10-10-10-Methode So treffen Sie die richtigen Entscheidungen

Nach links? Oder besser nach rechts? Den lukrativen Auftrag annehmen, obwohl die Angestellten überlastet sind? Manche Entscheidungen überfordern uns – die 10-10-10-Methode hilft, gute Entscheidungen zu treffen.

Nach links? Oder besser nach rechts? Den lukrativen Auftrag annehmen, obwohl die Angestellten überlastet sind? Manche Entscheidungen überfordern uns – die 10-10-10-Methode hilft, gute Entscheidungen zu treffen.© sör alex / photocase.de

Mal eben eine Entscheidung fällen – bei den wichtigen Fragen im Leben fällt das schwer. Die 10-10-10-Methode hilft. Sie funktioniert wie ein Kompass auf dem Weg durchs Pro-Contra-Chaos.

Soll ich den Mitarbeiter auf seine offensichtliche Alkoholsucht ansprechen? Sage ich dem Kunden mit den unverschämten Forderungen, dass er sich zum Teufel scheren soll? Genehmige ich mir einen Urlaub, obwohl in der Firma gerade alles drunter und drüber geht? Fragen wie diese stellen das Hirn vor eine Mammut-Aufgabe. Sämtliche Konsequenzen soll es bedenken und abwägen. Ein Durcheinander von Pros und Contras, in das es irgendwie Ordnung bringen muss. Fragt sich wie?

Schritt für Schritt Entscheidungen treffen mit der 10-10-10-Methode

Eine Zauberformel gibt es nicht. Doch Suzy Welch, amerikanische Wirtschafts-Journalistin, TV-Moderaterin und Coach, hat eine simple Strategie dafür entwickelt: 10-10-10. Die Entscheidungsmethode funktioniert wie eine gut vorbereitete Reise in die Zukunft:

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  1. Als Erstes formulieren Sie eine Frage, die genau umreißt, welches Problem Sie lösen möchten. In ihrem Buch „10-10-10: 10 Minuten, 10 Monate, 10 Jahre – Die neue Zauberformel für intelligente Lebensentscheidungen“ empfiehlt Welch, hier möglichst klar zu definieren: „Viele verfahrene Probleme sind mit Neben- und Unterproblemen verquickt, mit Ablenkungen und Abschweifungen, falschen Spuren und Nebenrollen. Somit beginnen die effizientesten 10-10-10-Anwendungen immer damit, genau herauszuarbeiten, welches Problem Sie lösen möchten, das alledem zugrunde liegt.“
  2. Der nächste Schritt: Tragen Sie alle Fakten zusammen, die Sie für Ihre Entscheidung benötigen. Das können Sie im Kopf tun, mit dem Computer, mit Papier und Bleistift oder bei einem Gespräch mit Freunden oder dem Partner. Wichtig: Seien Sie dabei ehrlich.
  3. Auf die anfangs definierte Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Jede dient jeweils als Ausgangspunkt für eine Zeitreise. Man malt sich aus, welche Folgen die jeweilige Antwort haben wird in …
    … zehn Minuten?
    … zehn Monaten?
    … zehn Jahren?
    Die Zehner-Schritte sind dabei nicht als fixe Größen gemeint. Sie stehen nur stellvertretend für kurz-, mittel- und langfristige Zeiträume. Die Methode könnten also genauso gut 8-11-9 heißen
  4. Letzter Schritt: die Analyse. Alle Informationen, die Sie gesammelt haben, gleichen Sie jetzt ab mit Ihren inneren Werten, Ihren Überzeugungen, Zielen, Träumen und Bedürfnissen. Dieser Teil zwinge laut Welch zur Frage: „Wenn ich jetzt alles über meine Wahlmöglichkeiten und deren Folgen weiß, welche Entscheidung trägt dann wohl am besten dazu bei, dass ich mir ein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen schaffe?“

Wie banal? Nur auf den ersten Blick. Die Schlichtheit der Methode ist auch ihre Stärke. Sie funktioniert wie ein simples Ordnungssystem für Gedanken. Sie zwingt dazu, darüber nachzudenken, welche Konsequenzen unsere Entscheidungen für uns die entscheidenden sind: die kurz-, mittel- oder langfristigen. Natürlich ist auch 10-10-10 nicht perfekt. Wie alle anderen Methoden, die helfen Entscheidungen zu treffen, stellt auch diese nicht 100-prozentig sicher, dass man mit ihr die richtige Lösung findet.

So funktioniert die 10-10-10-Methode in der Praxis

Ein Beispiel macht deutlich, wie 10-10-10 funktioniert. Nehmen wir die Frage: Soll ich den wichtigen Kunden mit den unverschämten Forderungen höflich zum Teufel schicken?

Was passiert wohl nach 10 Minuten, wenn der Chef der Firma es tatsächlich tut?

Vermutlich wird der Kunde fuchsteufelswild. Er wird schimpfen, zetern und mit Konsequenzen drohen. Eine unangenehme Sache.

Was passiert nach 10 Minuten, wenn er es nicht tut?

Alles läuft wie immer weiter: Die Mitarbeiter sind genervt, weil sie ständig auf die Kapriolen des Kunden reagieren müssen. Der Chef ist genervt, weil er seine Mitarbeiter besänftigen und den Kunden betreuen muss.

Was passiert in 10 Monaten, wenn er es tut?

Möglicherweise kämpft die Firma mit den Folgen. Die Umsätze gehen zurück. Der vergraulte Kunde gibt online schlechte Bewertungen ab, sorgt für negative Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber: Weil das Team sich nicht mit zig Sonderwünschen des Kunden herumschlagen musste und keine Energie mehr damit verschwendet, sich über ihn zu ärgern, kann es sich wieder besser anderen Aufgaben widmen: Akquise, die Betreuung anderer Kunde, die Optimierung von Prozessen.

Was passiert in 10 Monaten, wenn er es nicht tut?

Weil der Kunde merkt, dass er immer unverschämtere Forderungen stellen kann, macht er munter weiter. Er bindet irgendwann den Großteil der Arbeitskraft im Unternehmen und sorgt für schlechte Stimmung.

Was passiert in 10 Jahren, wenn der Chef ihn abwimmelt?

Nach zehn Jahren denkt womöglich niemand mehr groß über die Sache nach. Nach einem kurzen Marsch durch ein tiefes Tal geht es für die Firma wieder bergauf.

Was passiert in 10 Jahren, wenn er es nicht tut?

Der Kunde hat sich womöglich einen neuen Lieferanten gesucht. Weil die Firma viel Zeit und Mühe in ihn investiert hat, braucht sie lange, um sich davon zu erholen.

Und wie soll der Unternehmer sich nun entscheiden? Das hängt von seinen inneren Überzeugungen ab. Die Szenarien helfen ihm auszuloten, womit er besser leben kann, was besser im Einklang steht mit seiner Auffassung von guter Unternehmensführung. Mit dem nervtötenden, aber gewinnbringenden Kunden und der schlechten Stimmung im Team. Oder vorübergehend mit weniger Gewinn und zufriedeneren Mitarbeitern.

Mit der 10-10-10-Methode Emotionen sortieren

Die 10-10-10-Methode hilft zudem, Emotionen auszutarieren. Kurzfristige Konsequenzen sind oft mit heftigen, emotionalen Reaktionen wie Wut und Trauer verbunden. Emotionen, mit denen wir nicht gerne konfrontiert werden und die wir darum meiden (im Beispiel der fuchsteufelswilde Kunde). Doch wie lange halten diese Emotionen an? Viele werden in der Zukunft kaum, wenn überhaupt, spürbar sein. Diese Diskrepanz zwischen kurz- und langfristigen emotionalen Folgen spielt oft eine große Rolle, wenn wir Entscheidungen fällen. Sie drängt das Hier- und Jetzt zu sehr in den Vordergrund. 10-10-10 hilft, die kurzfristigen Emotionen ins richtige Verhältnis zu rücken.
Allerdings sind kurz- oder mittelfristige Gefühle Suzy Welch zufolge nicht zwangsläufig schlechte Ratgeber. 10-10-10 bedeutet nicht, dass immer nur die Langzeitfolgen als Kompass bei der Entscheidungsfindung dienen sollten. Nehmen wir zum Beispiel die Frage:

Soll der Chef einen Urlaub gönnen, obwohl in der Firma gerade alles drunter und drüber geht?

Was passiert wohl 10 Minuten, nachdem der Chef seinen Mitarbeitern eröffnet, dass er trotz des Chaos in den Urlaub fährt?

Wahrscheinlich werden sie wütend sein. Viele werden sich im Stich gelassen fühlen.

Was passiert 10 Minuten, nachdem der Chef beschloss, auf seinen Urlaub zu verzichten?

Er fühlt sich erschöpft, aber auch erleichtert, dass er seine Mitarbeiter nicht im Stich lässt.

Was passiert in 10 Monaten, nachdem der Chef sich die eine Woche Auszeit genehmigte?

Die Wut wird sich möglicherweise gelegt haben. Doch ein ungutes Gefühl wird sich bei einigen festgesetzt haben: Was ist das für ein Kapitän, der bei stürmischer See das Schiff verlässt? Die Loyalität und der Respekt gegenüber dem Chef werden darunter leiden. Und er wird dies spüren. Eine schlechte Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Die erhoffte Erholung nach der einen Woche Urlaub blieb ebenfalls aus. Während der Auszeit hatte er sich mit Gedanken an die Firma gequält.

Was passiert 10 Monaten, nachdem der Chef auf den Urlaub verzichtete?

Alle läuft wie gewohnt weiter. Einen Monat nach der stürmischen Phase hatte er seinen Urlaub nachgeholt und ihn entspannt genossen.

Was passiert 10 Jahre, nachdem er die Entscheidung pro Urlaub fällte?

Wahrscheinlich kommt der eine oder andere Mitarbeiter in Krisensituationen nochmal darauf zu sprechen. Doch im Laufe der Zeit hat der Chef sein Ansehen wieder aufpolieren können. Die Zusammenarbeit läuft wieder gut.

Und passiert 10 Jahre, nachdem er sich gegen den Urlaub entschied?

Kaum jemand wird sich vermutlich noch daran erinnern können.

Auch bei dieser Frage hilft die 10-10-10-Methode, die Konsequenzen und damit verbunden Gefühle zu sortieren. Doch hier spielen die kurzfristigen Emotionen die entscheidende Rolle. Wie aber soll sich der Chef jetzt entscheiden? Das hängt davon ab, ob er eine längere Zeit damit umgehen kann, dass sein Ansehen leidet und seine Mitarbeiter von ihm enttäuscht sind. Wenn er das nicht kann, sollte er auf den Urlaub verzichten, auch wenn in zehn Jahren kein Hahn mehr danach krähen wird.

In unserem Beitrag „Dieses eine Wort macht Sie zu einem besseren Chef“ lesen Sie, wie Sie einmal getroffene Entscheidungen kommunizieren.

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