Schlagfertigkeit 12 Tipps für schlagfertige Antworten

Ihr Gegenüber ist zu weit gegangen? Schlagfertigkeit hilft, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen - sehr viel eleganter, als dem anderen die Zunge rauszustrecken.

Ihr Gegenüber ist zu weit gegangen? Schlagfertigkeit hilft, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen - sehr viel eleganter, als dem anderen die Zunge rauszustrecken.© AllzweckJack / photocase.de

Fallen Ihnen schlagfertige Antworten auch immer erst auf dem Nachhauseweg ein? Als Unternehmer gut kontern zu können, erleichtert den Alltag enorm. So können Sie Ihre Schlagfertigkeit trainieren.

In welchen Situationen bringt mich Schlagfertigkeit weiter?

Schlagfertigkeit hilft uns in Situationen, in denen wir kurz die Kontrolle verlieren. Zum Beispiel, wenn ein Konkurrent in einem Pitch vor anderen versucht, mit einem frechen Spruch die eigene Position zu stärken. Oder wenn ein möglicher Kreditgeber einen Witz auf unsere Kosten macht. Ebenfalls typisch: Ein Betriebsratsmitglied fordert den Chef mit einem provokanten Spruch heraus, um sein Standing in der Belegschaft zu verbessern. Oder schließlich: Bei der Präsentation des Geschäftsberichts fallen alle Blätter zu Boden und der Beamer springt nicht an.

„Was all diese Situationen eint: Wer hier schlagfertig reagiert, hält nach wenigen Worten die Fäden wieder in seiner Hand“, erklärt Kommunikationstrainer Matthias Nöllke.

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Wie hilft mir Schlagfertigkeit, als Unternehmer erfolgreicher zu sein?

Schlagfertigkeit macht das Leben leichter, meint Nöllke: „Erstens leben Sie gesünder, wenn Sie den Ärger nicht in sich hineinfressen. Zweitens stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein. Und drittens werden Sie davon profitieren, wenn Sie Ihren Mitmenschen deutlich machen, wann sie zu weit gegangen sind.“ Im Umkehrschluss: Wer sich als Unternehmer und Chef nicht schlagfertig zur Wehr setzen kann, riskiert, in Zukunft nicht ernst genommen und respektlos behandelt zu werden.

„Außerdem ist erwiesen, dass schlagfertige Menschen sich im Allgemeinen besser und vor allem schneller durchsetzen“, so Nöllke. Und noch einen Vorteil haben schlagfertige Menschen: Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit und eine höhere Zustimmung als jene, die zwar gute Argumente haben, sie aber nicht so zungenfertig rüberbringen können.

Lässt sich Schlagfertigkeit trainieren?

Natürlich gibt es Naturtalente mit schnellem Mundwerk. Andererseits: Schlagfertigkeit lässt sich auch wunderbar trainieren. „Gerade jene, die wir wegen ihrer beeindruckenden Schlagfertigkeit bewundern, haben ihre Fähigkeit meist lange geübt und weiterentwickelt“, sagt Nöllke. „Denn überspitzt könnte man sagen: Wer nachdenken muss, hat schon verloren.“

Wie kann ich meine Schlagfertigkeit trainieren?

Es gibt viele Techniken, um schlagfertiger zu werden. „Sie wirken wie ein Stützkorsett, das es Ihnen ermöglicht, überhaupt erst einmal zu kontern“, so Nöllke.

Tipp 1: Schrauben Sie Ihre Ansprüche an eine Replik herunter.

Perfektionismus raubt Ihnen Zeit – und ist damit hinderlich. „Denken Sie direkt, damit sind Sie schneller am Ziel“, rät Nöllke. „Und was nicht weniger wichtig ist: Simplen Bemerkungen können die anderen schnell folgen“, so Nöllke.

Tipp 2: Verlassen Sie sich nicht auf einen vermeintlichen Supersatz.

Die eine immer passende schlagfertige Äußerung gibt es nicht, da die perfekte Replik immer situationsabhängig ist. „Man darf nie vergessen: Was heute im Kreise Ihrer Partner prächtig ankommt, kann morgen in Gegenwart Ihrer Mitarbeiter eisige Stille hervorrufen. Und umgekehrt“, sagt Nöllke. „Sie brauchen ein größeres Repertoire als einen vermeintlichen Supersatz – und die Fähigkeit, angemessen reagieren und Sprüche abwandeln zu können.“

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Tipp 3: Schaffen Sie sich eine Basis.

Überlegen Sie sich zwanzig Instant-Sätze: Floskeln, die Sie sich leicht merken können und die nicht zu speziell sind – sie sollen ja zu vielen Situationen passen. Klassiker sind etwa: „Ich passe mich nur meiner Umgebung an“, „Da fragen Sie besser meinen Steuerberater“, „Können Sie das auch rückwärts?“, „Das ist für meinen eckigen Kopf zu rund“ oder „Und sonst haben Sie keine Probleme?“.

Wer sich einige dieser Sätze in einer ruhigen Minute überlegt, wird sie in schwierigen Situationen problemlos abrufen können, um damit Angriffe zurückzuweisen. „Der entscheidende Punkt ist dann nur die Auswahl: Der Instant-Satz muss passen. Einmal zu Ihrer Persönlichkeit, dann aber auch zur Situation“, so Nöllke.

Tipp 4: Bedienen Sie sich bei Könnern.

Prägen Sie sich Bonmots mit treffenden Pointen ein. Beispiel: Wenn jemand Ihnen ungerechtfertigterweise unterstellt, Sie würden zu viel verlangen, könnten Sie antworten: „Ich verstehe. Um mit Karl Kraus zu sprechen: Das Niveau hat sich gehoben – nur ist keiner mehr drauf.“

Die Zitate, so Experte Nöllke, dürften ruhig Banalitäten enthalten, auch ungereimte Sätze böten sich als Fundus an. Wie etwa: „Schaun wer mal, dann sehn ma schon.“ (Franz Beckenbauer). Oder: „Wenn ich Ihre Meinung hören will, dann werde ich sie Ihnen mitteilen.“ (Filmproduzent Samuel Goldwyn). Auch gut: „Ich habe in der Vergangenheit richtig entschieden und ich habe in der Zukunft richtig entschieden.“ (der ehemalige US-Präsident George W. Bush). Oder: „Grau ist alle Theorie, maßgebend is auff’m Platz.“ (Fußballtrainer Adi Preißler).

Tipp 5: Greifen Sie den Vorwurf des Angreifers auf.

Verkünden Sie zum Beispiel, dass Sie „lieber so“ sind als „anders“ – und setzen für das „anders“ ein Attribut ein, das Sie im Gegenzug Ihrem Gegenüber zuweisen. „Wenn Sie nach dem Muster: ‚Lieber (a) als (b)!‘ vorgehen, können Sie auch etwas völlig Absurdes einfügen – das schafft einen lustigen Kontrast. Bringen Sie dann noch ein Wortspiel zustande, ist das schon ziemlich schlagfertig“, so Nöllke.

Tipp 6: Prägen Sie sich flachwitzige Sprüche für typische Situationen ein.

Greift Sie jemand beispielsweise als inkompetent an, wäre die erwartbare Reaktion: „Das stimmt nicht!“ Schlagfertig dagegen wirkt ein Spruch wie „‚Irrtum‘, sprach der Igel – und stieg von der Drahtbürste.“ Nöllke dazu: „Wenn Sie solche Sätze flüssig und in neutralem Ton unmittelbar anbringen, verblüffen Sie ihr Gegenüber, bringen es womöglich sogar zum Lachen – und sind wieder Herr der Situation.“

Ähnlich gut eignen sich dem Experten zufolge Sprichwörter, gern aus anderen Ländern, die so allgemeingültig sind, dass sie immer passen – oder nie. Etwa: „Am Bart des Törichten lernt der Barbier rasieren.“; „Die eilige Hündin wirft blinde Junge.“ Oder: „Wenn ein Hühnerei einem Mann den Kopf einschlägt, dann war ein Stein darin.“

Tipp 7: Überlegen Sie sich eine Verballhornung üblicher Redensarten.

Auf dem Weg in die Königsklasse der Schlagfertigen sind Sie mit Ihrer eigenen Sprichwort-Variante – wieder, um eine gängige Antwort humorvoll abzuwandeln. Ein Beispiel: „Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Bauarbeiter.“

Dazu erklärt Nöllke: „Die einzige Anforderung hierbei: Der Spruch darf genau NICHT passen. Fragt ihr Gegenüber dann erstaunt nach, was Sie damit meinen, blicken Sie ihm in die Augen und sagen geheimnisvoll: ‚Denken Sie doch mal scharf nach.‘ Oder Sie sagen einfach, wie es ist: ‚Nichts.'“

Tipp 8: Weichen Sie aus, indem Sie schlicht sagen: „So redet man nicht mit mir.“

Das Gute an dieser Taktik laut Nöllke: „Sie stoßen Ihr Gegenüber nicht vor den Kopf, bestimmen aber dennoch über die weitere Gesprächsführung.“

Tipp 9: Finden Sie absurde Gegenargumente.

Königsklasse, die zweite: Wirft Ihnen etwa jemand vor, Sie seien beim Vortrag zu sehr an der Oberfläche geblieben, könnten Sie antworten: „Na ja, da konnte ich zumindest nicht untergehen.“ Wird jemand persönlich verletzend, etwa mit: „Ihre Haare sind ja gefärbt!“, nehmen Sie ihm den Wind aus den Segeln mit: „Dafür ist die Länge echt.“

Tipp 10: Spinnen Sie sinnlose Angriffe weiter.

Wirft Ihnen etwa jemand vor, immer zu spät zu kommen, wenn Sie sich erstmals um zwei Minuten verspäten, können Sie sich eine absurde Geschichte ausdenken, wieso Sie mit Absicht zu spät kommen wollten – und welche Mittel Sie gewählt haben, um das zu erreichen. Wie: „Gestern Abend habe ich den Wecker extra zwei Minuten vorgestellt – und jetzt dieser Triumph, dich zwei Minuten schmoren zu lassen!“

Bei dieser Technik sei jedoch Achtung geboten, so Nöllke: „Sie eignet sich nur dann, wenn Ihnen Vorwürfe gemacht werden, die einfach lächerlich sind – also etwa eine Lappalie betreffen. Dann sind Sie mit diesem ‚absurden Anschluss‘ einfach unangreifbar.“

Ansonsten aber sei es eine harte Technik, die nur in seltenen Fällen zum Einsatz kommen sollte, denn: „Indem Sie sich runtermachen, verweigern Sie dem Gegenüber die Kommunikation, weil er keine Angriffsfläche mehr hat – und es gibt wenig, was ähnlich kränkend ist“, so Nöllke.

Tipp 11: Machen Sie Ihre Bemerkungen mit der richtigen Körpersprache noch wirkungsvoller.

Stellen Sie die Füße nicht zu eng zusammen – die Schuhe sollten sich auf keinen Fall berühren. Zu breitbeinig ist ebenfalls schlecht: Das wirkt provozierend. Ideal ist ein Abstand von sieben bis zwölf Zentimetern. „Versuchen Sie zudem, gerade zu bleiben. Denn eine aufrechte Haltung wirkt stärker, als wenn Sie Ihrem Gesprächspartner gebeugt gegenüberstehen“, so Nöllke.

In Sachen Mimik sei ein neutraler Gesichtsausdruck ideal: „Damit signalisieren Sie: Ihnen kann nichts geschehen. Sie wissen sich zu wehren – und werden Ihre Souveränität behalten.“

Tipp 12: Sehen Sie Schlagfertigkeit als Spiel.

Proben Sie Ihre Konterfähigkeiten in unverfänglichen Situationen, etwa privat, wenn Ihnen vorgeworfen wird, „nie im Haushalt zu helfen“ oder ein Freund moniert: „Nie hast du mal Zeit!“

Wenn ich trotz allen Trainings in eine Blockade gerate – wie kann ich sie lösen?

Was immer geht, sind „Nullsätze“, wie Nöllke sie nennt – also Repliken, die keinen oder nur einen sehr geringen Bezug zum Angriff haben. Etwa: „Dazu kann ich leider nichts sagen, ich bin in meinem Schlagfertigkeitsbuch erst bei Lektion drei.“ Experte Nöllke dazu: „Es ist immer wieder erstaunlich, aber: Allein dadurch, dass Sie überhaupt etwas äußern, tun Sie bereits den ersten Schritt, um sich zu behaupten.“

Ähnlich hilfreich ist es, den Inhalt des Angriffs infrage zu stellen, etwa mit dem Satz: „Ich habe nicht verstanden, was Sie gerade gesagt haben.“ Damit verfehlt der Angreifer sein Ziel. „Sogar, wenn er seine Bemerkung anschließend wiederholen sollte, wirkt sie bei Weitem nicht so verletzend“, meint Nöllke. Hinzu kommt: Sie gewinnen Zeit, um tief durchzuatmen, sich zu beruhigen – und sich doch noch eine gute Antwort zu überlegen.

Kann Schlagfertigkeit auch zum Problem werden?

„Schlagfertigkeit bedeutet, ein kleines Risiko einzugehen“, sagt Nöllke – denn schlagfertige Bemerkungen sind selten nett. „Häufig enthalten sie sogar ein gewisses Quäntchen Bosheit, das gibt ihnen Würze und verstärkt ihre Wirkung“, sagt Nöllke. Die folgenden zwei Tipps helfen, Ärger zu vermeiden.

  1. Die Würde des anderen wahren.

„Wer andere in die Pfanne haut und sie bloßstellt, ist nicht schlagfertig, sondern unverschämt“, sagt Nöllke. „Damit wird eine Replik schnell destruktiv – und vergiftet die Atmosphäre.“ So seien manche Standardantworten, die Ratgeber zum Auswendiglernen empfehlen, schlicht frech. Eine gute schlagfertige Antwort hingegen ziele immer auf eine konkrekte Situation oder ein Verhalten, nie auf die Person.

  1. Die Schärfe der Replik dem Angriff anpassen.

„Wer nach einem harmlosen Scherz fürchterlich zurückschlägt, reagiert ebenso unangemessen wie derjenige, der hart angegangen wird und leichthin darüber hinweggeht“, sagt Nöllke.

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