Fehler eingestehen So entschuldigen Sie sich bei Ihren Mitarbeitern

Jeder macht Fehler - auch Chefs. Wie man als Unternehmer mit eigenen Pannen umgeht, ist nicht nur eine Frage des persönlichen Stils. Denn als Chef setzt man in Sachen Fehlerkutlur den Standard fürs Unternehmen.

Jeder macht Fehler - auch Chefs. Wie man als Unternehmer mit eigenen Pannen umgeht, ist nicht nur eine Frage des persönlichen Stils. Denn als Chef setzt man in Sachen Fehlerkutlur den Standard fürs Unternehmen.© knallgrün / Photocase

Wer sich entschuldigen kann, zeigt Stärke. Vorgesetzte sollten deshalb den Mut haben, Fehler einzugestehen. Doch wie entschuldigen sich Chefs richtig bei ihren Mitarbeitern? 10 Tipps vom Experten.

„Sorry, da habe ich einen Fehler gemacht!“

Darf man so einen Satz als Chef sagen? Untergräbt man damit nicht seine Autorität?

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Man darf nicht nur, man sollte ihn sagen – da sind sich heute fast alle einig, deren Job es ist, Menschen zu führen. Die Zeit, in der sich Chefs als perfekte und unnahbare Patriarchen gerierten, die man weder kritisieren durfte noch je Fehler machten, sind (in den allermeisten Unternehmen) vorbei.

Wenn man aber einen Fehler gemacht hat, wie sollte man den dann vor seinem Team kommunizieren? Sollte man sich entschuldigen?

1. Bei großen Fehlern sollte sich jeder entschuldigen.

Egal ob man sich im Ton vergriffen hat, eine falsche Entscheidung getroffen hat oder jemand anderes eine bessere Idee hatte, diese aber vollkommen außer Acht gelassen wurde – bei großen Fehlern sollte sich jeder entschuldigen, rät Moritz Ostwald, Executive-Coach und Trainer für den Bereich Leadership. Das gelte auch für Führungskräfte. Besonders in der heutigen Zeit verlieren Hierarchien immer mehr an Bedeutung, umso wichtiger sei es, dass der Chef als Vorbild für die Mitarbeiter fungiere.

Daher sollte man sich als Chef überlegen: Wie sollen meine Mitarbeiter idealerweise mit Fehlern umgehen? „Setzen Sie sich den gleichen, oder sogar einen noch höheren Maßstab“, sagt Moritz Ostwald. Übrigens: Eine Entschuldigung ist nicht nur bei den offensichtlichen Fehlern angebracht. Auch wenn Sie Ihre Rolle als Führungskraft vernachlässigt haben, kann eine Entschuldigung angebracht sein. Etwa: „Es tut mir leid, dass ich mir in den letzten Wochen zu wenig Zeit genommen habe, Euch zuzuhören.“ Oder: „Es tut mir leid, dass ich Dich mit dieser Aufgabe überfordert habe – das hätte mir klar sein müssen.“ Damit machen Sie gleichzeitig klar, welchen Anspruch Sie an sich selbst und auch an andere Führungskräfte haben.

Was machen gute Führungskräfte? Sie entschuldigen sich bei Fehlern und setzen so einen Standard für die Mitarbeiter.

2. Entschuldigen Sie sich persönlich.

Hat man einen Fehler gemacht, dann sollte man auch persönlich dafür geradestehen. „Schicken Sie niemals Dritte vor. Wie Sie sich entschuldigen sagt viel über den Führungsstil und die Führungskultur in Ihrem Unternehmen aus“, sagt Moritz Ostwald. Deswegen entschuldigen Sie sich zeitnah, rät der Experte: „Sobald Ihnen der Fehler bewusst wird, gehen Sie zu Ihrem Mitarbeiter hin oder greifen zum Telefonhörer, wenn Sie nicht im selben Büro sind.“ Wenn eine Entschuldigung ehrlich wirken soll, sollte man diese nicht planen und erst recht keinen Termin dafür vereinbaren. „Bleiben Sie locker und spontan und machen Sie daraus keine allzu große Sache“, meint Ostwald.

Was machen gute Führungskräfte? Sie entschuldigen sich kurz und knackig – und blasen die Sache nicht unnötig auf.

3. Entschuldigen Sie sich nicht für Banalitäten – aber sprechen Sie über Probleme.

Wer auch bei kleineren Vorfällen das Bedürfnis hat, sich zu entschuldigen, könne dies auch mit einer kurzen E-Mail tun, meint Moritz Ostwald: „Ein kleines ‚Sorry‘ ist keine große Sache.“ Und kann jeder schnell schreiben, wenn zum Beispiel eine E-Mail zu spät gelesen wurde.

Nötig ist eine Entschuldigung dann zwar nicht. Wichtig ist es aber, mit den Mitarbeitern darüber zu reden, wenn Sie etwa ständig sehr spät auf Mails Ihrer Mitarbeiter reagieren. „Schreiben Sie zum Beispiel eine allgemeine Mail an Mitarbeiter, warum Sie des Öfteren später antworten“, rät Ostwald. Kommunizieren Sie Ihre unterschiedlichen Erwartungshaltungen und die „Spielregeln“ im Unternehmen offen. Dann haben Ihre Mitarbeiter auch mehr Verständnis für Sie als Vorgesetzter, wenn Sie viel um die Ohren haben.

Was machen gute Führungskräfte? Sie finden bei Alltagsproblemen praktische Lösungen und kommunizieren gerade heraus.

4. Übertreiben Sie es nicht.

Früher musste der Chef alles besser wissen, heute wissen wir, dass er auch nur ein Mensch ist und Fehler macht. Trotzdem muss sich auch der Vorgesetzte nicht für drei fehlende Kommas entschuldigen. „Wenn Sie sich seltener für Banalitäten entschuldigen, wirken die großen Entschuldigungen umso glaubwürdiger“, sagt Moritz Ostwald.

Was machen gute Führungskräfte? Sie entschuldigen sich nicht ständig für Kleinkram.

5. Übernehmen Sie Verantwortung.

Sätze wie „Die Umstände waren ungünstig“ sind totaler Quatsch. Sie haben in dieser Situation so entschieden, die Entscheidung war falsch, also stehen Sie dazu und sagen ehrlich: „Jetzt weiß ich es besser“. Die Begründung können Sie sich schenken, sagt Moritz Ostwald: „Wenn Sie zu spät zu einem Meeting kommen und sagen, dass Sie im Stau standen, ist das nur eine billige Ausrede. Machen Sie ihre Begründung einfach und knapp.“

  • Erklären Sie Ihrem Mitarbeiter kurz, wofür Sie sich spezifisch entschuldigen.
  • Erläutern Sie, welchen Fehler Sie bemerkt haben.
  • Zeigen Sie auf, was Sie in Zukunft anders oder besser machen wollen und was Sie persönlich daraus gelernt haben.

Was machen gute Führungskräfte? Sie sparen sich Ausreden.

6. Vermeiden Sie doppelte Fehler.

Sie haben beim Brainstorming Ihren Mitarbeiter nicht aussprechen lassen, obwohl dieser eine super Idee hatte? Danach haben Sie sich dann bei ihm für Ihr Verhalten entschuldigt? Super! Doch ein zweites Mal sollte Ihnen das nicht passieren, denn dann fragen sich Ihre Angestellten, wie ernst Ihre Entschuldigungen wirklich gemeint sind.

Was machen gute Führungskräfte? Sie lernen aus ihren Fehlern.

7. Meinen Sie es ernst.

Nichts ist schlimmer als eine Entschuldigung zu bekommen, die einfach aus Prinzip zwischen Tür und Angel gesagt wurde. „Das Wort ‚Entschuldigung“ allein hat keine Strahlkraft, es sollte eine Kongruenz zwischen der verbalen und der nonverbalen Äußerung geben“, erläutert Moritz Ostwald. Wer nur kurz „sorry“ ins Büro ruft, braucht sich nicht wundern, wenn ihm die Mitarbeiter die Entschuldigung nicht abkaufen. Eine nicht ernst gemeinte Entschuldigung bewirkt das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erreichen soll: Sie fördern Misstrauen und dem Verlust von Respekt.

Was machen gute Führungskräfte? Sie verkneifen sich auch beim Entschuldigen den Schlendrian.

8. Finger weg von Geschenken.

Eine Tafel Schokolade oder ein Blumenstrauß sollen das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter wieder herstellen? Denken Sie nicht einmal daran! Versuchen Sie nicht, Ihre Mitarbeiter mit einem Präsent zu bestechen und sich das Vertrauen so wieder zu „erschleichen“. Blumenstrauß und Co. bewirken in einer Entschuldigung das Gegenteil und Ihre Entschuldigung wirkt nicht mehr ehrlich. „Präsente sind beim Bedanken, für ein tolles Verhalten, besser aufgehoben“, sagt Moritz Ostwald.

Was machen gute Führungskräfte? Sie versuchen in der Firma keine Methoden, die schon im Privatleben nicht funktionieren.

9. Lassen Sie sich keine Entschuldigung aufzwingen.

Sie haben aus Ihrer Sicht nichts verbrochen? Dann müssen Sie sich auch nicht entschuldigen. Doch was tun, wenn Ihre Mitarbeiter eine Entschuldigung von Ihnen fordern? „Lassen Sie das nicht auf sich sitzen“, sagt Moritz Ostwald. Sagen Sie, dass Sie keine Entschuldigung geben können, da Sie aus Ihrer Sicht keinen Fehler gemacht haben. Lassen Sie Ihre Angestellten erklären, warum die Entschuldigung eingefordert wird. Erklären Sie dann Ihre Sichtweise. Verdeutlichen Sie wenn nötig, dass Sie als Chef andere Anforderungen haben. „Wenn man gut miteinander kommuniziert, löst sich das Problem in 99 Prozent aller Fälle.“

Was machen gute Führungskräfte? Sie bleiben sich und ihrer Position treu.

10. Vertuschen Sie keine Fehler

Sie als Vorgesetzter sitzen am Hebel, wenn es um die Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen geht. Ihr Motto ist „Fehler passieren woanders, nicht bei uns“? Dann wundern Sie sich nicht über die negative Stimmung auf dem Büroflur. Denn Fehler zu verstecken kostet viel Kraft und Energie.

Aber auch zu seinen Fehlern zu stehen, ist eine Kraftanstrenung, in uns allen steckt schließlich ein bisschen von Adam und Eva im Paradies. Die Versuchung, Fehler zu verheimlichen ist groß. „Haben Sie keine Angst, nicht perfekt zu sein“, rät aber Moritz Ostwald. „Sich Fehler einzugestehen, bedeutet keine Schwäche Ihres Charakters, sondern ist im Gegenteil eine große Stärke.“

Was machen gute Führungskräfte? Sie wissen um ihre Vorbildfunktion und setzen mit ihrem Verhalten bewusst Standards.


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