10-10-10-Methode
So triffst du die richtigen Entscheidungen

Mal eben eine Entscheidung fällen – bei den wichtigen Fragen im Leben fällt das schwer. Die 10-10-10-Methode hilft. Sie funktioniert wie ein Kompass auf dem Weg durchs Pro-Contra-Chaos.

Aktualisiert am 14. Januar 2026, 11:17 Uhr, von Britta Hesener

Ein Fragezeichen, darum angeordnet vier Pfeile - für welche Richtung entscheidest du dich?
Nach links, recht, oben, unten? Den nervigen, aber lukrativen Auftrag annehmen oder nicht? Die 10-10-10-Methode hilft.
© jayk7 / Moment / Getty Images

10-10-10-Methode – das Wichtigste in Kürze

  • Gute Entscheidungen scheitern oft nicht an Fakten, sondern an Emotionen.

  • Die 10-10-10-Methode schafft Abstand zwischen Impuls und Entscheidung.

  • Sie betrachtet Folgen in drei Zeiträumen: kurz, mittel, lang.

Soll ich den Mitarbeiter auf seine offensichtliche Alkoholsucht ansprechen? Sage ich der Kundin mit den unverschämten Forderungen, dass sie sich zum Teufel scheren soll? Fragen wie diese stellen das Hirn vor eine Mammut-Aufgabe. Sämtliche Konsequenzen soll es bedenken und abwägen. Ein Durcheinander von Pros und Contras, in das es irgendwie Ordnung bringen muss. Fragt sich nur, wie?

Schritt für Schritt Entscheidungen treffen mit der 10-10-10-Methode

Eine Zauberformel gibt es nicht. Doch Suzy Welch, amerikanische Wirtschafts-Journalistin, TV-Moderatorin und Coach, hat eine simple Strategie dafür entwickelt: 10-10-10. Die Entscheidungsmethode funktioniert wie eine gut vorbereitete Reise in die Zukunft.

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Schritt 1: Als Erstes formulierst du eine Frage, die genau umreißt, welches Problem du lösen möchtest. In ihrem Buch „10-10-10: 10 Minuten, 10 Monate, 10 Jahre. Die neue Zauberformel für intelligente Lebensentscheidungen“ empfiehlt Welch, hier möglichst klar zu definieren. Sie schreibt: „Viele verfahrene Probleme sind mit Neben- und Unterproblemen verquickt, mit Ablenkungen und Abschweifungen, falschen Spuren und Nebenrollen. Somit beginnen die effizientesten 10-10-10-Anwendungen immer damit, genau herauszuarbeiten, welches Problem gelöst werden soll, das alledem zugrunde liegt.“

Schritt 2: Jetzt trägst du alle Fakten zusammen, die du für deine Entscheidung benötigst. Das kannst du im Kopf tun, mit dem Computer, mit Papier und Bleistift oder bei einem Gespräch mit Freunden oder dem Partner. Wichtig: Sei dabei ehrlich.

Schritt 3: Vermutlich findest du auf die anfangs definierte Frage nicht sofort die eine klare Antwort. Das macht nichts, denn jede mögliche Antwort dient nun als Ausgangspunkt für eine Zeitreise. Man malt sich aus, welche Folgen die jeweilige Antwort haben wird in …
… zehn Minuten?
… zehn Monaten?
… zehn Jahren?

Die Zehner-Schritte sind dabei nicht als fixe Größen gemeint. Sie stehen nur stellvertretend für kurz-, mittel- und langfristige Zeiträume. Die Methode könnte also genauso gut 8-11-9 heißen.

Schritt 4: Alle Informationen, die du gesammelt hast, gleichst du jetzt mit deinen inneren Werten, Überzeugungen, Zielen, Träumen und Bedürfnissen ab. Dieser Teil zwingt laut Welch zur Frage: „Wenn ich jetzt alles über meine Wahlmöglichkeiten und deren Folgen weiß, welche Entscheidung trägt dann wohl am besten dazu bei, dass ich mir ein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen schaffe?“

Das wirkt banal? Nur auf den ersten Blick. Die Schlichtheit der Methode ist auch ihre Stärke. Sie funktioniert wie ein simples Ordnungssystem für Gedanken. Sie zwingt dazu, darüber nachzudenken, welche Konsequenzen unserer Entscheidungen für uns die entscheidenden sind: die kurz-, mittel- oder langfristigen.

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Diese Grafik zeigt, wie die 10-10-10-Methode funktioniert© Robert Beckers für impulse

Ein Beispiel: So funktioniert die 10-10-10-Methode in der Praxis

Ein Beispiel macht deutlich, wie die 10-10-10-Methode funktioniert. Nehmen wir die Frage, die sich eine Firmenchefin stellen könnte: „Soll ich die wichtige Kundin mit den unverschämten Forderungen höflich zum Teufel schicken?“

Was passiert wohl nach 10 Minuten, wenn die Chefin der Firma es tatsächlich tut?

Vermutlich wird die Kundin fuchsteufelswild. Sie wird schimpfen, zetern und mit Konsequenzen drohen. Eine unangenehme Sache.

Was passiert nach 10 Minuten, wenn sie es NICHT tut?

Alles läuft wie immer weiter: Die Mitarbeitenden sind genervt, weil sie ständig auf die Kapriolen der Kundin reagieren müssen. Die Chefin ist genervt, weil sie ihr Team besänftigen und die Kundin betreuen muss.

Was passiert in 10 Monaten, wenn sie es tut?

Möglicherweise kämpft die Firma mit den Folgen. Die Umsätze gehen zurück. Die vergraulte Kundin gibt online schlechte Bewertungen ab, sorgt für negative Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber: Weil das Team sich nicht mit zig Sonderwünschen der Kundin herumschlagen muss und keine Energie mehr darauf verschwendet, sich über sie zu ärgern, kann es sich wieder besser anderen Aufgaben widmen: Akquise, der Betreuung anderer Kunden, der Optimierung von Prozessen.

Was passiert in 10 Monaten, wenn sie es NICHT tut?

Weil die Kundin merkt, dass sie immer unverschämtere Forderungen stellen kann, macht sie munter weiter. Sie bindet irgendwann den Großteil der Arbeitskraft im Unternehmen und sorgt für schlechte Stimmung.

Was passiert in 10 Jahren, wenn die Chefin sie abwimmelt?

Nach zehn Jahren denkt womöglich niemand mehr groß über die Sache nach. Nach einem kurzen Marsch durch ein tiefes Tal geht es für die Firma wieder bergauf.

Was passiert in 10 Jahren, wenn sie es NICHT tut?

Die Kundin hat sich womöglich einen neuen Lieferanten gesucht. Weil die Firma viel Zeit und Mühe investiert hat, braucht sie lange, um sich davon zu erholen.

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Und wie soll die Unternehmerin sich nun entscheiden? Das hängt von ihren inneren Überzeugungen ab. Die Szenarien helfen ihr auszuloten, womit sie besser leben kann, was besser im Einklang steht mit ihrer Auffassung von guter Unternehmensführung. Mit der nervtötenden, aber gewinnbringenden Kundin und der schlechten Stimmung im Team. Oder vorübergehend mit weniger Gewinn und zufriedeneren Mitarbeitenden.

Mit der 10-10-10-Methode Emotionen sortieren

Die 10-10-10-Methode hilft zudem, Emotionen auszutarieren. Kurzfristige Konsequenzen sind oft mit heftigen Reaktionen wie Wut und Trauer verbunden. Emotionen, mit denen wir nicht gerne konfrontiert werden und die wir darum meiden (im Beispiel die fuchsteufelswilde Kundin). Doch wie lange halten diese Emotionen an? Viele werden in der Zukunft kaum, wenn überhaupt, spürbar sein. Diese Diskrepanz zwischen kurz- und langfristigen emotionalen Folgen spielt oft eine große Rolle, wenn wir Entscheidungen fällen. Sie drängt das Hier und Jetzt zu sehr in den Vordergrund.

10-10-10 hilft, die kurzfristigen Emotionen ins richtige Verhältnis zu rücken. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Frage, die sich ein Geschäftsführer stellen könnte: „Soll ich mir einen Urlaub gönnen, obwohl in der Firma gerade alles drunter und drüber geht?“

Was passiert wohl 10 Minuten, nachdem der Chef seinem Team eröffnet, dass er trotz des Chaos in den Urlaub fährt?

Wahrscheinlich werden sie wütend sein. Viele werden sich im Stich gelassen fühlen.

Was passiert 10 Minuten, nachdem der Chef beschlossen hat, auf seinen Urlaub zu verzichten?

Er fühlt sich erschöpft, aber auch erleichtert, dass er seine Mitarbeitenden nicht im Stich lässt.

Was passiert in 10 Monaten, nachdem der Chef sich die eine Woche Auszeit genehmigt hat?

Die Wut wird sich möglicherweise gelegt haben. Doch ein ungutes Gefühl wird sich bei einigen festgesetzt haben: Was ist das für ein Kapitän, der bei stürmischer See das Schiff verlässt? Die erhoffte Erholung nach der einen Woche Urlaub blieb ebenfalls aus. Während der Auszeit hatte sich der Chef mit Gedanken an die Firma gequält.

Was passiert in 10 Monaten, nachdem der Chef auf den Urlaub verzichtet hat?

Alles läuft wie gewohnt weiter. Einen Monat nach der stürmischen Phase hatte er seinen Urlaub nachgeholt und ihn entspannt genossen.

Was passiert 10 Jahre, nachdem er die Entscheidung pro Urlaub gefällt hat?

Wahrscheinlich kommt der eine oder andere Mitarbeiter in Krisensituationen nochmal darauf zu sprechen. Doch im Laufe der Zeit hat der Chef sein Ansehen wieder aufpolieren können. Die Zusammenarbeit läuft wieder gut.

Und was passiert 10 Jahre, nachdem er sich gegen den Urlaub entschieden hat?

Kaum jemand wird sich vermutlich noch daran erinnern können.

Auch bei dieser Frage hilft die 10-10-10-Methode, die Konsequenzen und die damit verbunden Gefühle zu sortieren. Doch hier spielen die kurzfristigen Emotionen die entscheidende Rolle. Wie aber soll sich der Chef jetzt entscheiden? Das hängt davon ab, ob er damit umgehen kann, dass sein Ansehen für längere Zeit leidet und seine Mitarbeitenden von ihm enttäuscht sind. Wenn er das nicht kann, sollte er auf den Urlaub verzichten, auch wenn in zehn Jahren kein Hahn mehr danach krähen wird.

Neben der 10-10-10-Methode gibt es viele weitere Strategien, um gut durchdachte Entscheidungen zu treffen. Eine beliebte ist die sogenannte Stop-Regel.

Mehr dazu hier: STOP-Regel: Diese simple Methode hilft, bessere Entscheidungen zu treffen

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