Unconscious Bias
Schätze ich Menschen falsch ein?

Manche Leute bezeichnen mich als "schwierig". Ich halte das für eine Fehleinschätzung. Verpasse auch ich anderen einen unfairen Stempel? Eine Kolumne von impulse-Chefredakteurin Nicole Basel.

, von

Bei einem Teamworkshop im letzten Jahr hatte ich ein Erlebnis, das mich nicht mehr loslässt. In dem Workshop sollten wir uns selbst einschätzen: Wie offen sind wir für Neues? Wie extrovertiert? Wie wettbewerbs­orientiert? Wie verletzlich?

Eine meiner Kolleginnen hatte ich immer als Fels in der Brandung erlebt. Als eine, der Konflikte kaum ­nahegehen, die Druck souverän wegsteckt. Umso mehr überraschte mich ihre Selbsteinschätzung: Sie fühlte sich verletzlich, sensibel, manchmal unsicher.

Ich hatte ihr ein falsches Label verpasst. Sie sagte mir, dass sie sich abends oft sehr viele Gedanken ­mache. Und mir fiel auf: In all den Jahren hatte ich sie nie gefragt, wie es ihr geht. Ich dachte, es ginge ihr gut.

Es passiert so schnell: Wir sehen Menschen, beobachten ihr Verhalten, ihr Auftreten, ihr Aussehen – und ziehen unsere Schlüsse:

  • „Melanie war heute wieder so pampig. Die hat einfach ein dünnes Nervenkostüm.“
  • „Günther sagt in Besprechungen nie etwas. Dem ist mittlerweile auch alles egal.“

Die Tätigkeit als Hobbypsychologe ist ein Problem

Das sieht man, wenn man die Sache umdreht: Stellt man sich vor, dass andere einem einen Stempel verpassen, merkt man, wie unangenehm das ist. Ich persönlich etwa kann sehr hartnäckig für ­meine Überzeugungen kämpfen. Das hat mir schon öfter das Label „Die ist schwierig“ eingebracht.


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Bei einem Teamworkshop im letzten Jahr hatte ich ein Erlebnis, das mich nicht mehr loslässt. In dem Workshop sollten wir uns selbst einschätzen: Wie offen sind wir für Neues? Wie extrovertiert? Wie wettbewerbs­orientiert? Wie verletzlich? Eine meiner Kolleginnen hatte ich immer als Fels in der Brandung erlebt. Als eine, der Konflikte kaum ­nahegehen, die Druck souverän wegsteckt. Umso mehr überraschte mich ihre Selbsteinschätzung: Sie fühlte sich verletzlich, sensibel, manchmal unsicher. Ich hatte ihr ein falsches Label verpasst. Sie sagte mir, dass sie sich abends oft sehr viele Gedanken ­mache. Und mir fiel auf: In all den Jahren hatte ich sie nie gefragt, wie es ihr geht. Ich dachte, es ginge ihr gut. Es passiert so schnell: Wir sehen Menschen, beobachten ihr Verhalten, ihr Auftreten, ihr Aussehen – und ziehen unsere Schlüsse: „Melanie war heute wieder so pampig. Die hat einfach ein dünnes Nervenkostüm.“ „Günther sagt in Besprechungen nie etwas. Dem ist mittlerweile auch alles egal.“ Die Tätigkeit als Hobbypsychologe ist ein Problem Das sieht man, wenn man die Sache umdreht: Stellt man sich vor, dass andere einem einen Stempel verpassen, merkt man, wie unangenehm das ist. Ich persönlich etwa kann sehr hartnäckig für ­meine Überzeugungen kämpfen. Das hat mir schon öfter das Label „Die ist schwierig“ eingebracht. .paywall-shader { position: relative; top: -250px; height: 250px; background: linear-gradient(to bottom, rgba(255, 255, 255, 0) 0%, rgba(255, 255, 255, 1) 90%); margin: 0 0 -250px 0; padding: 0; border: none; } Sie möchten weiterlesen? Anmelden impulse-Mitglieder können nach dem Anmelden auf alle -Inhalte zugreifen. Jetzt anmelden impulse-Mitglied werden impulse-Magazin alle -Inhalte digitales Unternehmer-Forum exklusive Mitglieder-Events und vieles mehr … Jetzt Mitglied werden