Upward-Feedback Diese einfache Methode macht Sie zu einem besseren Chef

Upward-Feedback

Als toller Chef hervorstechen? Befragen Sie Ihre Mitarbeiter zu Ihren Führungsqualitäten.© MichaelJBerlin / photocase.de

Mal wieder an den eigenen Führungsqualitäten feilen – nur wie? Mit Hilfe der eigenen Mitarbeiter. Mit Upward-Feedback finden Chefs heraus, was ihre Mitarbeiter sich von ihnen wünschen.

Einen Coach buchen, Seminare belegen, Management-Bücher wälzen – alles gute Ideen, um ein besserer Chef zu werden. Doch auch die eigenen Mitarbeiter können Unternehmern dabei helfen, ihre Führungsqualitäten auszubauen. Schließlich sehen sie ihren Chef Tag für Tag und erleben seine Stärken und Schwächen hautnah.

Beim sogenannten Upward-Feedback fragen Chefs Mitarbeiter gezielt danach, wie sie ihn als Führungskraft wahrnehmen und was sie sich von ihm wünschen. Solche Rückmeldungen sollten Unternehmer natürlich nicht in einem kurzen Gespräch auf dem Flur einfordern – sie sollten die Gespräche gut vorbereiten und auch dem Mitarbeiter die Gelegenheit geben, sich vorher Gedanken zu machen. Platz für Upward-Feedback ist beispielsweise in jährlichen Mitarbeitergesprächen oder in gesonderten Terminen. Angenehmer Nebeneffekt des Upward-Feedbacks: Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, weil der Chef ihre Meinung einholt.

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Jochen Grabisch, Coach und Berater für Organisationsentwicklung, hat einen Leitfaden für Upward-Feedback-Gespräche geschrieben und im Buch „Führungsinstrument Mitarbeiterkommunikation“ veröffentlicht.

So bereiten Chefs das Gespräch vor

Vor Upward-Feedback-Gesprächen sollten Chefs ihre eigene Rolle reflektieren, empfiehlt Grabisch. Dazu können Unternehmer versuchen, sich in einen Angestellten hineinzuversetzen, der unter Ihrer Führung arbeitet – in dem Gedankenspiel ist ein Chef also sein eigener Mitarbeiter. Er sollte sich folgende Fragen stellen:

  • Was würde mir (als mein eigener Mitarbeiter) an meiner Art zu führen gut gefallen? Was nicht?
  • Welche drei positiven Eigenschaften beschreiben mich treffend?
  • Woran kann ich noch arbeiten?

So bereiten Unternehmer sich gedanklich auf Kritik vor und finden vielleicht selbst schon ein paar Punkte, zu denen sie den Mitarbeiter nach seiner Meinung fragen können.

Der Gesprächseinstieg

Bevor es losgeht, sollten Arbeitgeber überlegen, wie gut Ihre Beziehung zum Mitarbeiter ist und wann und warum es vielleicht einmal Spannungen gegeben hat. Denn je nach Verhältnis zum Mitarbeiter empfiehlt Grabisch unterschiedliche Gesprächseinstiege.

Ist das Verhältnis neutral, gut oder sehr gut, sollten Chefs mit offenen Fragen beginnen – also solchen, die der Mitarbeiter nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Er soll ins Erzählen kommen. Wenn sie sich gut verstehen, ist es wahrscheinlicher, dass der Angestellte offen spricht.

Ist das Verhältnis angespannt, sollten Chefs das laut Grabisch zu Beginn thematisieren. „Das macht es dem Mitarbeiter einfacher, über diese Punkte zu sprechen“, sagt der Coach.

Und wenn das Verhältnis zum Mitarbeiter besonders schlecht ist? Lieber keine Upward-Feedback-Gespräche führen, sagt Grabisch. „In solchen Fällen ist stattdessen beispielsweise ein Coaching für die Führungskraft die bessere Wahl.“

Fragen an den Mitarbeiter

Wie kitzelt man nun aus dem Mitarbeiter raus, was er vom Chef denkt? Zunächst sollten Unternehmer dem Angestellten noch einmal klarmachen, worum es ihnen bei dem Gespräch geht – zum Beispiel so: „Ich möchte unser Gespräch heute nutzen, um mehr darüber zu erfahren, wie Sie unsere Zusammenarbeit einschätzen und wie Sie mich als Führungskraft erleben.“

Diese Fragen können Chefs laut Grabisch stellen, um zu erfahren, wie Mitarbeiter ihre Führungsqualitäten einschätzen und wo sie Verbesserungspotenzial sehen:

  • Wie erleben Sie unsere Zusammenarbeit?
  • Wie schätzen Sie die Qualität unserer Zusammenarbeit auf einer Skala von 1 bis 10 ein? Was trägt positiv dazu bei? Was fehlt vielleicht?
  • Wo unterstütze ich Sie im Alltag, einen guten Job zu machen? Wo und wie könnte ich das noch besser tun?
  • Wie gefällt Ihnen die Zusammenarbeit im Team? Wie lässt sie sich verbessern?
  • Wie zufrieden sind Sie auf eine Skala von 1 bis 10 mit den Prioritäten und Zielen? Mit der Anerkennung und dem Feedback, dass Sie bekommen? Mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

„Überfrachten Sie das Gespräch nicht“, sagt Grabisch. Denn möglichweise ist es für den Mitarbeiter ungewohnt, die Leistung seines Chefs einzuschätzen. Dann sollten Chefs es beim ersten Upward-Feedback-Gespräch bei wenigen Fragen belassen.

Auf Einwände reagieren

Feedback einzuholen kann unbequem sein: Etwa wenn ein Mitarbeiter seinem Chef erklärt, dass er ihn für unzuverlässig hält oder die Arbeit seiner Angestellten nicht genug wertschätzt. Egal, wie sehr die Kritik schmerzt: Chefs sollten sich nicht rechtfertigen. Grabisch: „Wie bei jedem Feedback sollte gelten, die Aussagen des Gesprächspartners erst einmal stehen und wirken zu lassen.“

Statt zurückzuschießen, sollten Chefs die Offenheit des Mitarbeiters schätzen und betonen, dass sie über die Kritik nachdenken und versuchen, daran zu arbeiten. Das ist schließlich Sinn und Zweck des Upward-Feedbacks.

Doch möglicherweise glauben Angestellte nicht daran, dass ihr Chef sich ändern will – und sagen schon vor Beginn oder im Laufe des Gesprächs, dass sie glauben, dass es nichts bringt. Dann können Chefs laut Grabisch so reagieren: „Gut, dass Sie das so offen sagen. Versprechen kann ich Ihnen das vorab nicht, ich würde mich allerdings freuen, wenn Sie die Chance nutzen. Ich bin sehr interessiert an Ihrer Einschätzung.“

Nachbereitung

Nach dem Upward-Feedback-Gespräch sollten Chefs ihre Führungskompetenz reflektieren und überlegen, an welchen Kritikpunkten des Mitarbeiters sie arbeiten wollen.

„Nicht jeder Wunsch des Mitarbeiters muss in die Tat umgesetzt werden“, sagt Grabisch. Dennoch sollten Chefs dem Mitarbeiter rückmelden, was sie ändern wollen, und ihm so zeigen, dass er seine Meinung ernstnimmt. „Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter nach deren Meinung fragen, sollte im Nachgang deutlich werden, dass sie sich damit auch auseinandergesetzt haben.“

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