zusammen. Leute abzuwerben, die sich mit den Werten eines Unternehmens identifizieren, ist extrem schwer.


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Erfolgreich führen

1 Kommentar
  • Wolfgang T. Kehl 28. Januar 2017 22:13

    Frau Ströbel bringt es auf den Punkt. Führung muss heute anders buchstabiert werden. Die Herausforderung heißt disruptive Ablaufentwicklung als Voraussetzung für die Digitalisierung. Das geht nur, wenn die Mitarbeiter im Sinne einer Bottom-up Strategie voll eingebunden sind. Die Hürde formulierte Deming: „Wenn du das, was du tust nicht als Prozess beschreiben kannst, dann weißt du nicht, was du tust.“ Das trifft auf über neunzig Prozent der Mitarbeiter zu. Hier heißt es, an die Ursache gehen, die vielen noch nicht bekannt ist.

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