Richtig streiten Wenn’s mal kracht: 7 Regeln für einen konstruktiven Streit

Streit muss nicht immer destruktiv sein. Richtig geführt kann er sogar äußerst konstruktiv sein.

Streit muss nicht immer destruktiv sein. Richtig geführt kann er sogar äußerst konstruktiv sein.© youngID / DigitalVision Vectors / Getty Images

Streit ist nicht immer gern gesehen. Dabei kann er gerade in Unternehmen helfen, Lösungen zu finden, die alle nach vorne bringen – solange er konstruktiv geführt wird. Diese sieben Regeln helfen.

Fliegen bei Ihnen im Unternehmen manchmal richtig die Fetzen, wenn verschiedene Meinungen aufeinanderprallen? Gut! Offenbar sind Ihre Mitarbeiter mit Herzblut bei der Sache.

Streit wird oft als Harmonie- und Konsenskiller verteufelt. Dabei können zu viel Harmonie und Konsens auch Ausdruck einer Mir-doch-egal-Stimmung im Team sein, ein Symptom für einen Mangel an Enthusiasmus. Der amerikanische Journalist und Autor Walter Lippmann hat es mal so formuliert: „Wo alle das Gleiche denken, denkt keiner viel.“

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Warum also nicht Streit als etwas Positives verstehen? Eine konstruktive Streitkultur, so glauben etwa Forscher vom Institut für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement (IWM), sei ein wesentlicher Faktor für Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmenserfolg. Doch Streit ist nicht gleich Streit. Einfach nur die Ellbogen ausfahren und lospoltern, führt mit Sicherheit nicht zur allseitigen Zufriedenheit. Soll er konstruktiv sein, müssen sich alle an ein paar Regeln halten:

1. Aus der Deckung locken

Streit mag ja sinnvoll sein, aber was passiert, wenn keiner Lust hat zu streiten? Wenn bei einem Meeting alle nur mit gesenkten Köpfen auf ihren Stühlen sitzen, den Zustand ihrer Fingernägel begutachten oder ihre Blicke nicht von ihren Unterlagen lösen? Psychologe und Management-Coach Heinz Becker beschreibt in seinem Buch „Unternehmen brauchen Streitkultur“ unter anderem, wie Chefs Mitarbeiter aus der Deckung locken können.

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Laut Becker sei es normal, dass die meisten Diskussionen mit Verlegenheit beginnen. Führungskräfte dürften dann nicht ungeduldig werden, sollten die Ruhe bewahren, scherzhafte Fragen stellen wie: „Wer hat Lust, den ersten Stein zu werfen?“ Früher oder später komme jemand aus der Deckung, ist er sich sicher. Ansonsten helfe es, in die Runde zu schauen und einen Teilnehmer auszuwählen, der dem Blick nicht ausweicht. Das sei meist derjenige, der was sagen möchte, aber nur noch einen kleinen Schubs brauche, um den Stein in Rollen zu bringen.

2. Im Hintergrund bleiben

Sich gegen den Chef in einer Diskussion aufzulehnen, fällt Mitarbeitern oft schwer. Gerade deshalb empfiehlt Becker Führungskräften, sich mit ihrer eigenen Meinung eher zurückzuhalten. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass konfliktscheue Teilnehmer ihre „Fahne in den Wind hängen“, statt ihren eigenen Standpunkt zu vertreten.

3. Ermutigen

Nicht wenige Mitarbeiter kostet es Überwindung, im Streit offensiv ihren Standpunkt zu vertreten. Das ist harte Arbeit. Loben Sie also jeden, der sich die Mühe macht.

4. Chaos zulassen

In Diskussionen prallen nicht nur Meinungen aufeinander, mitunter kochen auch Emotionen hoch und es wird ordentlich Dampf abgelassen. Der Management-Berater rät, dies ruhig zuzulassen und eben nicht um Ruhe und Ordnung zu bitten. Becker ist überzeugt: „Erst das Ringen miteinander bildet die Gemeinschaft und stellt die Tragfähigkeit der Beschlüsse her.“ Es gehe ja gerade ums Sich-Zusammenraufen.

5. Auf der Sachebene bleiben

Gerade wenn in hitzigen Debatten die Emotionen überkochen, wird aus einer Diskussion um einen Sachverhalt schnell ein Zwist auf persönlicher Ebene. Das ist der Todesstoß für jeden konstruktiven Streit, denn dann geht es nicht mehr um eine neue Idee oder um die Lösung für ein Problem, sondern allein darum, den Diskussionsgegner niederzumachen. Eine Regel für jeden guten Streit sollte darum sein: Sobald Argumente die Sachebene verlassen oder Sätze fallen wie „Sie sind so ein Schwarzseher!“ oder „Sie haben doch überhaupt keine Ahnung!“, sollte man die Diskussion beenden oder versuchen, wieder alle auf den richtigen Pfad zu bringen.

Becker gibt noch einen weiteren Tipp für emotional aufgeladene Diskussionsphasen: Bitte keine Ironie und Sarkasmus! „Es handelt sich dabei um Spott, der wie eine Tarnkappe Ärger oder Bitterkeit verbirgt.“ Er hindere Menschen daran, sich zu einigen.

6. Konsens nicht zum Ziel erheben

Wollen Sie nur Ja-Sager und Harmonie-Versessene um sich scharen, die aus Bequemlichkeit jede Entscheidung in der Firma mit einem Nicken quittieren? Oder wollen Sie Mitarbeiter, die mitdenken und für eigene Ideen einstehen? Geht es Ihnen um Letzteres, dann sollte das Ziel einer Diskussion nicht auf Teufel komm raus der Konsens sein. Denn sonst lenken irgendwann alle erschöpft ein, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Sehen Sie einen Streit als Wettbewerb um die beste Idee oder Lösung an. Bei einem Wettbewerb gibt es nur einen Gewinner – aber bis die Entscheidung fällt, durfte jeder mitmachen. Und darum geht es unter anderem: ihren Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass ihre Meinung wichtig ist – egal ob sie sich mit ihren Argumenten durchsetzen konnten oder nicht.

7. Meinungen bitte unterfüttern

Bei einem Streit dürfen Meinungen aufeinanderprallen. Soll er konstruktiv sein, sollte aber jeder, der seine Meinung kundtut, sie auch mit Daten und Fakten unterfüttern können.

Zum Beispiel: „Herrn Meyers Vorschlag, Social Media fürs Marketing zu nutzen, finde ich blöd“ – das ist eine klare Meinung, aber kein konstruktives Argument. Konstruktiv wäre: „Social Media fürs Marketing zu nutzen, stelle ich mir schwierig vor, weil uns dafür das Know-how fehlt und wir extra jemanden einstellen müssten.“

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