Umsatzsteuervoranmeldung So bahnen Sie sich den Weg durch den Steuer-Dschungel

Die Umsatzsteuervoranmeldung ist für Sie so undurchschaubar wie das Blätterdach am Amazonas? Mit diesen Tipps bahnen Sie sich einen Weg durch den Paragrafen-Dschungel.

Die Umsatzsteuervoranmeldung ist für Sie so undurchschaubar wie das Blätterdach am Amazonas? Mit diesen Tipps bahnen Sie sich einen Weg durch den Paragrafen-Dschungel.© Ildo Frazao / Getty Images

Die Umsatzsteuervoranmeldung wirft Fragen auf: Muss ich sie überhaupt abgeben? Was muss in welches Feld? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Laien.

Allein beim Anblick kann einem der Kopf schwirren: 86 Zeilen, gespickt mit zig Paragrafen, umfasst das elektronische Elster-Formular für die Umsatzsteuervoranmeldung. Doch als Unternehmer oder Selbstständiger muss man sich zwangsläufig damit auseinandersetzen. Dieser Leitfaden beantwortet die wichtigsten Fragen und führt Schritt für Schritt durchs Formular.

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Wer muss eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?
Wie oft muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?
Wann muss ich die Umsatzsteuer vorauszahlen?
Was passiert, wenn ich zu spät abgebe?
Wie richte ich eine Dauerfristverlängerung ein?
Wie muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?
Wie fülle ich das Formular für die Umsatzsteuervoranmeldung 2017 aus?
Was sind die wichtigsten Zeilen und wie fülle ich sie aus? (Zeile 1-16, 25-28, 56)
Wie fülle ich die Zeilen zu Lieferungen und sonstigen Leistungen aus? (Zeile 19-30)
Wie fülle ich die Zeilen zum innergemeinschaftlichen Erwerb aus? (Zeile 32-36)
Wie mache ich ergänzende Angaben zu Umsätzen? (Zeile 38-42)
Wie fülle ich die Zeilen 48-43 aus?
Wie gebe ich die abziehbaren Vorsteuerbeträge an? (Zeile 56-64)

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Wer muss eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Grundsätzlich müssen alle Unternehmer und Selbstständigen eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Nur unter bestimmten Voraussetzungen sind sie davon befreit. Eine Ausnahme gibt es …

  • … für Kleinunternehmer (§ 19 Abs. 1 UStG): Wer im vorangegangen Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 Euro erwirtschaftet hat und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwirtschaften wird, muss keine Umsatzsteuervoranmeldung machen, darf dann also auch keine Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen. Doch Vorsicht: Sollten die Umsätze im laufenden Jahr deutlich steigen, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Finanzamt sprechen.
  • … wenn die Steuer aus dem Vorjahr unter 1000 Euro lag und sich das Unternehmen nicht in den ersten beiden Gründungsjahren befindet.

Welche Fristen gelten für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung?

Grundsätzlich müssen Unternehmer und Selbstständige die Umsatzsteuervoranmeldung bis zum zehnten Tag nach Ende des Voranmeldungszeitraums übermitteln. Was heißt das konkret?

  • Bei einer vierteljährlichen Abgabe wäre dies der 10. April, 10. Juli, 10. Oktober und der 10. Januar des Folgejahres.
  • Bei einer monatlichen Abgabe immer der 10. des Folgemonats. Die Umsatzsteuer für März müsste beispielsweise bis zum 10. April gemeldet werden.

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Wie oft muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Grundsätzlich müssen Unternehmer die Voranmeldung vierteljährlich, also pro Quartal, abgeben. In manchen Fällen verlangt das Finanzamt allerdings auch einen monatlichen Rhythmus oder es ist nur eine jährliche Abgabe nötig.

Wann ist eine monatliche Abgabe nötig?
Fielen im vorangegangenen Kalenderjahr mehr als 7500 Euro Umsatzsteuer an, muss die Voranmeldung jeden Monat abgeben werden. Auch Existenzgründer im Gründungsjahr und dem darauffolgenden Jahr müssen monatlich vorausmelden.

Wann reicht eine jährliche Abgabe aus?
Wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss nur einmal im Jahr (bis spätestens zum 31. Mai des Folgejahres) in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung die Gesamtumsätze des Erklärungs- und des Vorjahres angeben. Als Kleinunternehmer gilt, wer im vorangegangenen Jahr nicht mehr als 17.500 Euro Gesamtumsatz erwirtschaftet hat und dessen Umsatz im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Für Neugründungen gilt diese Regel nicht, dann muss die Voranmeldung monatlich abgegeben werden (siehe oben). Auch wenn die Steuerschuld im Vorjahr unter 1000 Euro lag, kann das Finanzamt von der Verpflichtung zur vierteljährlichen Abgabe befreien

In welche Abgabegruppe Sie fallen, legt das Finanzamt spätestens bis Ende Februar fest.

Wann muss ich die Umsatzsteuer vorauszahlen?

An dem Tag, an dem Sie die Vorausmeldung abgeben, ist die Vorauszahlung fällig. Ist der Fälligkeitstag ein Sonn- oder Feiertag fällt er auf den nächsten Werktag.

Was passiert, wenn ich zu spät abgebe?

Wird die Vorauszahlung zu spät überwiesen, kann das Finanzamt pro angefangenen Kalendermonat einen Säumniszuschlag von 1 Prozent berechnen. Bei monatelanger Verspätung kann ein Zuschlag von bis zu 10 Prozent fällig werden, höchstens aber 25.000 Euro. Bei weiteren Verstößen können Zwangsgelder hinzukommen. Allerdings räumt das Finanzamt eine Schonfrist von drei Tagen ein. Das gilt jedoch nicht für Bar- oder Scheckzahlung.

Wie richte ich eine Dauerfristverlängerung ein?

Wer ein bisschen Zeit für die USt-Voranmeldung schinden will, kann eine Verlängerung beantragen. Wie das geht, lesen Sie in unserem Artikel zur Dauerfristverlängerung.

Bei monatlicher Voranmeldung
Wer die Umsatzsteuervorauszahlung monatlich macht, muss den Antrag über Elster spätestens bis zum 10. Februar beim Finanzamt stellen. Das Finanzamt wird eine Fristverlängerung nur gewähren, wenn Sie im selben Formular eine Sondervorauszahlung anmelden. Diese Sondervorauszahlung müssen Sie selbst berechnen. Sie beträgt 1/11 der gesamten Umsatzsteuer-Vorauszahlungen des Vorjahres. Ist das Wirtschaftsjahr das Kalenderjahr, so sind dies die Vorauszahlungen Januar bis November.

Bei vierteljährlicher Vorauszahlung
Quartalszahler müssen den Antrag bis spätestens 10. April einreichen. Es genügt die Dauerfristverlängerung einmal zu beantragen, sie gilt dann auch in den nachfolgenden Jahren. Bei vierteljährlicher Vorauszahlung wird keine Sondervorauszahlungen fällig.

Wie muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Sie muss grundsätzlich auf elektronischem Wege über das Online-Finanzamt Elster abgegeben werden. Viele Buchhaltungsprogramme haben eine Schnittstelle zu Elster, sodass sich die Daten aus der Buchhaltung automatisch übertragen lassen. Um die Voranmeldung übermitteln zu können, müssen Sie sich zunächst auf dem Elster-Onlineportal registrieren. Für die Registrierung sollten Sie unbedingt zwei Wochen Bearbeitungszeit einkalkulieren. Wer bis zum Abgabezeitpunkt nicht registriert ist und deswegen die Vorausmeldung nicht rechtzeitig übermitteln kann, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen.

Wie fülle ich das Formular für die Umsatzsteuervoranmeldung 2017 aus?

Für die Umsatzsteuervoranmeldung gibt es das Formular USt 1 A.

  • Die Steuernummer (nicht die Umsatzsteuer-ID) muss auf jeder Seite oben eingetragen werden.
  • Sie müssen nur die weißen Felder ausfüllen. Felder, die Sie nicht benötigen, lassen Sie einfach frei.

Die wichtigsten Zeilen der Umsatzsteuervoranmeldung

Zeile 1-16

Die Zeilen 1-16 erklären sich fast von selbst. Dort tragen Sie Ihr Finanzamt und Ihre Adresse ein und kreuzen den Monat an, für den Sie die Voranmeldung machen.

  • Falls Sie Verträge und Rechnungen beilegen, tragen Sie das ins die Zeile 22 ein.
  • Wichtig: Tragen Sie bei den Umsätzen grundsätzlich nur die Nettobeträge, also die Entgelte ohne Umsatzsteuer ein. Bei den Vorsteuerbeträgen geben Sie nur den Steuerbetrag an.

Für die meisten Unternehmer sind nur wenige Zeilen von Bedeutung: die Zeilen 25 bis 27, in denen es um steuerpflichtige Umsätze geht, und die Zeilen 55 und 56, in denen man abziehbare Vorsteuerbeträge einträgt.  

Zeile 25-28: steuerpflichtige Umsätze

Hier tragen Sie Ihre Umsätze aus Lieferungen, sonstigen Leistungen und unentgeltlichen Wertabgaben abhängig vom jeweiligen Steuersatz ein. In der Regel beträgt der Steuersatz 19 Prozent, bei kreativen Leistungen, Lebensmitteln und Büchern meist 7 Prozent. Näheres dazu finden Sie im Umsatzsteuer-Anwendungserlass vom Bundesfinanzministerium oder in unserem Artikel „Umsatzsteuer-Wirrwarr: Wenn die Milch im Kaffee über den Steuersatz entscheidet„.

Was ist der Unterschied zwischen Lieferungen und sonstigen Leistungen?
Bei einer Lieferung muss ein Gegenstand im Spiel sein, mit dem Unternehmen A Umsatz macht, weil er ihn an Unternehmen B oder Kunden C überträgt. Werden Umsätze nicht mit einem Gegenstand gemacht, dann liegt eine sonstige Leistung vor. Als sonstige Leistungen gelten beispielsweise Dienst-, Vermittlungs- und Beförderungsleistungen oder die Vermietung und Verpachtungen.

Was sind unentgeltliche Wertabgaben?
Grob formuliert, sind das Gegenstände aus dem Unternehmen, die der Unternehmer oder seine Mitarbeiter für private Zwecke nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Früher hieß das kurz Eigenverbrauch. Zum Beispiel: Eine Gartenbaufirma leiht übers Wochenende einem Mitarbeiter kostenlos einen Rasenmäher. Oder: Eine Bäckerei überlässt ihren Mitarbeitern Brötchen für die Mittagspause. Das Problem: Welches Entgelt soll dafür angegeben werden? Das kommt darauf an, ob es sich um eine Lieferung oder eine sonstige Leistung handelt. Im Falle der Bäckerei handelt es sich um eine Lieferung. Es wird der Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten oder der Selbstkostenpreis zugrunde gelegt. Bei der Gartenbaufirma handelt es sich um eine sonstige Leistung. Dann müssen sämtliche entstandenen Ausgaben für den Rasenmäher berücksichtigt werden. Wer sich mit der Berechnung überfordert fühlt, wendet sich an einen Steuerberater.

Wichtig: In die Zeilen 25-28 tragen Sie nur Lieferungen, Leistungen und Wertabgaben ein, die Sie im Voranmeldungszeitraum erbracht haben. Läuft ein Auftrag über mehrere Monate, tragen Sie die jeweilig Teilleistung ein. Es kommt nicht darauf an, wann Sie die Rechnung gestellt haben!

Zeile 56: abziehbare Vorsteuerbeträge

Unternehmer haben natürlich auch Ausgaben, auf die sie wiederum Umsatzsteuer zahlen. Diese nennt man dann Vorsteuer, sie wird vom Finanzamt erstattet. Für alle, die für ihr Unternehmen nichts im Ausland und keine Fahrzeuge gekauft haben, ist in den meisten Fällen nur die Zeile 56 wichtig: Hier tragen Sie die Vorsteuer ein, die Sie auf alle umsatzsteuerpflichtigen Lieferungen und Leistungen zahlen mussten, die Sie innerhalb Deutschlands erworben haben (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1). Dieser Betrag wird von der Umsatzsteuer abgezogen, die Sie selbst bei anderen in Rechnung gestellt haben. Allerdings können Sie nur die Vorsteuern abziehen, die nach dem deutschen UStG anfallen. (Achtung: Zur Vergütung von ausländischen Vorsteuerbeträgen müssen Sie sich an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) wenden.)

Wichtig: Um gezahlte Umsatzsteuer geltend zu machen, brauchen Sie auf jeden Fall eine Rechnung. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Anschrift und die Umsatzsteuer-ID auf der Rechnung vollständig und richtig ist.

Besonderheit bei Fahrkarten
Bei Fahrkarten, auf denen die Umsatzsteuer nicht aufgeführt ist, müssen Sie den Rechnungsbetrag in Entgelt und Steuerbetrag aufteilen. Sie müssen die Umsatzsteuer also selbst ausrechnen und eintragen. Bei Bus- und Zugtickets gelten umsatzsteuerlich je nach der Fahrtstrecke folgende Besonderheiten: Bei Strecken bis 50 Kilometer ist der Steuersatz 7 Prozent, bei Strecken ab 51 Kilometer 19 Prozent.

Wer alle Daten und Umsätze eingetragen hat, klickt unten rechts auf „Prüfen und absenden“.

In den restlichen Feldern der Umsatzsteuervoranmeldung geht es um viele Sonderfälle. Sie sind nur dann interessant, wenn Sie zum Beispiel Geschäfte mit ausländischen Kunden machen. Oder wenn Sie beispielsweise Fahrzeuge, landwirtschaftliche Produkte, Tabletcomputer und Spielkonsolen liefern oder kaufen.

Der Abschnitt I „Anmeldung der Umsatzsteuer-Vorauszahlung“ ist grob unterteilt in fünf Bereiche:

1. Lieferungen und sonstige Leistungen

Zeile 19-20: steuerfreie Umsätze bei innergemeinschaftlichen Lieferungen

Hier geht es um Lieferungen innerhalb der EU. Beliefern Sie als Unternehmer andere Unternehmer innerhalb der EU, müssen Sie dafür in der Regel keine Umsatzsteuer zahlen. Unter folgenden Voraussetzungen muss sie von Ihrem Kunden im EU-Ausland gezahlt werden:

  • Wenn der Kunde ein Unternehmer mit einer gültigen ausländischen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) ist. Ob die Nummer gültig ist und Name und Adresse stimmen, können Sie sich vom Bundeszentralamt für Steuern bestätigen lassen. Das geht auch online.
  • Wenn der Kunde im EU-Ausland die Waren für sein Unternehmen erwirbt. Das ist der Fall, wenn er bei der Lieferung mit seiner USt-IdNr. auftritt und sich aus der Art und Menge Lieferung kein Zweifel an der Verwendung für sein Unternehmen ergibt.
  • Als Lieferant müssen Sie belegen können, dass die gelieferte Ware tatsächlich in einen anderen EU-Mitgliedstaat gelangt ist, zum Beispiel durch eine Empfangsbestätigung oder Spediteursbescheinigung.
  • Wichtig: Sie müssen in Ihrer Rechnung auf die Steuerfreiheit hinweisen, Ihre USt-IdNr. und die Ihres Kunden angeben.

Sollten diese Voraussetzungen zutreffen, tragen Sie den Umsatz Ihrer innergemeinschaftlichen Lieferung in die Zeile 20 (Abnehmer mit USt-IdNr.) ein. Diese Umsätze müssen Sie übrigens auch in einer sogenannte zusammenfassende Meldung (ZM) auf elektronischem Weg an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) und monatlich an das Statistische Bundesamt übermitteln. Mehr dazu finden Sie auf der Seite des BZST. Ein entsprechendes Formular zur ZM ist im ELSTER-Programm enthalten.

Zeile 21-22: innergemeinschaftliche Lieferung von Fahrzeugen

Hier geht es ausschließlich um die Lieferung neuer Fahrzeuge in ein EU-Mitgliedsland. Haben Sie als Unternehmer einer Privatperson im EU-Ausland, also jemandem ohne USt-IdNr., ein Fahrzeug geliefert, füllen Sie die Zeile 21 aus. Haben Sie es nicht als Unternehmer, sondern privat geliefert, füllen Sie Zeile 22 aus.

Zeile 23: weitere steuerfreie Umsätze mit Vorsteuerabzug

Hier geht es zum Beispiel um Ausfuhrlieferungen. Immer wenn Gegenstände ins nicht europäische Ausland  geliefert werden, spricht man von Ausfuhrlieferungen. Und die sind von der Umsatzsteuer befreit. Trotzdem müssen Sie Ihre Umsätze durch Ausfuhrlieferungen hier eintragen.

Außerdem müssen Sie hier Umsätze, die nach § 4 Nr. 2 bis 7 steuerfrei sind, angeben. Dazu gehören Umsätze aus der Seeschifffahrt und der Luftfahrt, grenzüberschreitenden Güterbeförderung und Vermittlungsleistungen. Näheres lesen Sie dazu in den einzelnen Paragrafen.

Zeile 24: steuerfreie Umsätze ohne Vorsteuerabzug

Hier sind alle Umsätze die Sie nach § 4 Nr. 8 bis 28 machen. Dazu zählen zum Beispiel der Verkauf, die Vermietung und die Verpachtung von Grundstücken, Umsätze als Arzt, von Krankenhäuser, Altenheimen und Theatern.

Zeile 29-30: Lieferungen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe

Für Lieferung aus dem land- oder forstwirtschaftlichen Bereich und bei alkoholischen Flüssigkeiten gelten besondere Steuersätze, die Sie im Einzelnen in § 24 UStG nachlesen können.

2. Innergemeinschaftlicher Erwerb

In den Zeilen 31 bis 36 dreht sich alles um grenzüberschreitende Geschäfte innerhalb der EU. Sollten Sie also nichts im EU-Ausland erworben haben, können Sie die Zeilen überspringen.

Zeile 32: steuerfreie innergemeinschaftliche Erwerbe

Bei den steuerfreien innergemeinschaftlichen Erwerben in Zeile 32 geht es vor allem um Anlagegold. 

Zeile 33-35: steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe

Wenn Sie etwas in einem EU-Land für Ihr Unternehmen kaufen, müssen Sie dafür Umsatzsteuern zahlen. Hier tragen Sie den Nettobetrag, also den Betrag ohne Umsatzsteuer ein. Für den Zeitpunkt der Voranmeldung ist das Rechnungsdatum entscheidend. Innergemeinschaftliche Erwerbe müssen Sie grundsätzlich auch für die Intrahandelsstatistik melden. Informationen und Meldeformulare finden Sie unter https://www-idev.destatis.de/idev/doc/intra/hilfe.html .

Zeile 36: innergemeinschaftlicher Erwerb von Fahrzeugen

Kaufen Sie ein Fahrzeug in einem EU-Land für Ihr Unternehmen in Deutschland, müssen Sie den Nettobetrag dafür hier eintragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie es von einer privaten Person ohne USt-ID oder von einem Unternehmen gekauft haben.

3. Ergänzende Angaben zu Umsätze

Zeile 38: Lieferung des ersten Abnehmers bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften

Grundsätzlich geht es hier um Geschäfte, bei denen Liefergegenstände von einem EU-Land in ein anderes befördert oder versendet werden und daran drei Unternehmer beteiligt sind. Näheres finden Sie in § 25b Abs. 2. Ein Beispiel:

Die Brüsseler Firma Dupont bestellt bei Firma Meyer aus Hannover ein Messgerät. Die Firma Meyer ordert es bei Ihrem Vorlieferanten in Den Haag. Die Firma Meyer gilt hier als erster Abnehmer und der muss die Zeile 38 ausfüllen, wenn für diese Lieferungen der letzte Abnehmer, im Beispiel Dupont in Brüssel, die Steuer schuldet. Eintragen muss die Firma Meyer das Entgelt für ihre Lieferung an den letzten Abnehmer, also Dupont. Wäre die Firma Meyer der letzte Abnehmer müsste Sie Zeile 65 ausfüllen. 

Zeile 39: steuerpflichtige Umsätze, für die der Leistungsempfänger die Steuer schuldet

Normalerweise schuldet der Unternehmer, der eine Leistung erbringt, die Umsatzsteuer. In manchen Fällen ist es umgedreht, dann schuldet sie der Leistungsempfänger. Dies gilt etwa immer in der EU bei grenzüberschreitenden Geschäften mit Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern und Spielekonsolen sowie bei integrierten Schaltkreisen vor dem Einbau (§ 13b Abs. 5 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 Nr. 10 UStG). Wenn Sie also Umsätze mit solchen Geräten machen, tragen Sie die Umsätze in Zeile 39 ein.

Zeile 40: übrige steuerpflichtige Umsätze, für die der Leistungsempfänger die Steuer schuldet 

Auch hier geht es um die Fälle, bei denen sich die Steuerschuld verlagert auf den Empfänger, zum Beispiel bei Bauleistungen oder der Reinigung von Gebäuden. (Die Einzelfälle werden in § 13b Abs. 5 UStG aufgelistet.) In der Zeile 40 geht es allerdings nur um Geschäfte innerhalb von Deutschland, auf die das zutrifft.

Zeile 41: nicht steuerbare sonstige Leistungen

Wenn Sie mit sonstigen Leistungen in einem anderen EU-Land Umsätze machen, muss zwar der Empfänger die Umsatzsteuer zahlen, dennoch müssen Sie die Entgelte dafür in Zeile 41 angeben (§ 18b Satz 1 Nr. 2 UStG).

Zeile 42: übrige nicht steuerbare Umsätze

Hier geht es um Sonderfälle. Immer dann wenn Sie Umsätze im Ausland machen, die in Deutschland der Umsatzsteuer unterlägen, müssen Sie diese hier eintragen. Hier geht es ausdrücklich nicht um die Art von Umsätzen, die Sie in den Zeile 38 bis 41 angeben müssen.

4. Leistungsempfänger als Steuerschuldner

Auch in den Zeilen 46 bis 54 geht es um die Fälle, in denen der Empfänger einer Leistung oder Lieferung die Umsatzsteuer zahlen muss.

Zeile 48: steuerpflichtige sonstige Leistungen im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmers

Werden Umsätze nicht mit einem Gegenstand gemacht, dann liegt eine sonstige Leistung vor. Wenn Sie eine solche sonstige Leistung von einem Unternehmen aus einem anderen EU-Land empfangen und diese Leistung in Deutschland umsatzsteuerpflichtig ist, dann tragen Sie den Netto-Betrag dafür in Zeile 48 ein. Zu den sonstigen Leistungen zählen zum Beispiel Konstruktionszeichnungen und Pläne oder Spezialsoftware, die nach den Wünschen des Kunden programmiert wurde.

Zeile 49: Andere Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers

Hier geht es speziell um Werklieferungen eines ausländischen Unternehmers  (§ 13b Abs. 2 Nr. 1  UStG). Bei Werklieferungen handelt es sich um eine Mischung aus einer Lieferung und einer sonstigen Leistung. Immer dann, wenn ein Unternehmer einen Gegenstand be- oder verarbeitet und dabei Stoffe verwendet, die er selbst beschafft hat, ist das eine Werklieferung.  Wenn Sie zum Beispiel eine niederländische Firma beauftragen, einen Teppich in Ihrem Büro zu verlegen, dann ist das eine Werklieferung. In diesem Fall müssen Sie und nicht die niederländische Firma die Umsatzsteuer zahlen. Außerdem müssen hier Umsätze angegeben werden aus der Lieferung von Gas, Elektrizität, Wärme oder Kälte. Details hierzu finden Sie in  § 3g Absatz 1 Satz 1.

Zeile 50: Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände und Umsätze, die unter das GrEStG fallen

In dieser Zeile geht es gleich um zwei Dinge.

  1. Sicherungsübereignete Gegenstände: Dabei handelt es sich im Grunde um ein Pfand. Ein Beispiel: Das Unternehmen Schmidt finanziert einen Firmenwagen über eine Bank. Schmidt ist dann der Sicherungsgeber und die Bank der -nehmer. Damit die Bank sichergehen kann, dass sie dabei nicht auf den Kosten sitzen bleibt, überträgt die Firma Schmidt das Eigentum an dem Wagen auf die Bank. Der Wagen ist dann der sicherungsübereignete Gegenstand.
  2. Umsätze, die unter GrEStG fallen: GrEStG ist das Grunderwerbsteuergesetz, es geht also um Lieferungen von Grundstücken. 

Zeile 51: Lieferungen von Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern, Spielkonsolen und ingetrierten Schaltkreisen

Wenn Sie einen dieser Gegenstände kaufen, schulden Sie die Umsatzsteuer und nicht der Verkäufer. Näheres finden Sie in Paragraf § 13b Abs. 2 Nr. 10.

Zeile 52: andere Leistungen, bei denen der Empfänger die Steuer zahlt

Hier geht es etwa um Bauleistungen, die Reinigung von Gebäuden, die Lieferung von Erdgas, Elektrizität, Silber und Aluminium. Erwerben Sie solche Leistungen, schulden Sie die Umsatzsteuer, nicht der Verkäufer. Details dazu finden Sie im § 13b Abs. 2 Nr. 4, 5 Buchstabe b, Nr. 6 bis 9 und 11.

Zeile 53: Steuern infolge Wechsels der Besteuerungsform sowie Nachsteuer auf versteuerte Anzahlungen

Immer wenn Sie die Besteuerungsform wechseln, müssen Sie die dann anfallenden Steuer hier eintragen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie von der Regelbesteuerung zur Kleinunternehmerbesteuerung (oder umgekehrt) wechseln. Eventuell müssen Sie dann Steuern nachzahlen oder es werden Ihnen schon gezahlte angerechnet.

5. Abziehbare Vorsteuerbeträge

Immer dann, wenn Sie als Unternehmer eine Lieferung oder Leistung erwerben, wird Ihnen die Umsatzsteuer dafür in Rechnung gestellt. Diese wird auch als Vorsteuer bezeichnet. Diese Vorsteuer können Sie als Unternehmer in die Zeilen 55 bis 63 eintragen. Dann wird sie von der Umsatzsteuer abgezogen, die Sie selbst bei anderen in Rechnung gestellt haben. Allerdings können Sie nur die Vorsteuern abziehen, die nach dem deutschen UStG anfallen. Wenn Sie nur Lieferungen und Leistungen in Deutschland erworben haben, brauchen Sie meist nur die Zeile 56 ausfüllen (siehe oben). Auf dem Voranmeldungs-Formular werden die Vorsteuern aber noch wie folgt unterschieden:

Zeile 56: Vorsteuer aus innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften

Hier geht es um Geschäfte, bei denen Liefergegenstände von einem EU-Land in ein anderes befördert oder versendet werden und daran drei Unternehmer beteiligt sind. Wenn Sie der letzte Abnehmer sind, können Sie die Vorsteuer dafür in diesem Feld angeben und abziehen lassen.

Zeile 57: Vorsteuerbeträge aus dem innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen

Wenn Sie als deutscher Unternehmer etwas im EU-Ausland kaufen, können Sie die dafür gezahlte Vorsteuer hier eintragen.

Zeile 58: entstandene Einfuhrumsatzsteuer (15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG)

Wenn Sie für Ihr Unternehmen Gegenstände aus einem Drittland, also aus einem Land außerhalb der EU, beziehen, müssen Sie darauf eine Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Diese können Sie hier eintragen.

Zeile 59: Vorsteuerbeträge aus Leistungen im Sinne des § 13 b UStG

Normalerweise schuldet der Unternehmer, der eine Leistung erbringt, die Umsatzsteuer. In manchen Fällen ist es umgekehrt. Das ist etwa der Fall, wenn ein freiberuflicher Webdesigner aus dem EU-Ausland für Sie arbeitet. Dieser muss dann auf seiner Rechnung darauf hinweisen, dass die Steuer vom Leistungsempfänger, also von Ihnen, geleistet wird. Man spricht hier auch vom „reversed charge“. Diese Art der Steuer können Sie hier angeben.

Zeile 60: Vorsteuerbeträge, die nach allgemeinen Durchschnittssätzen berechnet sind

Um das Steuerverfahren zu vereinfachen, gibt es für bestimmte Unternehmergruppen, die nicht verpflichtet sind, Buch zu führen, und deren Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr unter 61.356 Euro lag, Durchschnittssteuersätze. Welche Unternehmen das im Einzelnen sind und welcher Durchschnittssatz für sie gilt, wird in den Anlagen des § 69 UStDV aufgelistet. Dieser Durchschnittssteuersatz wird dann in Zeile 60 eingetragen.

Zeile 61: Berichtigung des Vorsteuerabzugs (§ 15aUStG)

Immer dann, wenn sich die tatsächliche Verwendung eines Wirtschaftsgutes ändert, das Sie bezogen haben und auf das Vorsteuern entfielen, müssen Sie dies hier angeben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie Räume an einen Arzt vermieten, der nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Kündigt der Arzt und es zieht ein anderes, umsatzsteuerpflichtiges Unternehmen ein, hat sich die Verwendung des Wirtschaftsgutes geändert.

Zeile 62: Vorsteuerabzug für innergemeinschaftliche Lieferungen neuer Fahrzeuge außerhalb eines Unternehmens (§ 2a UStG) sowie von Kleinunternehmen

Die Umsatzsteuer für neue Fahrzeuge soll grundsätzlich im Bestimmungsland anfallen. Deswegen ist die Lieferung von Fahrzeugen immer von der Umsatzsteuer befreit, der Erwerb hingegen immer steuerpflichtig. Ob Sie dabei als Privatperson oder Unternehmer auftreten, spielt keine Rolle. Welcher Vorsteuerbetrag muss dann hier eingetragen werden, wenn die Lieferung steuerfrei ist? Die Industrie- und Handelskammer Nürnberg hat dazu ein Infoblatt zusammengestellt.

Zeile 63: verbleibender Betrag

Dies ist der Betrag, der übrig bleibt, wenn Ihre Vorsteuerabzüge mit der von Ihnen geschuldeten Umsatzsteuer verrechnet werden.

Zeile 64: andere Steuerbeträge

Hier geht es um besondere Tatbestände bei der Umsatzsteuer:

  • Wenn Sie etwa in einer Rechnung fälschlich einen höheren Steuerbetrag angegeben haben als gesetzlich vorgesehen, müssen Sie den Mehrbetrag hier eintragen. (§ 14c UStG)
  • Auch wenn Sie unberechtigterweise die Umsatzsteuer auf Ihrer Rechnung angegeben haben, müssen Sie diesen Betrag hier eintragen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie vom Finanzamt als Kleinunternehmer eingeordnet wurden. Als solcher dürfen Sie auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen. (§ 14c UStG)
  • Bestimmte Waren (zum Beispiel Kartoffeln, Oliven, Kakao, Mineralöle, Nickel, Blei und Zink) können Sie so einlagern, dass keine Umsatzsteuer abgerechnet werden muss. Das sind dann sogenannte Umsatzsteuerlager. Sollten Sie mit Umsatzsteuerlagern zu tun haben, ist es sinnvoll, sich an einen Steuerberater zu wenden.

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