Arbeitsbelastung 7 Warnsignale, dass Ihr Mitarbeiter überarbeitet ist

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Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen, dass Ihre Mitarbeiter vor Erschöpfung umfallen - achten Sie auf die Warnsignale für hohe Arbeitsbelastung.

Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen, dass Ihre Mitarbeiter vor Erschöpfung umfallen - achten Sie auf die Warnsignale für hohe Arbeitsbelastung. © kallejipp / photocase.de

"Ich kann nicht mehr!" Nur wenige Mitarbeiter sagen so frei heraus, wenn sie sich der Arbeitsbelastung nicht gewachsen fühlen. Chefs, die diese Warnsignale im Blick haben, können dennoch rechtzeitig gegensteuern.

Wer will das nicht: ein guter Chef sein? Einer, dem die Mitarbeiter vertrauen. Für den sie gerne arbeiten – und für den sie sich deshalb richtig reinhängen. Einer, der weiß, wie er sein Team zu Höchstleistungen anspornt. Aber auch einer, der merkt, wenn einer seiner Leute nicht mehr kann.

Und doch gerät die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter im Alltag allzu schnell aus dem Blick. Dabei ist Überarbeitung laut dem Gesundheitsmonitor von Bertelsmann Stiftung und Barmer weit verbreitet: Bei der Befragung im Jahr 2015 gaben 42 Prozent der Erwerbstätigen an, ihr Arbeitsumfeld sei durch steigende Leistungs- und Ertragsziele geprägt. Jeder Dritte wisse demzufolge nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche bewältigen solle.

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Das gilt insbesondere für stille, fleißige Teamkollegen, die alle aufgetragenen Aufgaben klaglos und zuverlässig erledigen und denen deshalb jeder gern noch was auf den Tisch packt: Keiner merkt was, bis die Unermüdlichen mit einem Burnout ausfallen – oder frustriert kündigen. Nur wer die Überarbeitung eines Mitarbeiters rechtzeitig erkennt, kann umsteuern: etwa durch Umverteilung von Aufgaben, entlastende Gespräche mit dem Betroffenen oder angepasste Zielvereinbarungen.

Doch woran merkt man, dass ein Mitarbeiter an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gerät? Das Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (psyGA) des Dachverbands der Betriebskrankenkassen nennt unter anderem folgende Anzeichen für Überarbeitung und psychische Belastung:

1. Er ist dauernd müde.

Wenn Ihr Mitarbeiter mit dunklen Ringen unter den Augen auftaucht, ständig verstohlen gähnt oder morgens regelmäßig verschläft und zur spät zu Arbeit kommt, könnte Überarbeitung dahinterstecken. Denn Dauerstress laugt den Körper geistig und körperlich aus – und kann zudem auch Schlafstörungen verursachen: Das Gefühl, die Arbeit nicht zu schaffen, raubt vielen den Schlaf.

2. Er streitet sich wegen Kleinigkeiten mit Kollegen.

Ihr sonst immer so ausgeglichener Mitarbeiter geht schon bei kleinsten Meinungsverschiedenheiten in die Luft? Auch hierfür könnte Überarbeitung verantwortlich sein. Denn auf Stress reagiert der Körper mit einem uralten Mechanismus: Kampf oder Flucht. Und weil Weglaufen im Job nicht in Frage kommt, stellt Ihr Mitarbeiter die Stacheln auf. PsyGA spricht in diesem Zusammenhang von verändertem Sozialverhalten, übermäßiger Gereiztheit und Ungeduld.

3. Er braucht für seine Aufgaben länger als sonst.

Vom Leistungsträger zum Bremser: Erledigt ein Mitarbeiter selbst Routineaufgaben nur noch im Schneckentempo und reißt eine Deadline nach der anderen, ist womöglich nicht mangelnde Motivation der Grund, sondern Überarbeitung. Kein Wunder: Wer ständig unter Strom steht und eine ellenlage To-Do-Liste im Hinterkopf hat, kann kaum klar denken.

4. Er macht freiwillig Überstunden.

Geht einer Ihrer Mitarbeiter regelmäßig als letzter nach Hause, obwohl Sie gar keine Überstunden angeordnet haben, ist das ein Warnsignal für Überarbeitung: Er hat offenbar Angst, sein Pensum in seiner regulären Arbeitszeit nicht zu schaffen.

5. Er macht mehr Fehler.

Ein überarbeiteter Mitarbeiter merkt häufig selbst, dass er unkonzentrierter und langsamer arbeitet als sonst und immer mehr Arbeit liegen bleibt. Ein Teufelskreis, denn dieses Wissen setzt den Betroffenen nur noch mehr unter Druck. Die Folge: Er wird konfus und fahrig; Fehler häufen sich. Die Punkte 3 bis 5 fasst psyGA unter „auffällige Leistungseinbußen“ zusammen.

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6. Er sieht schwarz.

„Wie sollen wir das auch noch schaffen?“ – „Das klappt doch niemals!“ Solche Äußerungen – psyGA nennt sie „allgemeine Negativ-Sicht der Dinge“ – sind typisch bei Überarbeitung. Betroffene Mitarbeiter sehen überall Probleme und unüberwindbare Hindernisse und beteiligen sich nicht daran, Lösungen zu entwickeln.

7. Er meldet sich häufig krank.

Spätestens wenn sich Ihr Mitarbeiter auffallend oft krankmeldet, sollten die Alarmglocken schrillen. Vielleicht feiert Ihr Mitarbeiter krank, weil er keine Lust auf den Stress im Job hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass er wirklich krank ist: Dauerstress kann beispielsweise auf den Magen schlagen oder anfälliger für Infekte machen. Aber auch „ständiges Klagen über körperliche Beschwerden, für die der Arzt keine Ursache findet“ kann laut PsyGA ein Anzeichen für psychische Belastung sein.

1 Kommentar
  • Lauble Karl-Heinz 13. Januar 2017 12:24

    Die Überarbeitung kommt sehr oft durch mangelnde Bürogestaltung. Die Sensibilität für Belastungsfaktoren im Büro ist gewachsen.
    Wer konzentriert arbeiten will, reagiert hochsensibel auf alles, was ihn ablenkt oder stört. Im Büro behindern aber nicht nur Gespräche anderer das konzentrierte Arbeiten. Lärm von Geräten oder von au­ßen, sauerstoffarme Luft, penetrante Gerüche, Schadstoffe, extreme Raumtemperaturen, zu helle oder zu dunkle Beleuchtung, Blendung oder Reflexion, am Arbeitsplatz vorbeilaufende Personen, ein unbe­quemer Stuhl, ein einzwängender Arbeitsplatz, ein mit Akten übersäter Tisch -all das sind Arbeitsbedingungen, die der Konzentration kaum eine Chance geben. Tagtäglich kämpfen Beschäftigte in vielen Büros ihren Kampf gegen belastende Störeinflüsse. Einen Kampf, den sie nicht gewinnen, sondern nur verlieren können, und den sie nicht selten mit ihrer Gesundheit bezahlen. Stressbedingte Herz­ Kreislauf-Erkrankungen, langwierige Leiden des Bewegungsappa­rates oder Neurosen sind bei Büroangestellten überdurchschnittlich häufig.

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