Freelancer Vorsicht, Nervgefahr! Diese Sätze können Freiberufler nicht mehr hören

Achtung! Bei einigen Sätzen brennen Freelancern die Sicherungen durch.

Achtung! Bei einigen Sätzen brennen Freelancern die Sicherungen durch.© Getty images/ R.Tsubin

Sie setzen böse Gedanken im Kopf frei, lösen Abwehrreaktionen aus oder triefen vor Klischees: Typische Sätze, die Freiberufler immer wieder hören. Ein Worst-of.

Eine Liste wäre praktisch. So eine Art Gebrauchsanleitung, die Freiberufler Auftraggebern, Freunden und Bekannten in die Hand drücken können, Überschrift: „Diese 9 Sätze bitte verkneifen“. Ich arbeite seit mehr als 11 Jahren als Freiberuflerin und das sehr gerne. Ich rede auch gerne darüber. Und Fragen beantworte ich mit dem Eifer einer Vorschülerin. Aber einige Sätze und Fragen kann ich nicht mehr hören. Mein persönliches Best-of – oder vielmehr Worst-of:

Sätze von Auftraggebern

„Wir können Ihnen aber leider nur Summe X zahlen.“

Für mich ist das eine der kniffeligsten Seiten des Selbstständigseins: Preise. Auf keinen Fall will ich mich verramschen wie der Discounter ein Bündel Bananen. Andererseits sind die Zeiten nicht immer rosig. Da nimmt man, was man kriegen kann.

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Doch manchmal übertreiben es Auftraggeber. Wenn ich bei einem Stundenlohn lande, von dem ich mir gerade mal eine Monatsration Knäckebrot erlauben könnte, lehne ich freundlich mit dem Verweis auf meinen übervollen Terminkalender ab (Waren künstlich zu verknappen, soll ja helfen). Was ich dabei aber immer denke: „Versuchen Sie es doch mal beim örtlichen Discounter, die haben diese Woche gute Texte im Angebot, liegen sicher direkt neben den Bananen.“

„Das kriegen Sie doch bis morgen hin, oder?“

Wenn ich diesen Satz höre, verselbstständigt sich meine Lunge. Ich merke dann, dass ich so lautstark ein- und ausatme, als säße ich vor einer Saline in einem Luftkurort. Nur dass das kein Erholungsatmer ist, sondern ein luftgewordener Ausdruck meiner sarkastischen Gedanken: „Ja, klar. Ich sitze von morgens bis abends nur im Büro, um genau auf diesen einen Auftrag zu warten. Sonst habe ich nichts zu tun.“ Natürlich sage ich das nicht laut. Der Auftraggeber ist König und hat wahrscheinlich selbst genug um die Ohren. Also bringe ich meine Atemgeräusche unter Kontrolle und sage freundlich: „Bis übermorgen könnte ich es eventuell schaffen.“

„Das ist nur ein kleiner Auftrag, ist ganz schnell erledigt“

Wenn ich gefühlt bereits Aufträge für Drei abarbeite, kommen gerne Anfragen wie diese: „Wir haben hier eine kleine Sache, die ist ganz schnell gemacht.“ Kleine, schnelle Sachen sind nicht schlecht. Sie sind prima, um Leerläufe zu füllen. Doch hat man genug zu tun, sind sie die Pest. Denn oft gehen die kleinen Sachen auf wie ein Hefeteig an einem warmen Plätzchen. Dann soll plötzlich hier noch eine Kleinigkeit nachgearbeitet werden und da noch etwas hinzugefügt. Und schon lässt die „kleine Sache“ keinen Platz mehr für die lukrativeren Aufträge.

„Wir melden uns dann wieder bei Ihnen“

Womit ich mich immer schwer tue, sind Auftraggeber, die sich nach einem Gespräch mit den Worten verabschieden: „Was Sie anbieten, hört sich gut an. Wir melden uns dann bei Ihnen.“ Und dann melden sie sich eben nicht. Was nun? Hinterhertelefonieren? Wirkt das nicht verzweifelt und ist gaaanz schlecht für die Preise? Ich komme mir dann vor wie ein 13-jähriges Mädchen, das auf einer Party einen Jungen kennengelernt hat. Soll ich mich bei ihm melden oder mich an Omas Tipp halten: „Willst du gelten, mach‘ dich selten“? Oft ziere ich mich vollkommen umsonst. Denn in den meisten Fällen freuen sich die Leute, wenn ich nochmal anrufe. Und noch nie hat jemand gesagt: „Oh, Sie rufen nochmal an. Sie sind aber verzweifelt.“

Von Freunden und Familie

„Wann willst du denn mal wieder was Richtiges machen?“

Es gibt da dieses Missverständnis: Viele glauben, dass man Freelancer wird, weil man nichts Besseres gefunden hat oder für eine Festanstellung nicht gut genug war. Selbstständig und erfolgreich – das sind höchstens Ärzte, Anwälte oder Unternehmer mit mindestens fünf Mitarbeitern. Ich sehe das anders: Ich hielt eine Festanstellung nicht gut genug für mich. Die damit verbundenen Regeln machten mich durchschnittlich. Oft war ich im Büro damit beschäftigt, produktiv auszusehen, während ich eigentlich nur die digitale Uhr rechts unten auf meinem Bildschirm anfeuerte: „Schneller, schneller.“

„Also diese Selbstdisziplin hätte ich nicht.“

Ich habe diesen wunderbaren Motivationstrainer. Er heißt: Girokonto. Der Schlendrian zieht ganz schnell von dannen, wenn das Konto mies aussieht.

„Hey, guten Morgen, ich wollte nur mal hören, wie es dir so geht?“

Ich mache diesen einen Fehler immer und immer wieder. Wenn mein Handy vormittags klingelt und der Name einer Freundin auf dem Display erscheint, gehe ich ran. Schön blöd. Denn was dann kommt, ist in 88,7 Prozent aller Fälle folgender Dialog:
Sie: Ich wollte mal hören, wie es dir geht?

Ich: Gut geht es mir. Aber ich habe gerade keine Zeit, ich muss arbeiten.
Sie: Ach, komm! Wir haben uns so lange schon nicht mehr gesprochen, fünf Minuten hast du doch bestimmt.

Ich weiß nicht, ob die Uhren meiner Freundinnen kaputt sind, aber ihre fünf Minuten dauern länger als meine. Und ich bin mir sicher: Niemand ruft meine Freundin Beate um 9:44 Uhr an. Alle wissen: Dann ist sie in der Schule, Teenies unterrichten. Niemand ruft Ines um 10:32 Uhr an. Weil alle wissen: Dann sitzt sie im Büro des Landrates und arbeitet. Aber Freiberufler, die arbeiten nicht, die selbstverwirklichen sich nur ein bisschen nach Lust und Laune.

„Das wäre mir zu einsam.“

Oft fragen mich Leute, wo ich arbeite. Die meiste Zeit sitze ich in meinem Büro zuhause. Viele finden das gruselig. Sie verwechseln mein Arbeitszimmer mit einem verlassenen Kloster in Kamtschatka: „So einsam, das könnte ich ja nicht.“ Bis dieser Satz zum ersten Mal fiel, hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Ich hänge ständig am Telefon oder chatte mit Kollegen. Ja, sie sind körperlich nicht anwesend. Aber einsam fühle ich mich trotzdem nicht. Nur wahnsinnig produktiv. Wenn ich zum Beispiel in einer Redaktion sitze und bei einem nahenden Mittagstief Kollegen in mein Blickfeld geraten, neige ich dazu, sie in depperte Nonsens-Gespräche zu verwickeln. Das ist super für den Teamspirit, aber übel für meine Effizienz.

Wenn sich im Home-Office meine Konzentration zu einem Ausflug in den Keller verabschiedet, hüpfe ich einfach ein bisschen rum, renne die Treppe hoch und runter oder mache ein paar Hampelmänner. Das hilft gut, würde ich aber unter den Augen von Kollegen nie machen. Mag also sein, dass ich allein bin, dafür aber auch fitter, wacher, schneller.

„Was machst du eigentlich genau?“

Mein Hirn reagiert mit bösartigen Gedanken auf diese Frage: „Ach, morgens popel ich ein bisschen in der Nase und nachmittags schaue ich den Fliegen am Fenster beim Fliegen zu.“ Natürlich spreche ich nicht aus, was mein sarkastisches Hirn mir da einflüstert. Ich weiß ja, es ist gut gemeint. Meine Freunde interessieren sich halt. Was ich mich aber frage: Muss diese Frage eigentlich ein, sagen wir mal, selbstständiger Dachdecker auch ständig beantworten? Erklärt er dann, dass er auf das Einsetzen von Gauben in Walmdächer spezialisiert ist?

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