Recht + Steuern Leserfrage: Sollte man sich von der Umsatzsteuer befreien lassen?

impulse will Einzelunternehmer unterstützen. Deshalb beantworten wir zusammen mit Experten Ihre Fragen rund um das Thema Selbstständigkeit. Dieses Mal geht es um die Frage, ob es sinnvoll ist, sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien zu lassen.

Die Leserfrage: Macht es Sinn, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen?

Die Antwort des Experten:
Sogenannte Kleinunternehmer können sich von ihren umsatzsteuerlichen Pflichten befreien lassen (Kleinunternehmerregelung). Wir nehmen an, dass Sie diese Sonderregelung im Umsatzsteuerrecht meinen. Grundsätzlich unterliegt jeder Unternehmer den umsatzsteuerlichen Regelungen. Übersteigen die Umsätze im Gründungsjahr nicht 17.500 Euro, kann zur Kleinunternehmerregelung optiert werden. Das gilt allgemein auch wenn die Umsätze im Vorjahr 17.500 Euro und im laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen. Entscheidet sich der Gründer zunächst für die Umsatzsteuerpflicht, kann er erst nach fünf Jahren wieder zur Kleinunternehmerregelung optieren.

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Vorteile der Kleinunternehmerregelung sind einerseits geringere Verwaltungsaufwendungen, da keine laufenden Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuerjahreserklärungen abgegeben werden müssen. Außerdem hat man eine etwas einfachere Buchhaltung, da die Umsatzsteuer nicht extra gebucht werden muss. Insbesondere Dienstleister, die primär Umsätze gegenüber Privatleuten erbringen, habe durch den Verzicht auf den Umsatzsteuerausweis grundsätzlich einen kleinen Wettbewerbsvorteil gegenüber einem umsatzsteuerpflichtigen Wettbewerber, da die Dienstleistung unter sonst gleichen Umständen aufgrund der fehlenden Umsatzsteuerbelastung günstiger angeboten werden kann.

Vorsteuer kann nicht abgezogen werden

Nachteil der Kleinunternehmerregelung ist jedoch, dass auch die Vorsteuer aus Eingangsrechnungen nicht abgezogen werden kann. Gerade in der Gründungsphase sind oftmals erhebliche Investitionen notwendig. Der Vorsteuerabzug aus diesen Investitionskosten ist daher bares Geld wert.

Ob die Vorteile aus geringeren Bürokratiekosten und Rechnungsstellung ohne Umsatzsteuer die Nachteile aus dem fehlenden Vorsteuerabzug überwiegen, kann nur anhand des jeweiligen Einzelfalls beurteilt werden. Das sollte am besten mit dem steuerlichen Berater besprochen werden.

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3 Kommentare
  • J 27. März 2014 21:29

    Ja, ist schon richtig, trotzdem hat man ein Minus, darauf kam es mir an. Von einem Minus kann man nicht leben und wenn man nicht davon leben kann, ist man entweder Aufstocker oder hat vorher etwas gespart. In welcher der beiden Situation man sich auch befindet, man hat jede Menge um die Ohren und spart sich am besten einfach jeglichen zusätzlichen verwaltungstechnischen Aufwand. Das kleinere Minus ist Augenauswischerei, denn man hätte vielleicht auch mehr Einnahmen generiert, wenn man 19 % preiswerter gewesen wäre. Wenn man am Anfang steht, hat man meistens wenige Argumente die für einen sprechen wie Referenzen, Kundenstamm, Erfahrung etc. Also muss man sich über den Preis definieren, um überhaupt erstmal ein Bein in die Tür zu bekommen.

    „Wer sagt denn, dass jeder Kleinunternehmer erst mal mit Privatkunden startet? Das ist doch viel mehr von der Branche und der Tätigkeit abhängig.“

    Das weiß ich nicht, ich habs jedenfalls nicht behauptet, ich sprach nur von der Regel.

    „Außerdem hilft die regelmäßige Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung m.E. gerade in der Startphase dabei, die eigene Buchhaltung von Anfang an halbwegs ordentlich zu führen und alles im Blick zu behalten. Und dann stellt man fest, dass es eigentlich halb so schlimm ist und dass das Finanzamt gar nicht (immer) beißt.“

    Kann ich so nicht bestätigen, das ist nur zusätzlicher Stress. Wenn man jedoch später zur Regelbesteuerung übergeht, braucht man die Buchhaltung nur zu erweitern. Zu den Szenarien, wo das nicht so zutrifft, habe ich ja genug geschrieben.

    Letztendlich sollte man sich auch mal im Klaren darüber sein, was Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer eigentlich sind und was man selbst davon hat. Eigentlich spielt der Unternehmer hier den längeren Arm des FA, der für dieses eine Steuer eintreibt, von der er nichts als Verwaltungsaufwand hat.

  • Jessica 27. März 2014 14:45

    @ Joe: das ist so nicht richtig. Selbst wenn die eigenen Umsätze in der Gründungsphase bei Null liegen und man selbst keinen Cent Mehrwertsteuer eingenommen hat, erstattet das Finanzamt die Vorsteuer ohne zu Murren, wenn man seine Umsatzssteuervoranmeldung abgibt.
    Das Minus, das man durch die anfänglichen Kosten erwirtschaftet, wird dadurch zumindest ein wenig kleiner.

    Wer sagt denn, dass jeder Kleinunternehmer erst mal mit Privatkunden startet? Das ist doch viel mehr von der Branche und der Tätigkeit abhängig.

    Ich finden die Argumente im Artikel sehr gut und wichtig. Außerdem hilft die regelmäßige Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung m.E. gerade in der Startphase dabei, die eigene Buchhaltung von Anfang an halbwegs ordentlich zu führen und alles im Blick zu behalten. Und dann stellt man fest, dass es eigentlich halb so schlimm ist und dass das Finanzamt gar nicht (immer) beißt.

  • Joe 17. März 2014 22:16

    Da ich selbst vor dieser Frage stand und zum Jahreswechsel zur Regelbesteuerung übergehen musste, muss ich drauf hinweisen, dass ein Aspekt nicht beleuchtet wurde: Nämlich der Aspekt, dass man Die Umsatzsteuer nur erstattet bekommt, wenn mann Umsatzsteuer eingenommen hat (Hat man dies nicht, hat man ohnehin ein großes Minus erwirtschaftet).

    Sprich die Kunden müssen auch erstmal gewillt sein die Preise + Mwstr. zu zahlen. In der Regel fängt man als Kleinunternehmer aber klein an, d.h. Niedrigpreise + Privatkunden. Mit dem FA will man womöglich auch erstmal nur einmal jährlich etwas zu tun haben.

    Lohnen tut sich der direkte Einstieg mit Regelbesteuerung nur wenn man A) überwiegend geschäftliche Kunden hat u. B) weiß dass man über die 17,5K Grenze rüberkommt C) hauptsächlich Waren verkauft.

    Für alle anderen ist der Einstieg mit Kleinunternehmerregelungen tausendmal einfacherer und geeigneter.

    Der Umstieg ist zu bewältigen, wenn man vorher nett zu seinen Kunden war und temporär etwas zurückstecken kann, denn nicht jeder ist bereit 19 % mehr zu zahlen.

    Gut ist, wenn man immer seine Umsatzprognose vor Augen hat, so kann man dann auch sehen wann man zum Umstieg gezwungen ist und dementsprechend kann man vorher schon mal die Preise erhöhen, um dann schlussendlich etwas unter dem eigentlichen Nettopreis anzusetzen, damit die Erhöhung der 19 % nicht ganz so bei den Kunden auffällt^^

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