Brandschutzbeauftragte Welche Unternehmen Brandschutzbeauftragte brauchen
Sichere Sache: Brandschutzbeauftragte sorgen in Unternehmen dafür, dass Feuer möglichst gar nicht erst entstehen.

Sichere Sache: Brandschutzbeauftragte sorgen in Unternehmen dafür, dass Feuer möglichst gar nicht erst entstehen. © as_seen / photocase.de

Wann sind Brandschutzbeauftragte für Unternehmen Pflicht? Was sind ihre Aufgaben – und wie viel kostet die Ausbildung? Das sollten Unternehmer wissen.

Welche Aufgaben hat ein Brandschutzbeauftragter?

Die Pflichten eines Brandschutzbeauftragten sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem:

  • Den Arbeitgeber beraten, wie sich Brände verhindern lassen.
  • Als Ansprechpartner bei allen Fragen weiterhelfen, die den Brandschutz betreffen.
  • Das Unternehmen angemessen mit Feuerlöscheinrichtungen ausstatten.
  • Vertreter von Behörden und Feuerwehr bei Betriebsbegehungen begleiten.
  • Notfallpläne erstellen.
  • Fluchtwege gestalten.
  • Räumungsübungen planen und durchführen
  • Mithilfe regelmäßiger Kontrollgänge überprüfen, ob etwa die Fluchtwege frei sind und die Feuerlöscheinrichtungen funktionsfähig.

Was ein Brandschutzbeauftragter genau können muss und welche Aufgaben er hat, darüber informiert die Schrift „Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten“ (DGUV Information 205-003“) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV e.V.) sowie – wortgleich – die Richtlinie 12-09/01 der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb e.V.).

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Welche Unternehmen brauchen einen Brandschutzbeauftragten?

Generell lassen sich drei Fälle unterscheiden, in denen Arbeitgeber einen Brandschutzbeauftragten bereitstellen müssen.

Fall 1: Die Bauordnung schreibt einen Brandschutzbeauftragten vor

Baumarkt, Lebensmittelladen, Möbelgeschäft: Sobald Verkaufsflächen in Unternehmen größer sind als 2000 Quadratmeter, ist laut Bauordnung ein Brandschutzbeauftragter Pflicht. Ähnliche Regelungen finden sich beispielsweise auch in der Industriebaurichtlinie.

Fall 2: Sachversicherer verlangen einen Brandschutzbeauftragten

Viele Gebäudeversicherer beschreiben in ihrem Regelwerk, welche Unternehmen einen Brandschutzbeauftragten haben müssen, um überhaupt eine Police abschließen zu können. Dazu können auch kleinere Betriebe wie etwa Tischlereien gehören, bei denen Versicherer das Brandrisiko als hoch einschätzen.

Fall 3: Eine Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass ein Brandschutzbeauftragter nötig ist

Arbeitgeber sind laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG, § 5) Arbeitnehmern gegenüber verpflichtet, Gefährdungen zu ermitteln – um anschließend Maßnahmen entwickeln zu können, die die körperliche wie psychische Gesundheit der Arbeitnehmer so weit wie möglich gewährleisten. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ein hohes Brandrisiko, empfehlen Experten, einen Brandschutzbeauftragten zu benennen. Tun Unternehmer dies nicht, drohen zwar keine Konsequenzen wie etwa Bußgelder. Brennt es aber wirklich einmal, sind Unternehmen mit einem Beauftragten auf der sicheren Seite, sollte es etwa zu einem Streit mit der Versicherung kommen.

Welche Betriebe besonders brandgefährdet sind, beschreibt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einer ihrer Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A2.2). Dazu gehören etwa Unternehmen, die Gefahrgüter lagern oder in der Produktion mit Stoffen umgehen, die leicht entzündlich sind – etwa mit Lacken auf Kohlenwasserstoff-Basis.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Brandschutzbeauftragten und einem Brandschutzhelfer?

Brandschutzhelfer sollen im Fall eines Feuers zunächst die Gefahrenlage einschätzen, dann versuchen, den Brand selbst zu löschen – oder aber professionelle Hilfe anfordern. Dafür genügt in der Regel ein halbtägiger Kurs in Theorie und Praxis. Danach reicht es, dass Brandschutzhelfer alle drei bis fünf Jahre die Kenntnisse in einer praktischen Übung auffrischen. Details hierzu stehen in der DGUV Information 205-023 „Brandschutzhelfer“.

Im Gegensatz dazu haben Brandschutzbeauftragte einen viel größeren Aufgabenkatalog (siehe oben). Um ihre Pflichten erfüllen zu können, brauchen sie umfangreiche Kenntnisse im technischen und organisatorischen Brandschutz und eine entsprechend lange Ausbildung. Ein weiterer Unterschied: Nicht jeder Mitarbeiter darf Brandschutzbeauftragter werden – Brandschutzhelfer indes schon (siehe unten).

Wie läuft die Ausbildung von Brandschutzbeauftragten ab?

Die meisten Grundlehrgänge für Brandschutzbeauftragte vermitteln in 64 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten alle nötigen Kenntnisse – meist verteilt über zwei Wochen, mitunter aber auch im Block von acht Tagen.

Was steht auf dem Lehrplan von Kursen für Brandschutzbeauftragten?

In den Kursen lernen angehende Brandschutzbeauftragte alles, was laut „Information 205-003“ der DGUV vorgesehen ist. Dazu gehören rechtliche Grundlagen ebenso wie der Bereich Löschlehre, außerdem baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Brandschutz sowie die Zusammenarbeit mit Behörden, Feuerwehren und Versicherern. Darüber hinaus lernen Teilnehmer in praktischen Übungen, wie sie im Notfall Brände löschen können.

Am Ende des Kurses steht eine Prüfung, die Teilnehmer bestehen müssen, um als zertifizierter Brandschutzbeauftragter in die Unternehmen zurückzugehen.

Müssen Brandschutzbeauftragte Fortbildungen besuchen?

Damit das Zertifikat von Brandschutzbeauftragten gültig bleibt, müssen diese binnen drei Jahren mindestens 16 Unterrichtseinheiten absolvieren, beispielsweise bei Fortbildungsveranstaltungen, über Kongress- oder Messebesuche. Das soll gewährleisten, dass Brandschutzbeauftragte ihre Kenntnisse auf dem aktuellen Stand halten.

Wie finden Unternehmer den passenden Kurs für Brandschutzbeauftragte?

In jeder größeren Stadt gibt es Dienstleister, die Kurse für angehende Brandschutzbeauftragte anbieten. Wichtig: Arbeitgeber sollten darauf achten, dass die Ausbildung den offiziellen Richtlinien der DGUV folgt (siehe oben).

Außerdem organisieren einige Berufsgenossenschaften Lehrgänge zum Brandschutzbeauftragten, etwa die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BGRCI) sowie die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN).

Was kostet eine Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten?

Die Gebühren für eine Erstschulung zum Brandschutzbeauftragten unterscheiden sich je nach Anbieter. Ein achttägiger Vollzeit-Lehrgang bei der Dekra kostet beispielsweise gut 2200 Euro inklusive Mehrwertsteuer, ein Kurs des TÜV knapp 2400 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Wichtig: immer das Kleingedruckte lesen. Die Abschlussprüfung beispielsweise ist nicht immer eingeschlossen – hierfür können weitere Gebühren anfallen.

Müssen Arbeitgeber die Kosten für die Ausbildung von Brandschutzbeauftragten selbst tragen?

Lassen Arbeitgeber Mitarbeiter zum Brandschutzbeauftragten weiterbilden, müssen sie die Gebühren für die Kurse selbst tragen. Offizielle Stellen übernehmen die Kosten nicht, auch Zuschüsse gibt es keine.

Wie gut sind Online-Kurse für Brandschutzbeauftragte?

Einige Dienstleister bieten schon jetzt E-Learning-Lehrgänge für Brandschutzbeauftragte an. Allerdings prüft die DGUV aktuell erst, wie diese gestaltet sein müssen, um die gleiche Qualität wie Präsenz-Kurse zu erreichen. Experten raten deshalb noch davon ab, Brandschutzbeauftragte via Online-Angebot zu schulen.

Kann jeder Mitarbeiter Brandschutzbeauftragter werden?

Unternehmen dürfen nur solche Arbeitnehmer zum Brandschutzbeauftragten fortbilden lassen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Fachlich dagegen gibt es keine Einschränkungen: So können etwa auch kaufmännische Angestellte ohne technische Vorkenntnisse Brandschutzbeauftragte werden. Experten raten, diese Funktion eher erfahrenen Mitarbeitern anzuvertrauen. Denn Brandschutzbeauftragte tragen nicht nur viel Verantwortung. Sie unterstehen zudem unmittelbar dem Arbeitgeber, sollten also genug Selbstbewusstsein haben, um diesen zu beraten– und ihren Standpunkt zu vertreten, beispielsweise in Gesprächen mit Behörden.

Müssen Arbeitgeber Brandschutzbeauftragten mehr Gehalt zahlen?

Einen Anspruch auf höheren Verdienst haben Brandschutzbeauftragte nicht. Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, dem Brandschutzbeauftragten genug Zeit im Arbeitsalltag einzuräumen, damit dieser seine Aufgaben erfüllen kann. Schließlich soll er primär Brände verhüten und kommt nicht erst – wie ein Brandschutzhelfer – im Fall eines Feuers zum Einsatz.

Experten zufolge füllen die Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten schnell eine halbe Stelle, in größeren Unternehmen nicht selten eine volle.

Können Unternehmen die Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten auslagern?

Gerade kleinere Unternehmen haben oft nicht die Kapazitäten, einen Mitarbeiter zum Brandschutzbeauftragten auszubilden. Oder aber das Brandrisiko ist so gering, dass beispielsweise ein vierteljährlicher Kontrollgang durchs Unternehmen reichen würde, um die Gefahr zu minimieren – und sich ein interner Brandschutzbeauftragter schlicht nicht rechnet. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, die Leistung bei externen Anbietern einzukaufen: Große Dienstleister wie die Prüfgesellschaft Dekra bieten diesen Service ebenso an wie etwa örtliche Ingenieursbüros mit Schwerpunkt Brand- und Arbeitsschutz.

Eine Zertifizierung oder ein Gütesiegel für qualifizierte Anbieter gibt es nicht. Unternehmer sollten bei der Auswahl eines Dienstleisters auf Nachweise achten, dass dieser nach den offiziellen Vorgaben ausgebildet ist (s. oben) und seine Kenntnisse regelmäßig auf den aktuellen Stand bringt.

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4 Kommentare
  • Sabine Turgut 26. März 2019 07:26

    Sehe ich da versteckte Werbung – TÜV und DEKRA sind sogar mit Hyperlinks versehen. Das ist kein guter Journalismus. Ich empfehle, mindestens die Links zu entfernen.

    Um es etwas aufzulockern: die Beuth-Hoschule bietet auch einen Fernlehrgang mit Präsenzphase an: http://www.beuth-hochschule.de/brandschutzbeauftragter/

    Hinweis: Das UWG, etc. sollte man bei Impulse schon kennen!

    • Nicole Basel
      Nicole Basel 28. März 2019 11:07

      Hallo Frau Turgut,

      danke für Ihren Hinweis. Es ist schön, kritische Leser zu haben.

      Der Hinweis mit auf zwei Anbieterbeispiele war von uns als Service für den Leser gedacht – ich kann aber nachvollziehen, dass dies als Werbung wahrgenommen werden könnte. Wir stehen in keinerlei Beziehung zu den Anbietern und sprechen auch keinerlei Empfehlung aus. Um den Verdacht der Schleichwerbung auszuräumen, haben wir die Links entfernt.

      Viele Grüße aus der impulse-Redaktion

      Nicole Basel

  • Holger Schulz 26. März 2019 07:16

    Hier irrt der Autor: „Was ein Brandschutzbeauftragter genau können muss und welche Aufgaben er hat, regelt die Schrift „Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten“ (DGUV Information 205-003“) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV e.V.) sowie – wortgleich – die Richtlinie 12-09/01 der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb e.V.).“

    Er schreibt „regelt“. Das ist falsch. Eine DGUV Information regelt nicht etwas, sondern informiert. Weder die DGUV Information noch die Richtlinie 12-09/01 sind rechtsverbindlich. Siehe: https://www.dguv.de/ifa/fachinfos/regeln-und-vorschriften/erlaeuterungen-zum-regelwerk/index.jsp, „DGUV Informationen: Als DGUV Informationen geben einzelne Unfallversicherungsträger spezielle Veröffentlichungen als unverbindliche Hilfestellungen und Empfehlungen für bestimmte Branchen, Tätigkeiten und Zielgruppen heraus. “ Klar: unverbindliche Hilfestellungen und Empfehlungen.

    Übrigens, Sie haben bestimmt eine Sicherheitsfachkraft. Diese hat schon Grundkenntnisse im Brandschutz und kann die notwendige Kompetenz leicht dazu erwerben.

    • Kathrin Halfwassen
      Kathrin Halfwassen 26. März 2019 12:18

      Lieber Herr Schulz, danke für den Hinweis – wir haben die Stelle im Text geändert. Herzliche Grüße aus der Impulse-Online-Redaktion

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