Schlagfertigkeit 11 Tipps für schlagfertige Antworten

Ihr Gegenüber ist zu weit gegangen? Schlagfertigkeit hilft, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen - sehr viel eleganter, als dem anderen die Zunge rauszustrecken.

Ihr Gegenüber ist zu weit gegangen? Schlagfertigkeit hilft, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen - sehr viel eleganter, als dem anderen die Zunge rauszustrecken.© AllzweckJack / photocase.de

Fallen Ihnen schlagfertige Antworten auch immer erst auf dem Nachhauseweg ein? Schlagfertigkeit erleichtert den Alltag enorm. Elf Tipps für coole Konter.

In welchen Situationen bringt mich Schlagfertigkeit weiter?

Schlagfertigkeit hilft uns in Situationen, in denen wir kurz die Kontrolle verlieren – privat wie beruflich. Zum Beispiel wenn sich jemand vordrängelt und dann auch noch einen blöden Spruch macht. Wenn der Nachbar einen Witz auf unsere Kosten macht. Oder im Job, wenn etwa ein Kunde mit einem provokanten Spruch versucht, uns aus der Fassung zu bringen, oder bei der Präsentation des Geschäftsberichts alle Blätter zu Boden fallen.

„Was all diese Situationen eint: Wer hier schlagfertig reagiert, hält nach wenigen Worten die Fäden wieder in seiner Hand“, sagt Kommunikationstrainer Matthias Nöllke.

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Wie hilft mir Schlagfertigkeit, erfolgreicher zu sein?

Schlagfertigkeit macht das Leben leichter, meint Nöllke:

  • Sie leben gesünder, wenn Sie den Ärger nicht in sich hineinfressen – sondern gut gekontert haben.
  • Ein guter Spruch zur passenden Zeit stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Sie profitieren, wenn Sie Ihren Mitmenschen deutlich machen, wann sie zu weit gegangen sind.

Im Umkehrschluss: Wer sich nicht schlagfertig zur Wehr setzen kann, riskiert, in Zukunft nicht ernst genommen und respektlos behandelt zu werden.

„Außerdem ist erwiesen, dass schlagfertige Menschen sich im Allgemeinen besser und vor allem schneller durchsetzen“, so Nöllke. Und noch einen Vorteil haben schlagfertige Menschen: Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit und eine höhere Zustimmung als jene, die zwar gute Argumente haben, sie aber nicht so zungenfertig rüberbringen können.

Lässt sich Schlagfertigkeit lernen?

Natürlich gibt es Naturtalente mit schnellem Mundwerk. Andererseits: Schlagfertigkeit lässt sich auch wunderbar trainieren. „Gerade jene, die wir wegen ihrer beeindruckenden Schlagfertigkeit bewundern, haben ihre Fähigkeit meist lange geübt und weiterentwickelt“, sagt Nöllke. „Denn überspitzt könnte man sagen: Wer nachdenken muss, hat schon verloren.“

Wie kann ich meine Schlagfertigkeit trainieren?

Es gibt viele Techniken, um schlagfertiger zu werden. „Sie wirken wie ein Stützkorsett, das es Ihnen ermöglicht, überhaupt erst einmal zu kontern“, so Nöllke.

Tipp 1: Schrauben Sie Ihre Ansprüche an eine Replik herunter.

Perfektionismus raubt Ihnen Zeit – und ist damit hinderlich. „Denken Sie direkt, damit sind Sie schneller am Ziel“, rät Nöllke. „Und was nicht weniger wichtig ist: Simplen Bemerkungen können andere Menschen schnell folgen“, so Nöllke.

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Tipp 2: Schaffen Sie sich eine Basis an lässigen Antworten.

Überlegen Sie sich zwanzig Instant-Sätze: Floskeln, die Sie sich leicht merken können und die nicht zu speziell sind – sie sollen ja zu vielen Situationen passen. Klassiker sind etwa:

  • „Ich passe mich nur meiner Umgebung an“
  • „Da fragen Sie besser meinen Steuerberater“
  • „Können Sie das auch rückwärts?“
  • „Das ist für meinen eckigen Kopf zu rund“
  • „Warum?“ / „Wie kommen Sie darauf?“ (Bei blöden Unterstellungen)
  • „Könnten Sie diesen Satz mal sinnvoll zu ende führen?“ (Bei einem Blackout zum Beispiel während einer Präsentation)
  • „Wäre Dir blau lieber?“ (Wenn man rot wird)
  • „Welchen Teil von ‚Nein‘ hast Du nicht verstanden?“
  • „Und nächstes Mal mache ich einen Salto dazu“ (Zum Beispiel wenn man stolpert oder fällt)

Wer sich einige dieser Sätze in einer ruhigen Minute überlegt, wird sie in schwierigen Situationen problemlos abrufen können, um damit Angriffe zu kontern. „Der entscheidende Punkt ist dann nur die Auswahl: Der Instant-Satz muss passen. Einmal zu Ihrer Persönlichkeit, dann aber auch zur Situation“, so Nöllke.

Tipp 3: Bedienen Sie sich bei den Sprüchen anderer.

Prägen Sie sich Bonmots mit treffenden Pointen ein. Beispiel: Wenn jemand Ihnen ungerechtfertigt unterstellt, Sie würden zu viel verlangen, könnten Sie kontern: „Ich verstehe. Um mit Karl Kraus zu sprechen: Das Niveau hat sich gehoben – nur ist keiner mehr drauf.“

Die Zitate, so Experte Nöllke, dürften ruhig Banalitäten enthalten, auch ungereimte Sätze böten sich als Fundus an. Zum Beispiel diese:

  • „Schaun wer mal, dann sehn ma schon.“ (Franz Beckenbauer).
  • „Wenn ich Ihre Meinung hören will, dann werde ich sie Ihnen mitteilen.“ (Filmproduzent Samuel Goldwyn).
  • „Ich habe in der Vergangenheit richtig entschieden und ich habe in der Zukunft richtig entschieden.“ (der ehemalige US-Präsident George W. Bush).
  • „Grau ist alle Theorie, maßgebend is auff’m Platz.“ (Fußballtrainer Adi Preißler).

Tipp 4: Stimmen Sie überraschend zu.

Gerade wenn Sie sich für nicht schlagfertig halten, ist dies eine wunderbar einfache Technik. Jemand konfrontiert Sie mit einem Vorwurf – und Sie rechtfertigen sich nicht, sondern stimmen ganz gelassen zu.

  • „Sie sind aber langsam“ – „Stimmt, ich will ein perfektes Ergebnis“
  • „Sie fahren aber schlecht Auto“ – „Stimmt, ich habe den Führerschein nur durch Bestechung bekommen.“
  • „Sie sind aber ein teurer Anbieter“ – „Stimmt, Qualität hat ihren Preis.“

Noch wirkungsvoller wir ihre Antwort, wenn Sie bei der Zustimmung maßlos übertreiben.

  • „Sie sind aber schlecht organisiert.“ – „Stimmt, ich muss jeden Morgen erst meine Hände suchen, weil ich nicht mehr weiß, wo ich sie hingelegt habe.“
  • „Du hast aber zugenommen.“ – „Stimmt, ich habe jedes Mal Angst in der Aufzugtür stecken zu bleiben.“

Diese Technik gibt Ihnen doppelt Selbstsicherheit: Erstens, weil sie einen Angriff an sich abprallen lassen. Zweitens, weil Sie zum dem stehen, was Sie tun oder sind.

Tipp 5: Greifen Sie den Vorwurf des Angreifers auf.

Verkünden Sie zum Beispiel, dass Sie „lieber so“ sind als „anders“ – und setzen für das „anders“ ein Attribut ein, das Sie im Gegenzug Ihrem Gegenüber zuweisen.

  • „Du hast aber zugenommen!“ – „Lieber dick als doof.“
  • „Ihr Angebot ist aber teuer!“ – „Lieber teuer als unseriös.“
  • „Du bist zu spät“ – „Lieber zu spät als schlecht frisiert.“

„Wenn Sie nach dem Muster: ‚Lieber (a) als (b)!‘ vorgehen, können Sie auch etwas völlig Absurdes einfügen – das schafft einen lustigen Kontrast. Bringen Sie dann noch ein Wortspiel zustande, ist das schon ziemlich schlagfertig“, so Nöllke.

Tipp 6: Eiskalt das Gegenteil behaupten

Schlagfertig zu sein heißt nicht, witzig sein zu müssen. Sie können auch einfach die Anschuldigung richtigstellen.

„Sie haben keine Linie! Heute sagen Sie dies, morgen das!“ – „Da kann ich Ihre Wahrnehmung nicht teilen. Ich habe eine klare Strategie, die ich seit Monaten/Jahren verfolge.“ – Bäm. Sie haben den Ball zurückgeschossen, jetzt muss Ihr Gegenüber erst einmal nachliefern.

Tipp 7: Überlegen Sie sich eine Verballhornung üblicher Redensarten und Sprüche.

Auf dem Weg in die Königsklasse der Schlagfertigen sind Sie mit Ihrer eigenen Sprichwort-Variante. Zum Beispiel so:

  • „Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Bauarbeiter.“
  • „Abwarten und hinterherhinken.“
  • „Der hat doch nicht mehr alle Latten an der Waffel.“

„Die einzige Anforderung hierbei: Der Spruch darf genau NICHT passen“, sagt Matthias Nöllke. „Fragt ihr Gegenüber dann erstaunt nach, was Sie damit meinen, blicken Sie ihm in die Augen und sagen geheimnisvoll: ‚Denken Sie doch mal scharf nach.‘ Oder Sie sagen einfach, wie es ist: ‚Nichts.'“

Tipp 8: Weichen Sie aus, indem Sie schlicht sagen: „So redet man nicht mit mir.“

Das Gute an dieser Taktik laut Nöllke: „Sie stoßen Ihr Gegenüber nicht vor den Kopf, bestimmen aber dennoch über die weitere Gesprächsführung.“

Tipp 9: Finden Sie absurde Gegenargumente.

Königsklasse, die zweite: Wirft Ihnen etwa jemand vor, Sie seien beim Vortrag zu sehr an der Oberfläche geblieben, könnten Sie antworten: „Na ja, da konnte ich zumindest nicht untergehen.“ Wird jemand persönlich verletzend, etwa mit: „Ihre Haare sind ja gefärbt!“, nehmen Sie ihm den Wind aus den Segeln mit: „Dafür ist die Länge echt.“

Tipp 10: Spinnen Sie sinnlose Angriffe weiter.

Wirft Ihnen etwa jemand vor, immer zu spät zu kommen, wenn Sie sich erstmals um zwei Minuten verspäten, können Sie sich eine absurde Geschichte ausdenken, wieso Sie mit Absicht zu spät kommen wollten – und welche Mittel Sie gewählt haben, um das zu erreichen. Wie: „Gestern Abend habe ich den Wecker extra zwei Minuten vorgestellt – und jetzt dieser Triumph, dich zwei Minuten schmoren zu lassen!“

Bei dieser Technik sei jedoch Achtung geboten, so Nöllke: „Sie eignet sich nur dann, wenn Ihnen Vorwürfe gemacht werden, die einfach lächerlich sind – also etwa eine Lappalie betreffen. Dann sind Sie mit diesem ‚absurden Anschluss‘ einfach unangreifbar.“

Ansonsten aber sei es eine harte Technik, die nur in seltenen Fällen zum Einsatz kommen sollte, denn: „Indem Sie sich runtermachen, verweigern Sie dem Gegenüber die Kommunikation, weil er keine Angriffsfläche mehr hat – und es gibt wenig, was ähnlich kränkend ist“, so Nöllke.

Tipp 11: Sehen Sie Schlagfertigkeit als Spiel.

Proben Sie Ihre Konterfähigkeiten in unverfänglichen Situationen, etwa privat, wenn Ihnen vorgeworfen wird, „nie im Haushalt zu helfen“ oder ein Freund moniert: „Nie hast du mal Zeit!“

Wenn ich trotz allen Trainings in eine Blockade gerate – wie kann ich sie lösen?

Was immer geht, sind „Nullsätze“, wie Nöllke sie nennt – also Repliken, die keinen oder nur einen sehr geringen Bezug zum Angriff haben. Etwa: „Dazu kann ich leider nichts sagen, ich bin in meinem Schlagfertigkeitsbuch erst bei Lektion drei.“ Experte Nöllke dazu: „Es ist immer wieder erstaunlich, aber: Allein dadurch, dass Sie überhaupt etwas äußern, tun Sie bereits den ersten Schritt, um sich zu behaupten.“

Ähnlich hilfreich ist es, den Inhalt des Angriffs infrage zu stellen, etwa mit dem Satz: „Ich habe nicht verstanden, was Sie gerade gesagt haben.“ Damit verfehlt der Angreifer sein Ziel. „Sogar, wenn er seine Bemerkung anschließend wiederholen sollte, wirkt sie bei Weitem nicht so verletzend“, meint Nöllke. Hinzu kommt: Sie gewinnen Zeit, um tief durchzuatmen, sich zu beruhigen – und sich doch noch eine gute Antwort zu überlegen.

Kann Schlagfertigkeit auch zum Problem werden?

„Schlagfertigkeit bedeutet, ein kleines Risiko einzugehen“, sagt Nöllke – denn schlagfertige Bemerkungen sind selten nett. „Häufig enthalten sie sogar ein gewisses Quäntchen Bosheit, das gibt ihnen Würze und verstärkt ihre Wirkung“, sagt Nöllke. Die folgenden zwei Tipps helfen, Ärger zu vermeiden.

1. Die Würde des anderen wahren.

„Wer andere in die Pfanne haut und sie bloßstellt, ist nicht schlagfertig, sondern unverschämt“, sagt Nöllke. „Damit wird eine Replik schnell destruktiv – und vergiftet die Atmosphäre.“ So seien manche Standardantworten, die Ratgeber zum Auswendiglernen empfehlen, schlicht frech. Eine gute schlagfertige Antwort hingegen ziele immer auf eine konkrekte Situation oder ein Verhalten, nie auf die Person.

2. Die Schärfe der Replik dem Angriff anpassen.

„Wer nach einem harmlosen Scherz fürchterlich zurückschlägt, reagiert ebenso unangemessen wie derjenige, der hart angegangen wird und leichthin darüber hinweggeht“, sagt Nöllke.

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