Great Place to Work Was Sie von den besten Arbeitgebern Deutschlands lernen können

Anders als viele Unternehmensberatungen legt Confideon Wert auf eine gute Work-Life-Balance - und auf die Unternehmenskultur. Dazu gehören auch Teamtage inklusive Hotelübernachtung.

Anders als viele Unternehmensberatungen legt Confideon Wert auf eine gute Work-Life-Balance - und auf die Unternehmenskultur. Dazu gehören auch Teamtage inklusive Hotelübernachtung.© Confideon

Es muss nicht gleich ein Teamurlaub in der Karibik sein – zu einer guten Unternehmenskultur tragen viel kleinere Ideen bei. Das können Sie von den besten Arbeitgebern Deutschlands lernen.

In eine gute Unternehmenskultur zu investieren, lohnt sich. Nicht nur, weil die Mitarbeiter dann gerne zur Arbeit kommen: Die besten Arbeitgeber Deutschlands haben mit durchschnittlich 9,6 statt 19,5 Tagen einen niedrigeren Krankenstand als andere Unternehmen. Außerdem sind sie innovativer und der Umsatz entwickelt sich besser. Zu diesem Ergebnis kam das Beratungs- und Forschungsinstitut Great Place to Work bei seinem Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“.

Was macht die Unternehmenskultur der besten Arbeitgeber Deutschlands aus? Eine Auswahl der Ideen von Firmen mit zwölf bis 104 Mitarbeitern.

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Erfolge gemeinsam feiern

Wenn das Holzbau-Unternehmen Säbu Lob von Kunden erhält, sollen alle 38 Mitarbeiter daran teilhaben: „Wir fanden es schade, dass die Rückmeldung der Kunden nur an die Geschäftsführung oder Bauleiter ging“, sagt Christine Machacek, Geschäftsführerin von Säbu. Deshalb leitet sie das Kundenlob per Mail an die Mitarbeiter in der Fertigung und Planung weiter oder hängt die ausgedruckte Mail am schwarzen Brett aus.

Der Mediendienstleister Meltwater in Berlin geht noch ein bisschen weiter: Wer ein Geschäft abschließt, läutet die sogenannte Vertragsklingel. „Derjenige spielt dann ein Lied seiner Wahl, das durch das ganze Büro schallt“, sagt Jenny Teschke, Talent Aquisition Managerin bei Meltwater. „Dann kommen wir zusammen, klatschen per High Five ab und der Kollege erzählt von seinem Erfolg.“ Praktischer Nebeneffekt dieses Rituals: Die Mitarbeiter lernen voneinander.

Konzentriertes Arbeiten

Bei der Unternehmensberatung Confideon in Berlin herrscht zwei Stunden am Tag Ruhe: Zwischen 9 und 11 Uhr hat Inhaber Ulrich Hamm eine Stillarbeitszeit eingerichtet. „Da sprechen wir uns nicht gegenseitig an, haben die Telefone ausgestöpselt, E-Mails und Handys aus“, sagt Hamm.

Die Idee für diese Regelung hatte eine Mitarbeiterin: Sie hatte festgestellt, dass sie in zwei Stunden im Home-Office wesentlich mehr schaffte als in der gleichen Zeit im Büro. Hamm: „Sie fragte sich, warum das im Büro nicht möglich ist. Jetzt sind alle überrascht, wie viel die Stillarbeitszeit bringt.“

Teambuilding im Büro

„Mit den Kollegen verbringt man fast mehr Zeit als mit der Familie und Freunden“, sagt Elmar Seidel, Inhaber der IT-Beratung Seidel and Friends in Münster. „Deswegen wollte ich einen Anreiz gestalten, dass die Leute gerne zur Arbeit gehen.“ Seine Lösung: ein sogenannter Recreation Room, eine Art Wohnzimmer, in das sich seine 18 Mitarbeiter zurückziehen können – oder auch „hart chillen“, wie Seidel es nennt.

In dem Raum stehen ein Fernseher, Spielkonsolen, ein Flipperautomat und ein Kühlschrank mit Getränken. „Die Frauen setzen sich da gerne nach dem Mittagessen rein und schauen eine Serie an, die Männer spielen eher“, sagt Seidel. Ein besonderer Anreiz: Wer am Ende eines Halbjahres den Highscore des Chefs am Flipperautomaten knackt, erhält einen Tag Sonderurlaub. „Das hat bisher noch keiner geschafft“, sagt Seidel.

Kleine Freuden im Alltag

Die Geschäftsführung des Versicherungsmaklers Vema im Norden Bayerns überrascht ihre 80 Mitarbeiter gerne: mit Obstkörben, Regenschirmen im Herbst oder Geschenkgutscheinen an Weihnachten und am Geburtstag. Ähnliches unternimmtdie K&S Seniorenresidenz in Chemnitz: „Es sind oft die kleinen Dinge, über die die Leute sich freuen“, sagt Leiter Oliver Illert. An Ostern suchten die 104 Mitarbeiter Eier auf dem Gelände, als Dank für ein erfolgreiches Jahr erhielten sie einen großen Korb Süßigkeiten, ein gemeinsames Frühstück, wenn ein Team seine Ziele erreicht und an heißen Tagen ein Eis.

Familie und Beruf verbinden

Arbeit statt Kindergarten – so sähe der Tag für Elmar Seidels Sohn aus, wenn der Kleine es sich aussuchen könnte. Der Hintergrund: Seidel hatte seinen Sohn einen Tag lang mit in seine IT-Beratungsagentur genommen. Der durfte Flipcharts anmalen, über den Beamer Kinderserien schauen und Schokolade essen. Ein grandioser Tag für das Kind. Weil sein Sohn so begeistert war, vor allem aber, weil Kinder laut Seidel wissen sollten, wo ihre Eltern arbeiten, richtete er den „Bring your Kids to Work Day“ ein. An einem Nachmittag im Jahr zeigen Mitarbeiter ihrem Nachwuchs ihren Arbeitsplatz.

Neue Mitarbeiter willkommen heißen

Wenig ist demotivierender, als einen neuen Job anzutreten und nicht arbeiten zu können. Etwa weil Zugänge fehlen, kein Computer da ist oder niemand Zeit hatte, einen Einarbeitungsplan zu erstellen.

Der Versicherungsmakler Vema bereitet den Start neuer Mitarbeiter ausführlich vor: Schon bevor Neulinge beginnen, erhalten sie einen Plan für die ersten Tage. Die zukünftigen Kollegen laden außerdem ein Foto des Neulings auf ihre Teamseite. „So sieht er gleich, dass er dazugehört“, sagt die Vorstandsassistentin Silke Weber.

Neulinge bekommen außerdem einen Willkommensbrief. Darin finden sie Passwörter, wichtige Telefonnummern, Infos zu Ansprechpartnern, Abteilungsleitern und Guides während der Einarbeitungszeit. „In der ersten Woche findet außerdem jeden Tag ein kurzes Feedbackgespräch statt, dann eins pro Monat“, berichtet Weber.

Schöner Bonus: Neulinge bekommen ein Kochbuch – darin haben Mitarbeiter des Versicherungsmaklers ihre Lieblingsrezepte aufgeschrieben. „Ein Kollege, der professionell fotografiert, hat zu Hause alles nachgekocht und fotografiert“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Brunner.

Wöchentliche Mitarbeitergespräche

Sich mit seinen Mitarbeitern regelmäßig auszutauschen, ist Elmar Seidel sehr wichtig. Deshalb blockt der Inhaber der IT-Beratung Seidel and Friends jeden Montag vier Stunden für Gespräche in seinem Kalender. Dadurch haben sich auch Abläufe im Unternehmen verbessert, sagt Seidel: „Mitarbeiter haben mich darauf hingewiesen, dass Abläufe, die ich vor fünf Jahren vorgegeben habe, alles aufhalten.“ Er nahm die Anregung sofort auf.

Innovationen fördern

Neuerungen sind bei der Seniorenresidenz K&S in Chemnitz gerne gesehen. Die Unternehmensgruppe ruft Mitarbeiter dazu auf, Innovationen vorzuschlagen. Die Geschäftsführung bedankt sich persönlich für jede Idee, begründet abgelehnte Innovationen und prämiert angenommene Vorschläge. 2017 beispielsweise regte eine Mitarbeiterin an, dass sich Angestellte über die Firma ein Fahrrad leasen können. Momentan testet sie die Mieträder mit einem Kollegen.

Zufriedenheit als oberstes Ziel

70-Stunden-Wochen, kurze Nächte, wochenlange Reisen: So geht es vielen Unternehmensberatern. Ulrich Hamm, Chef der Unternehmensberatung Confideon, will da nicht mitziehen: „Dieses Seelenverkaufsmodell lehnen wir ab. Wir wollen zwar Geld verdienen, aber auch eine Familie und ein normales Leben haben.“ Sein oberstes Unternehmensziel ist daher nicht die Wirtschaftlichkeit, sagt Hamm – sondern Lebenszufriedenheit. „Wir wollen die Reisen nicht zu Gunsten des Profits pushen. Dadurch ist das Einkommen natürlich niedriger. Aber die Arbeitszeit auch.“

Auswahl neuer Mitarbeiter

Peter Vogg, Chef der Brunnen Apotheke im Allgäu, ist es wichtig, dass sein Team harmoniert. Bei Bewerbern achtet er deswegen weniger auf die Kompetenzen: „Fähigkeiten kann man jemandem später beibringen. Die Wesensart muss passen“, sagt Vogg. „Wenn jemand charakterlich nicht passt, kann das ein kleineres Team schnell sprengen.“ Um den richtigen Kandidaten zu finden, holt Vogg sich Hilfe von einem Coach. In seiner Apotheke arbeiten 17 Angestellte.

Erfolgsrezepte für richtig gute Chefs

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