Körpergeruch
So sprechen Sie es wertschätzend an, wenn ein Teammitglied müffelt

Unangenehmer Körpergeruch bei Mitarbeitern kann den Betriebsfrieden stören. Wie Führungskräfte das sensible Thema ansprechen und das Problem lösen können.

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© Liia Galimzianova/ iStock / Getty Images Plus/ Getty Images

Katharina Starlay kann sich gut daran erinnern, wie sie vor rund 30 Jahren als junge Führungskraft eine heikle Situation meistern musste. Sie leitete eine Abteilung und bemerkte, dass eine Mitarbeiterin unangenehm riecht. Katharina Starlay befürchtete, dass die fleißige Kollegin im Team ins Gerede kommt, und beschloss, mit ihr zu sprechen. Vertraulich, in Ruhe, nach getaner Arbeit.

In diesem sensiblen Gespräch wollte die Abteilungsleiterin nichts dem Zufall überlassen und verfasste eine Art Leitfaden, was und wie sie es der Frau sagen wollte. Heute ist Katharina Starlay 57 Jahre alt, arbeitet als Stilcoachin und berät Unternehmen in Kleiderfragen. Das Thema Körpergeruch begegnet ihr im beruflichen Alltag immer wieder.

Körpergeruch kann das Team belasten

Ob Schweiß, Mundgeruch, muffelige Kleidung oder Zigarettenrauch – wenn jemand riecht, kann das von den Kolleginnen und Kollegen als unangenehm wahrgenommen werden und die Zusammenarbeit nachhaltig belasten. Betroffene könnten sogar vom Team ausgegrenzt werden.

Doch nicht nur wegen des Betriebsfriedens sollten Chefinnen und Chefs reagieren und das Problem ansprechen. Oft wissen die Betroffenen nicht, dass sie unangenehmen riechen. Möglicherweise steckt ein gesundheitliches Problem dahinter.

Doch wie spricht man die Betroffen an, ohne zu verletzen? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie das Gespräch führen und das Problem lösen können.

Beobachten, ob der Körpergeruch ein Dauerproblem ist

Katharina Starlay rät, zuerst zu beobachten, ob der schlechte Geruch eine Ausnahme ist oder sich zu einem Dauerthema auswächst. Wenn Letzteres der Fall ist, sollten Chefinnen und Chefs das Gespräch suchen. Wichtig: „Der oder die Betroffene darf auf keinen Fall bloßgestellt oder kleiner gemacht werden. Denn dann verschließt sich derjenige oder reagiert auf der Kommunikationsebene des Kind-Ichs: trotzig“, erklärt Starlay.

Die Experten
Katharina Starlay war viele Jahre Führungskraft im Einzelhandel. Heute arbeitet sie als Beraterin und Trainerin. Zudem ist sie Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, einem Expertengremium für Werte und gutes Benehmen. Sie hat mehrere Bücher über Mode und Regeln im Geschäftsleben geschrieben. Ihr aktuelles Werk „Kleidung nachhaltig konsumieren“ ist im FAZ Buchverlag erschienen (208 Seiten, 24,90 Euro). Andreas Bredereck ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Seine Kanzlei Bredereck und Willkomm sitzt in Berlin.

Das bedeutet auch, dass Führungskräfte niemals das Thema in einer großen Runde vor dem Team ansprechen oder gar flüchtige und verletzende Bemerkungen machen sollten. Und niemals sollten diese auf den Arbeitsplatz des Betroffenen gar ein Stück Seife oder einen Deoroller legen als Aufforderung für eine bessere Körperhygiene. „Der Mitarbeiter kann damit erst einmal nichts anfangen, er wird unsicher und unter Stress gesetzt. Zudem ist es möglich, dass er oder sie bestimmte Stoffe für die Körperpflege nicht verträgt“, sagt die Expertin Starlay.

Vieraugengespräch mit dem Teammitglied vereinbaren

Eine gute Führungskraft sollte in der Lage sein, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraulich auch über heikle Themen zu reden – unangenehmer Körpergeruch gehört hier dazu. So ein Vieraugengespräch sollte wie ein klassisches Personalgespräch geführt werden, empfiehlt Katharina Starlay, also nicht nebenbei, sondern fest terminiert und als Vorgesetzte gut vorbereitet.

So ging damals auch Starlay bei ihrer Kollegin vor. „Zuerst begegnete ich ihr mit Wertschätzung. Ich bedankte mich für die erneut gute Arbeit, besonders an so einem stressigen Tag. Dann habe ich meine wiederholte Wahrnehmung bezüglich ihres Körpergeruchs geschildert und zu ihr gesagt, dass wir gemeinsam überlegen sollten, woran das liegen kann.“

Das Thema Körpergeruch in Ich-Botschaften ansprechen

Im Gespräch sollten beide Partner auf einer emotionalen Ebene sein, empfiehlt Beraterin Starlay. Heißt: Der Chef oder die Chefin können sich idealerweise in die Lage des Betroffenen hineinversetzen. „Hier muss der Chefmantel abgelegt werden“, sagt Starlay. Der Vorgesetzte soll immer deutlich machen, dass es ihm oder ihr um das Wohl des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin geht, Tadel oder Geringschätzung sind zu meiden.

Für die gute Gesprächskultur sei es zudem wichtig, immer Ich-Botschaften zu senden. Sie empfiehlt Formulierungen wie: „Mir ist aufgefallen, dass …“ Oder: „Dann habe ich wahrgenommen…“.

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Mehr dazu hier: Ich-Botschaften: Beispiele und Erfolgsformel für Führungskräfte

Ursachen für den Körpergeruch herausfinden

Es gibt verschiedene Ursachen für schlechten Körpergeruch, betont Katharina Starlay. „Viele Menschen bekommen beispielsweise Mundgeruch, wenn sie zu lange nichts trinken oder zu wenig essen. Anderen wiederum schlägt Ärger auf den Magen – und dann riechen sie aus dem Mund.“ Scharfe Gewürze (Knoblauch!) können sich ebenfalls auf die Körperchemie auswirken und geruchstreibend sein.

Auch die Kleidung selbst kann ein Problem sein, wie Katharina Starlay in ihrem aktuellen Buch „Kleidung nachhaltig konsumieren“ beschreibt. Synthetische Stoffe sind schweißtreibend und saugen den schlechten Geruch förmlich auf. Dazu zählen etwa Innenfutter von Blazern aus Polyester oder mit hohem Elasthan-Anteil, genauso bügelfreie Hemden und Blusen, die chemisch oberflächenbehandelt sind.

Bei ihrem Gespräch mit der Mitarbeiterin damals war die Ursache des Körpergeruchs nach nur einer Viertelstunde gefunden: Die Frau hatte von ihrem Arzt einige Tage zuvor einen anderen Typ Anti-Baby-Pille verschrieben bekommen. Und dieses Präparat sorgte für Turbulenzen im Hormonhaushalt der Mitarbeiterin mit unangenehmem Körpergeruch als Folge.

Die Frau ging nach dem Gespräch zum Arzt, bat um eine andere Pille – und nach einiger Zeit war der Geruch verflogen. Und die Mitarbeiterin war froh über den Hinweis.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Ist ein gesundheitliches Problem die Ursache, kann ein Arzt helfen. Doch was tun, wenn es an mangelnder Körperhygiene liegt oder an der Ernährung?  Auch hier gilt, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und übergriffiges Verhalten zu vermeiden, zum Beispiel das Teammitglied zu ermahnen, seine Wäsche öfter oder gründlicher waschen.

Starlay empfiehlt: „Stattdessen sollte besprochen werden, dass es Materialien gibt, die häufiger Pflege benötigen.“ Auch die generelle Körperhygiene des Betroffenen infrage zu stellen, wäre ein Eingriff in die Privatsphäre des Mitarbeiters. Denn der Bedarf an Pflege sei je nach Körper individuell. „Allenfalls kann man im Gespräch anmerken, dass wir alle nach dem Verzehr von bestimmten Gewürzen noch mehr darauf achten müssen“, lautet der Kompromiss der Expertin.

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Isst ein Teammitglied jedoch gern und oft Knoblauch, soll der Vorgesetzte das dem Unternehmenserfolg entsprechend thematisieren, zum Beispiel, dass Tage mit direktem Kundenkontakt ausgenommen bleiben sollen. „Solche Gespräche sind auch Verhandlungen mit verbindlichen und machbaren Vereinbarungen an deren Ende. Und hier müssen sich beide Seiten entgegenkommen.“

Chefs und Chefinnen können auch über eigene Strategien sprechen, wie sie Körpergeruch vermeiden. Katharina Starlay etwa achtet vor Präsentationen auf das Innenfutter ihrer Blazer und verwendet an solchen Tagen ausnahmsweise ein Deodorant mit Aluminium.

Dieses Metall ist zwar aus gesundheitlichen Gründen umstritten, dafür verschließt es die Schweißporen. Um geruchsfrei durch einen stressigen Tag zu kommen, ist das ein guter Kompromiss.

Arbeitsrechtlich ist das Problem kaum zu lösen

Darf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wegen dauerhaft unangenehmen Körpergeruchs gekündigt werden? „Das Thema Körpergeruch eines Mitarbeiters lässt sich rechtlich nur schwer bis gar nicht vernünftig regeln“, sagt Alexander Bredereck. Der Arbeitsrechtler aus Berlin rät in so einem Fall von Kündigungen ab. „Die Frage ist hier immer, welche Erfolgsaussichten der Arbeitgeber vor Gericht hat.“ Denn die Gegenseite könne ja Medikamente, etwa Psychopharmaka, als Gründe für den Körpergeruch anführen. „Da kann ein Chef in sehr viele Fettnäpfchen treten.“

Zwar hatte das Arbeitsgericht Köln im Jahr 2010 die Klage gegen die Kündigung eines Arbeitnehmers wegen Schweißgeruchs zurückgewiesen – aber damit begründet, dass dem Mann noch in der Probezeit gekündigt wurde. Und in diesem Zeitraum dürfen Kündigungen ohne Begründungen ausgesprochen werden. „Dieses Urteil hilft uns daher nicht weiter“, betont Bredereck.

Bredereck sagt, wenn ihn ein Arbeitgeber beauftragen würde, einen Mitarbeiter wegen schlechtem Geruch zu kündigen, dann würde er ihn lieber fragen: „Schätzen Sie ihn? Wenn nicht, dann würde ich nach anderen Kündigungsgründen fragen.“

Katharina Starlay kann sich gut daran erinnern, wie sie vor rund 30 Jahren als junge Führungskraft eine heikle Situation meistern musste. Sie leitete eine Abteilung und bemerkte, dass eine Mitarbeiterin unangenehm riecht. Katharina Starlay befürchtete, dass die fleißige Kollegin im Team ins Gerede kommt, und beschloss, mit ihr zu sprechen. Vertraulich, in Ruhe, nach getaner Arbeit. In diesem sensiblen Gespräch wollte die Abteilungsleiterin nichts dem Zufall überlassen und verfasste eine Art Leitfaden, was und wie sie es der Frau sagen wollte. Heute ist Katharina Starlay 57 Jahre alt, arbeitet als Stilcoachin und berät Unternehmen in Kleiderfragen. Das Thema Körpergeruch begegnet ihr im beruflichen Alltag immer wieder. Körpergeruch kann das Team belasten Ob Schweiß, Mundgeruch, muffelige Kleidung oder Zigarettenrauch – wenn jemand riecht, kann das von den Kolleginnen und Kollegen als unangenehm wahrgenommen werden und die Zusammenarbeit nachhaltig belasten. Betroffene könnten sogar vom Team ausgegrenzt werden. Doch nicht nur wegen des Betriebsfriedens sollten Chefinnen und Chefs reagieren und das Problem ansprechen. Oft wissen die Betroffenen nicht, dass sie unangenehmen riechen. Möglicherweise steckt ein gesundheitliches Problem dahinter. Doch wie spricht man die Betroffen an, ohne zu verletzen? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie das Gespräch führen und das Problem lösen können. Beobachten, ob der Körpergeruch ein Dauerproblem ist Katharina Starlay rät, zuerst zu beobachten, ob der schlechte Geruch eine Ausnahme ist oder sich zu einem Dauerthema auswächst. Wenn Letzteres der Fall ist, sollten Chefinnen und Chefs das Gespräch suchen. Wichtig: „Der oder die Betroffene darf auf keinen Fall bloßgestellt oder kleiner gemacht werden. Denn dann verschließt sich derjenige oder reagiert auf der Kommunikationsebene des Kind-Ichs: trotzig“, erklärt Starlay. Das bedeutet auch, dass Führungskräfte niemals das Thema in einer großen Runde vor dem Team ansprechen oder gar flüchtige und verletzende Bemerkungen machen sollten. Und niemals sollten diese auf den Arbeitsplatz des Betroffenen gar ein Stück Seife oder einen Deoroller legen als Aufforderung für eine bessere Körperhygiene. „Der Mitarbeiter kann damit erst einmal nichts anfangen, er wird unsicher und unter Stress gesetzt. Zudem ist es möglich, dass er oder sie bestimmte Stoffe für die Körperpflege nicht verträgt“, sagt die Expertin Starlay. Vieraugengespräch mit dem Teammitglied vereinbaren Eine gute Führungskraft sollte in der Lage sein, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraulich auch über heikle Themen zu reden – unangenehmer Körpergeruch gehört hier dazu. So ein Vieraugengespräch sollte wie ein klassisches Personalgespräch geführt werden, empfiehlt Katharina Starlay, also nicht nebenbei, sondern fest terminiert und als Vorgesetzte gut vorbereitet. So ging damals auch Starlay bei ihrer Kollegin vor. „Zuerst begegnete ich ihr mit Wertschätzung. Ich bedankte mich für die erneut gute Arbeit, besonders an so einem stressigen Tag. Dann habe ich meine wiederholte Wahrnehmung bezüglich ihres Körpergeruchs geschildert und zu ihr gesagt, dass wir gemeinsam überlegen sollten, woran das liegen kann.“ Das Thema Körpergeruch in Ich-Botschaften ansprechen Im Gespräch sollten beide Partner auf einer emotionalen Ebene sein, empfiehlt Beraterin Starlay. Heißt: Der Chef oder die Chefin können sich idealerweise in die Lage des Betroffenen hineinversetzen. „Hier muss der Chefmantel abgelegt werden“, sagt Starlay. Der Vorgesetzte soll immer deutlich machen, dass es ihm oder ihr um das Wohl des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin geht, Tadel oder Geringschätzung sind zu meiden. Für die gute Gesprächskultur sei es zudem wichtig, immer Ich-Botschaften zu senden. Sie empfiehlt Formulierungen wie: „Mir ist aufgefallen, dass …“ Oder: „Dann habe ich wahrgenommen…“. Mehr dazu hier: Ich-Botschaften: Beispiele und Erfolgsformel für Führungskräfte Ursachen für den Körpergeruch herausfinden Es gibt verschiedene Ursachen für schlechten Körpergeruch, betont Katharina Starlay. „Viele Menschen bekommen beispielsweise Mundgeruch, wenn sie zu lange nichts trinken oder zu wenig essen. Anderen wiederum schlägt Ärger auf den Magen – und dann riechen sie aus dem Mund.“ Scharfe Gewürze (Knoblauch!) können sich ebenfalls auf die Körperchemie auswirken und geruchstreibend sein. Auch die Kleidung selbst kann ein Problem sein, wie Katharina Starlay in ihrem aktuellen Buch „Kleidung nachhaltig konsumieren“ beschreibt. Synthetische Stoffe sind schweißtreibend und saugen den schlechten Geruch förmlich auf. Dazu zählen etwa Innenfutter von Blazern aus Polyester oder mit hohem Elasthan-Anteil, genauso bügelfreie Hemden und Blusen, die chemisch oberflächenbehandelt sind. Bei ihrem Gespräch mit der Mitarbeiterin damals war die Ursache des Körpergeruchs nach nur einer Viertelstunde gefunden: Die Frau hatte von ihrem Arzt einige Tage zuvor einen anderen Typ Anti-Baby-Pille verschrieben bekommen. Und dieses Präparat sorgte für Turbulenzen im Hormonhaushalt der Mitarbeiterin mit unangenehmem Körpergeruch als Folge. Die Frau ging nach dem Gespräch zum Arzt, bat um eine andere Pille – und nach einiger Zeit war der Geruch verflogen. Und die Mitarbeiterin war froh über den Hinweis. [mehr-zum-thema] Gemeinsam nach Lösungen suchen Ist ein gesundheitliches Problem die Ursache, kann ein Arzt helfen. Doch was tun, wenn es an mangelnder Körperhygiene liegt oder an der Ernährung?  Auch hier gilt, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und übergriffiges Verhalten zu vermeiden, zum Beispiel das Teammitglied zu ermahnen, seine Wäsche öfter oder gründlicher waschen. Starlay empfiehlt: „Stattdessen sollte besprochen werden, dass es Materialien gibt, die häufiger Pflege benötigen.“ Auch die generelle Körperhygiene des Betroffenen infrage zu stellen, wäre ein Eingriff in die Privatsphäre des Mitarbeiters. Denn der Bedarf an Pflege sei je nach Körper individuell. „Allenfalls kann man im Gespräch anmerken, dass wir alle nach dem Verzehr von bestimmten Gewürzen noch mehr darauf achten müssen“, lautet der Kompromiss der Expertin. Isst ein Teammitglied jedoch gern und oft Knoblauch, soll der Vorgesetzte das dem Unternehmenserfolg entsprechend thematisieren, zum Beispiel, dass Tage mit direktem Kundenkontakt ausgenommen bleiben sollen. „Solche Gespräche sind auch Verhandlungen mit verbindlichen und machbaren Vereinbarungen an deren Ende. Und hier müssen sich beide Seiten entgegenkommen.“ Chefs und Chefinnen können auch über eigene Strategien sprechen, wie sie Körpergeruch vermeiden. Katharina Starlay etwa achtet vor Präsentationen auf das Innenfutter ihrer Blazer und verwendet an solchen Tagen ausnahmsweise ein Deodorant mit Aluminium. Dieses Metall ist zwar aus gesundheitlichen Gründen umstritten, dafür verschließt es die Schweißporen. Um geruchsfrei durch einen stressigen Tag zu kommen, ist das ein guter Kompromiss. Arbeitsrechtlich ist das Problem kaum zu lösen Darf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wegen dauerhaft unangenehmen Körpergeruchs gekündigt werden? „Das Thema Körpergeruch eines Mitarbeiters lässt sich rechtlich nur schwer bis gar nicht vernünftig regeln“, sagt Alexander Bredereck. Der Arbeitsrechtler aus Berlin rät in so einem Fall von Kündigungen ab. „Die Frage ist hier immer, welche Erfolgsaussichten der Arbeitgeber vor Gericht hat.“ Denn die Gegenseite könne ja Medikamente, etwa Psychopharmaka, als Gründe für den Körpergeruch anführen. „Da kann ein Chef in sehr viele Fettnäpfchen treten.“ Zwar hatte das Arbeitsgericht Köln im Jahr 2010 die Klage gegen die Kündigung eines Arbeitnehmers wegen Schweißgeruchs zurückgewiesen – aber damit begründet, dass dem Mann noch in der Probezeit gekündigt wurde. Und in diesem Zeitraum dürfen Kündigungen ohne Begründungen ausgesprochen werden. „Dieses Urteil hilft uns daher nicht weiter“, betont Bredereck. Bredereck sagt, wenn ihn ein Arbeitgeber beauftragen würde, einen Mitarbeiter wegen schlechtem Geruch zu kündigen, dann würde er ihn lieber fragen: „Schätzen Sie ihn? Wenn nicht, dann würde ich nach anderen Kündigungsgründen fragen.“