Destruktive Kritik 10 Sätze, die in Ihrer Kritik nichts zu suchen haben
Destruktive Kritik kann wie ein Schlag mit dem Hammer sein: Sie zerstört viel, führt aber nicht ans Ziel.

Destruktive Kritik kann wie ein Schlag mit dem Hammer sein: Sie zerstört viel, führt aber nicht ans Ziel.© Marie Maerz / photocase.de

Wenn Mitarbeiter Fehler machen, sind klare Worte des Chefs nötig. Destruktive Kritik jedoch hilft nicht - im Gegenteil: Wer keine Eskalation riskieren möchte, sollte sich diese Aussagen verkneifen.

Fehler passieren – auch Ihren Mitarbeitern. Da ist es nur menschlich, dass Sie sich als Chef ärgern, wenn im Unternehmen etwas schief gegangen ist und ein Mitarbeiter durch ein Fehlverhalten der Firma womöglich Schaden zugefügt hat. In einer solchen Situation ist ein Gespräch nötig, in dem Sie den Vorfall offen ansprechen. Denn nur so stellen Sie sicher, dass sich der Fehler nicht wiederholt.

Entscheidend ist jedoch, dass Ihre Kritik den Mitarbeiter erreicht: Fühlt er sich angegriffen oder gedemütigt, schaltet er auf Durchzug. Oder Ihre Kritik ist destruktiv und verunsichert den Mitarbeiter so sehr, dass er beim nächsten Mal erst recht versagt. Im ersten Moment mag es eine Genugtuung sein, den Schuldigen runterzuputzen und ihm seine Fehler um die Ohren zu hauen – zum Ziel führt es aber nicht. Deshalb sollten Sie die folgenden Äußerungen in Ihrem Feedbackgespräch unbedingt vermeiden.

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„Sie sind unfähig!“

Variante: „Sie sind faul.“

Alle Sätze, die mit „Sie sind“ anfangen, stempeln den Menschen insgesamt ab, statt seine Leistung zu bewerten. Denken Sie daran: Ihr Mitarbeiter hat etwas falsch gemacht – doch das heißt nicht, dass er nichts kann. Beschränken Sie sich in Ihrer Kritik daher auf die Sache.

„Immer …“

Variante: „Nie …“

Sätze, die mit „immer“ oder „nie“ anfangen, enthalten Verallgemeinerungen. Wer einen Mitarbeiter mit einem solchen Vorwurf konfrontiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn dieser die Aussage empört zurückweist: Garantiert ist sie in ihrer Absolutheit falsch! Und wenn der Fehler tatsächlich immer wieder passiert? Auch wenn Ihr Ärger in diesem Fall verständlich sein mag: Nennen Sie auch in dieser Situation konkrete Beispiele, statt zur Pauschalkeule zu greifen.

„Das ist ja mal wieder typisch.“

Ebenso wie mit „Sie sind“-Sätzen urteilen Sie mit solchen Äußerungen über den Charakter des Mitarbeiters. In Kombination mit „mal wieder“ wird die Äußerung besonders toxisch: Denn wie „Immer“- oder „Nie“-Sätze verallgemeinert sie und verzichtet auf konkrete Beispiele.

„Das hab‘ ich Ihnen schon tausendmal gesagt.“

Wirklich – tausendmal? Mit solchen Übertreibungen provozieren Sie Widerspruch. Bleiben Sie bei der Wahrheit!

„Wie konnte Ihnen das nur passieren?“

Varianten: „Was haben Sie sich nur dabei gedacht?“, „Sind Sie verrückt geworden?“, „Was können Sie eigentlich?“

Fragen wie diese sind Scheinfragen: Fragen, deren Antwort uns in Wahrheit überhaupt nicht interessiert. Wie alle Scheinfragen enthalten sie verkappte Vorwürfe – und als solche wird Ihr Gegenüber sie auch erkennen und sich angegriffen fühlen. Die Eskalation ist programmiert.

„Sie könnten ruhig mal besser aufpassen.“

Ein Scheinvorschlag, der ebenso wie die Scheinfrage einen verkappten Vorwurf enthält. Verstecken Sie sich nicht hinter solchen passiv-aggressiven Äußerungen!

„Das ist alles Ihre Schuld.“

Schuldzuweisungen rufen bei Ihrem Mitarbeiter Verunsicherung, schlechtes Gewissen oder Abwehr hervor. Der Lösung des Problems bringen sie Sie aber keinen Schritt näher.

„Na toll.“

Variante: „Das haben Sie ja mal wieder toll hingekriegt.“

Wer diesen Satz benutzt, findet die Situation in Wahrheit ganz und gar nicht toll. Ironie ist jedoch in einem Krisengespräch absolut fehl am Platze. Sie trägt nicht dazu bei, den Fehler in Zukunft zu vermeiden.

„Sie sind wohl überfordert.“

Dieser Satz ist womöglich gar nicht böse gemeint – und doch wird Ihr Mitarbeiter ihn als Vorwurf auffassen. Konstruktive Kritik formulieren Sie mit Ich-Botschaften und verbinden Sie mit einem Lösungsangebot, etwa so: „Ich habe den Eindruck, dass Sie Hilfe brauchen, um das Problem zu lösen. Was kann ich tun, um Ihnen zu helfen?“

„Sie halten jetzt den Mund und hören zu!“

Variante: „Wagen Sie es nicht zu widersprechen!“

Menschen, die kritisiert werden, haben das Bedürfnis, sich zu verteidigen. Daher sollten Sie Ihrem Mitarbeiter die Gelegenheit geben, auf Ihre Kritik zu reagieren und den Vorfall aus seiner Sicht zu schildern – selbst dann, wenn Sie die Schuldfrage für geklärt und weitere Diskussionen für Zeitverschwendung halten.

Wer in einer Konfliktsituation die Chef-Karte spielt und seinem Mitarbeiter den Mund verbietet, zerstört das Vertrauensverhältnis womöglich für immer.

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7 Kommentare
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    Tom Gerhardt 12. Mai 2020 07:41

    Was mir bei den vielen Personalführungs-ABC’s fehlt, ist die regionale Sprache. Oft sind es regionale Sprachgewohnheiten die Menschen verbindet. Die Bewertung von vielen fast anstößigen Worten ist sehr unterschiedlich. Das ist mir besonders bei Dienstreisen quer durch Deutschland aufgefallen. Es wirkt dennoch oft unecht und gekünstelt, wenn man nach den vielen ABC-Regeln anfängt zu sprechen und sich damit automatisch über das Team stellt, nur weil man unbedingt dieses und jenes Wort nicht verwenden wollte. Etwas mehr zuhören und verstehen oder hinterfragen kitzelt da mehr Offenheit und Zusammengehörigkeit heraus. Auf jeden Fall bin ich immer wieder für diese tollen Denkanstöße offen und reflektiere diese gern mit mir selbst.
    Danke

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    Thomas Serrano 9. Mai 2020 15:46

    Guter Artikel:
    Eigentlich ist es ja klar. Wir behandeln unsere Mitmenschen so, wie wir selber gerne behandelt werden möchten. Leider fallen wir gelegentlich doch ab und zu wieder rein. Deshalb ist es gut sich immer wieder mit der Gesamtkomplexität des Führen und Coaching auseinander zu setzten.

    [Link entfernt – bitte beachten Sie unsere Netikette. MfG die Redaktion]

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    Guido Noelle 8. Mai 2020 17:09

    Die beste Kritik ist gar keine. Wir kritisieren weil wir uns in der Zukunft Besserung wünschen. Kritik zielt aber immer auf etwas Vergangenes ab.
    Versucht es mal mit „ich wünsche mir“ … wer kann schon einen Wunsch ablehnen …

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    An 5. Mai 2020 14:19

    Es geht einfach darum, dass man ohne An- und Beschuldigungen, Schuldzuweisungen etc arbeiten sollte, sonst vergeudet man die Zeit auf Esels-suche. Anstatt den Schuldigen zu suchen oder beleidigen, gleich zum Problemlösung kommen.

    Ich dachte früher als ich Kind war, dass man als Erwachsene sowas nicht macht, mit kommenden Alter ist es mir aufgefallen, dass genau die Erwachsene viel mehr es machen, anstatt gleich zum Problemlösung kommen.

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    Qualitätskommentator 5. Mai 2020 10:07

    @Kuddel Dreyer
    Zum richtig Führen gehört sich in den anderen hineindenken können, zumindest etwas Mitgefühl zeigen, und positiv denken/formulieren. Beispielsweise statt „In X sind sie schlecht“ einfach „In X sind sie noch steigerungsfähig“. Ziel ist ja das alle in der Firma/Abteilung/Gruppe gut zusammenarbeiten sollen und dazu gehört ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

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    Streiffli 5. Mai 2020 09:58

    Zyniker wirken ebenfalls destruktiv.

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    Kuddel Dreyer 22. Januar 2020 17:20

    Da hätte ich jetzt drei Tage drüber nachgedacht und wäre nicht darauf gekommen

    Vielleicht mal eine Kindergartenerziehungsfachkraft fragen, wie richtig „erziehen“ oder „führen“ geht?

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