Motivation im Team „Wir wollen mehr als einen Obstkorb und Kicker bieten“
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Motivation Team

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Damit Teams motiviert sind, brauchen sie keine Goodies, sagt impulse-Blogger Björn Waide. Welche Faktoren wichtiger sind und wie er und sein Team die Voraussetzungen für motiviertes Arbeiten schaffen.

Wir können andere nicht motivieren, denn echte Motivation kommt nur aus einem selbst – auf diese Formel lässt sich Reinhard Sprengers Management-Klassiker „Mythos Motivation“ stark verkürzen. Das Buch ist erstmals 1991 erschienen. Darin zeigt Sprenger, dass monetäre Anreize wie ein höheres Gehalt oder Bonuszahlungen bei Wissensarbeiter:innen nicht für ein Mehr an Motivation sorgen – und dennoch steckt genau dieser Gedanke noch immer in den Köpfen von vielen Unternehmer:innen und Manager:innen.

Die Frage nach motivierenden Faktoren kann nur jede:r Einzelne für sich beantworten. Auch meine Kolleg:innen und ich haben uns die Frage „Was motiviert mich?“ gestellt, bevor wir bei Smartsteuer im September 2019 Hierarchien abgeschafft und eine neue Organisationsstruktur etabliert haben. Als wir konkrete Maßnahmen für ein motivierendes Arbeitsumfeld entwickelt haben, ließen wir uns von Daniel H. Pinks berühmter Studie zu Motivationstreibern namens „Drive“ inspirieren. Uns war klar: Wir wollen mehr als nur einen Obstkorb und einen Kicker zur Motivation bieten.

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Motivation durch Autonomie

Pink macht in seinem Buch deutlich, dass das menschliche Bedürfnis nach Autonomie im Sinne von Selbstbestimmung ein enorm wichtiger Hebel für Motivation ist. Die Realität ist jedoch oftmals eine andere: Über Generationen wurde die Präsenzkultur mit festen Arbeitszeiten zum Nonplusultra stilisiert; in vielen Unternehmen wird immer noch ein- und ausgestempelt. Wer aufsteigen will, muss möglichst permanent präsent sein. Für selbstbestimmtes Arbeiten ist in solchen starren Strukturen wenig Raum.

Ein erstes Mittel gegen die Präsenzkultur ist, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn Flexibilität für den/die Einzelne:n bedeutet Komplexität für alle, zum Beispiel wenn es darum geht, Termine für Meetings zu finden. Wenn manche Kolleg:innen nur Montag bis Mittwoch da sind, andere nur vormittags, manche jede zweite Woche… Hier muss man balancieren zwischen den Interessen der Einzelnen und denen der Gruppe.

Aber es ist der Anfang von etwas Größerem und daher mehr als lohnenswert. Nach einigen Jahren, in denen die Arbeitszeit bei uns weitestgehend frei eingeteilt werden konnte, lag der Schritt zu noch autonomerem Arbeiten nahe. Also haben wir darüber nachgedacht, die Teamleiter:innen-Ebene abzuschaffen und das schließlich auch umgesetzt.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun, wenn ein:e Kolleg:in im Austausch mit dem Team die Arbeitszeit aushandeln kann, dann ist es nur der nächste logische Schritt, dass irgendwann auch die Aufgaben selbstbestimmt ein- und aufgeteilt werden können. Dazu braucht es dann keinen „middle manager“ mehr, sondern jede:r wird zur Führungskraft.

Motivation durch Kompetenz

Pinks zweiter Treiber für menschliche Motivation: der unbändige Drang, in etwas besser zu werden, Fähigkeiten zu erwerben, Wissen zu vertiefen, Verantwortung zu übernehmen. Dank unserer Kompetenz und Expertise in einem Fachgebiet können wir uns besser in Entscheidungsprozessen einbringen – meist jedoch verhindern Hierarchien genau das.

Was also tun? Ob es im Unternehmen noch Hierarchien gibt oder diese schon abgeschafft wurden, in beiden Fällen muss es erst einmal darum gehen, die Entwicklung von Kompetenzen zu fördern. Geeignet sind dazu zum Beispiel Weiterbildungsbudgets, über die jede:r frei verfügen kann (Autonomie!). Bei uns sind das 1.500 Euro im Jahr für eine Vollzeitstelle. Die Mitarbeiter:innen entscheiden selbst, wie sie das Budget einsetzen. So kann etwa die Entwicklerin zu einer Konferenz gehen und sich über neue Tools informieren oder einen Kurs zum Thema Konfliktmanagement belegen. Letzteres bietet sich vor allem dann an, wenn das Team selbstorganisiert und -verantwortlich arbeitet und neue Herausforderungen bei der Kommunikation anstehen. Es gab aber auch schon Kolleg:innen, die „Power-Napping-Seminare“ buchten.

Motivation durch Purpose

Pinks dritte Triebfeder menschlicher Motivation: Der Wunsch, etwas zu tun, das wichtig ist, das Bedeutung – oder Neudeutsch: einen Purpose – hat. Der Purpose des Unternehmens – verstanden als Konglomerat aus Werten, Vision und Zielen – liefert den Mitarbeiter:innen einen Referenzpunkt. Sie müssen immer wieder abgleichen können, wie die Werte, Ziele und Visionen des Unternehmens zu ihrem eigenen Purpose und ihren Präferenzen passen. Die Mitarbeiter:innen brauchen Antworten auf die Fragen: „Warum tun wir, was wir tun? Wohin wollen wir mit dem, was wir tun?“ Deswegen ist das bei uns klar definiert: Unsere Vision ist das „finanzielle Wohlbefinden aller“, unsere Mission die Herstellung von Steuergerechtigkeit, indem wir jedem die Tools geben, um selbstwirksam zu viel gezahlte Steuern zurück zu erhalten.

Um jedem Teammitglied einen Abgleich der eigenen Werte mit denen des Unternehmens zu ermöglichen, haben wir bei Smartsteuer einen so genannten „Strategiekreis“ etabliert. Dieser Kreis besteht aus fünf ständigen Mitgliedern, die verschiedene inhaltliche Schwerpunktthemen vertreten (Technologie, Marketing, Steuer, Finanzen, Geschäftsmodelle), sowie zwei gelosten quartalsweise wechselnden Mitgliedern aus dem gesamten Unternehmen. Regelmäßig beraten sich die Mitglieder und setzen übergeordnete Leitplanken, anhand derer Projekte und Prozesse gemessen werden. Dabei geht es zum Beispiel um Prinzipien in unserer Produktentwicklung, etwa dass unsere Texte auch von Laien verstanden werden müssen.

Essentiell für die Arbeit des Strategiekreises ist der Austausch mit den Anderen: Nur wer seine Arbeit im Kollektiv reflektiert und seine Wünsche kommuniziert, kann Teil einer funktionierenden, selbstorganisierten Einheit sein.

Es geht auch anders – und einfacher

Gut möglich, dass einigen Leser:innen die vorgestellten Beispiele, um ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen, schon „zu groß“ erscheinen. Darum zum Abschluss noch ganz andere, recht einfache Möglichkeiten, Motivationsbarrieren einzureißen: Anerkennung und Wertschätzung.

Für die meisten Menschen ist es unglaublich wichtig, dass für sie selbst und andere sichtbar ist, was sie tun – auch wenn sie das selbst so vielleicht gar nicht ausdrücken könnten. Für Unternehmen lohnt sich daher zum Beispiel, Dashboards zu installieren, auf denen die relevantesten KPIs – etwa Verkaufszahlen oder auch Bewertungen von Kund:innen – zu sehen sind. Alle im Team wissen beim Blick darauf, zu welchem Ziel sie beigetragen haben – und können sich dann motivieren, auch weiterhin erfolgreich zu arbeiten.

Jetzt, in Zeiten der Pandemie und des Arbeitens aus dem Homeoffice heraus, können kurze, tägliche Check-in-Calls nicht nur dafür genutzt werden, über anstehende Ereignisse zu sprechen, sondern auch, um den Kolleg:innen „Danke!“ zu sagen. Eine kleine Geste, aber solch positives Feedback motiviert ungemein!

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5 Kommentare
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    Jens Raddatz 10. März 2021 09:41

    Ein super Beitrag, der inspiriert, über sein eigenes Tun und seine eigenen Motivatoren nachzudenken. Und darüber hinaus auch praktische Umsetzungsmöglichkeiten aufzeigt.

    Vielen Dank dafür

    Und Schreibstil ist Schreibstil. Ich glaube auch in Alt-Hochdeutsch würde sich der Inhalt nicht ändern- und das zählt aus meiner Sicht.

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    FS 1. März 2021 14:46

    Mir ist erst als ich die Kommentare gelesen habe aufgefallen, dass der Artikel überhaupt gegendert war. Zu was unser Gehirn fähig ist wenn man sich erstmal an etwas neues gewöhnt hat. Ich kann die Kommentare absolut nicht nachvollziehen.

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    Ich 26. Februar 2021 22:28

    Es jedem recht zu tun, ist eine Kunst, die keiner kann. Als augeklärte Frau habe ich mich noch nie daran gestört, wenn Artikel in leichter Sprache einfach in männlicher Schreibweise verfasst waren. Wozu diese Verunstaltung?

    Zum Thema selbst möchte ich beitragen, dass es sehr viel Disziplin von Allen abverlangt, so zu arbeiten. Außerdem ist nicht jeder Mitarbeiter bereit, die volle Verantwortung zu tragen.

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    WH 26. Februar 2021 16:17

    Ich hätte den Kommentar wahrscheinlich nicht geschrieben, wenn mein Vorredner es nicht auch getan hätte.
    Mir geht es ganz genau so, dass es beim Lesen wirklich sehr hart ist dran zu bleiben, weil es wirklich stört.

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    Roland Hammer 26. Februar 2021 12:30

    Liebe Redaktion,

    Ihre „gendergerechte“ Schreibweise mit dem andauernden Doppelpunkt mitten in Wörtern ist derart leseunfreundlich, dass ich mich ertappe, wie ich inzwischen viele Artikel nur noch widerwillig lese und dann oft nach wenigen Sätzen ganz abbreche.
    Sie können ja mal schauen, ob sich das durchsetzt. Ich habe diese Zeit nicht.

    Viele Grüße
    Roland Hammer

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