Ergonomie am Arbeitsplatz So richten Sie Ihr Büro richtig ein

Dieses Büro sieht zwar schön aus, die Ergonomie kommt aber zu kurz: Der Schreibtisch ist nicht höhenverstellbar, der Stuhl hat keine Armlehnen und keine flexible Rückenlehne.

Dieses Büro sieht zwar schön aus, die Ergonomie kommt aber zu kurz: Der Schreibtisch ist nicht höhenverstellbar, der Stuhl hat keine Armlehnen und keine flexible Rückenlehne.© peshkova / Fotolia.com

Wenn es um Ergonomie am Arbeitsplatz geht, ist viel zu beachten - vom richtigen Schreibtisch über den Bürostuhl bis hin zu Bildschirm, Tastatur und Maus. Noch wichtiger als die Einrichtung ist allerdings etwas anderes.

Das Büro ist für viele Menschen wie ein zweites Zuhause – doch die tägliche Zeit am Computer bedeutet langes Sitzen und Schwerstarbeit für die Augen. Dabei können Möbel, Computer, die gesamte Hardware und der Raum selbst auf die Gesundheit einwirken – positiv oder negativ. Auch die Helligkeit, die Farben und selbst Büropflanzen beeinflussen das Raumklima erheblich. Wie hoch sollte der Schreibtischstuhl nun wirklich sein und wie kann ein „Mausarm“ verhindert werden? Was Expertin Cornelia Schneider rät.

Schreibtischstuhl

Höhenverstellbar und dynamisch – das sind zwei Schlagworte bei der Beschreibung eines modernen Bürostuhls. Höhe, Breite und Sitztiefe müssen sich der Größe und dem Gewicht des Benutzers individuell anpassen. Armlehnen sind unverzichtbar, damit die Arme das Gewicht abgeben können, und die Rückenlehne muss nach vorne und hinten beweglich sein, um den Rücken zu stützen. „Die meisten Bürostühle haben diese Funktionen, deswegen ist das Hauptproblem das Verhalten der Sitzenden und weniger die Hardware“, ist Schneider überzeugt. „Sie müssen lernen, die Stühle genau auf ihre Bedürfnisse einzustellen.“

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Die einzige richtige Sitzposition gebe es hingegen nicht: „Die beste Sitzhaltung ist die nächste“, sagt Cornelia Schneider. „Der Wechsel und die Flexibilität sind für den Körper wichtig. Im Sitzen kann man E-Mails schreiben, im Stehen telefonieren und beim Gehen ein Gespräch führen.“ Das entlaste den Rücken, mache Meetings kürzer und das Denken kreativer.

Früher habe es ein statischeres Bild gegeben von der richtigen Sitzhaltung. Zum Beispiel sollten die Knie genau im rechten Winkel gebeugt sein. „Heute werden offene Winkel empfohlen, damit keine Blutgefäße abgedrückt werden – und die Füße stehen fest auf dem Boden“, sagt Schneider. „Muskeln lieben aber nichts mehr als Bewegung.“ Wichtiger als das Sitzen seien deshalb wechselnde Sitzpositionen und das Aufstehen.

Schreibtisch

Ist der Schreibtischstuhl individuell eingestellt, folgt im zweiten Schritt der Schreibtisch. „Auch er muss höhenverstellbar sein, sonst macht die ganze Ergonomie keinen Sinn“, sagt Cornelia Schneider. Eine Neigung brauche er nur, wenn mit speziellen Vorlagen gearbeitet werde, der klassische Bürotisch dürfe flach sein. Wichtig sei, genug Fläche auf und unter dem Schreibtisch zu haben. „Bewegungsfreiheit für die Füße ist wichtig, man muss sie auch mal ausstrecken können.“

Insgesamt seien Stuhl und Tisch nur Mosaiksteine einer besseren Büroarbeit. Heute würden die Möbel, das Verhalten der Arbeitenden und das gesamte Bürosystem betrachtet, erläutert Schneider. Neben den Einzelarbeitsplätzen werde auch analysiert, wo sich die Leute treffen, wer wann mit wem reden muss, ob es Gesprächsinseln gibt und wo Pausen gemacht werden. „Das Problem ist, dass viele Arbeitgeber nicht den Blick auf das gesamte System haben“, kritisiert die Expertin.

Bildschirm, Tastatur und Maus

Der Bildschirm sollte genau wie die Möbel höhenverstellbar sein. „Ideal ist ein Abstand von 60 bis 80 Zentimetern zu den Augen“, erklärt Cornelia Schneider. „Die oberste Zeile auf dem Monitor sollte genau auf Augenhöhe sein. Die Arme liegen in einem entspannten Winkel auf dem Schreibtisch und auf keinen Fall dürfen die Ellbogen gestreckt sein“, rät die Physiotherapeutin.

Eine ergonomische Maus oder Tastatur sei nicht so entscheidend wie genug Abwechslung. „Ein Mausarm kann sich nur entwickeln, weil immer die gleiche Bewegung gemacht wird. Nicht die Maus macht den Mausarm, sondern der Benutzer.“ Nach drei Stunden sei deshalb eine Ausgleichsbewegung genau in die Gegenrichtung nötig.

Luft

Die Luft in vielen Büros ist sehr trocken. Tränende Augen und Kopfschmerzen sind dafür häufige Anzeichen. „Von Luftbefeuchtern halte ich nichts, aber regelmäßiges Lüften und wasserspeichernde Pflanzen wie Papyrus und Zimmerlinde sind nützlich“, sagt Schneider. „Wenn die Pflanzen die Blätter hängen lassen, leidet auch der Mensch.“

Farben

Groß und hell sollten die Büroräume sein. Mit viel Tageslicht – .aber auch die Wahl der Farbe ist wichtig, denn die visuelle Wirkung von getönten Wänden ist groß. Zu bunte Flächen können Stress verursachen. Auch rein weiße oder graue Wände können sich negativ auf die Mitarbeiter auswirken, sagt Schneider.

Gut seien große Freiflächen und warme Farbtöne, wie Gelb und Grün. „Ästhetik ist viel mehr als ein ’nice to have‘ am Arbeitsplatz. Sie wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit und das Bewegungssystem aus. Die meisten körperlichen Beschwerden haben einen psychosozialen Hintergrund.“

Lautstärke

Ebenfalls ein großes Problem in Büros: die Lautstärke. „Lärm ist Stress und löst in der Regel Rücken- und Nackenverspannungen aus“, sagt Schneider. Eine Lösung seien schallschluckende Elemente wie Wandbespannungen, Bodenbeläge und Besprechungsinseln. „Ein gutes Schallklima gehört heute zur Büro-Ergonomie.“ Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Artikel: „Lärm im Büro reduzieren: 10 Tipps für mehr Ruhe„.

Reisen

Flexibilität ist ein Trend in der heutigen Arbeitswelt. Die Aufgaben werden erledigt, wann und wo sie anfallen. Nicht mehr nur im Büro oder zu Hause wird am Computer gearbeitet, sondern auch im Zug, im Flugzeug oder im Bus. Sogar im Stau klappt der moderne Angestellte sein Notebook am Lenkrad auf. Die Körperhaltung wird bei diesen improvisierten Arbeitsplätzen meist vernachlässigt. „Für eine Stunde macht das nichts, der Körper hält viel aus“, meint Schneider. „Aber danach braucht er eine Gegenbewegung. Wenn man lange mit kurzem Abstand auf den Bildschirm guckt, verspannt sich die Nackenmuskulatur. Langsames Ausatmen und geschlossene Augen entspannen sie wieder.“

Augen-, Nacken- und Armübungen helfen bei der Entspannung. „Aber um sie anzuwenden, brauchen wir eine neue Pausenkultur. Wie bewegen wir uns, wie atmen wir, trinken wir genug und wo treffen wir Kollegen?“

Ein gut geplantes und eingerichtetes Büro ist jedoch nicht alles. „Die meisten Schulter- oder Rückenbeschwerden sind auch psychosozialer Natur“, betont Cornelia Schneider. Am wichtigsten sei deshalb ein wertschätzender Chef. „Wenn die Kommunikation mit ihm nicht stimmt, macht er mehr Rückenprobleme als die Büromöbel.“

Fit im Büro – mit 2 Übungen von Cornelia Schneider

Die Hängematte
Wirkung: Fördert die Durchblutung und entlastet Schultern und Nacken.

Ausführung: Setzen Sie sich ganz nach hinten in Ihrem Stuhl. Die Füße stehen fest am Boden. Verschränken Sie die Finger beider Hände ineinander und legen Sie die Hände an Ihren Hinterkopf. Ihr Kopf ruht auf Ihren Händen wie in einer Hängematte.

Lehnen Sie sich so weit wie möglich auf dem Stuhl nach hinten. Die Ellbogen gehen weit nach hinten und der Brustkorb schiebt ein Stück nach vorne. Nehmen Sie sich die Zeit und atmen Sie tief durch.

Genießen Sie mindestens 30 Sekunden diese Position. Schließen Sie die Augen und denken an etwas Schönes oder lassen Sie Ihren Blick aus dem Fenster schweifen. Strecken Sie sich und gähnen Sie genüsslich.

Augenentspannung
Wirkung: Entspannt die Augen, die vermehrt durch eine statische Belastung gefordert sind.
Ausführung: Legen Sie zwischen sich und dem Horizont fünf Positionen fest. Die erste könnte Ihre Fingerspitze sein, die letzte ein möglich weit entfernter Gegenstand. Erlauben Sie Ihren Augen, bewusst von einer Station zur nächsten zu wandern.

Blinzeln Sie: Schlagen Sie Ihre Augenlider schnell und mehrfach hintereinander auf und ab. Spüren Sie die Befeuchtung der Augen.

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