Stressprävention am Arbeitsplatz So schützen Sie Ihre Mitarbeiter vor Stress

Diese junge Frau scheint nicht mehr zu wissen, wo ihr der Kopf steht. Wenn Ihre Mitarbeiter ein ähnliches Bild am Arbeitsplatz abgeben, hat die Stressprävention im Unternehmen versagt.

Diese junge Frau scheint nicht mehr zu wissen, wo ihr der Kopf steht. Wenn Ihre Mitarbeiter ein ähnliches Bild am Arbeitsplatz abgeben, hat die Stressprävention im Unternehmen versagt.© inkje / photocase.de

Gestresste Mitarbeiter sind weniger kreativ, fallen öfter krank aus - und machen schlimmstenfalls nur noch Dienst nach Vorschrift. Was können Chefs dagegen tun? 10 Tipps für die Stressprävention am Arbeitsplatz.

Arbeitsabläufe optimieren

Ist Zeitdruck bei Ihnen der Normalzustand? Müssen einzelne Mitarbeiter viele verschiedene Aufgabenbereiche abdecken? Sind manche Aufgaben extrem komplex oder sehr einseitig?

Belastung durch einseitige Tätigkeit kann manchmal durch Job-Rotation verringert werden. Mitarbeiter mit komplexen oder vielen verschiedenen Aufgaben benötigen vielleicht Ihre Unterstützung, um klare Prioritäten zu setzen.

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Störungsfreie Zeiten einrichten

Ein Stressor im modernen Arbeitsalltag ist die ständige Unterbrechung: Eigentlich hätte man für die Lektüre des Projektantrages nur 40 Minuten gebraucht – aber durch häufige Störung ist man bis mittags noch nicht fertig. Das stresst.

Störungsfreie Zeiten, die im Team abgesprochen und akzeptiert werden, können helfen. Gehen Sie mit gutem Vorbild voran: Richten Sie Zeitfenster des ungestörten Arbeitens ein. Zum Beispiel eine „Stille Stunde“, die in Ihrem Terminkalender blockiert ist, und in der Sie sich ungestört mit einer wichtigen Aufgabe beschäftigen.

Ansprechbar sein

Wenn Sie frühzeitig mitbekommen, dass Ihre Mitarbeiter überfordert oder belastet sind, können Sie zeitnah mit dem Betroffenen eine praktikable Lösung erarbeiten – und eine Menge Stress, Fehler und Unmut vermeiden.

Gerade in Unternehmen, in denen sich Prioritäten häufig verschieben oder Zielvorgaben aus verschiedenen Bereichen sich widersprechen können, ist diese Art von Klärungsbedarf enorm gestiegen. Deshalb: Seien Sie offen und ansprechbar für Probleme. Tipp: Falls Sie selbst oft nicht ansprechbar sind, richten Sie Sprechzeiten ein.

Arbeitsumfeld gesund gestalten

Wie sind die Bildschirmarbeitsplätze gestaltet? Wie hoch ist die Lärmlast? Funktioniert die Klimaanlage? Wird eine Mittagspause gemacht oder isst die halbe Belegschaft vor dem Computer? Die Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld entscheidet maßgeblich, ob in Ihrer Abteilung der Stress eher hoch oder niedrig ist.

Tipp: Binden Sie Ihr Team in die Verbesserungen ein. Sie könnten zum Beispiel eine Teamsitzung zum Thema „Wie können wir unsere Gesundheit im Arbeitsalltag fördern?“ machen – und dort auch festlegen, wer sich um welches Thema kümmern möchte.

Der E-Mail-Flut begegnen

Die Informationsflut am Arbeitsplatz macht den Beschäftigten immer häufiger enormen Druck. 150 dringlich aussehende E-Mails im Posteingang sind keine Seltenheit.

Deshalb sollte es möglichst klare Absprachen zum E-Mail-Management geben, die die Mitarbeiter entlasten: Wie kann der Austausch im Team und innerhalb der Abteilung, aber auch der Austausch mit dem Kunden auf ein sinnvolles Maß begrenzt werden? Welche Rundmails, Protokolle und Memos sollte wer lesen – und wer nicht? Ist man verpflichtet, jede E-Mail sofort zu bearbeiten?

Ein erster Schritt könnte eine moderierte Teamsitzung sein, in der die Schwierigkeiten mit der Infoflut gesammelt – und in Kleingruppen erste Schritte der Veränderung erarbeitet werden.

Konflikte aktiv angehen

Es wird immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen einzelnen Mitarbeitern geben oder auch Unzufriedenheiten mit Ihrem Führungsstil. Zeigen Sie, dass Sie auch für kritische Anmerkungen und Konflikte ein offenes Ohr haben – und suchen Sie gemeinsam mit den Betroffenen nach praktikablen Lösungen. Unter den Tisch gekehrte Konflikte können eine enorme Sprengkraft entwickeln – von Mobbing bis innere Kündigung.

Offen, ehrlich und transparent kommunizieren

Offene Kommunikation ist nicht nur Zeichen von Beteiligung, sondern sichert entscheidend die Qualität der Arbeit. Vor allem in Zeiten der Veränderung sind Ehrlichkeit und Transparenz angesagt.

Schlechte Nachrichten kann man nicht vermeiden: Eine Deadline ist vorverlegt, ein Projekt gekippt, Mitarbeiter werden entlassen. Besonders empfindlich reagieren Beschäftigte auf Neuigkeiten über Veränderungen im Unternehmen, wenn sie diese über den Flurfunk erfahren. Achten Sie deshalb darauf, dass relevante Informationen ohne Verzögerung bei Ihren Mitarbeitern ankommen.

So vermeiden Sie, dass Mitarbeiter durch Gerüchte, Unsicherheit oder versteckte Wut wochenlang gelähmt sind. Bleiben Sie ansprechbar und zeigen Sie Verständnis – auch, wenn die Beschäftigten Kritik äußern. Bedenken Sie: Die Kritik richtet sich nicht an Sie als Person, sondern an Sie in Ihrer Rolle als Vertreter der Geschäftsleitung.

Als Chef sichtbarer werden

Viele Führungskräfte haben das Gefühl, nicht genug Kontakt und Austausch mit den Mitarbeitern zu haben. Häufig liegt der Anteil der aktiven Mitarbeiterführung, bezogen auf den Gesamtjob, nur bei 20 Prozent. Meist fehlt schlicht die Zeit.

Ein Gedankenexperiment kann helfen: Was würden Sie anders machen, wenn Sie 50 Prozent Ihrer Zeit auf die aktive Mitarbeiterführung verwenden könnten? Mehr Zeit für Entwicklungsgespräche? Ein persönliches „Guten Morgen“?

Überlegen Sie, welche Idee am wenigsten Zeitaufwand bedeutet – und fangen Sie an. Sie werden merken: Wenn Sie einen stabilen Draht zu den Mitarbeitern aufbauen, sparen Sie an anderen Stellen viel Zeit: Sie wissen einfach, was im Team los ist, wie die Stimmung, wo die Belastung ist. 

Gesundheit zum Gespräch machen

Gesundheit gehört in die Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Beispielsweise könnten Sie konkret fragen: „Wie geht es Ihnen in unserem Team? Können Sie Ihre Arbeit gut tun? Gibt es Verbesserungsmöglichkeiten“? „Was kann das Unternehmen, beziehungsweise ich als Ihre Führungskraft dafür tun, damit Sie gesund und engagiert Ihre Arbeit ausführen können?“

Belastungen und Potenziale kennen

Eine fundierte Analyse zeigt, welche Belastungen für körperliche und psychische Gesundheit in Ihrem Unternehmen aktuell relevant sind. Lassen Sie sich die Ergebnisse und Potenziale zur Intervention aufzeigen. Beziehen Sie hierbei sowohl die Beschäftigten als auch die zuständigen Experten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der Personalabteilung und des Betriebsrates mit ein.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Team ist sehr belastet, aber die Ursachen bleiben diffus, gehen Sie den Ursachen nach – zum Beispiel durch Gespräche in Workshops und Gesundheitszirkeln.

Erfolgsrezepte für richtig gute Chefs

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