Wertschätzung
5 Wege, Mitarbeiter typgerecht zu motivieren

Anerkennung ist ein wichtiger Einflussfaktor auf Motivation und Zufriedenheit im Job. Doch Wertschätzung muss für jeden Menschen anders verpackt werden, damit sie auch ankommt. Wie das geht.

21. Februar 2023, 06:32 Uhr, von Anna Wilke

5 Sprachen der Mitarbeitermotivation
© Malte Mueller / Getty Images

Eines der wichtigsten menschlichen Grundbedürfnisse ist es, von anderen gesehen zu werden. Das gilt im Job wie überall sonst. „Nichts aktiviert unsere Motivationssysteme so sehr wie der Wunsch nach zwischenmenschlicher Anerkennung“, sagt Ulrike Spaak, Führungskräftetrainerin aus Potsdam. „Und trotzdem zeigen Studienergebnisse: In vielen Firmen wird immer noch viel zu wenig Wertschätzung geschenkt.“ Eine vertane Chance.

Wie können Führungskräfte Wertschätzung zeigen, die ankommt?

Die Psychologen Gary Chapman und Paul White haben herausgefunden, dass Menschen sich gegenseitig auf ganz unterschiedliche Art ihre Anerkennung zeigen. Das Problem daran: Was die eine Person als Anerkennung und Wertschätzung versteht, hat bei einem anderen möglicherweise nicht dieselbe Wirkung. Das heißt: Trotz aller guten Absichten kommt die Wertschätzung beim Gegenüber überhaupt nicht an.

Chapman und White haben insgesamt fünf verschiedene Wertschätzungs-Typen entdeckt – die Psychologen beschreiben das Phänomen auch als „fünf unterschiedliche Sprachen“.

Der Rat der Psychologen: Führungskräfte sollten lernen, die verschiedenen Sprachen ihres Teams zu erkennen und auch typgerecht anzuwenden.

Wie finden Sie heraus, welche Sprache welcher Mitarbeiter spricht?

„Um zu erkennen, wer welche Sprache spricht, braucht es Aufmerksamkeit. Denn meistens zeigt man anderen Menschen seine Wertschätzung in der Sprache, die man selbst gerne hören würde“, erklärt Ulrike Spaak.

Achten Sie also darauf: Hat Frau Müller immer eine Kleinigkeit für Sie zum Geburtstag? Dann freut Sie sich bestimmt auch über eine solche Aufmerksamkeit. Verteilt Herr Schmidt gerne Komplimente? Dann würde er ein solches Lob wahrscheinlich selbst gerne einmal hören.

Die Expertin

Ulrike Spaak ist Führungskräfte- und Kommunikationstrainerin mit den Schwerpunkten Positive Leadership, New Work und Corporate Culture Change. In ihren Trainings arbeitet sie auch mit den verschiedenen Sprachen der Wertschätzung.
 
Das Buch:

Gary Chapman, Paul White: Die 5 Sprachen der Mitarbeitermotivation, Francke, 19,95 Euro

Die fünf Sprachen der Mitarbeitermotivation:

1. Lob – „Words of Affirmation“

Lob ist die erste Sprache der Anerkennung. Es geht dabei um ganz klassische Komplimente. Das klingt im ersten Moment simpel, fällt aber vielen Menschen nicht leicht. „Unser Gehirn ist evolutionsbedingt darauf ausgelegt, als erstes Probleme und deren Lösung zu sehen. Das brauchten wir früher, um uns vor Gefahren zu schützen“, erklärt Spaak. Wir müssen uns daher anstrengen, den Fokus aufs Positive zu schieben.

Achten Sie bei der ersten Sprache darauf, Komplimente möglichst zeitnah zu verteilen – und ohne Einschränkung. „Wenn es Kritikpunkte gibt, bitte nicht zusammen mit dem Lob erwähnen. Sonst bleibt am Ende nur das Negative hängen“, sagt die Expertin.

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„Wer sich mit Komplimenten schwertut, kann sich vorab einige Formulierungen notieren“, rät die Führungskräftetrainerin. Wie beispielsweise:

  • „Ich bin richtig stolz, dass du zu unserem Team gehörst.“
  • „Das war ein sehr vorbildlicher Projekt-Abschluss. Das habe ich so noch nie erlebt.“
  • „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir dich eingestellt haben.“
  • „Wie immer: Fantastische Arbeit.“

Wer wertschätzende Komplimente verteilen will, sollte laut Ulrike Spaak noch auf folgendes achten: „Oft loben wir, was die andere Person getan hat. Aber was noch viel stärker wirkt, ist die Wertschätzung des Seins – also wie jemand ist.“ Anstatt einem „Gut gemacht“ können man sagen:

  • „Wow, du bist so eloquent“.
  • „Jetzt warst du richtig enthusiastisch und man hat deine Energie gespürt.“
  • „Toll, wie gelassen du auch in den stressigsten Situationen bist.“

Chapman und White betonen übrigens, dass es bei jeder Sprache auch Dialekte gibt. Während die eine Mitarbeiterin eine öffentliche Anerkennung vor versammelter Mannschaft total genießt, ist es dem anderen Kollegen vielleicht sogar peinlich.

Finden Sie also heraus, welche Art von Komplimenten bei wem am besten ankommt: Schriftlich, öffentlich, unter vier Augen, spontan oder strukturiert. Falls Sie sich unsicher sind: Sie können Ihre Teammitglieder auch fragen, was ihnen gut gefällt.

2. Ungeteilte Aufmerksamkeit – „Quality Time“

Die zweite Sprache ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Menschen, die diese Sprache sprechen, lesen Wertschätzung daran ab, wie viel Zeit Sie Ihnen widmen. „Es geht nicht darum, Stunden miteinander zu verbringen, sondern, dass man dieser Person tatsächliche Aufmerksamkeit schenkt“, erläutert die Expertin. Qualität geht hierbei also über Quantität. In einem Gespräch sollten Sie daher Störfaktoren wie Handy oder Outlook stummschalten.

„Zuhören, nachfragen, Anteil nehmen – wenn es mich tatsächlich interessiert, was jemand erzählt, dann ist das für einige Menschen die höchste Form der Wertschätzung“, sagt Spaak.

  • Gehen Sie regelmäßig durch Ihre Firma und hören Sie einfach nur zu.
  • Verbringen Sie die Mittagspause mit einem Kollegen, den Sie länger nicht gesprochen haben.
  • Vergeben Sie Termine, wenn Sie manche Teammitglieder sonst gar nicht einzeln treffen.

Fällt es Ihnen schwer, ein guter Zuhörer zu sein? Dann hilft Ihnen vielleicht diese Methode: Aktiv zuhören: So werden Chefs zu besseren Zuhörern

3. Hilfsbereitschaft und Unterstützung – „Acts of Service“

Hilfsbereitschaft ist die dritte Sprache der Wertschätzung. „Hierbei geht es darum, zu erkennen: Dem anderen quillt gerade der Schreibtisch über, und er macht keine Pausen mehr“, sagt Spaak. Ihm sollte man dann konkret Hilfe anbieten.

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Das bedeutet nicht, dass Sie als Führungskraft alle Aufgaben Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen sollen. Es geht vielmehr um das Zeichen, dass Sie da sind, wenn Ihre Unterstützung gebraucht wird. Wichtig dabei ist, tatsächlich die Hilfe zu leisten, die das Teammitglied braucht. Dazu sollten Sie ganz spezifische Fragen stellen:

  • „Ich sehe, dass du viel zu tun hast. Wie kann ich dir helfen?“
  • „Was brauchst du gerade? Kann ich dir jemanden an die Seite stellen?“
  • „Was würde deine Arbeit aktuell leichter oder besser machen?“

Es können auch kleine Gesten sein, die Ihre Unterstützung symbolisieren. Besorgen Sie zum Beispiel ein paar Pizzen, wenn für ein wichtiges Projekt Überstunden anfallen. Auch das kann die Arbeit leichter machen.

4. Geschenke, die von Herzen kommen – „Tangible Gifts“

Sprache Nummer vier sind Geschenke. Denn viele Menschen lieben Symbole, die für etwas stehen. Nicht umsonst gibt es bei Sportwettkämpfen Medaillen für die Gewinner.

Wichtig dabei: Es müssen keine teuren Geschenke sein, die Sie extra gekauft haben. Sie müssen nur von Herzen kommen.

  • Sie haben ein tolles Buch gelesen, dass zu einer Mitarbeiterin passen könnte? Schenken Sie es ihr mit einem persönlichen Gruß darin weiter.
  • Kocht ein Kollege für sein Leben gern, bringen Sie doch mal ein ausgefallenes Gewürz oder Öl mit. Sie könnten sagen: „Danke für dein Engagement in der letzten Zeit. Geh heute mal früher nach Hause und hab‘ ein schönes Abendessen mit deiner Familie.“
  • Auch das zehnjährige Dienstjubiläum könnte ein Anlass zum Schenken sein. Dann darf es vielleicht auch etwas größer sein: Tickets für ein Konzert, ein Wellness-Gutschein oder Restaurantbesuch. Werden Sie kreativ.

Geschenke sind übrigens auf keinen Fall Bonuszahlungen oder Gehaltserhöhungen. „Sondern kleine Gesten und Aufmerksamkeiten, bei denen man merkt, da hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, was dem anderen Freude bereiten würde“, sagt Spaak. Ab einem bestimmten Wert müssen Geschenke an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versteuert werden.

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5. Körperlicher Kontakt – „Physical Touch“

Eine herausfordernde Sprache im Arbeitskontext ist die Sprache Nummer fünf: der Körperkontakt. Sie erfordert etwas Fingerspitzengefühl, ist aber nicht weniger wichtig als die anderen Sprachen. Weil viele Menschen jedoch Sorge haben, dabei etwas falsch zu machen, fällt sie oft unter den Tisch.

„Die persönlichen Grenzen müssen natürlich unbedingt eingehalten werden. Das heißt aber nicht, dass es am Arbeitsplatz keinen Körperkontakt geben darf“, sagt Ulrike Spaak. Für viele Menschen seien kleine körperliche Gesten sogar sehr wichtig. Das kann zum Beispiel sein:

  • beim Händeschütteln zusätzlich die Hand auf die Schulter legen
  • ein High Five bei einem tollen Erfolg
  • ein aufmunterndes Schulterklopfen
  • in emotionalen Momenten kann auch eine Umarmung passend sein

„Auch ein längerer Blickkontakt oder ein freundliches Nicken sind körperliche Gesten“, erklärt die Expertin. Seit der Corona-Pandemie müsse man sich überlegen, wie Körperkontakt hergestellt werden könne.

6. Vertrauen schenken – „Empowerment“

Chapman und White haben in ihrem Buch nur fünf Sprachen beschrieben. „In der letzten Zeit hat sich aber noch eine sechste Sprache durchgesetzt: Vertrauen schenken“, erklärt Ulrike Spaak. Für einige Menschen sei es die höchste Form der Wertschätzung, wenn jemand anderes das Potenzial in ihnen erkennt. „Wenn ich als Führungskraft jemanden Einfluss nehmen lasse, dann signalisiere ich Vertrauen“, erklärt die Expertin.

Sie können Ihrem Team auf unterschiedliche Art den Freiraum geben, Dinge zu gestalten. Das muss nicht immer gleich die Übernahme eines großen, eigenen Projekts sein.

  • Fragen Sie die Auszubildende: „Was hältst du von dem neuen Produkt, das wir entwickelt haben?“
  • Übergeben Sie ein Budget für die Weihnachtsfeier und sagen Sie: „Du wirst damit schon etwas Tolles auf die Beine stellen. Da bin ich ganz sicher.“
  • Lassen Sie zu, dass Fehler passieren. „Ich weiß, das hast du noch nie gemacht. Sieh es als Lernfeld und wenn es schiefgeht, ist das auch voll okay.“