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Kennst du das? Einige aus deinem Team beklagen sich, weil gerade mal wieder etwas nicht funktioniert. Manche sind sogar richtig genervt. Einige Dinge lassen sich schnell und einfach beheben. Bei manchen ist es allerdings schwierig und es braucht viel Hirnschmalz, um auf gute Lösungen zu kommen.
Das Problem: Wer vor allem das Negative vor Augen hat, dem fällt es schwerer, Lösungen zu finden. In solchen Situationen hilft die Appreciative Inquiry. Mit der Methode kannst du den Blick auf das lenken, was gut läuft – und anschließend leichter Missstände beheben. Die Appreciative Inquiry kannst du aber auch nutzen, um auf neue Ideen für andere Dinge zu kommen, die das Unternehmen voranbringen.
Was ist die Appreciative Inquiry? Eine Definition
Den Kern der Appreciative Inquiry bildet ein Set aus Fragen, die du deinen Mitarbeitenden in einem Meeting oder Workshop stellen kannst. Die Methode hat David Cooperrider, Professor an der Case Western Reserve University in den USA, bereits in den 1980er Jahren entwickelt.
Was bedeutet Appreciative Inquiry auf Deutsch?
Wörtlich übersetzt bedeutet Appreciative Inquiry „wertschätzende Befragung“. Der Ansatz basiert auf der Idee, dass sich Menschen leichter weiterentwickeln, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf vorhandene Stärken richten, statt auf Probleme.
Wann kann ich die Methode sinnvoll nutzen?
Die beiden Businesscoachinnen Ines Bruckschen und Svenja Op gen Oorth nutzen die Technik seit Jahren und haben ein Buch mit dem Titel „Frag dich in Führung“ geschrieben, in dem sie die Methode erläutern. Die Appreciative Inquiry eignet sich ihrer Erfahrung nach besonders, um im Team Lösungen zu entwickeln. Sie ist aber auch in Veränderungsprozessen hilfreich, wenn Mitarbeitende verunsichert sind oder sich gegen Neuerungen sträuben.
Was bewirkt die Appreciative Inquiry?
„Wir sind als Menschen nicht so gut in der Lage, Lösungen zu finden, wenn wir problembehaftet denken“, sagt Op gen Oorth. Die wertschätzenden Fragen der Appreciative Inquiry helfen, solche Blockaden zu lösen. „Lenken wir den Blick auf das, was uns stärkt, sehen wir unsere Ressourcen und sind in einer positiven Stimmung. Dann fließen die Ideen viel besser“, sagt sie.
Die Fragen würden, etwa durch die Rückbesinnung auf gemeinsam gemeisterte Hürden, auch den Zusammenhalt im Team stärken: „Sich gemeinsam zu erinnern, stärkt das Wir-Gefühl ungemein. Das schweißt richtig zusammen.“
Appreciative Inquiry: So gehst du Schritt für Schritt vor
Die Appreciative Inquiry kannst du in Teammeetings, Workshops oder in Einzelgesprächen einsetzen. Sie passt gut direkt an den Beginn eines Treffens. Du kannst sie aber auch während eines Workshops nutzen.
Schritt 1: Erzeuge eine positive Grundstimmung
Ziel ist es zunächst, für eine positive Grundstimmung zu sorgen. Dabei helfen dir folgende Fragen:
Was läuft schon richtig gut?
Die Frage richtet den Blick auf das Positive und deckt auf, was schon gut läuft. Das verändert die Stimmung.
Was sind die tragenden Säulen unseres Erfolgs?
Diese Frage hilft, sich zu fokussieren. Sie bringt auf den Punkt, was das Team ausmacht und die wichtigsten Stärken sind.
Welche Herausforderungen haben wir schon gemeistert?
Die Frage lenkt die Gedanken auf die Widrigkeiten, die ihr schon gemeinsam bezwungen habt. Das zeige: „Es war zwar nicht immer einfach. Aber wir sind trotzdem erfolgreich und haben unsere Meilensteine erreicht“, sagt Bruckschen. Die Businesscoachin empfiehlt herauszuarbeiten, was man Schritt für Schritt getan hat, um die Herausforderungen zu meistern. „Aus diesen Schritten kann man dann ableiten, welche Stärken man für die Zukunft nutzen kann.“
Was haben wir schon erreicht?
Die Frage richtet den Blick auf das, was das Team schon erreicht hat. „Oft hat man die Erfolge pauschal in Erinnerung“, sagt Ines Bruckschen. „Aber wenn man die Meilensteine einzeln aufzählt, sorgt das oft für ein Wow-Erlebnis.“ Damit erscheine einem der Weg vor einem mitunter gar nicht mehr so lang. Nach dem Motto: „Wir haben das alles schon gemeistert, jetzt werden wir den Rest auch noch hinkriegen!“
Um die Fragen zu beantworten, kannst du Dreier- oder Vierergruppen bilden – oder jeder arbeitet für sich. Die Antworten schreibt ihr beispielsweise auf Karteikärtchen und stellt sie anschließend in der Runde vor. Bei einem digitalen Workshop könnt ihr dafür Online-Tools wie zum Beispiel Miro nutzen.
Schritt 2: Entwickle Lösungen
Habt ihr die Fragen aus dem ersten Schritt durchgearbeitet und seid positiv gestimmt, könnt ihr euch nun darauf fokussieren, neue Ideen zu entwickeln. Auch dafür haben Bruckschen und Op gen Oorth hilfreiche Fragen parat:
Was könnte noch idealer laufen?
Aus dieser Frage entstehen oft eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen.
Was noch? Was noch?
Diese Frage solltest du tatsächlich zweimal stellen. „Wenn man mehrmals nachfragt, kommen immer weitere Aspekte zu Tage, die ganz Entscheidenden sogar oft erst ganz am Schluss der Diskussion“, sagt Bruckschen.
Zu welchen konkreten Schritten inspiriert uns das?
Die Frage richtet den Blick darauf, was ihr konkret umsetzen wollt. „Es ist wichtig, so konkret wie möglich nächste Schritte zu bestimmen“, rät Svenja Op gen Oorth. Fehlt Kolleginnen und Kollegen beispielsweise der Austausch untereinander, könntet ihr etwa einen monatlichen Jour fixe einrichten.
Was davon wollen wir umsetzen? Bis wann? Wer kann unterstützen?
Diese drei Fragen helfen, die Ideen zu priorisieren. „Tut man das nicht, besteht die Gefahr, dass man sich verzettelt“, sagt Bruckschen. Schließlich lassen sich in der Regel nicht alle Ideen umsetzen. Ziel ist es, dass am Ende feststeht, was ihr als Nächstes ganz konkret angeht und wer sich darum bis zu einem bestimmten Termin kümmert.
Muss ich bei der Appreciative Inquiry alle Fragen stellen?
Wer alle Fragen durcharbeiten will, sollte dafür 60 bis 90 Minuten einplanen. In größeren Workshops kann es sinnvoll sein, alle von vorne bis hinten durchzugehen. In Teammeetings oder Einzelgesprächen kannst du jedoch auch nur eine einzelne Frage stellen. Ist ein Mitarbeiter offensichtlich frustriert, hilft zum Beispiel die Frage: Was lief denn heute schon richtig gut? „Das verändert sofort die Stimmung“, sagt Businesscoachin Svenja Op gen Oorth.
Wann hilft die Appreciative-Inquiry nicht?
Besteht ein großer Konflikt im Team, empfiehlt Op gen Oorth, andere Methoden zu nutzen. Das kann beispielsweise eine Technik sein, die mit einem „Konfliktdreieck“ arbeitet. Dabei malt der Moderator zunächst ein umgedrehtes Dreieck auf ein Flipchart oder Whiteboard und sagt dem Team: „Ein Dreieck steht normalerweise anders herum. Was trägt dazu bei, dass das Dreieck auf dem Kopf steht?“ „Dann kann jeder zunächst Dampf ablassen“, sagt Op gen Oorth.
Anschließend dreht man das Dreieck um und fragt: „Was ist der Idealzustand?“ So könne man den Konflikt im Team klären, sagt Op gen Oorth.
