Leisure Sickness Wenn Urlaub krank macht

Die Leisure Sickness macht Urlaubspläne oft zunichte. Statt Hängematte am Strand ist dann Teetrinken auf dem Sofa angesagt.

Die Leisure Sickness macht Urlaubspläne oft zunichte. Statt Hängematte am Strand ist dann Teetrinken auf dem Sofa angesagt.© momnoi / iStock / Getty Images Plus / Getty Images

Kennen Sie das? Ständig werden wir am Wochenende oder im Urlaub krank. Leisure Sickness heißt das Phänomen - es ist weiter verbreitet, als man vielleicht denkt. Aber was kann man dagegen tun?

Endlich Urlaub, endlich den Arbeitsstress hinter sich lassen und sich den schönen Dingen des Lebens widmen. Doch dann das: Die Nase läuft, der Kopf pocht oder der Magen spielt verrückt. Leisure Sickness (deutsch: Freizeitkrankheit), so nennt man es, wenn wir am Wochenende oder im Urlaub krank werden. 22 Prozent der Deutschen leiden darunter, wie jetzt eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der IUBH (Internationale Hochschule Bad Honnef – Bonn) zeigt. „Dies ist die erste deutsche Studie, die tatsächlich feststellt, wie viele Personen von dem Phänomen betroffen sind. Dass es jeder fünfte Deutsche ist, hätten wir nicht erwartet“, sagt Claudia Möller. Die Professorin für Tourismusmanagement hat die Leisure Sickness an der IUBH untersucht.

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Für die Untersuchung wurden 2075 Personen zwischen dem 30. Juni und dem 3. Juli 2017 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Was Möller überraschte: Die Freizeitkrankheit befällt alle Berufsgruppen. Selbstständige trifft sie genau wie Angestellte oder Führungskräfte, zwischen den einzelnen Gruppen ließen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Was genau ist Leisure Sickness?

Leisure Sickness ist ein noch wenig untersuchtes Phänomen. Der Begriff bezieht sich weniger auf konkrete Symptome, als vielmehr auf den Zeitpunkt, wann eine Krankheit auftritt. Es geht darum, dass wir ausgerechnet am Wochenende oder im Urlaub plötzlich Schnupfen kriegen, unter Kopfschmerzen leiden oder uns ein verspannter Nacken plagt. So weist auch Möller darauf hin, dass sich der Begriff nicht scharf abgrenzen lässt: Kein Arzt würde je Leisure Sickness auf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schreiben – schließlich ist „krank durch Urlaub“ keine offizielle Diagnose. Darum mussten die Befragten selbst einschätzen, ob sie in den letzten zwölf Monaten überdurchschnittlich oft am Wochenende oder im Urlaub krank waren.

„Was aber auf jeden Fall nicht gemeint ist: Dass jemand am Samstag unter Kopfschmerzen leidet, weil er Freitagabend in einer Kneipe getrunken hat“, sagt Möller. Dennoch sei es schwierig, andere Faktoren herauszurechnen. Zum Beispiel könne es auch an unbemerktem Schimmelbefall in der Wohnung liegen, dass sich jemand am Wochenende krank fühle: Dann halte er sich besonders viel dort auf.

Warum werden wir ausgerechnet im Urlaub krank?

Woran liegt es, dass die Deutschen oft ausgerechnet in ihrer Freizeit krank werden? Das Smartphone scheint mitschuldig zu sein. Die ewige Erreichbarkeit lässt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. So zeigte die Befragung, dass diejenigen, die auch im Urlaub oder am Wochenende noch erreichbar sind oder jobbezogene E-Mails lesen, häufiger unter Leisure Sickness leiden.

Vor allem Selbstständige und Freiberufler haben das Smartphone immer im Blick. Von den 123 befragten Selbstständigen gaben 38 Prozent an, dass sie nach der Arbeit noch telefonisch erreichbar sein müssen. 42 Prozent lesen noch E-Mails. Das sind deutlich mehr als bei den Angestellten. „Allerdings zeigt die Befragung nur einen Zusammenhang. Ob die ewige Erreichbarkeit bei diesen Befragten auch die Ursache für die Leisure Sickness war, können wir nicht belegen“, sagt Möller.

Ein weiterer Zusammenhang scheint zwischen schlechtem Schlaf und der Freizeitkrankheit zu bestehen: Die Befragten, die von der Leisure Sickness betroffen sind, gaben häufig an, schlecht zu schlafen. Die Wissenschaftlerin vermutet, dass noch etwas anderes hinter der Leisure Sickness steckt: Der Urlaub als solcher habe sich einfach verändert. „In den 1970er Jahren machten die Deutschen durchschnittlich drei Wochen Urlaub am Stück. Das machen nur noch die Wenigsten. Heute verreisen wir im Durchschnitt nur noch zwölf Tage am Stück und machen öfter Kurzreisen“, erklärt Möller. Es bleibt also viel weniger Zeit, sich zu erholen. Das bedeutet: Wir müssen es schaffen, schneller abzuschalten, um uns auch in kurzer Zeit erholen zu können.

Lässt sich Leisure Sickness vorbeugen?

Noch ist nicht genau untersucht worden, was genau Leisure Sickness auslöst. Möller glaubt dennoch, dass es hilft, Ansprüche herunterzuschrauben. Wer sich zu viel im Job vornehme, stresse sich selbst. Und dass Stress krank machen kann, ist lange bekannt. Im Vergleich zu Angestellten bürden sich vor allem Selbstständige viel Arbeit auf: 33 Prozent erledigen auch nach Feierabend noch Dinge für die Arbeit. Selbst wenn sie sich keine Arbeit mit nach Hause nehmen, so drehen sich ihre Gedanken oft noch um den Job. Bei 45 Prozent der befragten Selbstständigen ist dies der Fall.

Möller warnt auch vor Perfektionismus. Gerade Selbstständige scheinen sich diesbezüglich unter Druck zu setzen. 64 Prozent der befragten Selbstständigen wollen ihre Arbeit perfekt erledigen. Zwischen diesem Hang zum Perfektionismus und der Leisure Sickness besteht ebenfalls ein Zusammenhang. Möller empfiehlt darum, keine Angst vor dem Unerledigten zu haben.

Was kann man noch tun, um sich gegen die Leisure Sickness zu wappnen? Folgende Tipps können helfen:

  1. Erwarten Sie nicht zu viel vom Urlaub!
    Der Urlaub ist oft aufgeladen mit Erwartungen: Auf Knopfdruck soll das Leben für ein, zwei Wochen perfekt sein. Vergessen Sie’s! Das wird in den seltensten Fällen funktionieren. Diese Erwartungshaltung endet oft mit einer Enttäuschung. Machen Sie sich selbst also keinen Stress, wenn es im Urlaub nicht so läuft, wie Sie es sich ausgemalt haben.
  2. Nicht vor dem Urlaub auspowern!
    Am liebsten möchten Sie alle wichtigen Dinge vom Tisch haben, wenn Sie Ihren Urlaub antreten? Doch wozu führt das? Dass Sie sich in den Tagen oder sogar Wochen davor wahrscheinlich verausgaben. Versuchen Sie sich von der Vorstellung zu verabschieden, noch alles schnell zu erledigen. Vieles lässt sich sicher delegieren.
  3. Machen Sie sich bewusst, was Sie geleistet haben!
    Wer den Urlaub mit dem Gedanken antritt, nicht alles geschafft zu haben, wird es schwer haben, sich zu entspannen. Das Gegenmittel: Konzentrieren Sie sich auf all die Aufgaben, die Sie in letzter Zeit gut gemeistert haben. Dann können Sie sich besser zugestehen, dass Sie sich eine Pause verdient haben.
  4. Schalten Sie das Smartphone aus!
    Selbst wenn Sie es nicht so wahrnehmen: Die ständige Erreichbarkeit kann Sie belasten. Machen Sie sich bewusst, dass die Firma auch ohne Sie weiter laufen kann. impulse-Blogger und Unternehmer Jürgen Krenzer beschreibt in seinem Artikel „Chef, wir brauchen dich jetzt nicht“, wie er gelernt hat, im Urlaub Verantwortung abzugeben.

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