Staffing
Mitarbeiter, die Ihren Chef mobben? Ja, das gibt es

Sie verweigern die Arbeit, verbreiten Gerüchte über den Chef oder greifen ihn verbal an: Wenn Mitarbeiter Vorgesetzte mobben, spricht man von Staffing. Was Unternehmer dagegen tun können.

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© nicoletaionescu / iStock / Getty Images Plus

Eins vorweg: In den meisten Fällen sind es Mitarbeitende, die unter Mobbing leiden – weil Kollegen oder ihre Vorgesetzten sie schikanieren. Aber auch Unternehmerinnen und Unternehmer und Führungskräfte können Opfer von Mobbing werden, wenn einzelne Mitarbeitende oder sogar das ganze Team sich gegen sie verbünden. Experten nennen dieses Phänomen Staffing.

Doch viele Chefinnen und Chefs reden nicht darüber. Das bestätigt auch Psychologe und Therapeut Klaus Mucha, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Mobbing in Unternehmen beschäftigt: „Meiner Erfahrung nach geben Führungskräfte ungern zu, dass sie gemobbt werden. Das kratzt an ihrer Souveränität. Mit Mobbing wird häufig verbunden, dass es nur schwachen Leuten passiert – obwohl das nicht stimmt.“

Besonders schwierig: Wenn Mitarbeitende sich gegen Vorgesetzte verbünden, untergraben sie deren Autorität und sorgen so womöglich dafür, dass auch andere den Respekt vor ihnen verlieren. Umso wichtiger, die Ursachen von Staffing zu erkennen und rechtzeitig dagegen vorzugehen.

Wann spricht man von Mobbing und Staffing?

Wenn ein Mitarbeiter im Streit mit seiner Chefin beispielsweise „Du spinnst, du Idiotin!“ brüllt, ist das natürlich daneben – aber noch kein Staffing als eine Ausprägung von Mobbing.

Denn von Mobbing spricht man grundsätzlich erst, wenn jemand einen anderen systematisch über einen längeren Zeitraum schikaniert, mit dem Plan, ihn zu schädigen. Das Ziel von Mobbing sei, „jemanden fertigzumachen oder aus einem Unternehmen zu drängen“, sagt Psychologe Mucha.

Mobbing – und damit eben auch Staffing – kann für die Opfer psychische und körperlich Auswirkungen haben – ganz abgesehen davon, dass sich wohl niemand in einem Umfeld wohlfühlt, in dem er ständiger Schikane ausgesetzt ist. „Nach einer Phase der Wut empfinden viele Betroffene Angst, die so groß werden kann, dass sie gar nicht mehr zur Arbeit kommen“, erklärt Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnis gegen Cybermobbing. Diese Angst führe dazu, dass sich Menschen immer weiter zurückziehen und depressiv werden können. Häufig werde versucht, die Angst mit Alkohol, Tabletten oder Drogen zu betäuben. Leest betont: Wer gemobbt wird, ist weniger leistungsfähig, die Zahl der Krankheitstage steigt. Und womöglich verlässt die Person irgendwann das Unternehmen.

Die Experten
Uwe Leest ist Vorstandsvorsitzender des Bündnis gegen Cybermobbing. Der Verein leistet Aufklärungs- und Präventionsarbeit zum Thema Mobbing, unter anderem an Schulen.
Klaus Mucha ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut und arbeitete jahrelang als Leiter der Anlaufstelle für Konfliktmanagement in der Berliner Verwaltung. Er beriet dabei Betroffene von Mobbing auf unterschiedlichen Hierarchieebenen und schrieb 2012 ein Buch über Mobbing bei der Polizei.

Wie äußert sich Staffing?

Arbeitsverweigerung oder fiese Gerüchte verbreiten: Staffing kann viele Gesichter haben. Meist ist es weniger offensichtlich als Mobbing unter Kollegen oder Bossing, also Mobbing durch Vorgesetzte. Dass Mitarbeitende ihren Chef oder ihre Chefin offen angreifen, kommt laut Uwe Leest eher selten vor. Staffing könne sich beispielsweise eher darin äußern, dass Mitarbeitende der Führungskraft Informationen vorenthalten, sie bewusst nicht zu Terminen einladen oder im Kollegenkreis oder vor Kunden schlecht über sie reden.

Klaus Mucha hat 15 Jahre lang im betrieblichen Gesundheitsmanagement der Berliner Verwaltung gearbeitet und dort mehrere Fälle von Staffing beobachtet: „In einem Fall haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Arbeit verzögert, geradezu verweigert. Und so die Ergebnisse ihrer Vorgesetzten sabotiert. Sie hatten immer irgendwelche Ausreden – das war pure Schikane.“

In einem anderen Fall konnte sich eine junge Führungskraft nicht gegen ältere Mitarbeiter durchsetzen. Sie erkannten die Autorität des Mannes nicht an und ignorierten seine Anweisungen. Letztlich erledigte er viele Aufgaben selbst, die er eigentlich delegieren wollte.

Doch Staffing kann sich auch abseits der Firma online abspielen: So kommt es laut Leest immer wieder vor, dass Beschäftigte in Foren oder Chat-Gruppen über ihre Chefs lästern, Videoaufnahmen oder gefakte Bilder verbreiten – mit dem Ziel, andere auf ihre Seite zu ziehen und die Vorgesetzten fertigzumachen. In sozialen Netzwerken hätten Angestellte sogar Fake-Profile ihres Chefs anlegt und mit entsprechenden Posts versucht, seinen Ruf zu schädigen. Die Crux bei Cybermobbing: Täter können hier weitgehend unerkannt bleiben und Gerüchte und Verleumdungen können sich schnell verbreiten.

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Welche Ursachen hat Staffing?

Warum Mitarbeiter ihren Chef mobben, ist natürlich von Fall zu Fall verschieden. Die Ursachen zu erkennen, kann helfen, gegen die Täter vorzugehen – und manchmal ist Staffing Klaus Mucha zufolge auch ein Zeichen dafür, dass Vorgesetzte in ihrer Funktion als Führungskraft etwas falsch machen.

  • Neid: Wer eine steile Karriere hinlegt, weckt manchmal Neid bei jenen, die leer ausgegangen sind. Auch wenn junge Führungskräfte neu in ein Unternehmen kommen und plötzlich ein Team von älteren, erfahrenen Kollegen leiten, könne es laut den Experten vorkommen, dass die Älteren den Neuling nicht ernst nehmen und entsprechend behandeln.
  • Provokatives Verhalten des Chefs: Wer als Führungskraft alle rumkommandiert oder herablassend mit seinen Mitarbeitern spricht, kann auch zur Zielscheibe von Mobbing werden. Nach Muchas Erfahrung gibt es bei Staffing häufig keine reinen Opfer, weil sich Vorgesetzte und Mitarbeiter gegenseitig schikanieren. „Oft fliegen die Fetzen in beide Richtungen“, sagt Mucha.
  • Schlechte Führungsarbeit: „Es kann auch sein, dass Mobbing ein Zeichen von schlechter Führung ist“, sagt Mucha. Daher sei es wichtig, sich als Chefin oder Chef zu hinterfragen: Behandle ich meine Mitarbeitenden ungerecht? Kontrolliere ich zu viel? In welchem Ton spreche ich mit ihnen – werde ich manchmal ausfällig?
  • Schlechtes Betriebsklima: In Unternehmen, in denen das Betriebsklima schlecht und die Arbeitsfreude gering ist, ist es Mucha zufolge kein Wunder, wenn Mitarbeiter gegen Vorgesetzte schießen – denn letztlich seien diese für klare Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe verantwortlich. „Mobbing kann ein Zeichen dafür sein, dass der Chef oder die Chefin die Organisationsstrukturen der Firma verbessern muss“, so der Experte.
  • Unklare Zuständigkeiten: „Wenn keiner genau weiß, was er oder sie darf, Konkurrenzen entstehen und man sich wichtiger nimmt als andere, ist das oft eine Quelle von Mobbing“, sagt Mucha.
  • Schnelle Veränderungen: Wenn Unternehmer neue Führungskräfte einstellen, die beispielsweise in ihrem Team alte Strukturen über den Haufen werfen, kann auch das zu Konflikten führen. Möglicherweise fühlen alt eingesessene Mitarbeiter sich überrumpelt und rebellieren gegen den neuen Chef.

Was sollten Chefs tun, die von ihren Mitarbeitern gemobbt werden?

Ob Unternehmer selbst unter Staffing leiden oder ihre Team- oder Abteilungsleiter von Mobbing betroffen sind: Sie sollten auf keinen Fall die Augen davor verschließen – denn je länger man das Problem ignoriert, desto schlimmer wird es.

Auch, wenn einem vor lauter Wut womöglich danach ist, mit den gleichen Waffen zurückzuschießen: Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing warnt vor einer „Gewaltspirale“, die ausgelöst werde, wenn Vorgesetzte ihrerseits mit Gerüchten oder Beleidigungen auf Staffing reagierten.

Das Gespräch mit den Mobbern suchen

Wichtig ist es, dem Täter klarzumachen, dass man sein Verhalten nicht duldet und bei Wiederholung arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Mucha: „Als Führungskraft müssen Sie klare Grenzen setzen und bei grenzüberschreitenden Handlungen oder Beleidigungen sagen: ‚Dieses Verhalten wollen wir hier nicht.‘“

Leest empfiehlt, sich gut auf das Gespräch vorzubereiten und konkrete Belege für das schädigende Verhalten zur Hand zu haben. Es sei auch ratsam, das Gespräch nicht unter vier Augen zu führen, sondern eine Vertrauensperson hinzuzuziehen, etwa aus der Personalabteilung.

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Wiederholtes Mobbing bestrafen

Ändert der Mitarbeiter sein Verhalten nicht, sollten Chefs Taten folgen lassen. Bei wiederholtem Mobbing können Unternehmer den Täter ermahnen oder abmahnen. Mobbt der Mitarbeiter unbeirrt weiter, sollten Arbeitgeber ihm verhaltensbedingt kündigen.

Mucha empfiehlt zudem, ein Ereignis-Tagebuch zu führen: „Darin können gemobbte Vorgesetzte beschreiben, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit was passiert ist.“ Klagt ein mobbender Mitarbeiter gegen seine Kündigung, kann solch ein Tagebuch vor Gericht helfen: „Die Mobbing-Dokumentation in Form eines Tagebuchs gilt vor Gericht zusammen mit dem Nachweis gleichzeitiger Erkrankungen und der eidesstattlichen Versicherung, die Wahrheit zu sagen,  quasi als Zeugen-Ersatz“, sagt Mucha.

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Schwere Fälle von Staffing können auch strafbar sein. Gerichte können Tätern wegen Beleidigung, Verleumdung oder übler Nachrede belangen (§ 185 – 187 Strafgesetzbuch) und ein Schmerzensgeld oder Schadensersatz verhängen (§ 823 Abs. 1 BGB).

Mit Vertrauenspersonen sprechen

Chefinnen und Chefs sollten nicht nur mit den Tätern über deren Verhalten sprechen, sondern sich auch Familie oder Freunden anvertrauen. Wer nur schweigend erträgt und seinen Schmerz in sich hineinfrisst, mache es laut Leest nur schlimmer. Sein Verein bietet anonym Hilfe und Beratung für Betroffene. Wer besonders unter Staffing leidet, sollte zudem Hilfe bei einem Psychologen suchen.

Professionelle Hilfe holen

Mobbing ist ein Zeichen dafür, dass die Regeln der Zusammenarbeit nicht klar sind oder nicht eingehalten werden. Hier kann zum Beispiel ein Workshop mit einem Coach helfen. „Dabei sollte man mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gemeinsam über Kommunikation und Zusammenarbeit sprechen – quasi eine Grundschulung für gute Zusammenarbeit“, sagt Mucha. Seiner Erfahrung nach sträuben sich manche Mitarbeiter zunächst gegen solche Maßnahmen – eben weil der Chef sie anordnet. „Meistens tauen Teilnehmende aber nach einer Weile auf und letztlich profitieren alle von solchen Workshops.“

Eins vorweg: In den meisten Fällen sind es Mitarbeitende, die unter Mobbing leiden – weil Kollegen oder ihre Vorgesetzten sie schikanieren. Aber auch Unternehmerinnen und Unternehmer und Führungskräfte können Opfer von Mobbing werden, wenn einzelne Mitarbeitende oder sogar das ganze Team sich gegen sie verbünden. Experten nennen dieses Phänomen Staffing. Doch viele Chefinnen und Chefs reden nicht darüber. Das bestätigt auch Psychologe und Therapeut Klaus Mucha, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Mobbing in Unternehmen beschäftigt: „Meiner Erfahrung nach geben Führungskräfte ungern zu, dass sie gemobbt werden. Das kratzt an ihrer Souveränität. Mit Mobbing wird häufig verbunden, dass es nur schwachen Leuten passiert – obwohl das nicht stimmt.“ Besonders schwierig: Wenn Mitarbeitende sich gegen Vorgesetzte verbünden, untergraben sie deren Autorität und sorgen so womöglich dafür, dass auch andere den Respekt vor ihnen verlieren. Umso wichtiger, die Ursachen von Staffing zu erkennen und rechtzeitig dagegen vorzugehen. Wann spricht man von Mobbing und Staffing? Wenn ein Mitarbeiter im Streit mit seiner Chefin beispielsweise „Du spinnst, du Idiotin!“ brüllt, ist das natürlich daneben – aber noch kein Staffing als eine Ausprägung von Mobbing. Denn von Mobbing spricht man grundsätzlich erst, wenn jemand einen anderen systematisch über einen längeren Zeitraum schikaniert, mit dem Plan, ihn zu schädigen. Das Ziel von Mobbing sei, „jemanden fertigzumachen oder aus einem Unternehmen zu drängen“, sagt Psychologe Mucha. Mobbing - und damit eben auch Staffing - kann für die Opfer psychische und körperlich Auswirkungen haben – ganz abgesehen davon, dass sich wohl niemand in einem Umfeld wohlfühlt, in dem er ständiger Schikane ausgesetzt ist. "Nach einer Phase der Wut empfinden viele Betroffene Angst, die so groß werden kann, dass sie gar nicht mehr zur Arbeit kommen", erklärt Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnis gegen Cybermobbing. Diese Angst führe dazu, dass sich Menschen immer weiter zurückziehen und depressiv werden können. Häufig werde versucht, die Angst mit Alkohol, Tabletten oder Drogen zu betäuben. Leest betont: Wer gemobbt wird, ist weniger leistungsfähig, die Zahl der Krankheitstage steigt. Und womöglich verlässt die Person irgendwann das Unternehmen. Wie äußert sich Staffing? Arbeitsverweigerung oder fiese Gerüchte verbreiten: Staffing kann viele Gesichter haben. Meist ist es weniger offensichtlich als Mobbing unter Kollegen oder Bossing, also Mobbing durch Vorgesetzte. Dass Mitarbeitende ihren Chef oder ihre Chefin offen angreifen, kommt laut Uwe Leest eher selten vor. Staffing könne sich beispielsweise eher darin äußern, dass Mitarbeitende der Führungskraft Informationen vorenthalten, sie bewusst nicht zu Terminen einladen oder im Kollegenkreis oder vor Kunden schlecht über sie reden. Klaus Mucha hat 15 Jahre lang im betrieblichen Gesundheitsmanagement der Berliner Verwaltung gearbeitet und dort mehrere Fälle von Staffing beobachtet: „In einem Fall haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Arbeit verzögert, geradezu verweigert. Und so die Ergebnisse ihrer Vorgesetzten sabotiert. Sie hatten immer irgendwelche Ausreden – das war pure Schikane.“ In einem anderen Fall konnte sich eine junge Führungskraft nicht gegen ältere Mitarbeiter durchsetzen. Sie erkannten die Autorität des Mannes nicht an und ignorierten seine Anweisungen. Letztlich erledigte er viele Aufgaben selbst, die er eigentlich delegieren wollte. Doch Staffing kann sich auch abseits der Firma online abspielen: So kommt es laut Leest immer wieder vor, dass Beschäftigte in Foren oder Chat-Gruppen über ihre Chefs lästern, Videoaufnahmen oder gefakte Bilder verbreiten – mit dem Ziel, andere auf ihre Seite zu ziehen und die Vorgesetzten fertigzumachen. In sozialen Netzwerken hätten Angestellte sogar Fake-Profile ihres Chefs anlegt und mit entsprechenden Posts versucht, seinen Ruf zu schädigen. Die Crux bei Cybermobbing: Täter können hier weitgehend unerkannt bleiben und Gerüchte und Verleumdungen können sich schnell verbreiten. Welche Ursachen hat Staffing? Warum Mitarbeiter ihren Chef mobben, ist natürlich von Fall zu Fall verschieden. Die Ursachen zu erkennen, kann helfen, gegen die Täter vorzugehen – und manchmal ist Staffing Klaus Mucha zufolge auch ein Zeichen dafür, dass Vorgesetzte in ihrer Funktion als Führungskraft etwas falsch machen. Neid: Wer eine steile Karriere hinlegt, weckt manchmal Neid bei jenen, die leer ausgegangen sind. Auch wenn junge Führungskräfte neu in ein Unternehmen kommen und plötzlich ein Team von älteren, erfahrenen Kollegen leiten, könne es laut den Experten vorkommen, dass die Älteren den Neuling nicht ernst nehmen und entsprechend behandeln. Provokatives Verhalten des Chefs: Wer als Führungskraft alle rumkommandiert oder herablassend mit seinen Mitarbeitern spricht, kann auch zur Zielscheibe von Mobbing werden. Nach Muchas Erfahrung gibt es bei Staffing häufig keine reinen Opfer, weil sich Vorgesetzte und Mitarbeiter gegenseitig schikanieren. „Oft fliegen die Fetzen in beide Richtungen“, sagt Mucha. Schlechte Führungsarbeit: „Es kann auch sein, dass Mobbing ein Zeichen von schlechter Führung ist“, sagt Mucha. Daher sei es wichtig, sich als Chefin oder Chef zu hinterfragen: Behandle ich meine Mitarbeitenden ungerecht? Kontrolliere ich zu viel? In welchem Ton spreche ich mit ihnen – werde ich manchmal ausfällig? Schlechtes Betriebsklima: In Unternehmen, in denen das Betriebsklima schlecht und die Arbeitsfreude gering ist, ist es Mucha zufolge kein Wunder, wenn Mitarbeiter gegen Vorgesetzte schießen – denn letztlich seien diese für klare Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe verantwortlich. „Mobbing kann ein Zeichen dafür sein, dass der Chef oder die Chefin die Organisationsstrukturen der Firma verbessern muss“, so der Experte. Unklare Zuständigkeiten: „Wenn keiner genau weiß, was er oder sie darf, Konkurrenzen entstehen und man sich wichtiger nimmt als andere, ist das oft eine Quelle von Mobbing“, sagt Mucha. Schnelle Veränderungen: Wenn Unternehmer neue Führungskräfte einstellen, die beispielsweise in ihrem Team alte Strukturen über den Haufen werfen, kann auch das zu Konflikten führen. Möglicherweise fühlen alt eingesessene Mitarbeiter sich überrumpelt und rebellieren gegen den neuen Chef. [mehr-zum-thema] Was sollten Chefs tun, die von ihren Mitarbeitern gemobbt werden? Ob Unternehmer selbst unter Staffing leiden oder ihre Team- oder Abteilungsleiter von Mobbing betroffen sind: Sie sollten auf keinen Fall die Augen davor verschließen – denn je länger man das Problem ignoriert, desto schlimmer wird es. Auch, wenn einem vor lauter Wut womöglich danach ist, mit den gleichen Waffen zurückzuschießen: Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing warnt vor einer "Gewaltspirale", die ausgelöst werde, wenn Vorgesetzte ihrerseits mit Gerüchten oder Beleidigungen auf Staffing reagierten. Das Gespräch mit den Mobbern suchen Wichtig ist es, dem Täter klarzumachen, dass man sein Verhalten nicht duldet und bei Wiederholung arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Mucha: „Als Führungskraft müssen Sie klare Grenzen setzen und bei grenzüberschreitenden Handlungen oder Beleidigungen sagen: ‚Dieses Verhalten wollen wir hier nicht.‘“ Leest empfiehlt, sich gut auf das Gespräch vorzubereiten und konkrete Belege für das schädigende Verhalten zur Hand zu haben. Es sei auch ratsam, das Gespräch nicht unter vier Augen zu führen, sondern eine Vertrauensperson hinzuzuziehen, etwa aus der Personalabteilung. Sie wollen solche Konfliktgespräche souveräner führen? impulse-Mitglieder können einen kostenlosen Spickzettel herunterladen, der dabei hilft: Spickzettel für Konfliktgespräche: 44 Fragen, mit denen Sie Konflikte lösen Wiederholtes Mobbing bestrafen Ändert der Mitarbeiter sein Verhalten nicht, sollten Chefs Taten folgen lassen. Bei wiederholtem Mobbing können Unternehmer den Täter ermahnen oder abmahnen. Mobbt der Mitarbeiter unbeirrt weiter, sollten Arbeitgeber ihm verhaltensbedingt kündigen. Mucha empfiehlt zudem, ein Ereignis-Tagebuch zu führen: „Darin können gemobbte Vorgesetzte beschreiben, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit was passiert ist.“ Klagt ein mobbender Mitarbeiter gegen seine Kündigung, kann solch ein Tagebuch vor Gericht helfen: „Die Mobbing-Dokumentation in Form eines Tagebuchs gilt vor Gericht zusammen mit dem Nachweis gleichzeitiger Erkrankungen und der eidesstattlichen Versicherung, die Wahrheit zu sagen,  quasi als Zeugen-Ersatz“, sagt Mucha. Schwere Fälle von Staffing können auch strafbar sein. Gerichte können Tätern wegen Beleidigung, Verleumdung oder übler Nachrede belangen (§ 185 – 187 Strafgesetzbuch) und ein Schmerzensgeld oder Schadensersatz verhängen (§ 823 Abs. 1 BGB). Mit Vertrauenspersonen sprechen Chefinnen und Chefs sollten nicht nur mit den Tätern über deren Verhalten sprechen, sondern sich auch Familie oder Freunden anvertrauen. Wer nur schweigend erträgt und seinen Schmerz in sich hineinfrisst, mache es laut Leest nur schlimmer. Sein Verein bietet anonym Hilfe und Beratung für Betroffene. Wer besonders unter Staffing leidet, sollte zudem Hilfe bei einem Psychologen suchen. Professionelle Hilfe holen Mobbing ist ein Zeichen dafür, dass die Regeln der Zusammenarbeit nicht klar sind oder nicht eingehalten werden. Hier kann zum Beispiel ein Workshop mit einem Coach helfen. „Dabei sollte man mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gemeinsam über Kommunikation und Zusammenarbeit sprechen – quasi eine Grundschulung für gute Zusammenarbeit“, sagt Mucha. Seiner Erfahrung nach sträuben sich manche Mitarbeiter zunächst gegen solche Maßnahmen – eben weil der Chef sie anordnet. „Meistens tauen Teilnehmende aber nach einer Weile auf und letztlich profitieren alle von solchen Workshops.“
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